Junge Politiker Sie kandidieren wieder, trotz allemSeite 3/3
Jetzt wirkt Friedrich gar nicht mehr so fröhlich wie noch zu Beginn des Gesprächs. Es gibt noch mehr Schattenseiten. Einmal angefangen, fallen ihm einige ein. Sehr häufig müsste er um fünf Uhr früh aufstehen und die Wochenenden durcharbeiten. Seine beiden kleinen Kinder sieht er kaum. Außerdem fremdelt er mit Berlin. Er fühle sich "hier wie auf Montage", sagt er, und dass er eigentlich "kein Großstadtmensch" sei. Das schönste Gebäude in Berlin sei der Flugsteig in Tegel, von dem er heim an den Bodensee fliegt. Einen privaten Freundeskreis hat er hier nicht aufgebaut. Was er denn abends mache? "Man kann sich auch mit Arbeit betäuben", antwortet er.
In seiner Kritik an der Regierung und am Parlamentarismus ähnelt Friedrich frappierend den beiden Oppositionspolitikern Dagdelen und Ackermann. Letztlich seien die Abgeordneten als "Abwickler der Bundesregierung" ohnmächtig. Bei solch eindeutigen Mehrheitsverhältnissen wie derzeit bräuchte man schon 60 Mitstreiter, um auf die Große Koalition einzuwirken. Dabei steige die Qualität der Debatte ungemein, wenn die Mehrheit vorher noch nicht feststeht. Aber so lange sich an den Mehrheitsverhältnissen nichts ändere, bleibe man gefangen – im "Raumschiff".
Hier lesen Sie hier den zweiten Teil. Was denken die schwarz-grünen Nachwuchshoffnungen? Philipp Mißfelder und Gerhard Schick im Gespräch mit ZEIT ONLINE.
*) Diese Passage haben wir aufgrund eines Fehlers nachträglich geändert. Wir bitten um Entschuldigung.
Im oben veröffentlichten Text wurde die Behauptung verbreitet, dass auf dem Computer von Jörg Tauss, MdB, kinderpornographisches Material gefunden worden wäre.
Hierzu stellen wir fest:
Diese Nachricht ist nicht zutreffend. Richtig ist: Auf dem Computer von Herrn Tauss wurde zu keinem Zeitpunkt kinderpornographisches Material gefunden. Dafür wurde aber in der Berliner Wohnung des Herrn Tauss außerhalb von
Computern und Rechnern kinderpornographisches Bildmaterial gefunden.
Die Redaktion
- Datum 22.07.2009 - 10:38 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT ONLINE 9.7.2009
- Kommentare 14
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:





Ein interessanter Artikel, der einen kurzen aber spannenden Einlick in das Leben als Jungpolitiker gibt. Leider wurde bei der Aussage zu Tauss mal wieder (wie in vielen anderen Reportagen auch) schlecht recherchiert:
(entfernt. Diese Passage wurde im Originalartikel geändert. Die Redaktion/jk)
Tatsächlich ist Tauss erst lange nachdem das Material bei ihm gefunden wurde aus der SPD ausgetreten, nämlich als Reaktion auf den Beschluss des umstrittenen Internetzensurgesetzes. Die aus dieser Fehldarstellung resultierende Implikation zwischen Piratenpartei und Kinderpornographie hinterlässt einen faden Beigeschmack beim Lesen dieses ansonsten spannenden Artikels.
Das wirklich Falsche an dem, was über Tauss geschrieben wurde ist ja, daß angeblich Material auf seinem Computer gefunden wurde. Das ist aber gerade nicht der Fall, bei Herrn Tauss wurde ein Koffer mit "einschlägigem Material" gefunden, das gerade NICHT aus dem Internet stammt und somit auch nicht auf seinem Rechner lag.
Herr Tauss hat nach eigener Aussage dieses Material bei Recherchen zu den Verbreitungswegen von dokumentiertem Kindesmißbrauch zusammengesammelt. Liebe Zeit-Autoren, bitte vorverurteilen Sie nicht den seit Jahren gegen den die Verbreitung im Internet kämpfenden Herrn Tauss.
