Energieversorgung
Konsortium gibt Startschuss für Desertec-Projekt
Binnen drei Jahren wollen die Initiatoren der Sonnen-Kraftwerke in Afrika realisierungsreife Pläne vorlegen. Das Energie-Potenzial der Wüstenregionen ist enorm
Die Pläne deutscher Unternehmen zur Erzeugung sollen spätestens ab November Gestalt annehmen. Wie die zwölf an dem Projekt "Desertec Industrial Initiative" beteiligten Unternehmen mitteilten, wird bis Ende Oktober eine Planungsgesellschaft mit dem Namen DII gegründet, die unter anderem Fragen der Finanzierung klären soll. Binnen drei Jahren sollen dann realisierungsreife Pläne für das Sonnenstrom-Projekt vorliegen.
Ziel der Initiative ist es, aus der Sonnenhitze des nordafrikanischen Wüstengürtels Strom zu gewinnen und nach Europa zu liefern. Wann die Sonnenstromanlagen ans Netz gehen, ist noch offen. Bis 2050 wollen die Unternehmen 400 Milliarden Euro investieren. Die Europäische Union stellte Hilfe bei der Anschubfinanzierung in Aussicht.
Die Initiatoren erhoffen sich einen wirksamen Beitrag gegen die weltweite Erwärmung der Atmosphäre. "Im Erfolgsfalle würden wir einen großen Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel leisten", sagte Münchener-Rück-Vorstand Torsten Jeworrek. Max Schön, Präsident der Deutschen Gesellschaft des Club of Rome, ergänzte, Desertec sei ein Schritt der Industrie zur nachhaltigen Sicherung der Lebensgrundlagen der Menschheit.

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Desertec geht auf eine Initiative des Club of Rome von 2003 zurück, jener internationalen Vereinigung von Ökonomen, Unternehmern und Wissenschaftlern, die sich durch Studien zu Zukunftsfragen der Menschheit hervorgetan hat. Politisch unterstützt wird das Vorhaben, dem auch Siemens, E.on, RWE und die Deutsche Bank angehören, von der Europäischen Union und der Bundesregierung.
Zum Einsatz kommen soll die sogenannte Parabolrinnen-Technologie, die bereits seit Mitte der achtziger Jahre in der kalifornischen Mojave-Wüste und mittlerweile auch beim Solarkraftwerk Andasol in Andalusien genutzt wird. Über Dampf und Turbinen wird Sonnenenergie in Strom umgewandelt. Die sogenannte Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung soll dafür sorgen, dass der Strom nicht nur in Nordafrika zur Verfügung steht, sondern auch nach Europa fließt.
Die Initiatoren hoffen, dass dies bereits 2020 der Fall ist. Bis zum Jahr 2050 sollen Sonnenkraftprojekte 15 Prozent des europäischen Strombedarfs decken. Der Desertec-Stiftung zufolge bringt die Sonne den Wüsten der Erde innerhalb von sechs Stunden mehr Energie, als die Menschheit binnen eines Jahres verbraucht.
Kritiker hegen allerdings gravierende Zweifel an der Machbarkeit des Megaprojekts. Sie verweisen auf die gewaltigen Kosten sowie die politischen Risikofaktoren in der Region und halten außerdem den Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland für sinnvoller.
Für die Befürworter steht hingegen fest: Der Klimawandel durch Treibhausgase sowie der steigende Strombedarf in Nordafrika und im Nahen Osten machen das Projekt sehr attraktiv. Greenpeace begrüßte das Vorhaben und forderte die Bundesregierung auf, sichere politische Rahmenbedingungen für die Investitionen zu schaffen.
Auch Gerhard Knies, Mitinitiator von Desertec, wies die Einwände gegen das Wüstenstrom-Projekt zurück. Die Investitionen umfassten eine "kleine Summe" im Vergleich zu dem, was im Energiebereich sonst investiert werde. "Im Kraftwerkssektor sind das Peanuts."
Knies wies außerdem das Argument zurück, Europa würde sich mit dem Projekt von problematischen Staaten abhängig machen. "Bei der Öl- und Gasversorgung sind wir schon jetzt sowohl von Libyen und Algerien sehr abhängig – und das klappt hervorragend." Mit Jordanien, Ägypten, Tunesien oder Marokko stünden weitere "recht stabile und zuverlässige" Länder als mögliche Partner bereit. Zudem würden diese Staaten zusätzlich stabilisiert, wenn sie eine Industrie zum Bau der Kollektoren entwickelten und dann den Stromverkauf als Einnahmequelle hätten.
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- Datum 18.9.2009 - 10:38 Uhr
- Serie Nachhaltigkeit
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters 13.7.2009 - 15:32 Uhr
- Kommentare 19
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> Kritiker hegen allerdings gravierende Zweifel an der Machbarkeit des Megaprojekts mit künftig gut 400 beteiligten Parteien. Sie verweisen auf die horrenden Kosten und die politischen Risikofaktoren in der Region. <
Dem kann ich mich nur anschließen. Die Zahl 400 alleine sagt schon alles aus. Die Entfernung ist einfach zu groß und die politischen Risiken ebenfalls. Solar-Energie aus Spanien ... wunderbar.
