Venezuela
Demokratieverständnis à la Chávez
Weil der Bürgermeister von Caracas ein bekannter Oppositionspolitiker ist, hat Venezuelas Präsident ihn kurzerhand entmachtet. Der Bürgermeister ist nun im Hungerstreik

© Pedro Rey/AFP/Getty Images
Antonio Ledezma bei seiner Vereidigung zum Bürgermeister von Caracas im Dezember 2008
"Hier können Sie nicht rein", sagt einer der Polizisten. Die Vertretung der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) in der venezolanischen Hauptstadt Caracas ist für die Öffentlichkeit geschlossen. Es herrscht Trubel vor dem Eingang: Schaulustige warten auf Neuigkeiten. Hinter Absperrband liegen Leute auf Matratzen. Fernsehteams haben ihre Kameras aufgestellt.
Drinnen im Gebäude befindet sich der Oberbürgermeister von Caracas, Antonio Ledezma, im Hungerstreik. Der 54-jährige Oppositionspolitiker nimmt seit Freitag nur noch Wasser zu sich. "Er ist ziemlich geschwächt", sagt seine 17-jährige Tochter Antonietta. "Die Ärzte haben ihm darum jeglichen Besuch untersagt. Selbst ich werde nicht zu ihm vorgelassen."
Über den Internetdienst Twitter fordert Ledezma ein Eingreifen der OAS. Wie beim Staatsstreich in Honduras vor wenigen Tagen müsse das internationale Gremium die Demokratieverletzungen der venezolanischen Regierung ahnden. Blass wirkt das Stadtoberhaupt auf einem von seinem Pressestab veröffentlichten Foto. Er liegt auf einer Matratze. In der Hand hält er die venezolanische Verfassung.

Im Hungerstreik: Caracas Bürgermeister Antonio Ledezma
Es ist der mediale Hilferuf eines Demontierten. Ledezma musste in den vergangenen Monaten mit ansehen, wie Präsident Hugo Chávez ihn systematisch seiner Kompetenzen beraubte. Der Chef der kleinen Oppositionspartei "Alianza Bravo Pueblo" ("Allianz Tapferes Volk") sicherte sich bei der Regionalwahl im November mit 52 Prozent das Amt des "Alcalde Mayors" der Sechs-Millionen-Metropole Caracas - gegen den Kandidaten des linkspopulistischen Staatschefs. Auch deswegen, weil der sozialistische Vorgänger abgesehen von Korruptionsaffären nicht viel vorzuweisen hatte.
Dem frisch gekürten Oberbürgermeister, der mit seiner Brille und dem ausgehenden Haupthaar wie ein Uni-Professor wirkt, blieb keine Zeit, den Sieg zu genießen. Kurz nach seiner Vereidigung stürmten Chávez-Anhänger mit der Waffe im Anschlag das Rathaus, im Januar besetzten regierungsnahe Gruppen weitere Gebäude der Stadtverwaltung. Ledezma musste in einem Hochhaus im Stadtzentrum sein provisorisches Hauptquartier aufschlagen.
Die Regierung übergoss den ausgesperrten Volksvertreter mit Spott. Innenminister Tarek el Aissami unterstellte ihm "Verfolgungswahn". Ledezmas Kollege in Libertador, dem größten und einzigen chávistisch regierten Bezirk von Caracas, nannte ihn gar eine "Heulsuse". Die Polizei schaute tatenlos zu.
Für Ledezma kam es noch ärger: Die von Chávez kontrollierte Nationalversammlung ordnete dem Stadtoberhaupt im April eine Art Gouverneur über, ein Amt, das in ähnlicher Form in den neunziger Jahren schon existierte und dann abgeschafft wurde – und ironischerweise auch einmal von Ledezma ausgeübt wurde. Die neue "Regierungschefin des Hauptstadtdistriktes" ernannte der Präsident höchstpersönlich. Ex-Umweltministerin Jacqueline Faría hat als Chefin des staatlichen Telefonkonzerns Cantv und Vizepräsidentin der Regierungspartei PSUV schon zwei Posten – erfüllt aber ein wichtiges Kriterium: Sie ist Chávista.
- Datum 8.7.2009 - 14:05 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Wie soll man das nun beurteilen, wo doch USA als der Böse so richtig nicht mehr taugt. Chavez will den Sozialismus, und der kann sich halt keine Amtsträger leisten die nicht mitziehen. PLanwirtschaft kann nur durch das Kooperieren aller funktionieren. Für den Versuch eines dritten Weges, falls es den überhaupt geben kann, halte ich Chavez und seine Leute schlicht untauglich. Und das Volk hat sich dazu entschieden, diesen Weg zu gehen.
Nun ja... zu einer Demokratie gehört aber auch, dass man sich umentscheiden kann, wenn einem der Weg nicht mehr so ganz gefällt. Das nur als Info.
Ich warte gespannt auf die nächsten Chavezfans, die mich einmal mehr überzeugen werden wollen, dass man halt ein bisschen Diktatur braucht, um Venezuela auf Vordermann zu bringen.
Macht doch eine orange-grüne Revolution dort!
Langsam kann man diese durchsichtige Manipulationen durch die Spiegelweltzeitallgemeine nicht mehr ertragen, die Botschaft ist so was von sonnenklar: Wer nicht exakt so denkt wie wir (bzw. unsere Fürdenker), muss weg.
Der demokratisch gewählte Bürgermeister einer Millionenstadt wird de facto entmachtet und Polizei und Justiz schauen zu. Es gibt keine offizielle Anklage gegen den Mann. Erstens: Finden sie nicht, dass das nicht in jedem Fall - und egal wo geschehen- eine Meldung wert wäre? Zweitens: Finden sie dieses Verhalten verdient der Rechtfertigung?
Lassen wir doch das alberne Gutmenschentum, politisch, sozial oder sonstwie.
Es geht doch nur um die Macht. Argumente finden sich immer, spielen keine Rolle und sind nur für die Dummen.
Chavez hats geschafft, wird mit seinen Günstlingen das Volk in den nächsten Jahren aussaugen - natürlich dekoriert mit ein paar Doktores aus Kuba - und anschließend irgendwie enden. Das Volk hat ein paar populistische Parolen bekommen, hat mit Chavez-Fähnchen ein paar schöne Stunden gehabt und ist dann hoffentlich von einer weiteren Illusion geheilt.
Das wird ihm nicht helfen, das es nichts wirklich kapiert und deshalb Spielball bleibt. Wird der Druck zu groß, kommt es zu Revolution und sogenannter Volkherrschaft, wirds noch schlimmer und ein Erlöser à la Napoleon muß her.
Trostlos
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