Stuttgart Aus für Opernchef Puhlmann

Der Vertrag von Stuttgarts Opern-Intendant Albrecht Puhlmann wird nicht verlängert. Möglicher Nachfolger ist der ehemalige Intendant der Staatsoper Berlin, Georg Quander

Der Verwaltungsrat der Württembergischen Staatstheater folgte heute einem Vorschlag von Baden-Württembergs Kunstminister Peter Frankenberg (CDU) und entschied sich für den Abschied des 54- Jährigen, wie die Staatsoper mitteilte. Damit wird für Puhlmann nach fünf Jahren Schluss sein in der Schwaben-Metropole.

Nach dem Aus für Puhlmann ist die Suche nach einem Nachfolger schon sehr weit gediehen: Heißer Kandidat ist der ehemalige Intendant der Staatsoper Berlin, Georg Quander. Quanders Offenheit für das zeitgenössische Theater und seine spartenübergreifenden Ansätze passten hervorragend zur Stuttgarter Oper, betonten der Vorsitzende des Verwaltungsrates der Württembergischen Staatstheater und sein Stellvertreter, Kunstminister Peter Frankenberg und Stuttgarts Oberbürgermeister Wolfgang Schuster (beide CDU). Quander, seit 2005 Kulturdezernent der Stad Köln, habe sich bereits vorgestellt. Die Entscheidung werde bei einer Sondersitzung des Gremiums am 27. Juli fallen.

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Quander, war in Berlin zwischen 1991 und 2002 Intendant der Staatsoper Unter den Linden und arbeitete dort sehr erfolgreich mit Generalmusikdirektor Daniel Barenboim zusammen. In Stuttgart  würde er zur Spielzeit 2011/2012 seinen Einstand geben. Der 1950 in Düsseldorf geborene Musikwissenschaftler und Journalist war unter anderem von 1988 bis 1991 als Hauptabteilungsleiter für Musik und Unterhaltung beim RIAS-Berlin tätig. Er lehrt seit 1999 an der Hochschule Bremen Musik- und Kulturmanagement. Quander ist verheiratet und hat zwei Töchter.

Der Verwaltungsrat war einem Vorschlag von Frankenberg gefolgt und hatte eine Vertragsverlängerung für Puhlmann abgelehnt. Der 54-Jährige zeigte sich enttäuscht: "Ich bedauere tief, dass ich meine Arbeit in Stuttgart nicht fortsetzen kann. Ich empfinde diese nicht als gescheitert, aber sie wird notgedrungen ein Fragment bleiben." Er konzentriere sich jetzt auf die wunderbaren Projekte, die wir die nächsten zwei Jahre geplant haben. Die Verwaltungsratsspitze betonte unterdessen, sie gehe davon aus, dass Puhlmann seinen Vertrag erfüllen werde.

Im Verwaltungsrat sitzen neben Frankenberg und Schuster Finanzminister Willi Stächele (CDU), CDU-Fraktionschef Stefan Mappus und Stuttgarts Kulturbürgermeisterin Susanne Eisenmann (CDU). Schuster und Frankenberg erläuterten, dem Vorschlag, Puhlmanns Vertrag nicht zu verlängern, seien intensive Gespräch mit dem Generalmusikdirektor und dem Vorstand von Chor und Orchester vorangegangen. Auch die Intendanten von Ballett, Schauspiel und die geschäftsführende Intendanz seien einbezogen worden und würden überdies noch ihr Anhörungsrecht wahrnehmen.

Puhlmann leitet die renommierte Stuttgarter Oper seit der Spielzeit 2006/2007. Er hatte damals die Nachfolge von Klaus Zehelein angetreten, unter dessen Ägide das Staatstheater sechsmal zum "Opernhaus des Jahres" gewählt wurde. Zehelein hatte in seinen 15 Jahren in Stuttgart auch das sogenannte "Stuttgarter Modell" maßgeblich gestaltet, nach dem die drei Sparten Schauspiel, Oper und Ballett des Staatstheaters durch drei gleichberechtigte Intendanten kollegial geführt werden. Frankenberg und Schuster betonten: "Das erfolgreiche Stuttgarter Intendantenmodell stand und steht nicht zur Debatte."

Der gebürtige Bad Segeberger, der von der Staatsoper Hannover an den Neckar kam, hatte bis zum Schluss um einen neuen Vertrag gekämpft. Ihm wurde in erster Linie vorgehalten, das Renommee des Hauses nicht gehalten zu haben. Seit Wochen wird in den Medien über seinen Abschied spekuliert. Er habe in den letzten acht Wochen auch nicht, wie erwartet, zukunftsweisende Konzepte vorlegen können, hieß es da. Vorgehalten wird ihm zudem, dass er wiederholt seine Frau Olga Motta verpflichtete. Hinzu kam die Auseinandersetzung mit dem hoch angesehenen Generalmusikdirektor Manfred Honeck über ästhetische Konzepte.

 
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