Wahlkampf Lafontaines Revolutionstheater
Was für ein Schauspiel: Der Chef der Linkspartei besucht die Hamburger "Marat"-Inszenierung und diskutiert mit dem Publikum über den Klassenkampf in Zeiten der Finanzkrise
Die Revolution beginnt um kurz nach halb acht. Oskar Lafontaine trifft im Hamburger Schauspielhaus ein, umlagert von Kameras. Auf dem Programm: Wahlkampf in Krisenzeiten. Und: Peter Weiss' Stück Die Verfolgung und Ermordung Jean Paul Marats dargestellt durch die Schauspielgruppe des Hospizes zu Charenton unter Anleitung des Herrn de Sade. Der Regisseur Volker Lösch und die Dramaturgin Beate Seidel nennen es: Marat, was ist aus unserer Revolution geworden? Eine zeitgenössische, freie Adaption des Stoffes und eine Sternstunde des Politkabaretts.
Auf der Bühne: 24 Hartz-IV-Empfänger, die zu den ärmsten Einwohnern Hamburgs zählen. Im Fokus: einige der reichsten Bewohner Deutschlands, allesamt Hamburger. Gegen Ende des Stückes werden Ihre Namen vom "Chor der Armen" verlesen. "Heinz Bauer", heißt es dann etwa, "2,9 Milliarden!" Oder: "Familie Otto, 8,1 Milliarden!" Die Namen werden mitsamt den dazugehörigen Adressen in Hamburg genannt.
Als das Stück im vergangenen Oktober Premiere feierte, erregte es einen kleinen Skandal. Einige der Superreichen gingen gerichtlich gegen die Nennung ihres Namens im Stück vor. Was seltsam anmutet, da das Manager-Magazin zuvor dieselben Namen gedruckt hatte, ohne dass irgendjemand daran Anstoß nahm. Den Unterschied scheint die Bühne zu machen. Doch Arm und Reich gesellen sich nicht gern zusammen, nicht einmal im Theater. Und so darf das bürgerliche Publikum im Schauspielhaus sich zwei Stunden lang wohlig gruseln – und von Revolution träumen.
Es ist der Kunstgriff in Volker Löschs Agitprop-Stück, dass diejenigen, die im Schauspielhaus die Revolution beklatschen, ihre eigene Abschaffung bejubeln. Schwerlich lässt sich dieser revolutionäre Impetus ins wirkliche Leben übertragen, möglicherweise könnte er zumindest das politische Theater neu beleben. Aber halt! Kann man mit diesem Stück nicht die eine oder andere Wählerstimme einfangen?
Wohlmöglich hat Oskar Lafontaine sich das erhofft. Aus purem Privatinteresse ist er sicherlich nicht nach Hamburg gereist. Auf dem Papier mag dem Chef der Linkspartei auch die Versuchsanordnung in Löschs Inszenierung gefallen haben. Lösch verlagert Weiss‘ Revolutionsdrama aus der Irrenanstalt in eine mit Discounter-Logo bedruckte Gummizelle, in der die Ärmsten der Armen gegen Konsumterror und Hartz-IV anrennen, sediert von einer Art Sozialtherapeut im Uli-Hoeneß-Outfit.
Marat (Achim Buch) taucht gleich in mehreren Inkarnationen auf: als Lenin, Fidel Castro, Rudi Dutschke – und Oskar Lafontaine. Allesamt sind sie Parodien ihrer selbst. Den Bühnen-Lafontaine ereilt am Ende Marats Schicksal. Er wird ermordet von Charlotte Corday (Jana Schulz) in einer der befremdlichsten Szenen des gesamten Stückes, die an das tatsächliche Attentat auf Lafontaine aus dem Jahre 1990 erinnert.
Lafontaines-Double auf der Bühne trägt einen Schmerbauch. Im wirklichen Leben sitzt der Politiker braungebrannt in der siebten Reihe des Schauspielhauses und lächelt im kurzen blauen Hemd ein gequältes Oskar-Lafontaine-Lächeln, während sich sein Doppelgänger auf der Bühne zum Affen macht.
