Obama in Russland Obamas Pragmatismus überzeugt Moskau
Trotz anti-westlicher Stimmung war der Russland-Besuch des US-Präsidenten ein Erfolg. Der Neustart mit Präsident Medwedjew ist gelungen, doch Konflikte gibt es noch genug

© Jim Watson/AFP/Getty Images
Suche nach Verständigung: Die Präsidenten Barack Obama (USA) und Dmitrij Medwedjew (Russland) in Moskau
Der amerikanische Präsident Barack Obama hat den Ort seiner Moskauer Rede mit Bedacht gewählt: Er trat als Ehrengast bei der Diplomverleihung der Moskauer Wirtschaftshochschule New Economic School auf. Zuvor hatte er noch mit Wladimir Putin traditionell russisch gefrühstückt mit Pfannkuchen samt schwarzem Kaviar, Moosbeerenmarmelade und Samowar.
Dem Premierminister hatte Obama vor seiner Ankunft in Moskau einen kleinen Stich mit der Bemerkung versetzt, Putin stehe mit einem Bein in der Vergangenheit. Es klang, als halte Obama es für Putins Standbein und setze eher auf den jüngeren, weniger von den Komplexen der sowjetischen Biografie belasteten Präsidenten Dmitrij Medwedjew. In seiner Rede vor den Diplomanden wandte sich Obama dann an das ganz junge, unbelastete und, wie es der amerikanische Präsident versteht, moderne Russland.
Die New Economic School ist 1992 als Privatuniversität entstanden und hat sich seither eine Reputation als liberale und karrierefördernde Lehranstalt erworben. Einer der Absolventen des ersten Jahrgangs, Arkadij Dworkowitsch, sitzt heute als Wirtschaftsberater Medwedjews im Kreml. Die jungen Absolventen besitzen zumeist eine zweite physikalische oder mathematische Ausbildung und plaudern weltmännisch in fließendem Englisch. Aus Obamas Sicht stehen sie mit beiden Beinen in der Zukunft. Sie wollte er gewinnen. Doch der Applaus war kurz und trocken.
Denn Obama trifft in Moskau auf Ressentiments, Misstrauen oder Ignoranz. Der Kalte Krieg, den er in seiner Rede zu begraben versuchte, hat die Qualität eines Zombies, der gerade in den letzten Jahren kaum mehr unter der Erde blieb: Die russische Führung baute ihre antiwestliche, vor allem antiamerikanische Haltung aus. Dies nicht nur wegen enttäuschter Hoffnungen auf die Partnerschaft und verletzter Gefühle durch manch arrogante Missachtung Washingtons. Sie nutzte vielmehr den häufigen Hinweis auf das feindselige Amerika als Argument für die Innenpolitik, um die Gesellschaft in der Angst vor bösen äußeren Kräften zu einen.
Nun fällt es schwer, sich aus der eigenen Propaganda zu lösen. Zumal viele Vertreter vor allem der politischen Elite in der Schizophrenie aus westlichem Lebensstil und aggressiver Abgrenzung gen Westen heimisch geworden sind. Das Fernsehvolk folgte der Propaganda: Die Abneigung gegenüber den Amerikanern erreichte vor allem nach dem Georgien-Krieg im vergangenen Sommer Spitzenwerte von mehr als 50 Prozent.
Obama hat es umso schwerer, da die fast weltweite Erleichterung und Euphorie nach seinem Wahlsieg Russland kaum erfasst hat. Als erstes Grußwort sandte ihm Medwedjew am Tag nach der Wahl die Ankündigung, Iskander-Raketen in Kaliningrad aufzustellen. Der Sympathieeffekt Obamas ist vielen in Russland suspekt und unverständlich: Manchen, weil er die Selbsterneuerungskraft der USA symbolisiert, die das Putin'sche Russland fast erstarrt wirken lässt. Anderen, weil sie im Vielvölkerreich Russland an einen Vertreter einer anderen Hautfarbe oder Ethnie als Präsident nicht einmal denken wollen.
Und viele sind, wenn sie sich überhaupt für Politik interessieren, in der russischen Wirklichkeit derart im Zynismus geschult, dass sie kaum an eine persönliche Mission, an Ideale und Werte als politisches Leitmotiv glauben mögen. Die Präsidenten kommen und gehen, denken sie, aber Amerikas Interessen bleiben dieselben. Daran konnte auch der ungewohnt schlaksige, legere Auftritt Obamas, der fast ohne einen Blick ins Manuskript sprach und zuweilen Predigeranflüge zeigte, so schnell nichts ändern.
