Bologna-Prozess Schavan fordert Korrekturen
Nach einem Runden Tisch zu Problemen der Studienreform hat sich die Bundesbildungsministerin für Reformen der Bachelor- und Masterstudiengänge ausgesprochen
Drei Wochen nach dem Bildungsstreik hat Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) 20 Studentenvertreter sowie Rektoren- und Kultusministerkonferenz (KMK) zu einem Runden Tisch über die Probleme der Bologna-Studienreform geladen. Nach dem vierstündigen Treffen rief Schavan Hochschulen und Länder zur deutlichen Kurskorrektur bei der Einführung der neuen Bachelor- und Master-Studiengänge auf.
Durch eine umfassende Reform der Lehrpläne müsse die beklagte Stofffülle und Verschulung im Bachelor-Studium beseitigt, die Studienzeit-Vorgaben von Fach zu Fach flexibler gestaltet und der Zugang zum weiterführenden Master-Studium nicht künstlich beschränkt werden.
Die Studierenden müssten frei entscheiden können, ob sie nach dem Bachelor-Abschluss auch noch den Master machen wollen. Zugleich soll für die Akzeptanz des Bachelors auf dem Arbeitsmarkt verstärkt geworben und der Berufserfolg der Absolventen erforscht werden.
Während der Protestaktionen hatte die Ministerin einen Teil der studentischen Forderungen noch als "gestrig" bezeichnet.
Die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Margret Wintermantel, sagte: "Wir nehmen die studentische Kritik an der Verschulung des Bachelor-Studiums ernst." Wintermantel räumte ein, dass es bei der Einführung der vor zehn Jahren international verabredeten Bachelor-Studiengänge "Fehlentwicklungen" gegeben habe.
Die Studenten an den Hochschulen würden zu wenig gehört. Wintermantel werde Thementage vorschlagen, bei der die Studenten ihre Kritik einbringen könnten.
Sachsen-Anhalts Kultusminister Jan-Hendrik Olbertz (parteilos) warnte vor "rigiden Anerkennungsprozeduren" beim Hochschulwechsel. Darüber werde auch in der KMK noch zu reden sein.
- Datum 07.07.2009 - 18:50 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, dpa
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Im Grunde sind die Bachelor-/Masterstudiengänge z. B. in den Ingenieurwissenschaften von vorneherein falsch geplant worden.
Die Politik hat brav die Vorgaben von Brüssel oder Bologna umgesetzt, deutsch und pflichtbewusst natürlich, aber ohne jeden weitergehenden Verstand. Das Diplom hat man schnell mal gestrichen, oder zumindest hat sich keiner getraut, es im Rahmen von Bologna zu erhalten (was wohl möglich gewesen wäre). Die Universitäten haben brav alles umgesetzt und die entstandenen völlig unstudierbaren Studienpläne geschrieben. Gegen den Willen aller (na ja, zumindest der allermeisten) Professoren, die eigentlich überhaupt keinen Sinn in der ganzen Aktion gesehen haben.
Die Chancen des Bologna-Prozesses sind dadurch natürlich nicht genutzt worden, weil einfach der Stoff nur anders verpackt, aber nicht umstrukturiert wurde. Zu guter Letzt hat noch die HRK die Länge des Bachelor auf sechs statt der ursprünglich angedachten sieben Semester gekürzt und natürlich musste der entstandene Blödsinn als berufsbefähigend bezeichnet werden, obwohl eigentlich niemand will, dass Bachelor von Universitäten nach sechs Semestern in Unternehmen gehen. Nicht nur das Sammeln von Auslandserfahrung sammeln ist dadurch unmöglich geworden. Es wird auch kein Unternehmen ernsthaft die entstandene "quaifikation" nutzen wollen, außer um für billiges Geld Mitarbeiter zu bekommen. So ist die schöne deutsche Ingenieurausbildung, die weltweit anerkannt ist und viele Nachahmer gefunden hat, ganz schnell den Bach heruntergegangen.