Später wird der routinierte Politiker sagen, ihm habe das Stück eigentlich ganz gut gefallen, er wünsche sich mehr politisches Theater auf deutschen Bühnen, und er habe schon überlegt, den Hartz-IV-Chor zum Parteitag der Linkspartei einzuladen. Die anschließende Diskussion im überfüllten Malersaal gerät zur Parteiveranstaltung, in der sich Lafontaine-Befürworter und Gegner gegenüber stehen. Zwischenzeitlich erinnert das an ein Teach-In aus den Sechzigern, dann an Politkabarett – je nach Sichtweise. Zwei junge, linke Damen aus Tübingen begeistern sich für das Ideenstück Marat, ein älterer Herr echauffiert sich, der Hartz-IV-Chor meldet sich zu Wort. Es ist von Belegschaftsbeteiligung die Rede, von Generalstreik, von Lafontaines "Verfehlungen" in der Vergangenheit, von Glaubwürdigkeit.
Der Regisseur Volker Lösch bestätigt Lafontaine ein schauspielerisches Talent und stellt die Frage, ob das für einen Politiker eigentlich eine Auszeichnung sei. Lafontaine lächelt. Er habe nie gegen seine Überzeugungen gehandelt. Rhetorisch kann mit ihm an diesem Abend niemand mithalten. Am 27. September ist Bundestagswahl. Insgeheim wird er wohl denken: "Welchen Lafontaine hätten S’ denn gern?"
- Datum 03.07.2009 - 16:11 Uhr
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Ein Hartz4 empfänger Chor auf der Bühne und eine anschließende Diskussion mit Oscar Lafontaine scheint mir allemal anregender als ein weiterer weiterer weiterer [...]-Beitrag in der ZEIT. Das Lafontaine ein charakterloser Populist und Volksverhetzer ist, wurde hier doch zu genüge behauptet. Als Journalist fände ich es würdelos und unmännlich die tausendste Variation dieser preiswerten Po-lemik zu liefern, gerade dann, wenn es von mir gefordert oder erwartet würde.
[Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Vielen Dank. / Die Redaktion as]
Ich kann Ihnen nur zustimmen.
Pressefreiheit scheint mehr und mehr die Freiheit von einigen mächtigen Interessengruppen und Individuen zu sein, ihre Meinung verbreiten zu lassen.
Wenn sich ein CSU-Politiker auf einem Volksfest in einer launigen Rede politisch äußert, ist das natürlich vollkommen in Ordnung.
Lafontaine kann es den staatstragenden Medien nicht recht machen - die Angst, dass sich der Wähler nicht ewig manipulieren lässt, scheint groß zu sein.
Wo bleiben die Berichte über die Hintergründe der HRE-Rettung?
Wo bleiben die Berichte über die Hintergründe der Arbeitslosenquote?
Wo bleiben die Berichte über die Nutznießer der Privatisierungen?
Wo bleiben die Berichte über die Konsequenzen der Privatisierung für den Bürger?
... die Zeitungsfürsten sind heute weniger dem Journalismus verpflichtet als ihrem wirtschaftlichen Fortkommen. Zum einen heißt das natürlich, dass sie als Arbeitgeber den Herrn Lafontaine als natürlichen Feind wahrnehmen, zum anderen -- und das entwickelt sich zurzeit gar possierlich -- sind sie sich als harte Wirtschaftsliberale, die seit Jahren vom eingeschüchterten 0815-Angestellten und -Arbeiter immer noch mehr Eigenverantwortung abverlangen, auch nicht zu schade, vom Staat Privilegien zu erbetteln, die in neu zu schaffenden Leistungsschutzrechten für die Arbeiten ihrer Redakteure münden sollen (Anm. neue Urheberrechte).
Milliardär und Verleger Herbert Burda vorne weg, Springer hinterher und die anderen Blätter leisten nach Kräften Schützenhilfe durch flankierende Meinungsartikel über z. B. "Qualitätsjournalismus", wieder andere Verleger starten Aktivitäten wie den Heidelberger Appell mit vielen Unterschriften Überrumpelter. Komischerweise entwickelten sich die Geschäfte der beiden erst genannten Wortführer entgegen dem allgemeinen Trend ganz vorzüglich, aber die beiden wären nicht so weit gekommen, wenn sie nicht ihre Chancen erkennen und nutzen könnten.
