Dopingsperre Der Fall Pechstein und seine Widersprüche
Erst war sie in Tränen aufgelöst und schockiert. Jetzt will sie gegen die zweijährige Sperre wegen auffälliger Blutwerte klagen. Ihr Verband hält zu ihr - noch.
© AFP

Claudia Pechstein, nach ihrem EM-Lauf in Heerenveen (Januar 2009)
Als Claudia Pechstein am Donnerstag die Nachricht übermittelt bekam, "da war sie in Tränen aufgelöst und schockiert". Am Freitagabend, als die Öffentlichkeit informiert wurde, "da war sie wieder kämpferisch und stark". So beschreibt es Ralf Grengel, der Manager der Berliner Eisschnellläuferin, die auf einmal nicht mehr laufen darf. Die fünfmalige Olympiasiegerin ist wegen Blutdopings für zwei Jahre gesperrt worden. Wie die Internationale Eislauf-Union (ISU) am Freitag mitteilte, wurden bei der 37 Jahre alten Berlinerin "auffällige Werte und auffällige Veränderungen der Werte in einer Serie von Tests" festgestellt.
Bei den Mehrkampf-Weltmeisterschaften am 7. und 8. Februar diesen Jahres in Hamar sollen die Retikulozyten, das sind die jungen roten Blutkörperchen, in Pechsteins Blut auffällig gewesen sein. Pechstein hatte den Wettkampf damals abgebrochen; Begründung war eine grippale Erkrankung.
Nach Mitteilung der Anwälte der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) seien allerdings andere Blutwerte Pechsteins, die auf Blutdoping hindeuten könnten, unauffällig. Das seien die Werte für Hämoglobin und Hämatokrit. "Es gibt keinen positiven Befund", sagte Pechsteins Anwalt Simon Bergmann. "Sie ist ohne positive Dopingprobe verurteilt worden." Pechstein, die gestern nicht für eine Stellungnahme zu erreichen war, will nun gemeinsam mit dem deutschen Verband vor dem Internationalen Sportgerichtshof Cas gegen die Sperre vorgehen. Grengel jedenfalls sieht seine Athletin einer "schreienden Ungerechtigkeit" ausgesetzt.
Die ISU dagegen beruft sich auf die gültigen Regeln im Kampf gegen Doping. Der Weltverband erhebt seit 1999 die Blutwerte der Eisschnellläufer, ähnlich wie auch im Radsport haben 1650 Athleten einen so genannten Blutpass, in dem ihre Werte stetig gespeichert werden. Nach dem Code der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada können seit dem 1. Januar Sperren aufgrund auffälliger Werte ausgesprochen werden, ohne dass der früher erforderliche Beweis wie eine positive Dopingprobe erforderlich ist. Fünf Radprofis wurden zuletzt bereits auf dieser sportrechtlichen Grundlage sanktioniert.
Im Fall Pechstein war das Verfahren abseits der Öffentlichkeit im Februar eröffnet worden. Bei einer zweitägigen Sitzung in Bern sind laut ISU alle Parteien angehört worden. Anschließend gaben fünf Experten ihre Meinung ab, danach entschied die Disziplinarkommission der ISU. Pechsteins Anwalt Bergmann sagt: "Angesichts der Schwere des Vorwurfs und der Sperre muss die Wahrscheinlichkeit für die ISU eine an Sicherheit grenzende sein." Nach seiner Darstellung könnten die auffälligen Blutwerte auch von einer genetischen Blutkrankheit herrühren.
Die DESG, die "bis zur rechtskräftigen Verurteilung" von Pechsteins Unschuld überzeugt ist, teilte dazu gestern mit: "Die aus Mitgliedern der ISU bestehende Disziplinarkommission war der Auffassung, Pechstein hätte den Beweis einer Blutkrankheit schon vor der mündlichen Verhandlung erbringen können. Pechstein kannte die medizinischen Hintergründe seit Ende Mai und hatte im Juni eine umfangreiche Diagnostik eingeleitet, die jedoch noch nicht abgeschlossen ist." Pechstein will ihre auffälligen Blutwerte weiterhin auf die Ursache untersuchen lassen. Anwalt Bergmann sagt dazu: "Das dauert aber mehrere Monate, weil es dafür derzeit nur drei Labore weltweit gibt."