Das wirklich Falsche an dem, was über Tauss geschrieben wurde ist ja, daß angeblich Material auf seinem Computer gefunden wurde. Das ist aber gerade nicht der Fall, bei Herrn Tauss wurde ein Koffer mit "einschlägigem Material" gefunden, das gerade NICHT aus dem Internet stammt und somit auch nicht auf seinem Rechner lag.
Herr Tauss hat nach eigener Aussage dieses Material bei Recherchen zu den Verbreitungswegen von dokumentiertem Kindesmißbrauch zusammengesammelt. Liebe Zeit-Autoren, bitte vorverurteilen Sie nicht den seit Jahren gegen den die Verbreitung im Internet kämpfenden Herrn Tauss.
Liebe junge Abgeordnete: Herzlich Willkommen im wahren Leben! Normalbürger machen das Gleiche durch wie Ihr. In der Regel kommt man in Unternehmen auch nicht an den alten Platzhirschen vorbei, die überall ihre Duftmarken gesetzt haben und alles vermeiden, was ihren Status quo gefährdet. Ist doch egal, ob eine Firma oder eine Partei an die Wand fährt. Nach mir die Sinnflut! Das Schlimme an der Sache ist, dass der Nachwuchs diese Mechanismen früher oder später übernimmt, weil sie ja scheinbar zum Erfolg führen. Und schon beginnt das Spiel aufs Neue. Karriere macht man immer auf die gleiche Art und Weise: Mit Spikes an den Ellenbogen! Den Unterlegenen kann man dann was von "Soft Skills" erzählen, die ihnen angeblich fehlen, um im die erste Reihe vorzurücken. Welche Lösungen gibt es? Man macht den Zirkus zähneknirschend mit und hofft, so konditioniert ans Ziel zu kommen. Oder: Man definiert das Wort "Karriere" neu und versucht, im Rahmen seiner individuellen Möglichkeiten das Beste aus seinem Beruf zu machen. Ändern kann man das System so schnell nicht.
Im Politik- und Wirtschaftsbetrieb fehlen Persönlichkeiten, die neue Wege einschlagen. Es dominieren Karrieristen, Besitzstandswahrer, Verwalter, Angepasste und Bremser. Nicht gut für ein Exportland, dem der eisige Wind der Globalisierung immer wuchtiger ins Gesicht bläst. Auch nicht gut für eine Gesellschaft, die vor riesigen Veränderungen steht und Nachwuchspolitiker mit Mut, Weitblick und Verantwortungsgefühl bräuchte, doch die scheinen am gegewärtigen System zu scheitern. Oder halten die 5 porträtierten Damen und Herren durch, bis sie größere Gestaltungsmöglichkeiten bekommen? Kann sein. Wünschenswert wäre es auf jeden Fall, denn wir brauchen dringend unverbrauchte Politikerpersönlichkeiten mit Mumm in den Knochen. Damen und Herren, die noch nicht Teil der gut geölten Lobbymaschinerie Made in Germany sind oder in x Gremien sitzen, um dort - Lichtjahre vom Wähler entfernt - ihren wahren Herren zu dienen.
Da haben sie leider nur Recht. Das weitaus größere Problem ist die offene Parteiendiktatur hier in Deutschland. Der Einfluss des Wählers tendiert immer mehr gegen 0 und diese Ohnmacht ist letztlich eine Folge des jetzigen Systems.
Doch was besteht abseits der Parteien? Offene "Demokraten" (und zwar wirklich die, die ihre Meinung sagen können ohne eine Vorfertigung seitens der Lobby) werden als Verräter beschrien und in der Union gab es das bis vor kurzem de facto gar nicht. Selbst bei allem Respekt vor der Arbeit der Jungpolitiker muss ich leider sagen, dass ich befürchte, dass sie entweder selbst in ihrer Position verharren oder aber weiterkommen und am Ende den selben Müll labern wie z.T. viele ihrer Vorgänger, denn eine Partei kennt vor allem eines sehr gut; Die Propaganda und dazu bedarf es keines Göbbels...