Dennoch war Obamas Moskau-Besuch ein Erfolg. Mögen die Raketenzähler auch feststellen, dass der geplante Vertrag zur Begrenzung der strategischen Atomwaffen das Vernichtungsarsenal beider Mächte nur geringfügig vermindere und dass die Staatschefs vor allem Absichtserklärungen unterschrieben. Es ging Obama darum, seine Vision der amerikanischen Außenpolitik zu vermitteln, das gemeinsam Mögliche auszuloten und Vertrauen zu schaffen, wo vor Kurzem noch Sprachlosigkeit herrschte. Russland taucht auf der amerikanischen Prioritätenliste erst im Mittelfeld auf, aber Obama braucht es, um den eindrucksvollen Werbetouren und programmatischen Reden Erfolge in Afghanistan, in Iran und Nordkorea folgen zu lassen.
- Datum 08.07.2009 - 08:39 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 21
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Lieber Journalist, vielen Dank für den ergreifenden Artikel. Ich hatte fast Tränen in den Augen. Sie wären bestimmt ein guter Politiker, der mit seinen Reden vielen Leuten Hoffnung in schweren Zeiten spenden könnte. Glauben ist wichtig, besonders wenn Fakten dagegen sprechen. Besonders schön war das mit "checks and balances" mit freien Medien: Meinen Sie die Bilanzen von Banken und die Checks, die an Steuerzahler weitergereicht wurden? Oder die Massenvernichtungswaffen von Saddam, die voll durchgecheckt wurden? Und dann mit "Vertrauen" und "Visionen" kommen und mit großen naiv gespielten Kulleraugen fragen: Wieso seid ihr hier so zynisch?
Sie sprechen mir aus dem Herzen.
Zudem fand ich das Statement "Nun fällt es schwer, sich aus der eigenen Propaganda zu lösen " richtig witzig. Naja, es fällt wohl immer schwer, sich für eine neue Propaganda zu verkaufen...wenn der Preis nicht lohnt.
One world, one love!
Ich kann es nicht begreiffen, warum alle europäische und amerikanische Zeitschriften
mit großem Haß über Putin schreiben. Er hat sehr viel Gutes für Russland gemacht, darum hassen sie Putin?! Er möchte einen starken Staat bauen, darum kritisieren sie ihn? Schämen Sie sich denn nicht!?
Mit Vergüngen lese ich immer wieder ihre Beiträge Herr Voswinkel. Dabei hoffe ich jedes Mal aufs Neue, einen Paradigmenwechsel in der Herangehensweise Ihrer Berichterstattung vorzufinden. Leider präsentieren Sie dem Leser aber stets die gleichen starren Stereotypen, gleichsam eines Eispanzers im tiefsten Sibirischen Winter. Auch wenn die Konstanz dieser Starre durchaus beeindruckend sein kann, ist sie deshalb nicht wirklich produktiv. Es scheint, dass sich der sowjetische Bär in Ihrer Fabel einen Wolfspelz übergestreift hat, um in der braven Lämmerherde der "freien" Welt seine Opfer gierig zu reissen. Putin sei es in Person, der aus der Vergangenheit kommende Kalte Krieger, dessen Reisszähne doch sicherlich in München zu erkennen waren. Und Medwedjew natürlich, schon der Name ist suspekt, nicht markttauglich und überhaupt. Ansprüche hätte Russland gestellt: auf Unversehrtheit seines Territoriums, Sicherheit vor nuklearer Bedrohung, den Profit auf eigene Rohstoffe, wirtschaftliches Wachstum und Mitspracherecht in Sicherheitsfragen. All das könne doch nicht darüber hinwegtäuschen, wie gefährlich Russland ist. Was Sie schon lange wissen, aber leider nicht zugestehen wollen: je fester die Umklammerung gegen Russland, desto starrer die Strukturen. Wenn Sie
Putin kritisieren, brandmakren Sie gleichzeitig die völlig verfehlte Politik des Westblocks gegenüber dem Ostblock nach 1991.