Uns bleibt der Journalismus, der unter solchen Bedingungen eben noch möglich. Und so ist Lafontaine der Böse und Guttenberg der Gute, wenn privatisierte Energieanbieter teuer sind, ist das eben Marktwirtschaft, wenn privatisierte Telekomunikationsanbieter die Kunden bei Problemen im Regen stehen lassen, ist das ein Markteffekt, wenn der Infrastrukturausbau nicht weiter kommt, ist das eine Frage der Rentabilität, wenn die Gemeinden kein Geld mehr für Schulen und Straßen haben, ist das ein Problem des Haushaltens und so weiter und so fort.
Wenn die gesellschaftlichen Probleme auf simple Geldprobleme reduziert werden können und gleichzeitig die diskursbestimmenden Medien nicht mehr fordern, dass die die das Geld haben, auch zu geben haben, dann haben sie nichts weniger, als sich ihre optimale Welt der pflichtfreien "Leistungsträger" designet.
Ich kann Ihnen nur zustimmen.
Pressefreiheit scheint mehr und mehr die Freiheit von einigen mächtigen Interessengruppen und Individuen zu sein, ihre Meinung verbreiten zu lassen.
Wenn sich ein CSU-Politiker auf einem Volksfest in einer launigen Rede politisch äußert, ist das natürlich vollkommen in Ordnung.
Lafontaine kann es den staatstragenden Medien nicht recht machen - die Angst, dass sich der Wähler nicht ewig manipulieren lässt, scheint groß zu sein.
Wo bleiben die Berichte über die Hintergründe der HRE-Rettung?
Wo bleiben die Berichte über die Hintergründe der Arbeitslosenquote?
Wo bleiben die Berichte über die Nutznießer der Privatisierungen?
Wo bleiben die Berichte über die Konsequenzen der Privatisierung für den Bürger?
... die Zeitungsfürsten sind heute weniger dem Journalismus verpflichtet als ihrem wirtschaftlichen Fortkommen. Zum einen heißt das natürlich, dass sie als Arbeitgeber den Herrn Lafontaine als natürlichen Feind wahrnehmen, zum anderen -- und das entwickelt sich zurzeit gar possierlich -- sind sie sich als harte Wirtschaftsliberale, die seit Jahren vom eingeschüchterten 0815-Angestellten und -Arbeiter immer noch mehr Eigenverantwortung abverlangen, auch nicht zu schade, vom Staat Privilegien zu erbetteln, die in neu zu schaffenden Leistungsschutzrechten für die Arbeiten ihrer Redakteure münden sollen (Anm. neue Urheberrechte).
Milliardär und Verleger Herbert Burda vorne weg, Springer hinterher und die anderen Blätter leisten nach Kräften Schützenhilfe durch flankierende Meinungsartikel über z. B. "Qualitätsjournalismus", wieder andere Verleger starten Aktivitäten wie den Heidelberger Appell mit vielen Unterschriften Überrumpelter. Komischerweise entwickelten sich die Geschäfte der beiden erst genannten Wortführer entgegen dem allgemeinen Trend ganz vorzüglich, aber die beiden wären nicht so weit gekommen, wenn sie nicht ihre Chancen erkennen und nutzen könnten.
Uns bleibt der Journalismus, der unter solchen Bedingungen eben noch möglich. Und so ist Lafontaine der Böse und Guttenberg der Gute, wenn privatisierte Energieanbieter teuer sind, ist das eben Marktwirtschaft, wenn privatisierte Telekomunikationsanbieter die Kunden bei Problemen im Regen stehen lassen, ist das ein Markteffekt, wenn der Infrastrukturausbau nicht weiter kommt, ist das eine Frage der Rentabilität, wenn die Gemeinden kein Geld mehr für Schulen und Straßen haben, ist das ein Problem des Haushaltens und so weiter und so fort.
Wenn die gesellschaftlichen Probleme auf simple Geldprobleme reduziert werden können und gleichzeitig die diskursbestimmenden Medien nicht mehr fordern, dass die die das Geld haben, auch zu geben haben, dann haben sie nichts weniger, als sich ihre optimale Welt der pflichtfreien "Leistungsträger" designet.
Ich kann Ihnen nur zustimmen.
Pressefreiheit scheint mehr und mehr die Freiheit von einigen mächtigen Interessengruppen und Individuen zu sein, ihre Meinung verbreiten zu lassen.