Die Fachhochschulen waren da etwas cleverer und haben von vorneherein für sieben Semester geplant.
Das führt zu der amüsanten Lage, dass die Unis ihre liebe Not haben werden, einen Bachelor von der FH nicht zum Master zuzulassen, während auf der anderen Seite dem Bachelor von der Uni die Credits fehlen, um an der FH seinen Master zu machen. Die irgendwann mal angedachte Durchlässigkeit des Systems ist damit von vorneherein verhindert worden. Wahrscheinlich ist es leichter, von Augsburg nach Honolulu zu wechseln als nach München.
Die Reform der Reform erinnert mich irgendwie an die Rechtschreibreform, die ja auch andauernd wieder gründlich deutsch erneut reformiert wird. Ich bin auch schon gespannt, wie man dann im nächsten Schritt den Dr. zum PhD machen wird, während in einigen Ländern in Europa gerade der umgekehrte Prozess läuft. Und wie dann der Zugang der FH-Master zur Promotion an der Uni oder aber das Promotionsrecht an FHs vermurkst werden.
Nachdem die Perspektiven für den Mittelbau und den Nachwuchs sowieso schon denselben ins Ausland treiben, sind jetzt die Studenten dran. Warum eigentlich ein Semester Ausland in einen Master reinquetschen, wenn man den auch komplett im Ausland machen kann?
Interessant ist übrigens auch, dass die Studiengänge der Juristen, die diesen ganzen Quatsch sicher federführend mitbestimmt haben, bisher keinesfalls auf Bachelor oder Master umgestellt werden. Warum wohl?
Es bleibt lustig im deutschen Hochschulsystem.
@Die Politik hat brav die Vorgaben von Brüssel oder Bologna umgesetzt, deutsch und pflichtbewusst natürlich, aber ohne jeden weitergehenden Verstand. Das Diplom hat man schnell mal gestrichen, oder zumindest hat sich keiner getraut, es im Rahmen von Bologna zu erhalten (was wohl möglich gewesen wäre). Die Universitäten haben brav alles umgesetzt und die entstandenen völlig unstudierbaren Studienpläne geschrieben. Gegen den Willen aller (na ja, zumindest der allermeisten) Professoren, die eigentlich überhaupt keinen Sinn in der ganzen Aktion gesehen haben.
In der bekannt europhorischen Grundstimmung der deutschen Politik wurde in vorauseilendem Gehorsam das international anerkannte und gefragte Diplom abgeschafft, obwohl abzusehen war, daß eine derartige "Reform" die Qualität der deutschen Studienabschlüsse vermindern mußte. Aber lieber paßt die Bundesregierung die einheimischen Standards nach unten an und opfert den Ruf des hiesigen Ingenieurswesen auf dem Alter der europäischen Einigung, als auch nur auf ein Jota der von der EU-Bürokratie festgesetzten Regelungen zu verzichten.
@Es wird auch kein Unternehmen ernsthaft die entstandene "quaifikation" nutzen wollen, außer um für billiges Geld Mitarbeiter zu bekommen. So ist die schöne deutsche Ingenieurausbildung, die weltweit anerkannt ist und viele Nachahmer gefunden hat, ganz schnell den Bach heruntergegangen.
Richtig. Vielleicht kann man die Universitäten dazu zwingen, diesen Unfug zu exerzieren. Die Unternehmen lassen sich von diesem regierungsamtlich verbreiteten Nebel nicht täuschen, sondern sehen genau hin, was diese dubiosen neuen Abschlüsse taugen. Und das sieht es nach dem derzeitigen Stand nicht gut aus.