Die heutige weltweite soziale, wirtschaftliche und militärische Erosion ist die Folge dieses Versagens, einer Siegermentalität, die uns sehr teuer zu stehen gekommen ist. Das Echo dieses Sicherheitsvakuums hat auch unsere Gesellschaften getroffen und die Freiheit eingeschränkt. Der Überwachungsstaat findet gerade seine Vollendung in der vollumfänglichen Verfügbarkeit personenbezogener Informationen. Wenn der Ostblock einstmals als Beispiel für Überwachung galt, so haben wir diesem System schon lange den Rang abgelaufen. Was Sie an Russland beunruhigt, kann Sie für unsere Gesellschaft nur ängstigen. Können Sie wahrhaftig behaupten, der Zugang zu Macht für alle Gesellschaftsschichten sei in den ehemaligen Demokratien noch gewährleistet? Obamas Präsidentschaft hat 1 Milliarde Dollar gekostet. Russlands Gesellschaftsordnung ist derart, weil wir sie so haben wollten, um eine leichtere Kontrolle ausüben zu können. Sie ist das ungeschminkte Gegenüber unserer Gesellschaft. Wenn wir die ganzen PR-Märchen beiseite lassen, finden wir eine Oberschicht, die sich als Machtelite etabliert hat. Mit ihrer Kontrolle über die Wirtschaf und das Militär, bestimmt sie die Abläufe im politischen und gesellschaftlichen System. Jetzt sind wir wirklich als Brüder vereint.
wie Sie sie hier betreiben, ist der Tod der Demokratie. Demokratie lebt vom Hinterfragen der eigenen Ordnung. Solange Ihre Beiträge aber von dem ermüdend eindimensionalen Schema Obama=Gut und Putin/Medwedjew=Schlecht geprägt sind, weil Obama=USA=groß+stark+gut und Putin/Medwedjew=Rußland=gefährlich+marode+böse, solange kann von einem wirklich objektiven Journalismus nicht gesprochen werden.
Solange hier noch hinterfragt wird und hinterfragt werden kann, ob das hier noch eine Demokratie ist, solange ist es vermutlich auch eine.
wie Sie sie hier betreiben, ist der Tod der Demokratie. Demokratie lebt vom Hinterfragen der eigenen Ordnung. Solange Ihre Beiträge aber von dem ermüdend eindimensionalen Schema Obama=Gut und Putin/Medwedjew=Schlecht geprägt sind, weil Obama=USA=groß+stark+gut und Putin/Medwedjew=Rußland=gefährlich+marode+böse, solange kann von einem wirklich objektiven Journalismus nicht gesprochen werden.
Solange hier noch hinterfragt wird und hinterfragt werden kann, ob das hier noch eine Demokratie ist, solange ist es vermutlich auch eine.
(entfernt. Bitte formulieren Sie Ihre Kritik sachlich. Die Redaktion/jk) Wie bitte?: Obama hält eine Rede in einer Privatuni - hat er denn garnichts gelernt? Daß von nichts nichts kommt? Und tatsächlich: Mit Obama wird sich nicht viel ändern. Das gleiche in grün. Wie die meisten Senatoren ist Obama schwer reich und die haben ihr Geld bei JP und den anderen Instituten denen sie jetzt die kleinen grünen Sklavenbesitzscheine verordnet haben. Leider geben Menschen für Hoffnung immer wieder ihren Verstand auf. Es ist nicht verkehrt Obama eine Chance zu geben. Allerdings können Geschäfte Respekt niemals ersetzen.
Es ist schon abartig, Obama als "Mickey Grinsbacke" zu verunglimpfen.
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Die Aufklärung darf kein leerer Wahn werden in einer Zeit der Anmaßungen.
Es ist schon abartig, Obama als "Mickey Grinsbacke" zu verunglimpfen.
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Die Aufklärung darf kein leerer Wahn werden in einer Zeit der Anmaßungen.
(entfernt. Bitte verzichten Sie auf persönliche Angriffe und herabwürdigende Pauschalisierungen. Die Redaktion/jk)
Wäre es den Admins evtl. möglich die Mordaufrufe und Tötungsphantasien dieses verwirrten Menschen aus dem Forum zu entfernen ?
Danke.
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Lupo
(Anmerkung: erledigt. Die Redaktion/jk)
Wäre es den Admins evtl. möglich die Mordaufrufe und Tötungsphantasien dieses verwirrten Menschen aus dem Forum zu entfernen ?
Danke.
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Lupo
(Anmerkung: erledigt. Die Redaktion/jk)
(entfernt. Bitte verzichten Sie auf Pauschalisierungen und Verunglimpfungen. Die Redaktion/jk)
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Lupo
(Anmerkung: erledigt. Die Redaktion/jk)
Ich habe eben auch schon an die Redaktion geschrieben - bis jetzt ohne Reaktion. Es ist schon erstaunlich, für was für Schund und Tötungsphantasien die ZEIT ihre Webseite hergibt.
Ich habe eben auch schon an die Redaktion geschrieben - bis jetzt ohne Reaktion. Es ist schon erstaunlich, für was für Schund und Tötungsphantasien die ZEIT ihre Webseite hergibt.
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