Sozialenzyklika Papst rechnet mit dem Marktradikalismus abSeite 2/2

Die G-8-Teilnehmer, vor allem aber die in der Krise inzwischen etablierte G-20-Gruppe der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer, könnten und sollten das als Handlungsanleitung verstehen. Allerdings lässt der Papst klar erkennen, dass auch er und die katholische Kirche mit Einfluss nehmen wollen, wenn es um die neue globale Ordnung geht. Denn zwar habe die Kirche "keine technischen Lösungen anzubieten" und beanspruche auch nicht, sich in die staatlichen Belange einzumischen. Aber sie habe eine "Sendung der Wahrheit" zu erfüllen – nämlich sich stets und überall für eine Gesellschaft einzusetzen, die dem Menschen und seiner Würde gerecht wird.

Benedikt XVI., dem lange Zeit nachgesagt wurde, sich in erster Linie um die reinen Glaubensfragen zu kümmern, mischt sich mit seiner Enzyklika also deutlich in die soziale und politische Debatte ein. Er spannt einen weiten Bogen vom christlichen Menschenbild bis zu konkreten Fragen der Agrarreform in Entwicklungsländern, der technischen und kulturellen Entwicklung, der Neuverteilung der Ressourcen oder der Bioethik. Konkrete Antworten bleibt er an manchen Stellen schuldig. Aber das ist ja auch nicht unbedingt die Aufgabe einer solchen Enzyklika, die weitreichende Geltung haben soll.

Doch mit der Autorität des Oberhaupts der katholischen Kirche verkündet er eine klare und unmissverständliche Aufgabe: Das Ziel der globalen, nachhaltigen Gerechtigkeit verlangt radikale Reformen, beim Manager wie beim Konsumenten, der seinen Lebensstil ändern muss; auf lokaler wie auf globaler Ebene. Genügend Gesprächsstoff also auch für die Gipfelteilnehmer in L'Aquila und für das Treffen des Papstes mit Obama.

 
Leser-Kommentare
  1. "Er betrachtet sie vielmehr als Chance zu einer "noch nie dagewesenen großen Neuverteilung des Reichtums"

    Die 8,6 Millionen Personen Reichsten auf unserem Planeten (0,13 % der Menschheit),

    die sogenannten "High net worth individuals" (HNWIs),

    hatten im Jahr 2008 ein flüssiges Vermögen 32.800 Milliarden Dollar.

    In dieser Größenordnung sind die Staaten der Welt verschuldet!!

    Da ja das Geld am erfolgreichsten"arbeitet (?)", müsste es,

    - wie alle anderen Einkommen, ohne Fluchtmöglichkeiten in Steueroasen unter dem Deckmantel des "Bankgeheimnisses",

    angemessen besteuert werden.

    Das genau könnte eine der wichtigsten Aufgaben der "Weltautorität" sein. An "guten Worte" mangelt es ja nicht !

    Die Sprache des Geldes ist da "ehrlicher" und vor allem viel wirksamer:

    Bei einer Rendite von (nur) 5 % = 1 640 Milliarden Dollar - und einem Steuersatz von 30 % könnten

    jährlich mindestens ca. 500 Milliarden Dollar an globalen Steuern

    zur Lösung von globalen Problemen,
    z.B. zur Überwindung der globalen Apartheid, zur Bekämpfung der Klimakatastrophe -
    zur Verfügung stehen!

    Noch wichtiger als die Erhebung der Steuer, wäre die Kontrolle der Verteilung,
    damit die Habgierigen nicht wieder voll zu Entfaltung kommen.

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    • lef
    • 08.07.2009 um 0:08 Uhr

    Tagesthemen ARD 5.7

    " Die dubiosen Geschäfte der "Bank des Papstes"

    In der Vergangenheit war das IOR mehrmals wegen unsauberer Finanzgeschäfte in die Schlagzeilen geraten. Von Geldwäsche, Betrügerei und mafiösen Verstrickungen war die Rede. Den folgenschwersten Skandal, dessen Hintergründe bis heute ungeklärt sind, erlebte das IOR 1982, als das Bankhaus unter Leitung des US-Erzbischofs Paul Marcinkus stand. Der Erzbischof soll mit dem damaligen Direktor der Mailänder Banco Ambrosiano, Roberto Calvi, und Michele Sindona, einem als Mafia-Banker bekannten Geldwäscher, Gelder verschoben und veruntreut haben..