Da haben sie leider nur Recht. Das weitaus größere Problem ist die offene Parteiendiktatur hier in Deutschland. Der Einfluss des Wählers tendiert immer mehr gegen 0 und diese Ohnmacht ist letztlich eine Folge des jetzigen Systems.
Doch was besteht abseits der Parteien? Offene "Demokraten" (und zwar wirklich die, die ihre Meinung sagen können ohne eine Vorfertigung seitens der Lobby) werden als Verräter beschrien und in der Union gab es das bis vor kurzem de facto gar nicht. Selbst bei allem Respekt vor der Arbeit der Jungpolitiker muss ich leider sagen, dass ich befürchte, dass sie entweder selbst in ihrer Position verharren oder aber weiterkommen und am Ende den selben Müll labern wie z.T. viele ihrer Vorgänger, denn eine Partei kennt vor allem eines sehr gut; Die Propaganda und dazu bedarf es keines Göbbels...
Da haben sie leider nur Recht. Das weitaus größere Problem ist die offene Parteiendiktatur hier in Deutschland. Der Einfluss des Wählers tendiert immer mehr gegen 0 und diese Ohnmacht ist letztlich eine Folge des jetzigen Systems.
Doch was besteht abseits der Parteien? Offene "Demokraten" (und zwar wirklich die, die ihre Meinung sagen können ohne eine Vorfertigung seitens der Lobby) werden als Verräter beschrien und in der Union gab es das bis vor kurzem de facto gar nicht. Selbst bei allem Respekt vor der Arbeit der Jungpolitiker muss ich leider sagen, dass ich befürchte, dass sie entweder selbst in ihrer Position verharren oder aber weiterkommen und am Ende den selben Müll labern wie z.T. viele ihrer Vorgänger, denn eine Partei kennt vor allem eines sehr gut; Die Propaganda und dazu bedarf es keines Göbbels...
Der durch recht starke Abstraktion wirkende, nahezu an Falschaussage grenzende Seitenhieb auf Tauss war vom Autoren sicher nicht ganz unbeabsichtigt.
Trotz dieses Schnitzers.. interessanter Artikel. Es würde mich freuen, mehr aus dem politischen Alltag Berlins zu lesen.
Was soll man denken, wenn man diesen Artikel gelesen hat? Mmir ist irgendwie ein wenig flau im Magen. Ja, ich hatte überlegt mich politisch zu engagiieren, ja, eigentlich wollte ich etwas ändern. Aber wie mir scheint, ist selbst der Bundestag nicht der richtige Platz um etwas zu ändern. Die drei vorgestellten Politiker sind mir alle samt nicht sehr angenehm. Der Erste ist höflich, aber wirkt fehl am Platze, die Zweite scheint begeisterter von sich als von allem anderen und der Dritte ist eben besagter auf den eigenen Erfolg fixiert. Auch der Umgang im Parlament miteinander scheint fraglich: Es ist die Rede von Hackordnung usw. Es ist also wirklich so, dass es 20-30 Stars gibt und der Rest ist Klatschvieh.
Naja ein Gefühl kristallisiert sich dann doch heraus: Ablehnung gegen dieses aktive Politische leben.
Schon etwas beängstigent, dass die Zügel dieses Landes in den Händen dieser traurigen Menschen liegt.
"...eigentlich wollte ich etwas ändern. Aber wie mir scheint, ist selbst der Bundestag nicht der richtige Platz um etwas zu ändern..."
Für politischen Einfluß müssen wir erst kämpfen (es sei denn du willst eine zermürbende und korrumpierende Karriere im Parteiapparat machen), das kannst du z.B. bei und mit: www.mehr-demokratie.de
Zur Zeit kämpft der Verein gerade für den bundesweiten Volksentscheid, den man hier direkt unterstützen kann.
Imho ist es am sinnvollsten, den Einfluß der Bevölkerung auf die Politik sicherzustellen und sich anschließend in entsprechenden konkreten Projekten zu engagieren, die einem zusagen.