Wenn sich ein CSU-Politiker auf einem Volksfest in einer launigen Rede politisch äußert, ist das natürlich vollkommen in Ordnung.
Lafontaine kann es den staatstragenden Medien nicht recht machen - die Angst, dass sich der Wähler nicht ewig manipulieren lässt, scheint groß zu sein.
Wo bleiben die Berichte über die Hintergründe der HRE-Rettung?
Wo bleiben die Berichte über die Hintergründe der Arbeitslosenquote?
Wo bleiben die Berichte über die Nutznießer der Privatisierungen?
Wo bleiben die Berichte über die Konsequenzen der Privatisierung für den Bürger?
die Nutznießer der Privatisierung von Bahn, Strom und Telekommunikation sind doch bekannt. Es sind letztendlich wir alle, denn ohne diese Privatisierung wäre der Staatshaushalt noch verschuldeter und die Konsequenzen hinsichtlich Steuerpflicht zumindest für den Normalverdiener und Geringverdiener noch gravierender.
die Nutznießer der Privatisierung von Bahn, Strom und Telekommunikation sind doch bekannt. Es sind letztendlich wir alle, denn ohne diese Privatisierung wäre der Staatshaushalt noch verschuldeter und die Konsequenzen hinsichtlich Steuerpflicht zumindest für den Normalverdiener und Geringverdiener noch gravierender.
Island, entthronters Vorzeigeland der Neoliberalen Ideologen zeigt wie es weitergehen wird... nämlich mit höheren Steuern. Dies ganz im Gegensatz zu gewissen Vorwahlkampftaktiken die das Gegenteil behaupten.
Gespart wird gerne bei allen möglichen sozial bedürftigen Gruppierungen wobei mit Vorteil diese ausgewählt werden die sich in viele kleinere Gruppen aufteilen so das diese ja nicht auf gemeinsame Gedanken kommen.
Woher sonst sollte auch das Kapital des Haushaltes für die nächste Generation kommen. Viele Wege bleiben dabei nicht übrig... Bundesanleihen oder die üblichen Steuern bzw. eine gewichtete Kombination der beiden. Kosten entstehen so der so... einmal mit Zinszahlungen das andere mal mit höheren direkten Steuern...
Gerde eben weil die vergangenen +20 jahre Indoktrination (bei gleichzeitigen Fertigmachen der Kritiker dieses Systems) die allermeisten von uns in unzählige Gesellschaftliche Sackgassen gebracht haben sind Gegenstimmen wie etwa die von O. Lafontaine, auch wieder für die meisten von uns, irgendwie fast Ueberlebenswichtig...
;-)
“When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Hélder Câmara
die Nutznießer der Privatisierung von Bahn, Strom und Telekommunikation sind doch bekannt. Es sind letztendlich wir alle, denn ohne diese Privatisierung wäre der Staatshaushalt noch verschuldeter und die Konsequenzen hinsichtlich Steuerpflicht zumindest für den Normalverdiener und Geringverdiener noch gravierender.
Sie irren sich. Der Staat hätte die Einnahmen, die jetzt die Aktionäre bekommen.
Und wir müssten nicht die überhöhten Preise bezahlen.
Dabei aber nicht vergessen das gerade wegen der unzähligen Steuererleichterungen der vergangenen 20 Jahre, beinahe exklusiv für Kapitalbesitzer, so mancher Staatshaushalt in die roten gerutscht ist...
Die schwarzen versuchte man dann u.a. mittels Privatisierungen wieder zu erreichen... zumindest wurde dies als Grund oft angegeben. Das sich bei diesen Transfers von Gemeingut in rein Private Hände so macher Investor die Hände gerieben hat ob der sicheren Gewinne kam (und kommt) erst so nach und nach an's Tageslicht.
;-)
“When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Hélder Câmara
Sie irren sich. Der Staat hätte die Einnahmen, die jetzt die Aktionäre bekommen.
Und wir müssten nicht die überhöhten Preise bezahlen.
Dabei aber nicht vergessen das gerade wegen der unzähligen Steuererleichterungen der vergangenen 20 Jahre, beinahe exklusiv für Kapitalbesitzer, so mancher Staatshaushalt in die roten gerutscht ist...