Wieso ist Deutschland gezwungen, im Namen der europäischen Einigung auf die Dinge zu verzichten, die seine wirtschaftliche Stärke und seinen Ruf ausmachen? Man muß die Bundesregierung einmal ernsthaft daran erinnern, daß wir uns europa- und weltweit in einem harten Wettbewerb befinden, und bei aller Freundschaft zu den europäischen Ländern: Auch das sind Mitbewerber in diesem Wettbewerb, und die werden nicht ungern sehen, wie sich Deutschland ohne Not selber demontiert und auf die eigenen Stärken verzichtet.
@Die Politik hat brav die Vorgaben von Brüssel oder Bologna umgesetzt, deutsch und pflichtbewusst natürlich, aber ohne jeden weitergehenden Verstand. Das Diplom hat man schnell mal gestrichen, oder zumindest hat sich keiner getraut, es im Rahmen von Bologna zu erhalten (was wohl möglich gewesen wäre). Die Universitäten haben brav alles umgesetzt und die entstandenen völlig unstudierbaren Studienpläne geschrieben. Gegen den Willen aller (na ja, zumindest der allermeisten) Professoren, die eigentlich überhaupt keinen Sinn in der ganzen Aktion gesehen haben.
In der bekannt europhorischen Grundstimmung der deutschen Politik wurde in vorauseilendem Gehorsam das international anerkannte und gefragte Diplom abgeschafft, obwohl abzusehen war, daß eine derartige "Reform" die Qualität der deutschen Studienabschlüsse vermindern mußte. Aber lieber paßt die Bundesregierung die einheimischen Standards nach unten an und opfert den Ruf des hiesigen Ingenieurswesen auf dem Alter der europäischen Einigung, als auch nur auf ein Jota der von der EU-Bürokratie festgesetzten Regelungen zu verzichten.
@Es wird auch kein Unternehmen ernsthaft die entstandene "quaifikation" nutzen wollen, außer um für billiges Geld Mitarbeiter zu bekommen. So ist die schöne deutsche Ingenieurausbildung, die weltweit anerkannt ist und viele Nachahmer gefunden hat, ganz schnell den Bach heruntergegangen.
Richtig. Vielleicht kann man die Universitäten dazu zwingen, diesen Unfug zu exerzieren. Die Unternehmen lassen sich von diesem regierungsamtlich verbreiteten Nebel nicht täuschen, sondern sehen genau hin, was diese dubiosen neuen Abschlüsse taugen. Und das sieht es nach dem derzeitigen Stand nicht gut aus.
Wieso ist Deutschland gezwungen, im Namen der europäischen Einigung auf die Dinge zu verzichten, die seine wirtschaftliche Stärke und seinen Ruf ausmachen? Man muß die Bundesregierung einmal ernsthaft daran erinnern, daß wir uns europa- und weltweit in einem harten Wettbewerb befinden, und bei aller Freundschaft zu den europäischen Ländern: Auch das sind Mitbewerber in diesem Wettbewerb, und die werden nicht ungern sehen, wie sich Deutschland ohne Not selber demontiert und auf die eigenen Stärken verzichtet.
Mehr Scheinheiligkeit vor einer Bundestagswahl habe ich selten gesehen.
Der runde Tisch hat und wird nichts bringen, dass weiß jeder, der sich mit dem Problem "Bildungspolitik in Deutschland" beschäftigt.
Frau Schavan gibt die Zuständigkeiten gleich an die einzelnen Bundesländer und Hochschulen weiter anstatt einmal auf Bundesebene klare Vorgaben zu geben. So kann das natürlich nichts werden. Genauso wie eine "Reform der Reform" das ganze Chaos nicht verbessern sondern vielmehr verschlimmern wird. Für Deutschland war das B.A./ M.A.-System von Anfang an eine schlechte Idee und der Todesstoß für die alten, qualitativ hochwertigen Abschlüsse "Made in Germany". Man muss nicht bei allem mitmachen, was auf europäischen Konferenzen beschlossen wird.
