Rechtsextremismus Hilfe, die Nazis kommen!Seite 3/3
Am Abend vor dem Spieltag zeichnete sich ab, dass die Storkower keine Freunde des Rasselns sind. "Eine Schande, dass die NPD demonstrieren darf, die gehört verboten", sagte ein älterer Mann am Stammtisch im Ruderklub. "Wir sollen das jetzt ausbaden. Aber ohne mich, ich gehe aufs Wasser."
Samstag früh haben die vom Aktionsbündnis Transparente aufgehängt, die Schulen hatten bunte Plakate malen lassen, SPD und Linke holten ihre Materialien aus dem Keller, man war stolz auf das gemeinsame Handeln. Doch als am Samstagmittag die kahl rasierten, schwarz gekleideten Männer am Storkower Bahnhof ankommen, ist es unter den grünen Zelten beim "Fest der Demokratie" leer. "Eine Schande, dass so wenige da sind", sagt Gabriele Baum. Sie hat das Fest mitorganisiert.
Die Straßen sind voller Polizei, sonst ist keiner unterwegs, als um 15 Uhr der Neonazimarsch beginnt. Als der an der Frau und den beiden Kindern vorbeikommt, die allein an der Ecke stehen, mit dem Laken und den bunten Rasseln, brüllen die schwarzen Männer ins Megafon: "Gib den Kindern das Spielzeug zurück." Aber die drei rasseln weiter, mit starrer Miene, so laut es geht.
Bei der Kundgebung auf dem Marktplatz dankt die NPD für den "gelungenen Wahlkampfauftakt" und dass Energie Cottbus sich nicht von den Storkowern habe "politisch instrumentalisieren" lassen und abgesagt habe. Ab jetzt wolle man sich nicht mehr bieten lassen, dass Vereine und die Feuerwehr nach der Gesinnung ihrer Mitglieder fragten.
Das Fußballspiel ist davon unbeeinträchtigt angepfiffen worden. 1200 Storkower sind am Fußballplatz. Die Jugendmannschaft und Stars aus dem DDR-Fußball spielen, statt der Hauptmannschaft von Energie Cottbus tritt eine Brandenburg-Auswahl des Zweitligisten und Babelsberg 03 an. Die Gäste gewinnen.
Für Johann Kney und für die Bürgermeisterin ist der Tag am Ende ein Erfolg für Storkow. "Die ganzen Bedenken waren vollkommen unbegründet", sagt Kney. Außerdem: So viele kommen sonst nie auf den Dorffußballplatz.
"Vielleicht lernen die Storkower aus dem Tag", sagt Unternehmer Witzke. Vielleicht gehen im September mehr zur Wahl und stimmen für die Demokratie.
Vielleicht auch nicht.
- Datum 02.09.2009 - 12:44 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel, 7.7.2009 - 07:23 Uhr
- Kommentare 2
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:







Irgendwie hat sich mit steigendem Alter bei mir und meinen Schulfreunden die Ansicht durchgesetzt, dass Demonstrationen nicht wirken. Man versucht gezielt zu spenden, schreibt Briefe an politsche Entscheidungsträger, engagiert sich komunalpolitisch oder kulturell - wenigstens im Sportverein. Einige versuchen immer noch, unsere Mitbürger mit Informationsveranstaltungen in Fußgängerzonen zu erreichen, zu den verschiedensten Themen wie Umweltschutz oder staatliche Überwachung.
Aber Demonstrationen? Der maximale Effekt einer Demo - ohne Gewalt - waren einmal 30 Minuten Diskussion mit einem Landesschulpolitker. Dabei waren wir auf vielen Demonstrationen, man läuft mit der Masse, und die Stimmung kann schnell seltsam werden, wenn Gerüchte über Polizei-Angriffe (die es dann so doch nie gab) oder ähnliches die Runde machen. Geändert hat sich irgendwie nie etwas: es haben Rechtradikale aufgehört, Gewalt auf die Strasse zu tragen; es hat sich in der Schulrealität etwas geändert; die Kernkraft-Frage ist immer noch in der Schwebe; wir verteidigen unsere gesellschaftlichen Auffassungen (oder die Menschenrechte?) am Hindukusch;
Und dann kommt so ein schwarzer Block, ob es die Rechten oder die Linken sind, ist erstmal egal. Sie müssen noch nicht einmal Gewalt ausüben, allein die Masse wirkt bedrohlich (für mich die Linken weniger, das hat wahrscheinlich was mit der Sozialisation zu tun). Und sie erobern die Straße, verhindern unsere normalen Aktivitäten, führen zu einem weitern Rückzug (als hätten wir uns nicht schon ausreichend vom gesellschaftlichen Leben entfernt).
Hilfe - die Nazis kommen!
Was sollen wir tun? Die Strasse zurückerobern? Uns genauso verachtend gegenüber den staatlichen Errungenschaften verhalten, immer wieder sinnfreie Präsenzdemos anmelden? Angst verbreiten - Hilfe, die wasauchimmer kommen!
Betroffenheit über die Bedrohung. Aber was haben wir entgegenzusetzen? Taugen unsere Gesetze, reicht es, dem Staat das Feld zu überlassen? Oder den ganz jungen engagierteren Mitbürgern?
Ein Beispiel zu geben, sich tolerant zu verhalten gegenüber anderen Kulturen; Herkunft ohne Vorurteile zu betrachten; den Gegensatz zwischen staatsbürgerlichem Selbstschutz (wir können nicht der ganzen Welt ALG2 zahlen) und Menschenrechten auszuhalten; reicht das?
Was tun, wenn die Nazis kommen?
Sehen sie sich die Typen genau an. Wer laut schreit, der flötet auch im Wald und guckt abends unter sein Bett. Wer sich mit Knüppeln bewaffnet zeigt mit diesen Drohgebären seine Angst. Nur in der in der Masse mischt er mit.
In meinem Alter von 82 Jahren vergleicht man meist von damals…...
1945 März Kriegsgefangenenlager Zedelgem(Belgien) war am schwarzen Brett ein Zettel-Wir treffen und heute um… am schwarzen Brett und beraten –Was machen wir wenn der Führer die neuen Waffen über unser Lager abwirft? Das im März 1945 Nazis…..
Wir waren in dem Camp von 1000 Gefangenen ca. 5 Mann die sich das Hakenkreuz von der Uniform entfernt hatten. Es bildete sich schnell ein Rollkommando das sich mit Stöcken bewaffnete sie suchten immer nur einen von uns um ihn dazu zu bringen das Hoheitsabzeichen wieder anzunähen. Ich war als Fallschirmjäger gut ausgebildet und hatte vorsorglich mein Hakenkreuz in die Latrine geworfen. So wurde ich dann beim täglichen Morgenapell als Verräter beschimpft bedroht……Nach dem Apell ging ich sehr oft durch die einzelnen Baracken und nie versuchte einer auch nur verbal sich mit mir anzulegen. Einmal erschienen sie in der Dunkelheit vor unserer Baracke-sie war mit 80 Mann belegt-und wollten mich abholen- Der Barackenälteste ein Feldwebel wies das Pack ab „Wenn es hier etwas zu regeln gibt machen wir es selbst…“
Am 8 Mai 1945 war der Spuk zu Ende! Nazis gab es im Lager nicht mehr!
Walter Wasilewski
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren