Nobelpreisträger "Man muss immer neugierig sein"

Gerhard Ertl erhielt 2007 den Nobelpreis für Chemie. Ein Gespräch über Probleme der Energiegewinnung und die Chancen junger Wissenschaftler heute

ZEIT ONLINE: Herr Ertl, Sie haben gerade auf der Lindauer Nobelpreisträgertagung mit vielen Nachwuchswissenschaftlern gesprochen. Konnten Sie ihnen Tipps geben, wie man Nobelpreisträger wird?

Gerhard Ertl: Das fragt keiner so direkt. Natürlich wollen die Nachwuchswissenschaftler erfahren, wie man ein erfolgreicher Forscher wird. Auch bei mir hat es Rückschläge gegeben. Man sollte aber nicht zu schnell aufgeben. Wichtig ist es, neugierig zu sein und auch das Risiko des Scheiterns einzugehen.

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ZEIT ONLINE: Haben es junge Forscher heute schwerer als zu Ihrer Zeit?

Ertl: Früher konnte man leichter in der Industrie oder an der Hochschule Stellen finden. Heute fürchten die jungen Leute, nach ein paar Jahren als Postdoc arbeitslos zu werden.

ZEIT ONLINE: Aber die Aussichten für Naturwissenschaftler sind doch gut?

Ertl: Derzeit nicht. Die chemische Industrie stellt gerade niemanden ein. Da schlägt die Krise voll durch. Es wird zwar immer wieder beteuert, wie wichtig das naturwissenschaftliche Studium sei und dass man Fachleute brauche. Aber die Realität sieht anders aus.

ZEIT ONLINE: Forschen Sie heute immer noch?

Ertl: Als ich 2007 den Nobelpreis bekam, war ich schon im Ruhestand. Als emeritierter Professor habe ich immer noch ein Büro und eine Sekretärin. Ich gehe jeden Tag ins Institut.

ZEIT ONLINE: Woran arbeiten Sie derzeit?

Ertl: Ich habe gerade ein Buch geschrieben, das Ende des Jahres erscheinen wird. Zudem stehe ich mit Kollegen in engem Kontakt. Wir stellen theoretische Überlegungen im Bereich der nichtlinearen Dynamik an und machen regelmäßige Tagungen. Das hält mich jung.

Leser-Kommentare
    • ibm
    • 03.07.2009 um 15:34 Uhr

    aber der Anteil der Kernenergie an der Primärenergieproduktion liegt bei ca. 6% und der Anteil an der Nutzenergieproduktion bei recht bescheidenen 2-3% (die Differenz ergibt sich daraus, dass bei Kernkraftwerken der größte Teil der durch Kernspaltung erzeugten Wärme vom Kühlwasser ins nächste Gewässer befördert wird).
    Die 10% von Professor Ertl beziehen sich vermutlich auf den Anteil an der Stromerzeugung.

    • wmebh
    • 03.07.2009 um 18:55 Uhr

    Warum sagt der Professor:Der Strom in der Sahara mus auch gespeichert werden?.
    Die Elektrizität könnte doch per Kabel befördert werden.

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