Ein weiteres, gravierendes Problem der deutschen Bildungspolitik - welches uns letztlich auch Bologna eingebracht hat - ist die Tatsache, dass hier unausgegorene "Reformen" durchgepeitscht werden, ohne auf die Gegebenheiten und Übertragbarkeit zu achten. Was in Finnland funktioniert muss noch lange nicht in Deutschland funktionieren, da das finnische Bildungssystem ein ganz anderes ist. So verhält es sich mit fast allem, was in den letzten Jahren aus diversen Bildungsministerien kam: Im Ausland machen sie dies und das und das müssen wir auch haben.
Dank dieses Vorgehens ist die deutsche Bildungspolitik keine "Politik" mehr, sondern eine Krankheit.
Der einzige Bereich wo Bachelor-Master-Studiengänge sinnvoll sind, ist in nicht aufbauenden Studiengängen. Mathematik, Physik, Chemie und Elektrotechnik hatten schon früher einen Kanon von Fächern, die belegt werden mussten, und die aufeinander aufbauen. Es ist sinnlos, den Studenten hier eine Wahl vorzugaukeln. Bei Geschichte beispspielweise kann man leichter Module aus verschiedenen Epochen zusammenwählen und einzeln prüfen.
Zudem waren die großen Vordiplom- und Diplomprüfungen auf das Gesamtverständnis ausgelegt, wärend die einzelnen Fächer die Studenten wie selbstverständlich überforderten. Erst zur Prüfungszeit fügten sich bei den Studenten endlich das Gesamtbild zusammen, was ein Meilenstein in der Studentenlaufbahn war. Das die großen Prüfungen wegfallen ist ein großer Verlust und macht es schwer niveauvolle Vorlesungen zu geben, da schlechte Prüfungsnoten auf die Endnote durchschlagen.
Die Erasmusprogramme werden schwieriger zu meistern: Es wahr schon immer schwer, sich Leistungen aus dem Ausland anerkennen zu lassen, da es eben nicht eins zu eins die gleichen Kurse im Ausland gibt. Jetzt wird völlig unnötig noch ein ominöses Punktesoll auferlegt, was letztendlich dazu führt, dass Studenten Kurse belegen mit Inhalten, die sie schon kennen unter anderen Namen, nur um Ihre Punkte voll zu bekommen, damit das Erasmusgeld nicht zurückgefordert wird.
Letztendlich sind alle dem amerikanischen Controlling-Wahn verfallen. Forscher werden an Publikationen und Zitationen gemessen, Studenten an Leistungspunkten und fitiven Wochenstundenpensen. Nur sind Akademiker von Natur aus schlau, und wenn man sie an einer Größe misst, dann machen sie halt das diese Größe größer wird, unabhängig davon, ob damit die Forschungs- oder Lernleistung steigt.
Bologna war nur unnütz. Die Punkteschemata sind schädlich. Das eine begünstigt das andere, aber das Grundübel ist der politische Wille Universitäten wie Unternehmen zu führen.
Ach wollte ich noch was über Frau Schavan sagen? Bisher kam aus Ihrem Mund nichts kluges, und der ungerichtete Aktinismus der im Artikel durchscheint, wird nach der Wahl schnell verpuffen
... ist es dieses Gemurkse, was hier verbrochen wurde zu reformieren!
Was denkt man sich eigentlich dabei, Studiengänge von 8-9 Semestern Regelstudienzeit auf 6 zu kürzen und dabei an den Inhalten nichts zu ändern? Oder bei den FH-Studiengängen einfach ein Praxissemester zu streichen- das, was doch die FH ausmacht!
Und die gute Frau Schavan wäscht ihre Hände in Unschuld- Sie hofft wohl, dass alle vergessen haben, dass sie bis vor vier Jahren noch in Baden-Württemberg als Kultusministerin ihr Unwesen getrieben hat und damit maßgeblich für die Konzeption der Studiengänge verantwortlich war...
im Namen des Turbokapitalismus, die unsere einheimischen Politiker vor kurzen noch gepriesen hatten und von denen sie angesichts der Krise nichts mehr wissen wollen, gehören auf den Müllhaufen.