"...eigentlich wollte ich etwas ändern. Aber wie mir scheint, ist selbst der Bundestag nicht der richtige Platz um etwas zu ändern..."
Für politischen Einfluß müssen wir erst kämpfen (es sei denn du willst eine zermürbende und korrumpierende Karriere im Parteiapparat machen), das kannst du z.B. bei und mit: www.mehr-demokratie.de
Zur Zeit kämpft der Verein gerade für den bundesweiten Volksentscheid, den man hier direkt unterstützen kann.
Imho ist es am sinnvollsten, den Einfluß der Bevölkerung auf die Politik sicherzustellen und sich anschließend in entsprechenden konkreten Projekten zu engagieren, die einem zusagen.
In dem Artikel wird ein Problem deutlich, das sehr stark zur Politikverdrossenheit beiträgt. Die Politiker sind zu sehr mit Ränkeschmieden, mit dem Basteln an der eigenen Karriere und dem Kampf um Posten beschäftigt, dass kaum mehr Energie dazu bleibt, um sich um die drängenden Probleme unsere Landes zu kümmern. Es gibt einen Mangel an Ideen, Kreativität und Visionen für die nächsten Jahrzehnte; es fehlen Querdenker und Menschen mit Profil und Charakter, denen man abnimmt, dass sie authentisch sind und sich um das Wohl der Bevölkerung kümmern. Stattdessen verkaufen nicht wenige Politiker ihre Seelen an bestimmte Lobbygruppen, die ihnen nach dem Ausscheiden aus der aktiven Politik äußerst lukrative Posten offerieren bzw. bereits während der Zeit im Parlament gutbezahlte Nebentätigkeiten ermöglichen. Es ist kein Wunder, dass sich viele Wähler zunehmend fragen, warum sie mit ihren Steuergeldern ein solche überversorgte Kaste finanzieren müssen, die ihre Interessen kaum vertritt.
Keine Politpromis mehr ins Kabinett, abgesehen von Kanzler und Vize (sinnvollerweise der Außenminister). Und schon mutiert das Kabinett von der quasi-Legislative zur Exekutive. Es spricht auch nichts dafür, dass der XY-Minister stärker in der Öffentlichkeit steht als die XY-politischen Sprecher der Regierungsfraktionen.
Die aktuelle Politik ist ein jämmerliches Umherschieben des Schwarzen Peters. Und weil man als Minister einen so schönen Gehaltsaufschlag und so schön viel mehr Einfluss bekommt, wird sich das auch nicht ändern. Bis mal eine Partei (das wird dann wohl meine :-) ) irgendwann mal vor einer Wahl ankündigt, das so zu handhaben - und plötzlich 5%-Punkte mehr hat.
Das wirklich Falsche an dem, was über Tauss geschrieben wurde ist ja, daß angeblich Material auf seinem Computer gefunden wurde. Das ist aber gerade nicht der Fall, bei Herrn Tauss wurde ein Koffer mit "einschlägigem Material" gefunden, das gerade NICHT aus dem Internet stammt und somit auch nicht auf seinem Rechner lag.
Herr Tauss hat nach eigener Aussage dieses Material bei Recherchen zu den Verbreitungswegen von dokumentiertem Kindesmißbrauch zusammengesammelt. Liebe Zeit-Autoren, bitte vorverurteilen Sie nicht den seit Jahren gegen den die Verbreitung im Internet kämpfenden Herrn Tauss.
Lieber Gerd Eist, Sie haben Recht. Wir haben die entsprechende Passage korrigiert. Wir bitten für den Fehler um Entschuldigung. Haben Sie herzlichen Dank für den Hinweis.
Beste Grüße,
Markus Horeld
ZEIT ONLINE
Lieber Gerd Eist, Sie haben Recht. Wir haben die entsprechende Passage korrigiert. Wir bitten für den Fehler um Entschuldigung. Haben Sie herzlichen Dank für den Hinweis.
Beste Grüße,
Markus Horeld
ZEIT ONLINE
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren