Erinnerung an Billie Holiday Zwischen Satin und ZuckerrohrSeite 2/2

Billie Holiday (Eleanora Fagan, 1915 - 1959) pays close attention to Louis Armstrong (1900 - 1971). They are both appearing in the film, 'New Orleans' directed by Arthur Lubin. (Photo by Hulton Archive/Getty Images)
"He isn't true / He beats me, too / What can I do?": Untreu, gewalttätig, aber geliebt, so beschrieb Holiday die Männer in vielen Songs. Auch im echten Leben geriet sie immer wieder an Typen wie ihren dritten Ehemann Louis McKay, einen Mafioso, der ihr Geld verprasste und ihre Drogensucht ausnutzte. Die Kaschemmen, in denen sie zu Beginn ihrer Karriere auftrat, hatten es mit sich gebracht, dass sie trank, kiffte, schließlich Heroin nahm. Ein Kritiker bezeichnete Drogen als "Berufsrisiko" der Musiker. Später verlor sie ihre Auftrittslizenz für Lokale, in denen Alkohol ausgeschenkt wurde, und damit einen wichtigen Teil ihres Lebensunterhalts.
Die späten Vierziger, frühen Fünfziger waren Holidays große Zeit. Aus diesen Jahren stammen die berühmten Bilder, Abendrobe, Gardenie im Haar. Sie sang in der Carnegie Hall, sogar in der Metropolitan Opera, ging 1954 auf eine ausgedehnte Europa-Tournee. Holiday nahm Songs auf wie Autumn in New York, Night and Day, Don't Explain und vor allem God Bless The Child, dessen Co-Autorin sie ist. Das späte Lady in Satin zeigt die Spuren der Drogen in ihrer Stimme.
Die Nachricht vom Tod Lester Youngs am 15. März 1959 stürzte Billie Holiday in eine tiefe Krise. Am 31. Mai musste sie ins Metropolitan Hospital, Leber und Herz machten nicht mehr mit. Polizisten standen vor ihrem Krankenzimmer, sie galt als verhaftet, Drogenbesitz. Von ihren Einkünften hatten andere gelebt: Als Billie Holiday am 17. Juli 1959 an einer Leberzirrhose starb, hatte sie 70 Cent auf der Bank und ein Zeitschriftenhonorar von 750 Dollar in bar bei sich.
Der Schriftsteller Leonard Feather sagte, "ihre Stimme war die Stimme lebendiger Intensität, der Seele (im wahren Sinn dieses missbrauchten Worts). Als Mensch war sie süß, sauer, zart, gemein, großzügig, profan, liebenswert und unmöglich." Und genau so klang sie auch.
Eine ausführliche Diskografie und viele Audios von Billie Holiday finden Sie hier »
Plattenrezensionen, Künstlerporträts und Netzradio rund um die Uhr gibt's auf zeit.de/musik »
Sie wollen auf dem Laufenden bleiben? Klicken Sie hier, und unser RSS-Newsletter bringt Ihnen die Musik direkt auf den Schirm.
- Datum 17.07.2009 - 14:32 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 2
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:









Kalenderblatt im dradio
Don`t explain in besserer Tonqualität als der link im Artikel.
Und ein Film über die Entstehung von Strange Fruit
Es ist sicher viel wahr an den typischen Bluesstories, mit denen die Plattenfirmen für Ihre Künstler werben. Elend als Verkaufsanreiz besonders für Europäer. Dass viele Jazzmusiker ne Menge Geld verdient haben und einen ausschweifenden Lebensstil pflegten, ist aber genauso wahr, und schon in den 30-iger Jahren gab es schwarze Musikerdynastien die königlich lebten. Michael Jackson´s Reichtum hat eine Tradition. Dass es der Mehrzahl der schwarzen Bevölkerung dagegen schlecht ging, ist auch belegte Tatsache.
Jazz ist keine proletarische Musik, sie hat eine gewissen sozialen Status zur Voraussetzung, die es möglich macht, dass junge Musiker ihr Handwerk lernen. Heute ist Jazz ja elitär und bildungsbürgerlich geworden und möchte mit den Bluesrootes nicht mehr so viel zu tun haben.
Mich stört einfach das Bild vom armen, ständig unter Drogen dahinsiechenden Jazzer, der geniale Musik macht. Die Fotos von den top gestylten, wohlgenährten Herren im Anzug, die voller Zuversicht und Freude dreinblicken, sprechen eine andere Sprache. Tatsache ist, dass Leute wie Charlie Parker vor allem wie verrückt geübt haben und deshalb so toll spielen konnten.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren