Trauerfeier in Berlin Trauern um Jackson aus der Ferne – ein Problem

In Berlin nahmen Tausende Abschied von Michael Jackson. Wer viel innere Einkehr erwartete, wurde enttäuscht

King of Pop: Am Dienstagabend in Berlin

King of Pop: Am Dienstagabend in Berlin

King of Pop: Am Dienstagabend in Berlin

Ein Lichtkreis auf trostlos grauem Beton, darin eine brennende Kerze, ein hüfthoher Blumenstrauß und noch drei weitere Gebinde. Auch ein Strauß Rosen könnte da liegen. Doch die Sicherheitsleute der Berliner O2-Arena nahmen einer Mutter den Strauß am Einlass ab, den der etwa zehnjährige Sohn an ihrer Seite besorgt hatte. Kein Zuschauer der Live-Übertragung aus Los Angeles sollte die Hallenmitte unter den Videoschirmen betreten, um neben der einsamen Kerze ein persönliches Zeichen zu setzen.

Im Foyer der Arena lagen Kondolenzbücher aus, es gab Verkaufsstände mit Jackson-T-Shirts. Routiniert gedankenlos wünschte der Einlasskontrolleur "Viel Spaß", und nachdem er das Gratis-Ticket abgerissen hatte, korrigierte er sich schnell: "…na ja, Sie wissen schon…"

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Es war eine schöne Geste, das jüngste, größte und teuerste Konzerthaus der Hauptstadt der vermutlich reichweitenstärksten Live-Übertragung der Welt zu öffnen und die 15.000 Tickets dafür verschenken zu wollen. Den Fans in Köln, Frankfurt oder anderswo blieben am Tag des Jacko-Abschieds nur Kinos, Theater, Kneipen oder öffentliche Plätze, um gemeinsam das Ereignis am Großbildschirm zu verfolgen.

Doch schnell wurde klar: Für Trauer sind solche Stätten nicht gemacht. In der Arena herrschte Freude, sogar Begeisterung. Michael Jackson wurde verabschiedet, wie er gelebt hatte: nicht leise, sondern mit viel Musik und Tanz. Zwischendurch mal eine Cola? Ein halber Liter zu 3,80 Euro. Oder eine Caipirinha für etwas mehr.

In der O2-Arena hätten 15.000 Jackson-Fans Platz gefunden, etwa ein Drittel davon sind gekommen. Sie wiegten ihre Körper zur Musik zwischen den Trauerreden, manche standen auf. Zu den Hymnen Heal the World und We are the World ließen sie Feuerzeuge leuchten oder klatschten im Takt. Nur einige wenige hatten sich abseits gesetzt, vergossen stille Tränen.

In einer ähnlichen Halle wie der Berliner O2-Arena wollte Jackson in London auftreten. Sein für Juli geplantes Comeback war bereits ausverkauft. Nun stand er nicht, sondern lag in einem Sarg aus goldglänzendem Metall auf der großen Bühne des Staples Center in Los Angeles, von Blumen bedeckt.

Wie er dort lag, war er kein unerreichbarer Star, schon gar keine Gottheit. Im Tod ist Michael Jackson, der Präzise, der Perfektionist, der Überirdische, wieder sehr menschlich geworden.

 
Leser-Kommentare
  1. Anscheinend schienen Herr Tilman Steffen und ich verschiedene Veranstaltungen besucht zu haben.

    Der Unterrang war bis auf einige Lücken fast vollständig besetzt. Und wenn man bedenkt, dass auch im Oberrang hunderte von Sitze besetzt waren sowie das der Unterrang mehr Plätze als der Oberrang umfasst, dann schien die O2 World in Berlin mindestens zur Hälfte besetzt gewesen zu sein.

    Mal wieder hat man es mit einem Journalismus der Halbwahrheiten zu tun, denn Herr Tilman Steffen verliert kein einziges Wort darüber, dass die O2 World erst 17 Stunden vor der in Rede stehenden Veranstaltung sich dazu entschlossen hat, auch in die 02 World die Trauerfeier live übertragen zu wollen und es sehr viele nur per Zufall erfahren haben!

    Ich weiß nicht, wo dieser Journalist gesessen haben möchte, aber sehr aufmerksam schien er die Szenerie nicht beobachtet zu haben, denn auch wenn man bei HEAL THE WORLD oder auch WE ARE THE WORLD fleißig in die Hände klatschte, hatten viele Tränen in den Augen - mich eingeschlossen!

    Das inbunstig mitgesungen wurde, war eben ein Tribut der mitsingenden Fans für den KING OF POP.

  2. Redaktion

    Hallo Depeche<>Mode, die Zahl von 5000 Besuchern hat der Veranstalter selbst angegeben. Tilman Steffen ZEIT ONLINE

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