Ich lerne gerne dazu, aber meines Wissens sind keine Uni-Diplome vollständig in den Bachelor gepackt worden und dem würde die angegebene Verkürzung entsprechen. Bei den mir bekannten FH-Studiengängen gibt es auch nach wie vor Praxissemester.
im Namen des Turbokapitalismus, die unsere einheimischen Politiker vor kurzen noch gepriesen hatten und von denen sie angesichts der Krise nichts mehr wissen wollen, gehören auf den Müllhaufen.
Ich lerne gerne dazu, aber meines Wissens sind keine Uni-Diplome vollständig in den Bachelor gepackt worden und dem würde die angegebene Verkürzung entsprechen. Bei den mir bekannten FH-Studiengängen gibt es auch nach wie vor Praxissemester.
@Die Politik hat brav die Vorgaben von Brüssel oder Bologna umgesetzt, deutsch und pflichtbewusst natürlich, aber ohne jeden weitergehenden Verstand. Das Diplom hat man schnell mal gestrichen, oder zumindest hat sich keiner getraut, es im Rahmen von Bologna zu erhalten (was wohl möglich gewesen wäre). Die Universitäten haben brav alles umgesetzt und die entstandenen völlig unstudierbaren Studienpläne geschrieben. Gegen den Willen aller (na ja, zumindest der allermeisten) Professoren, die eigentlich überhaupt keinen Sinn in der ganzen Aktion gesehen haben.
In der bekannt europhorischen Grundstimmung der deutschen Politik wurde in vorauseilendem Gehorsam das international anerkannte und gefragte Diplom abgeschafft, obwohl abzusehen war, daß eine derartige "Reform" die Qualität der deutschen Studienabschlüsse vermindern mußte. Aber lieber paßt die Bundesregierung die einheimischen Standards nach unten an und opfert den Ruf des hiesigen Ingenieurswesen auf dem Alter der europäischen Einigung, als auch nur auf ein Jota der von der EU-Bürokratie festgesetzten Regelungen zu verzichten.
@Es wird auch kein Unternehmen ernsthaft die entstandene "quaifikation" nutzen wollen, außer um für billiges Geld Mitarbeiter zu bekommen. So ist die schöne deutsche Ingenieurausbildung, die weltweit anerkannt ist und viele Nachahmer gefunden hat, ganz schnell den Bach heruntergegangen.
Richtig. Vielleicht kann man die Universitäten dazu zwingen, diesen Unfug zu exerzieren. Die Unternehmen lassen sich von diesem regierungsamtlich verbreiteten Nebel nicht täuschen, sondern sehen genau hin, was diese dubiosen neuen Abschlüsse taugen. Und das sieht es nach dem derzeitigen Stand nicht gut aus.
Wieso ist Deutschland gezwungen, im Namen der europäischen Einigung auf die Dinge zu verzichten, die seine wirtschaftliche Stärke und seinen Ruf ausmachen? Man muß die Bundesregierung einmal ernsthaft daran erinnern, daß wir uns europa- und weltweit in einem harten Wettbewerb befinden, und bei aller Freundschaft zu den europäischen Ländern: Auch das sind Mitbewerber in diesem Wettbewerb, und die werden nicht ungern sehen, wie sich Deutschland ohne Not selber demontiert und auf die eigenen Stärken verzichtet.
im Namen des Turbokapitalismus, die unsere einheimischen Politiker vor kurzen noch gepriesen hatten und von denen sie angesichts der Krise nichts mehr wissen wollen, gehören auf den Müllhaufen.
Ich lerne gerne dazu, aber meines Wissens sind keine Uni-Diplome vollständig in den Bachelor gepackt worden und dem würde die angegebene Verkürzung entsprechen. Bei den mir bekannten FH-Studiengängen gibt es auch nach wie vor Praxissemester.