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    Ende Zitat

    • lef
    • 08.07.2009 um 0:08 Uhr

    Tagesthemen ARD 5.7

    " Die dubiosen Geschäfte der "Bank des Papstes"

    In der Vergangenheit war das IOR mehrmals wegen unsauberer Finanzgeschäfte in die Schlagzeilen geraten. Von Geldwäsche, Betrügerei und mafiösen Verstrickungen war die Rede. Den folgenschwersten Skandal, dessen Hintergründe bis heute ungeklärt sind, erlebte das IOR 1982, als das Bankhaus unter Leitung des US-Erzbischofs Paul Marcinkus stand. Der Erzbischof soll mit dem damaligen Direktor der Mailänder Banco Ambrosiano, Roberto Calvi, und Michele Sindona, einem als Mafia-Banker bekannten Geldwäscher, Gelder verschoben und veruntreut haben..

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    Ende Zitat

  2. Das was da im vorliegenden Artikel als die Aussagen zitiert werden empfinde ich als in die richtigie Richtung weisend. Grundsätzlich hat sich die Oekonomie nicht nur sich selbst, also ihren eigenen und von ihr verbreiteten Dogmen, zu richten sondern auch denen die anderer Meinung sind und andere Bedürfnisse als die der Profite, Renditen, Aktionäre, Kapitalmärkte, Bilanzen und der für alle sehr teuren Spekulation mit Werten die teils für das Ueberleben von Lebewesen nötig sind...

    Wasser wäre so etwas... Gesunde, nicht Industriell geförderte Lebensmittel ein anderes.

    Für mich gilt nach wie vor das nicht die Oekonomie als die, wie es aktuell üblich und anscheinden ohne Alternative ist, an oberster und somit leitender bzw. führender Position stehende Instanz zu sein hat welche die Geschicke der Menschheit leitet. Es gibt andere und für die allermeisten von uns elementare Aspekte welche für ein "gutes" Leben an erster Stelle stehen. Diese opponieren aber Grundsätzlich und in so vielen Bereichen mit diesen menschlichen Bedürfnissen das es nun tatsächlich an der Zeit ist andere Faktoren als die leitende/führende Instanz zu stellen.

    Ein lebenswertes Einkommen wäre so etwas...

    Die Ethik und auch Moral welche in vielen Ländern als universal gültige Aspekte menschlichen Zusammenlebens akzeptiert sind und erst danach sollte sich die Politik und dann die Oekonomie um unsere, die menschlichen Belange kümmern. Dies im Sinne einer kontrollierenden und leitenden Instanz aber nicht als eine in allen möglichen Lebensbereichen eingreifende...

    ;-)

    “When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Hélder Câmara

  3. sorry, ich mag die Welt auch nicht wie sie ist. Aber Dich hört niemand. Also was tun oder Klappe halten. Wie wär s mit Mülltrennung als revolutionärem Akt

    [Anmerkung: Bitte bleiben Sie sachlich und fair. Vielen Dank. / Die Redaktion as]

    • Seckel
    • 07.07.2009 um 21:07 Uhr

    Das Bundespresseamt inkorporierte ganz offenbar umgehend für sich den Vorschlag des Papstes entsprechend einer politischen Weltautorität und verbreitete nicht, dass der Minister des Auswärtigen, der heute zu Besuch im Heiligen Land weilte, als zugleicher Kandidat für das Amt des Bundeskanzlers im Herbst dieses Jahres künftig am gesellschaftlichen Reich der Mitte interessiert, es aber noch offen sei, ob er biologisch uigurischer Abkömmling ist und deshalb die KP Chinas sich momentan nicht nur vor ein säkulares Mirakel, sondern außerdem vor ein Mysterium gestellt sieht.

