US-Außenpolitik Robert McNamara ist tot
Der frühere Verteidigungsminister und Chef der Weltbank ist in seinem Haus in Washington gestorben. Der 93-Jährige galt als glückloser "Architekt des Vietnamkriegs"
Der ehemalige US-Verteidigungsminister Robert McNamara ist tot. Dies melden die Washington Post und die New York Times mit Verweis auf Familienangehörige. Nach Angaben seiner Frau soll er im Schlaf in seinem Haus in Washington gestorben sein. Der 93-Jährige soll schon länger unter gesundheitlichen Problemen gelitten haben. Eine Todesursache wurde zunächst nicht genannt.
Nach seinem Studium in Berkeley und Harvard wechselte McNamara zur US-Armee, wo er mathematische Modelle für die Bombardierung japanischer Städte mitentwickelte. Sein analytisches Wesen verhalf ihm auch bei seinen weiteren Karrierestationen zu einem schnellen Aufstieg. 1946 heuerte er beim Autobauer Ford an, den er 1960 schließlich selbst leitete. Er war der erste Konzernchef, der nicht aus der angesehenen Unternehmerfamilie stammte. Fords erfolgreiche Expansion in der Nachkriegszeit gilt als Verdienst McNamaras.
Schließlich wurde auch die Politik auf ihn aufmerksam. 1961 holte ihn Präsident John F. Kennedy nach Washington und an die Spitze des Pentagons. Dort arbeitete er sich rasch in sein neues Aufgabengebiet ein und wurde schnell zu einem der engsten Berater Kennedys.
Zu seinem vorrangigsten Aufgabengebiet gehörte der Vietnamkrieg. Unter McNamara wurden die US-Truppen in Vietnam enorm aufgestockt und die Bombardierungen immer weiter verstärkt. Dann, im November 1967, empfahl er überraschend eine Trendwende: Die Truppenstärke sollte eingefroren, die Bombardierung Nordvietnams eingestellt und der Bodenkampf Südvietnam überlassen werden. Kennedys Nachfolger, Präsident Lyndon Baines Johnson, wies diese Ratschläge umgehend zurück. McNamaras Position war diskreditiert, der lange als "Architekt des Vietnamkriegs" gefeierte Politiker musste 1968 seinen Posten räumen.
Noch Jahrzehnte später rang er mit den moralischen Verheerungen des Vietnamkriegs und erklärte den Feldzug 1995 zu einem "furchtbaren Irrtum". In seinem Buch Vietnam. Das Trauma einer Weltmacht gestand er seine historische Schuld ein: "Wir haben uns schrecklich geirrt. Amerikanische Aktionen haben zu keiner Zeit zu irgendeiner tatsächlichen und dauerhaften Sicherheit Südvietnams beigetragen."
Nach dem Rückzug vom Amt des Verteidigungsministers widmete sich McNamara seiner neuen Aufgabe an der Spitze der Weltbank, deren Präsident er bis 1981 war. Er setzte sich vor allem für die vermehrte Kreditvergabe an die Dritte Welt ein und dort insbesondere für die Ausstattung der Landwirtschaft mit industrieller Infrastruktur, die sogenannte Grüne Revolution. Für den Amerikaner dienten diese Gelder auch als probates Mittel, um kommunistische Bewegungen in den betroffenen Ländern zu unterbinden.
Im Laufe der Jahre wandelte sich der Kalte Krieger und Falke McNamara zu einem großen Befürworter atomarer Abrüstung. Auch mit den Kriegen der nachfolgenden Politikergenerationen ging er hart ins Gericht. So kritisierte er beispielsweise den Irakkrieg des George W. Bush als einen "moralischen und politischen Fehler".
- Datum 06.07.2009 - 17:25 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, kg, dpa, Reuters
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