Ich beschreibe es kurz anhand meines Studienganges:
2-Fach Bachelor in VWL und Arabistik/Islamwissenschaft.
Im laufe des 6 Semestrigen Studiums muss ich 35 Veranstaltungen a 2 Wochenstunden belegen sowie eine 40 seitige Bachelor-Arbeit schreiben. Nachbereitungszeit sowie notwendige, aber nicht-verpflichtende "Tutorien" sind da nicht eingeschlossen. Von diesen 35 Veranstaltungen sind 30 für die Abschlussnote relevant, wobei ich natürlich im Schnitt zu den besten 30% gehören muss.
Abgesehen davon sind von diesen 35 Veranstaltungen 25 vorgegeben, beim Rest habe ich die Auswahl aus meist 2-3 verschiedenen Veranstaltungen, deren Unterschiede aber marginal sind.
Von den 35 Veranstaltungen sind gerade mal 5 (!) Seminare, der Rest ist reinster Frontalunterricht/klassische Vorlesung. Diskussions und Reflektionsanteil ist also gleich Null. Die Tutorien könnten das leisten, werden aber meist von Studenten geleitet, die maximal ein Semester höher sind - ergo weitergehende Fragen oder Diskussionen nicht beantworten können.
Nach 6 Semestern habe ich angeblich weitgehende Arabischkenntnisse (mit Universitätsabschluss). In der Realität kann ich mich in keinem arabischen land verständigen, da dort nur Dialekte gesprochen werden und für Kurse in diesen Dialekten im Bachelor leider kein Platz ist. Ein Auslandsemester ist in meinem Studiengang ohnehin utopisch, da man gleich 2 Semester verlieren würde - viele Vorlesungen werden nur im 2-Semester Takt angeboten.
Kleine Ansage:
Ich schreibe die nächsten Wochen Klausuren. Wie lerne ich? Ich lerne alle Tutoriumsaufgaben auswendig und schreibe mir Karteikarten. In der Multiple-Scheiß Klausur kotze ich das dann aus und habe spätestens nach den Semesterferien 70% vergessen. Ausser in Arabisch, da finanzieren mir meine Eltern (!) einen privaten (!) Sprachkurs in Syrien.
Und bevor jemand fragt: im Vergleich zu den Naturwissenschaftler hier, habe ich es noch richtig gut. Die nehmen die Rechnung "1 Creditpunkt = 30 Arbeitsstunden" ernst. Eine tolle Rechnung, die die Politik da aufgemacht hat:
Aufs ganze Jahr verteilt ergibt das eine tägliche Arbeitszeit von 5 Stunden. Blöderweise werden in den insgesamt 5 Monaten der Semesterferien quasi KEINE Veranstaltungen angeboten und Ruckzuck ist man bei 9 Stunden täglich, 7 Tage die Woche.
In dem Zusammenhang ist es allerdings auch kein Wunder, dass die Göttinger Gastwirte keine studentischen Aushilfen mehr finden...ich habe 1 Mal während des Semesters gearbeitet und im Resultat alle Klausuren vergeigt.
Aber in den Sozialberufen beispielsweise gab es früher 2 Praxissemester, wobei man Einblick in zwei unterschiedliche Praxisfelder bekommen und gelerntes Anwenden konnte. Jetzt gibt es nurnoch eines, und in den Semesterferien bleibt auch nur wenig Zeit für (unbezahlte) freiwillige Praktika, weil hier die Leistungsnachweise hauptsächlich aus wissenschaftlichen Arbeiten bestehen... Da fällt einiges an wichtiger Erfahrung weg.
Ich beschreibe es kurz anhand meines Studienganges:
2-Fach Bachelor in VWL und Arabistik/Islamwissenschaft.