Die schwarzen versuchte man dann u.a. mittels Privatisierungen wieder zu erreichen... zumindest wurde dies als Grund oft angegeben. Das sich bei diesen Transfers von Gemeingut in rein Private Hände so macher Investor die Hände gerieben hat ob der sicheren Gewinne kam (und kommt) erst so nach und nach an's Tageslicht.
;-)
“When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Hélder Câmara
für alt eingesessenes Klientel der Finanzkaste. Spätestens dann, wenn feststeht, daß aus solch einer Privatisierung effektiv Gewinn gezogen werden kann. Der Beispiele gibt es viele.
Eine echte Privatisierung wäre mich dann, wenn sich privates Kapital ohne Wenn und Aber einem echten Wettbewerb stellen würde und staatliches Unternehmertum dort zurückdrängen würde, wo es absolut Sinn macht. Wer in Zeiten von lahmen Flügelenten eines Adlers noch gut profitiert, sind doch gerade die gleichen, die andere um die Wertschöpfung gebracht haben. Das sollte sich der Wähler spätestens an der Urne bewußt sein.
Im übrigen Theater lebt immer noch von der Vergangenheit gut. Irgendwie daneben, wenn ein Schauspieler von der Güte OL in der Gegenwart präsent bleibt. Und dies ist offensichtlich ein Manöver von vielen abhängig Beschäftigten und deren Nutznießer ein Dorn im Fleisch.
Fehlt nur noch den Gedanken vervollständigen zu wollen. Die "Sozen" können nicht mit dem Bimbes umgehen. Hat sich mal irgendein schwarzer oder gelber Vollblutpolitiker dem Gedanken hingegeben, daß sie es selbst nicht können und nur die Macht soweit es irgendwie möglich auszusitzen, bis Frau Merkel, wie weiland andere aus dem Amt getragen werden. Mir schwant Grauenvolles. Verhindern muß es der Wähler an der Wahlurne.
Was haben Sie in der ZEIT Redaktion eigentlich gegen Oskar Lafontaine, daß Sie sich geradezu auf ihn eingeschossen haben. DAS ist für mich in letzter Zeit eigentlich das viel größere Schauspiel.
Wo kommt das her?
Ist es das schlechte Gewissen, daß Sie in den Redaktionen (und das werden sie wohl nicht bestreiten) bis auf ganz wenige Ausnahmen, doch IMMER auch in neoliberale Horn der Superreichen und Meinungsmacher im Lande geblasen haben? Und zwar KRÄFTIG wenn ich das mal bemerken darf.
Es ist da ein leichtes Herrn Lafontaine als Scharlatan abzutun, lenkt es doch ganz wunderbar von den Versäumnissen Ihrerseits in diesen Themen ganz hervorragend ab, quasi um gleich noch einmal ganz deutlich zu bekräftigen, daß man die einseitige neoliberale Berichterstattung und Meinungsbildung ganz bewußt gemacht hat, weil die anderen Themen geradezu unglaubwürdig sind und in den Abgrund führen.
Sicher trägt Herr Lafontaine manchmal etwas dick auf und verfolgt auch ganz sicher nicht nur Ziele zum Gemeinwohl....ja und? Wer tut das denn nicht.
Fest steht mal, daß er meilenweit von dem Zynismus gerade Ihrer Anzeigenklientel entfernt ist, die uns jahrelang Eigenverantwortung geprägt hat, damit sie mit dem von uns in ihre Hände angelegen Kapital Blasen produzieren konnten, die wir nun wieder auffüllen dürfen. Das ist geradezu pervers, wenn man sich das mal genau vor Augen führt.
Und auch wenn er eigene Machziele verfolgt, was bitteschön ist denn an der Ansicht falsch, daß doch bitte diejenigen, die die Blase erzeugt haben gefälligst selbst dafür sorgen, sie wieder zu füllen. Sie selbst haben, in einem anderen Kontext sogar mal geschrieben, daß - na schau mal einer an- in den letzten zwei Jahren die Anzahl von Milliardären weltweit angestiegen ist. Deren Gesamtkapital beträgt, - festhalten- ziemlich genau der Blase, die wir nun mit Steuermitteln auffüllen. Und Steuermittel sind UNSERE Mittel. Das ist eine Vorwegnahmen UNSERER zu leistenden Arbeit in de Zukunft und der unserer Kinder. Im Umkehrschluß können wir daraus folgern, daß wir damit die WERTE erschuften werden müssen, die die Superreichen bereits als KAPITAL auf dem Konto haben, damit dieses Geld nicht aufgrund des nicht vorhandenen produktiven Gegenwerts ausbalanciert, sprich entwertet wird. Na ups, ei der Daus!
