Gesundheit im Alter Dementierte Demenz
Verwirrtheit im Alter hat häufig andere Ursachen als Alzheimer – viele lassen sich gut behandeln

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Bei vielen Menschen streikt im Alter irgendwann das Gehirn. Doch nicht immer ist die Ursache Alzheimer – und es gibt Hoffnung auf Besserung
Zuerst die gute Nachricht: Im Alter nehmen die positiven Gefühle zunächst einmal zu und die negativen ab. Trotz nachlassender körperlicher Gesundheit wird etwa ab 60 die seelische Gesundheit besser. Und nun die schlechte Nachricht: Mit ungefähr Mitte 70 ändert sich das. Depressionen, Angststörungen und Psychosen nehmen zu, wobei aber ein Auf und Ab zu beobachten ist. Nur die Rate der Demenzen steigt unaufhaltsam.
Das habe zu starken Forschungsaktivitäten geführt, die allerdings in den letzten Jahren keine weiteren Fortschritte für die Therapie brachten, sagte der Bonner Hochschul-Psychiater Wolfgang Maier in Berlin. Dort hatten das Zentrum für Sozialpolitik der Universität Bremen und die Gmünder Ersatzkasse (GEK) zu einem Kongress über "Psychische Krankheiten bei Kindern und älteren Menschen" eingeladen. Die anderen psychischen Störungen mit ihren Altersbesonderheiten fänden zu wenig Beachtung, kritisierte Maier.
Ohnehin würden selbst schwere psychische Krankheiten viel zu oft übersehen, meinte Tagungsleiter Gerd Glaeske von der Universität Bremen. "Unterversorgung ist die Folge". Der Hamburger Hochschul-Geriater Wolfgang von Renteln-Kruse sieht das genauso. Besonders betroffen seien jene betagten Patienten, die "multimorbide" sind, also mehrere Leiden zugleich haben, darunter oft Demenz oder Depression, was den Aufwand für die Versorgung und die Behandlungsergebnisse stark beeinflusst.
Als Sprecher des Kompetenznetzes Demenzen ging Wolfgang Maier hauptsächlich auf die krankhafte Form des geistigen Altersabbaus ein, die nicht geheilt, nur gelindert und etwas verzögert werden kann und die der häufigste Grund für eine Heimeinweisung ist.
Aber nicht jeder Zustand, der danach aussieht, ist tatsächlich eine dieser unheilbaren Demenzen. Die Hälfte der Demenzkranken leiden tatsächlich an dem "Alzheimer-Krankheit" genannten degenerativen Gehirnleiden, bei einem Drittel der Patienten ist die Erkrankung gefäßbedingt – etwa bei Arteriosklerose oder nach einem Schlaganfall. Die restlichen Fälle sind die Folge verschiedener anderer Krankheiten.
Die Diagnose ist anfangs schwierig. In Deutschland gibt es laut Maier rund 190.000 neue Demenzerkrankungen pro Jahr und insgesamt 1,2 Millionen Kranke. Es gebe viel zu wenige Nervenärzte und diese sähen meist nur die Patienten, deren Hirnleistungsstörungen schon weit fortgeschritten seien. Von den nicht speziell geschulten Ärzten der ersten Linie aber werde dreimal häufiger eine Demenz vermutet als sie tatsächlich vorliege. Dafür würde die Hälfte der wirklich Demenzkranken nicht als solche erkannt.
- Datum 17.07.2009 - 08:22 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel, 16.7.
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