Im laufe des 6 Semestrigen Studiums muss ich 35 Veranstaltungen a 2 Wochenstunden belegen sowie eine 40 seitige Bachelor-Arbeit schreiben. Nachbereitungszeit sowie notwendige, aber nicht-verpflichtende "Tutorien" sind da nicht eingeschlossen. Von diesen 35 Veranstaltungen sind 30 für die Abschlussnote relevant, wobei ich natürlich im Schnitt zu den besten 30% gehören muss.
Abgesehen davon sind von diesen 35 Veranstaltungen 25 vorgegeben, beim Rest habe ich die Auswahl aus meist 2-3 verschiedenen Veranstaltungen, deren Unterschiede aber marginal sind.
Von den 35 Veranstaltungen sind gerade mal 5 (!) Seminare, der Rest ist reinster Frontalunterricht/klassische Vorlesung. Diskussions und Reflektionsanteil ist also gleich Null. Die Tutorien könnten das leisten, werden aber meist von Studenten geleitet, die maximal ein Semester höher sind - ergo weitergehende Fragen oder Diskussionen nicht beantworten können.
Nach 6 Semestern habe ich angeblich weitgehende Arabischkenntnisse (mit Universitätsabschluss). In der Realität kann ich mich in keinem arabischen land verständigen, da dort nur Dialekte gesprochen werden und für Kurse in diesen Dialekten im Bachelor leider kein Platz ist. Ein Auslandsemester ist in meinem Studiengang ohnehin utopisch, da man gleich 2 Semester verlieren würde - viele Vorlesungen werden nur im 2-Semester Takt angeboten.
Kleine Ansage:
Ich schreibe die nächsten Wochen Klausuren. Wie lerne ich? Ich lerne alle Tutoriumsaufgaben auswendig und schreibe mir Karteikarten. In der Multiple-Scheiß Klausur kotze ich das dann aus und habe spätestens nach den Semesterferien 70% vergessen. Ausser in Arabisch, da finanzieren mir meine Eltern (!) einen privaten (!) Sprachkurs in Syrien.
Und bevor jemand fragt: im Vergleich zu den Naturwissenschaftler hier, habe ich es noch richtig gut. Die nehmen die Rechnung "1 Creditpunkt = 30 Arbeitsstunden" ernst. Eine tolle Rechnung, die die Politik da aufgemacht hat:
Aufs ganze Jahr verteilt ergibt das eine tägliche Arbeitszeit von 5 Stunden. Blöderweise werden in den insgesamt 5 Monaten der Semesterferien quasi KEINE Veranstaltungen angeboten und Ruckzuck ist man bei 9 Stunden täglich, 7 Tage die Woche.
In dem Zusammenhang ist es allerdings auch kein Wunder, dass die Göttinger Gastwirte keine studentischen Aushilfen mehr finden...ich habe 1 Mal während des Semesters gearbeitet und im Resultat alle Klausuren vergeigt.
Aber in den Sozialberufen beispielsweise gab es früher 2 Praxissemester, wobei man Einblick in zwei unterschiedliche Praxisfelder bekommen und gelerntes Anwenden konnte. Jetzt gibt es nurnoch eines, und in den Semesterferien bleibt auch nur wenig Zeit für (unbezahlte) freiwillige Praktika, weil hier die Leistungsnachweise hauptsächlich aus wissenschaftlichen Arbeiten bestehen... Da fällt einiges an wichtiger Erfahrung weg.
Ich beschreibe es kurz anhand meines Studienganges:
2-Fach Bachelor in VWL und Arabistik/Islamwissenschaft.
Im laufe des 6 Semestrigen Studiums muss ich 35 Veranstaltungen a 2 Wochenstunden belegen sowie eine 40 seitige Bachelor-Arbeit schreiben. Nachbereitungszeit sowie notwendige, aber nicht-verpflichtende "Tutorien" sind da nicht eingeschlossen. Von diesen 35 Veranstaltungen sind 30 für die Abschlussnote relevant, wobei ich natürlich im Schnitt zu den besten 30% gehören muss.