Wieso also frage ich ist es OK, und lediglich Tagesgeschäft, wenn UNS schon mal im Vorgriff in die zukünftige Tasche gegriffen wird? Wieso ist das akzeptierbare Realität, die lediglich einige Artikel zur Tagespolitik abwirft? Wieso ist das akzeptiertes Recht UNS das Geld über Steuern zukünftig wegzunehmen? Wir wurden damit gleich zweimal beschissen. Erst hat man (und das betrifft SIE) eingeredet, wir sollten doch bitte unser Geld zur Vorsorge zur Börse bringen, damit (das wurde uns nicht gesagt) ne Spekulationsblase überhaupt erst möglich wird. Wenn diese dann platzt zahlen wir die Schulden ab.
Und wieso ist es revolutionäres Blabla und Quatsch nicht mal diejenigen zur Kasse zu bitten, die gemessen an der Gesamtwirtschaft schlicht zu viel auf dem Konto haben, und denen das auch nicht zusteht? Ja wieso eigentlich? Immerhin hat Herr Lafontaine und seine Partei IMMER wieder mit Vorschlägen aufgewartet genau diese Spekulationsblasen zu verhindern. Sie waren es, die die staatliche Vorsorge als zu unterstützend bewertet haben, wo SIE sie in Artikeln absägen wollten. Und die Linken sind es, die nun auch die , die uns das Kapital weggenommen haben richtig in die Haftung nehmen wollen.
Was geht und was nicht bestimmen WIR und das betrifft auch Sie in den Medienh. Sie sitzen mit viel Einfluss mit am Steuer. Vielleicht sollten Sie sich mal wirklich ERNSTHAFT überlegen, ob nicht ein anderer Weg als neoliberal oder "kaschiert-neoliberal" möglich ist.
Sie irren sich. Der Staat hätte die Einnahmen, die jetzt die Aktionäre bekommen.
Und wir müssten nicht die überhöhten Preise bezahlen.
ich erinner mich. Jedes Jahr haben Post und Bahn dem Staat viele Milliarden an Einnahmen gebracht - und das natürlich bei exzellentem Service. Allein mein Vater war vor 30 jahren schon einmal glücklicher Empfänger von etwa 20 nicht an ihne gerichteten Einschreiben.
ich erinner mich. Jedes Jahr haben Post und Bahn dem Staat viele Milliarden an Einnahmen gebracht - und das natürlich bei exzellentem Service. Allein mein Vater war vor 30 jahren schon einmal glücklicher Empfänger von etwa 20 nicht an ihne gerichteten Einschreiben.
ich erinner mich. Jedes Jahr haben Post und Bahn dem Staat viele Milliarden an Einnahmen gebracht - und das natürlich bei exzellentem Service. Allein mein Vater war vor 30 jahren schon einmal glücklicher Empfänger von etwa 20 nicht an ihne gerichteten Einschreiben.
ich erinner mich. Jedes Jahr haben Post und Bahn dem Staat viele Milliarden an Einnahmen gebracht - und das natürlich bei exzellentem Service. Allein mein Vater war vor 30 jahren schon einmal glücklicher Empfänger von etwa 20 nicht an ihne gerichteten Einschreiben.
Dabei aber nicht vergessen das gerade wegen der unzähligen Steuererleichterungen der vergangenen 20 Jahre, beinahe exklusiv für Kapitalbesitzer, so mancher Staatshaushalt in die roten gerutscht ist...
Die schwarzen versuchte man dann u.a. mittels Privatisierungen wieder zu erreichen... zumindest wurde dies als Grund oft angegeben. Das sich bei diesen Transfers von Gemeingut in rein Private Hände so macher Investor die Hände gerieben hat ob der sicheren Gewinne kam (und kommt) erst so nach und nach an's Tageslicht.
;-)
“When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Hélder Câmara
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