- Datum 04.09.2009 - 17:12 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
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Sind wir jetzt schon soweit, dass unsere Sportler ohne gültige Urteile
gesperrt werden ?
Sollten nicht auch hochbezahlte Manager und Politiker so behandelt werden ?
Wo führt unsere Gesellschaft nur hin ?
Moin,
seit ca. 15 Jahren schaue ich mir keinerlei Sportveranstaltung mehr an, weder Fußball, noch sonst irgendwas. Ich bin 100% davon überzeugt, dass im Hochleistungsbereich eh nur besch***en wird. Das ist Kasperletheater auf unterstem Niveau. Warum mit so einem Mist die Zeit verschwenden? Um gepuschte Litfaßsäulen zu begucken, die sich selbst, die Konkurrenten sowie Fans/Zuschauer betrügen? Nein danke. :)
Grüße
Meine nicht den Artikel, sondern einen Fernsehbericht. Weiß nicht mehr genau ob Monitor oder Frontal 21 war.
Vor etwa 1,5 Jahren hat doch der Radprofi Patrick Zinkewitz eine umfassende Aussage getätigt über den belgischen Rennstall, für welchen er gefahren war, bevor er des Dopings überführt und gesperrt wurde. In dieser Aussage hat er genauestens die Vorgänge geschildert. Diese Aussage vor Anwälten und Ermittlern wurde anschließend an die WADA (World Anti Doping Agency) weitergeleitet. Dort ruhte sie seit 1,5 Jahren, ohne das etwas unternommen wurde. Erst während der Recherchen zu dem Fernsehbericht hat die WADA, Zinkewitz' Aussage and den Weltradsportverband weitergeleitet. Dennoch bleibt fraglich, ob es für Teamchef und Teamarzt Konsequenzen geben wird.
Das generelle Dilemma ist doch die Gier nach sportlichen Erfolgen, für den Sportler und eines großen Teils der Bevölkerung, welche die Erfolge "ihrer" Sportler zur Aufwertung des nationalen Egos haben will. In dem Zusammenhang auch die Medien, denn Erfolge erhöhen den Absatz. Erfolge im Hochleistungssport sind aber nur mit Doping möglich. Entweder in der Vorbereitung oder sogar noch während des Wettkampfes.
Ich habe noch nie gesehen, dass Medien wohlwollend über ungedopte Verlierer berichtet haben. Siege müssen her, koste es was es wolle.
Von den Helden - Stars, den Show- und Krafttieren:
Ja, ich glaube auch, dass es keinen sinnvollen und keinen gerecht urteilenden "Leistungs"-Sport geben kann, ohne Manipulationen. - Da gebe ich Pyromir Recht, auch 100%!
So lange wir aber in den Bereichen Religion, Sport und öffentliche Entspannung und Unterhaltung solche Attrappen wie Stars und Sieger und Helden - als Kapitalnehmer – uns 'leisten' zu müssen glauben, die nicht nach Kriterien wie Bildung, Künstlertum oder vorbildlich-humanem Verhalten anerkannt und gewertet werden, zitiere ich für diese so heftig allgemein erwünschten Show-Phänomene gerne Heinrich Heine:
"Priestertum, ein Rest frühester Zivilisation, nichts ist davon übrig geblieben als der Betrug". („Aufzeichnungen“. Nach der Ausgabe von Klaus Briegleb. Bd. IV/1. S. 611)
Es gibt (fast) nichts Menschliches, das nicht öffentlich in Claque und Kult vergöttern und vergöttert werden will.
Hmm,
ausgerechnet in einem Sport, der mit Ausdauer und Kraftausdauer zu tun hat soll nicht gedopt werden? Das hätte mich jetzt überrascht. In allen vergleichbaren Sportarten wird EPO, Blutdoping, etc. eingesetzt - da sollten wir uns nichts vormachen. Es wäre naiv anzunehmen, im Eisschnellauf wird nichts gemacht. Gerade in einer solchen Sportart bringen etablierte Dopingmethoden Vorteile.
Ausnahmeathleten sind in Wahrheit nur normale Leistungssportler mit den besseren Ärzten und dem besseren Material.
