Palins Rücktritt Ein Feuerwerk zum Nationalfeiertag
Der US-Wahlkampf 2012 ist eröffnet: Sarah Palin tritt zurück
Es mag ja sein, dass Sarah Palin, Noch-Gouverneurin von Alaska und Ex-Vize-Kandidatin von John McCain schon mal vorauseilend in Deckung geht, weil die Skandälchen um ihre Person und Familie sich zu etwas ganz Großen zu verdichten drohen. Oder, dass sie in Ruhe ein Buch schreiben will, etwa: "Obacht, Obama! Wie wir die Republikanische Partei retten können". Oder dass sie einfach nur etwas "bizarr" ist, wie viele Kommentatoren – links wie rechts – ihre plötzliche Rücktrittsentscheidung nennen.
Bloß: Warum hat sie das große Tam-Tam just zum Auftakt des langen Wochenendes am Nationalfeiertag veranstaltet? Drei Tage lang haben sie in Amerika nur über Sarah Palin spekuliert. Ein PR-Gag vom Feinsten? Mag sein, dass nichts Weltbewegendes dahinter steht, aber da die Frau weder verrückt noch blöd ist, sieht ihr Zug doch sehr wie der Auftakt zum Wahlkampf 2012 aus. In diesem Fall wäre sie die erste, die losgaloppiert – weit vor irgendwelchen Konkurrenten in der eigenen Partei, deren Namen wir noch nicht einmal kennen.
Die Logik sieht etwa so aus: Die Republikaner sind zwar nicht ganz so schlecht platziert wie die hiesigen Sozialdemokraten, aber sie sind führungslos und demoralisiert. Palin wird gespürt haben, dass Barack Obama zwar noch glänzt wie einst John F. Kennedy, aber doch eine Reihe von kleinen Mühlsteinen am Hals hat, deren gesammeltes Gewicht ihm in Zukunft zu schaffen machen könnte. Amerika ist nicht das sozialdemokratische Land, das Obama anstrebt. Amerikaner mögen den raumgreifenden Staat nicht, den Obama ihnen als Lösung all ihrer Problem anbietet. Sie schätzen die gewaltigen Defizite nicht; sie glauben auch nicht, dass der Staat besser wirtschaftet als jene Banker und Unternehmensfürsten, die zurzeit keine gute Presse haben.
Vor allem haben die Republikaner keinen, der das Missvergnügen aufnimmt und zu einem politischen Programm verdichtet. Warum dann nicht als erste lospreschen? Die Rechte um sich sammeln, "Familienwerte" und den zurückhaltenden Staat predigen? Um dann wieder in die Mitte zurück zu schleichen, wo in Amerika die Wahlen gewonnen werden? Dazu bleibt bis zum Herbst 2012 genug Zeit.
Jetzt wird Palin erst einmal die "Lower 48" bereisen, die 48 amerikanischen Bundesstaaten Staaten südlich von Kanada, Reden halten und im Kongresswahlkampf 2010 mit der Unterstützung von örtlichen Kandidaten Schuldscheine sammeln. Sie wird im Gespräch bleiben, versuchen, den Geruch der Provinz abzuschütteln, und Wahlkampfberater von nationalem Ruf um sich sammeln. Das ist die Logik dieses "bizarren" Schrittes, der so bizarr nicht sein muss. "Schaut mich an", ist die Botschaft, "ich geben einen bequemen Job auf, um mich ganz und gar der Nation zu widmen."
Politik, erst recht die amerikanische, ist allerdings nicht logisch. Sie ist auch ein Glücksspiel, in dem den Spielern schnell die Chips ausgehen. Je prominenter einer wird, desto zahlreicher die Fallstricke, die auf seinem Weg lauern. Palin will sich wiegen lassen, und vielleicht wird sie für zu leicht befunden werden. Dann hat sie mit ihrem jugendlichen Alter immer noch genug Zeit. Wenn es 2012 nicht klappt, so 2016. Dann darf Obama nicht mehr antreten, weil den US-Präsidenten eine dritte Amtszeit verwehrt ist. 2016 wird Sarah Palin erst 52 Jahre alt sein.
- Datum 12.07.2009 - 10:42 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 4
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"ich geben einen bequemen Job auf"
Die schon lange klimmende Zündschnur hat den Sprengsatz erreicht. Die zu erwartenden Erschütterungen sind für ein Beben gut, das noch ganz andere Positionen zum Wackeln bringt als den Ruf einer Frau, die sich mit beeindruckendem Eifer zur Schießbudenfigur gemacht hat.
Das einzige was bei dieser Frau interessant wäre: trägt sie ein String-Tanga und ist sie r.....?
..nailin´Palin… :D
Mehr ist eigentlich nicht übrig geblieben von einer dümmlich wirkenden Politikerin. Aber das war sicherlich der pösen Presse geschuldet.
Jedenfalls hätte sie diesen Darstellung gemäß gut den Fußstapfen GWBush´folgen können.
Bestürzend.
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