    • lef
    • 08.07.2009 um 0:08 Uhr

    Tagesthemen ARD 5.7

    " Die dubiosen Geschäfte der "Bank des Papstes"

    In der Vergangenheit war das IOR mehrmals wegen unsauberer Finanzgeschäfte in die Schlagzeilen geraten. Von Geldwäsche, Betrügerei und mafiösen Verstrickungen war die Rede. Den folgenschwersten Skandal, dessen Hintergründe bis heute ungeklärt sind, erlebte das IOR 1982, als das Bankhaus unter Leitung des US-Erzbischofs Paul Marcinkus stand. Der Erzbischof soll mit dem damaligen Direktor der Mailänder Banco Ambrosiano, Roberto Calvi, und Michele Sindona, einem als Mafia-Banker bekannten Geldwäscher, Gelder verschoben und veruntreut haben..

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    Was erwarten sie in Italien....

    Seit wann ist der Vatikan eine Person? Das ist mir neu.

    Und was hat etwas was 1982 geschen ist mit dem Topic zu tun? Richtig nichts. Hauptsache mal ordentlich Kirchenbashing betrieben wie es in der ach so aufgeklärten links-(pseudo)intellektuellen Szene üblich zu sein scheint.

    Was erwarten sie in Italien....

    Seit wann ist der Vatikan eine Person? Das ist mir neu.

    Und was hat etwas was 1982 geschen ist mit dem Topic zu tun? Richtig nichts. Hauptsache mal ordentlich Kirchenbashing betrieben wie es in der ach so aufgeklärten links-(pseudo)intellektuellen Szene üblich zu sein scheint.

  4. 6. Hm,

    der Papst folgt wie erwartet den Linien der katholischen Soziallehre. Das Problem bei solchen moralischen Apellen (man kennt sie ja auch von Bundespräsidenten) ist, dass sie sich nicht in die Analyse begeben. Die Freiheit Profit zu machen oder nicht etwa ist eben doch eingeschränkt: Konkurrenz zwingt durchaus Profit zu machen, zu rationalisieren, Leute zu entlassen oder billig einzukaufen. Mit solchen Details beschäftigen sich die Moral-Prediger nicht so gerne, deswegen sind Marx und Konsorten wesentlich aufschlussreicher und spannender.

    Dass "alle für alles verantwortlich fühlen" halte ich übrigens für eine Anmaßung gleichzeitig für eine schreckliche Überforderung. Es verschleiert nicht nur, dass der einzelne Mensch in seinem Handeln auch beim besten Willen eng begrenzt ist. Es ingnoriert auch, dass die Menschen unterschiedlich Möglichkeiten (=Macht) haben und damit auch eine unterschiedliche Verantwortung (Es ist eine Variante von "Wir sitzen alle in einem Boot"). Eine Mutter in der Dritten Welt, die vielleicht gerade einmal ihre Kinder durchbringt, hat nicht dieselbe Verantwortung wie der Chef von Nestle. Es scheint mir allerdings etwas sehr Christliches zu sein: Trotz dem vielen Reden von Freiheit neigen die Christen dazu, alle Schuld der Welt auf sich zu nehmen. Was die Menschen sicher mehr bewegt ist die Frage nach der Verantwortung Gottes. Hier sind die Religionen meist sehr ausweichend.

    Ich denke: Wenn jeder in seinem Bereich verantwortlich handelte, wäre schon viel gewonnen.

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    Damit haben sie sicher Recht, aber es ist nicht die Aufgabe dieser "moralischen Instanzen" zu analysieren. Ihre Aufgabe ist es etwaige Fehler aufzuzeigen und unter Umständen mögliche moralische/ethische Leitlinien aufzuzeigen. Ob man sich daran halten will muss jeder schon selbst entscheiden.

    Ein Kommentar, dem ich voll zustimme. Weitere Anmerkungen:

    Das Gegenteil von "gut" ist "gut gemeint". Diese Enzyklika ist sicherlich gut gemeint.

    a) Die "politische Weltautorität": Wer würde sich nicht eine gerechte und weise Weltautorität wünschen. Die UNO hingegen zeigt, dass dies nicht so einfach ist; sie wird vielfach von üblen Interessengruppen für deren nicht menschenfreundliche Interessen benutzt. Oder sie wird von Drittweltstaaten als neo-kolonialistisch empfunden. Und wie soll verhindert werden, dass die von der Enzyklika gewünschte "politische Weltautorität" sich nicht als der neue Welttyrann aufführt?