Bitter, das öffentlich-rechliche Fernsehen hat lange die Augen davor verschlossen, obwohl den Insidern diese Themen seit langem klar sind.
Für mich ist jede Stunde, die ich eine Sportübertragung sehe, reine Zeitverschwendung. In der Zeit mache ich lieber selbst Sport oder giesse die Pflanzen im Garten.
Leistungssport ist in den Medien nur noch Spektakel für die Massen, d.h. ein Teil der Unterhaltungsindustrie.
Unter diesen Umständen sollten wir die staatliche Förderung von Hochleistungssport weiter reduzieren. Wir sind schon lange bei den Leistungsgrenzen angekommen. Jede weitere Verbesserung ist nur mit einem Aufwand zu erreichen, der in keinem Verhältnis zum Nutzen steht. Wir sollten uns von dem Leistungswahn verabschieden.
Sport, ja. Aber dann um Spass und Gesundheit zu fördern.
Leider habe ich bislang weder in Zeitungen noch TV oder Hörfunk auch nur einen Beitrag gefunden, der einmal richtig erklärt hätte, um was es eigentlich geht.
Auch in diesem Artikel wird nur einmal kurz erwähnt, daß Frau Pechsteins Blutbild eine auffällige Retikulozytenzahl hatte, aber dann schreibt der Autor doch nur wieder über die Hämoglobin-Konzentration -was ja hier wohl gar keine Rolle gespielt hat, oder doch?
In welcher Hinsicht ist denn die Retikulozytenzahl der Dame überhaupt auffällig gewesen: war sie erhöht oder erniedrigt, oder geht es da um doch was anderes, z. B. einen Quotienten Retis / Hb?
Nach Epo-Verwendung sollte ja eine Zeit lang die Retikulozytenzahl erhöht sein, soweit klar. Aber wäre das bei einem (simulierten oder realen) Höhentraining nicht auch zu erwarten? Müßte man eine Erkrankung bemühen, um eine erhöhte Retikulozytenzahl zu erklären?
Bei einer noch erkennbaren Wirkung in Form einer stimulierten Hämopoese sollte doch außerdem noch ein Direktnachweis von Epo möglich sein. Das wiederum scheint ja nicht der Fall zu sein.
Oder war es gerade anders herum, und die Retikulozyten waren, bei erhöhtem Hb, auffällig niedrig, was die Dopingtester dann als Indiz für eine stattgefundene Bluttransfusion interpretiert haben könnten. Aber diese Konstellation -hoher Hb, niedrige Retikulozyten- könnte ja auch bei z. B. bei einem etwas zurückliegenden Höhentraining auftreten, wenn sich der Hb wieder "normalisiert", oder etwa nicht?
Für eine fundierte Antwort wäre ich jedenfalls sehr dankbar. Aus den Medien habe ich bisher aber leider keine bekommen.
Der Reticulocyten-Wert sei um 1,1% über dem Normwert gewesen. Meines Erachtens kein so außergewöhnlicher Befund, der bei Frauen aufgrund regelmäßigen Blutverlustes bei entsprechender Eisen und Vitamin-Substitution durchaus vorkommen kann.
Die "Sportmediziner" und "Dopingexperten" beziehen ihr Wissen doch wohl eher aus der dünnen Version der labormedizinischen Lehrbücher und sind in der Praxis mit Parametern wie Reticulocytenzahl nicht vertraut. Nur so ist die unsinnige Verlautbarung nur eine genetische Erkrankung/Variante könne einen solchen Wert erklären zu verstehen.
LG
Offensichtlich haben die Dopingfahnder ob ihres Wahns Dopingsünder zu erwischen das Wesentliche beim Blutdoping aus den Augen verloren. Reticulocyten hin oder her. Der leistungssteigernde Effekt des Erythropoetin-Dopings geschieht über eine Erhöhung des Hämoglobin Wertes.
Kein erhöhtes Hämoglobin - keine Leistungssteigerung - kein Doping.
Der eigentliche Punkt ist:
Wenn Frau Pechstein tatsächlich über Jahre Epo spritzt hat es bei ihr nicht gewirkt! (Was ich bei diesem an und für sich zuverlässigen medikament bezweifle)
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