Abgesehen davon sind von diesen 35 Veranstaltungen 25 vorgegeben, beim Rest habe ich die Auswahl aus meist 2-3 verschiedenen Veranstaltungen, deren Unterschiede aber marginal sind.
Von den 35 Veranstaltungen sind gerade mal 5 (!) Seminare, der Rest ist reinster Frontalunterricht/klassische Vorlesung. Diskussions und Reflektionsanteil ist also gleich Null. Die Tutorien könnten das leisten, werden aber meist von Studenten geleitet, die maximal ein Semester höher sind - ergo weitergehende Fragen oder Diskussionen nicht beantworten können.
Nach 6 Semestern habe ich angeblich weitgehende Arabischkenntnisse (mit Universitätsabschluss). In der Realität kann ich mich in keinem arabischen land verständigen, da dort nur Dialekte gesprochen werden und für Kurse in diesen Dialekten im Bachelor leider kein Platz ist. Ein Auslandsemester ist in meinem Studiengang ohnehin utopisch, da man gleich 2 Semester verlieren würde - viele Vorlesungen werden nur im 2-Semester Takt angeboten.
Kleine Ansage:
Ich schreibe die nächsten Wochen Klausuren. Wie lerne ich? Ich lerne alle Tutoriumsaufgaben auswendig und schreibe mir Karteikarten. In der Multiple-Scheiß Klausur kotze ich das dann aus und habe spätestens nach den Semesterferien 70% vergessen. Ausser in Arabisch, da finanzieren mir meine Eltern (!) einen privaten (!) Sprachkurs in Syrien.
Und bevor jemand fragt: im Vergleich zu den Naturwissenschaftler hier, habe ich es noch richtig gut. Die nehmen die Rechnung "1 Creditpunkt = 30 Arbeitsstunden" ernst. Eine tolle Rechnung, die die Politik da aufgemacht hat:
Aufs ganze Jahr verteilt ergibt das eine tägliche Arbeitszeit von 5 Stunden. Blöderweise werden in den insgesamt 5 Monaten der Semesterferien quasi KEINE Veranstaltungen angeboten und Ruckzuck ist man bei 9 Stunden täglich, 7 Tage die Woche.
In dem Zusammenhang ist es allerdings auch kein Wunder, dass die Göttinger Gastwirte keine studentischen Aushilfen mehr finden...ich habe 1 Mal während des Semesters gearbeitet und im Resultat alle Klausuren vergeigt.
Eine interessante Darstellung.
War der dargestellte Studiengang früher wirklich ein 9-semestriger Universitätsstudiengang? Sind 2 Fächer von dem Umfang üblich? (VWL ist ja eigentlich auch schon ein eigenes Studium).
70 Wochenstunden für sagen wir mal 5 Semester + Bachelorarbeit klingt nach 14 Stunden/Woche. Habe ich das richtig verstanden?
Warum musst Du im Schnitt zu den besten 30% gehören?
Fehlende Zeit für Auslandsaufenthalte ist bei einem Sprachenstudiengang natürlich der GAU. Klingt alles nicht so richtig durchgeplant...
Eine interessante Darstellung.
War der dargestellte Studiengang früher wirklich ein 9-semestriger Universitätsstudiengang? Sind 2 Fächer von dem Umfang üblich? (VWL ist ja eigentlich auch schon ein eigenes Studium).
70 Wochenstunden für sagen wir mal 5 Semester + Bachelorarbeit klingt nach 14 Stunden/Woche. Habe ich das richtig verstanden?
Warum musst Du im Schnitt zu den besten 30% gehören?
Fehlende Zeit für Auslandsaufenthalte ist bei einem Sprachenstudiengang natürlich der GAU. Klingt alles nicht so richtig durchgeplant...
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