    b) Eine Wirtschaftsordnung, die mit dem Ziel, jedem seinen gerechten Anteil zu geben, angetreten war, hatten wir schon: den Kommunismus/Sozialismus. Wie das ausgegangen ist, wissen wir inzwischen.

    c) Eine der Ursachen für die Finanzkrise in den USA waren politische Vorgaben, die versuchten, den Markt nach "moralischen Gesichtspunkten"zu verändern: Die "subprime loans" (zweitrangigen Kredite) entstammten dem Versuch, auch den ärmeren Teilen der Gesellschaft Kredite für den Hauskauf zu geben, um sie nicht vom Wohnimmobilienmarkt auszuschließen. Gute Absicht mit fataler Wirkung. Will die katholische Kirche das wiederholen?

    Nein, im Bereich der Wirtschaft führt "der gute Wille" vielfach in die Katastrophe. Meistens bringen das Profitprinzip und die freien Märkte die barmherzigeren Ergebnisse. Viele moralisch empfindenden Menschen wollen oder können das nicht verstehen, unter ihnen offenbar auch die katholische Kirche. Das ist nicht nur bedauerlich, sondern auch schädlich.

    Die katholische Kirche sollte sich mehr auf die religiöse Entwicklung der ihr anvertrauten Menschen konzentrieren und weniger auf die Wirtschaftspolitik, von der sie viel erwartet, aber wenig versteht.

    Damit haben sie sicher Recht, aber es ist nicht die Aufgabe dieser "moralischen Instanzen" zu analysieren. Ihre Aufgabe ist es etwaige Fehler aufzuzeigen und unter Umständen mögliche moralische/ethische Leitlinien aufzuzeigen. Ob man sich daran halten will muss jeder schon selbst entscheiden.

    Ein Kommentar, dem ich voll zustimme. Weitere Anmerkungen:

    Das Gegenteil von "gut" ist "gut gemeint". Diese Enzyklika ist sicherlich gut gemeint.

    a) Die "politische Weltautorität": Wer würde sich nicht eine gerechte und weise Weltautorität wünschen. Die UNO hingegen zeigt, dass dies nicht so einfach ist; sie wird vielfach von üblen Interessengruppen für deren nicht menschenfreundliche Interessen benutzt. Oder sie wird von Drittweltstaaten als neo-kolonialistisch empfunden. Und wie soll verhindert werden, dass die von der Enzyklika gewünschte "politische Weltautorität" sich nicht als der neue Welttyrann aufführt?

    b) Eine Wirtschaftsordnung, die mit dem Ziel, jedem seinen gerechten Anteil zu geben, angetreten war, hatten wir schon: den Kommunismus/Sozialismus. Wie das ausgegangen ist, wissen wir inzwischen.

    c) Eine der Ursachen für die Finanzkrise in den USA waren politische Vorgaben, die versuchten, den Markt nach "moralischen Gesichtspunkten"zu verändern: Die "subprime loans" (zweitrangigen Kredite) entstammten dem Versuch, auch den ärmeren Teilen der Gesellschaft Kredite für den Hauskauf zu geben, um sie nicht vom Wohnimmobilienmarkt auszuschließen. Gute Absicht mit fataler Wirkung. Will die katholische Kirche das wiederholen?

    Nein, im Bereich der Wirtschaft führt "der gute Wille" vielfach in die Katastrophe. Meistens bringen das Profitprinzip und die freien Märkte die barmherzigeren Ergebnisse. Viele moralisch empfindenden Menschen wollen oder können das nicht verstehen, unter ihnen offenbar auch die katholische Kirche. Das ist nicht nur bedauerlich, sondern auch schädlich.

    Die katholische Kirche sollte sich mehr auf die religiöse Entwicklung der ihr anvertrauten Menschen konzentrieren und weniger auf die Wirtschaftspolitik, von der sie viel erwartet, aber wenig versteht.

  5. Was erwarten sie in Italien....

    • ztc77
    • 08.07.2009 um 4:42 Uhr

    Wenn Benedikt von: Moral, Ethik, Solidarität, Subsidiarität, ...dass nicht der Staat allein für die moralische Ordnung zuständig ist, sondern "dass sich alle für alles verantwortlich fühlen" redet, dann klingt das so, als ob er ein echter GRÜNER, Revolutionär oder gar Kommunist zu sein scheint!

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