Gruß, Bernd
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... ist es vor allem, sich von knapp vorhandenem erdöl aus dem nahen osten abhängig zu machen.... wenn man es richtig anstellt, kann man mit dem ausbau der erneuerbaren zusärtlich jede menge arbeitsplätze in der region schaffen... ob dass allerdings auch auf dem programm steht, ist die frage...
komisch, dass in dem artikel nicht ein land namentlich genannt wird, sondern es geht mal wieder generell um afrika...mann mann mann... was für algerien gilt, muss nicht zwangsläufig auch für mali gelten.. aber dass das hierzulande irgendwann mal gecheckt wird, ist wohl eine illusion...
gehen der Erde die Ressourcen aus. Zukünftig Strom aus Sonnen- und/oder Windenergie zu gewinnen ist zwingend notwendig. Das Projekt ist eine sehr gute Idee, wenn auch schwierig in der Umsetzung. Eine Alternative fällt mit jetzt pauschal nicht ein...
die aus alten Zeitungen pures Gold macht. Kritiker sagen allerdings, dass sich das negativ auf den Goldmarkt auswirken könnte...
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... dass dieses Projekt unseren Politikern und Stromkonzernen gut als Öko-Feigenblatt dienen könnte, und in der Folge einheimische erneuerbare Energien auf Sparflamme geköchelt bzw. gar nicht weiter ernsthaft verfolgt werden.
Es ist bekannt, dass mit Voltaik-Modulen an Fassaden und Lärmschutzwänden, die Hälfte des deutschen Strombedarfs gedeckt werden kann. Ganz ohne teure transkontinentale Stromleitungen.
Mit Windgeneratoren könnte der gesamte Strombedarf Deutschlands übererfüllt werden. Ganz ohne teure transkontinentale Stromleitungen.
Pufferspeicher könnten überall dort eingerichtet werden, wo Hügel und Berge stehen, deren Untergrund soweit wasserdicht ist/gemacht werden kann, dass er Speicherwasser halten kann.
Die Nordafrika-Idee ist dahingehend interessant, dass Afrika zukünftig mit billiger Energie (nachdem die Installationsinvestitionen abgeschrieben sind) versorgt werden kann. Ich sehe nicht, dass die Münchner Rück an dahingehender Entwicklungsarbeit interessiert sein könnte. Ich zweifle sehr, dass sich die Nordafrikaner so ohne weiteres mit der Zuschauerrolle bei dem Projekt begnügen. Unruhen wären vorprogrammiert.
... ist es vor allem, sich von knapp vorhandenem erdöl aus dem nahen osten abhängig zu machen.... wenn man es richtig anstellt, kann man mit dem ausbau der erneuerbaren zusärtlich jede menge arbeitsplätze in der region schaffen... ob dass allerdings auch auf dem programm steht, ist die frage...
komisch, dass in dem artikel nicht ein land namentlich genannt wird, sondern es geht mal wieder generell um afrika...mann mann mann... was für algerien gilt, muss nicht zwangsläufig auch für mali gelten.. aber dass das hierzulande irgendwann mal gecheckt wird, ist wohl eine illusion...
Selbstverständlich sind bei einem solch ambitionierten Projekt sofort die Hasenfüße und Reichsbedenkenträger aufgerufen, ihren ablehnenden Senf abzusondern. Vielleicht haben wir uns schon zu sehr daran gewöhnt ausschließlich evolutionäre Erneuerungen, basierend auf dem Bekannten und Bewährten zuzulassen. Die revolutionären Ideen sind dem Durchschnittsdeutschen, der den Öffentlichen Dienst für einen Hort der Glückseligkeit hält, eher fremd und bedrohlich.
Das Projekt Desertec halte ich für eine mutige Idee, die geeignet scheint zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen; nämlich die nachhaltige, ökologische Produktion von Energie und die Teilhabe des politisch instabilen Afrikanischen Kontinents am Wohlstand. Um den letztgenannten Aspekt wird die industrialisierte Welt nämlich nicht umhin kommen, wenn sie die gesicherte Energieversorgung aus der Wüste herbeiführen will. Die in Afrika anzutreffende bittere Armut und Unterversorgung ist m. E. der ausschlaggebende Faktor für politische Instabilität und die zunehmende Radikalisierung in Afrika. Die Teilhabe afrikanischer Nationen am Wohlstand, über die Produktion und den Verkauf weltweit nutzbarer Energie, wäre somit eine nicht hoch genug einschätzbare global friedensstiftende Maßnahme.
Ich bin übrigens überzeugt davon, daß das Projekt auch technische Innovationen hervorbringen wird, die seine Verwirklichung erleichtern. Das war bisher immer so. Technischer Fortschritt dümpelt vor sich hin, wenn er ausschließlich in Laboren und über Computeranimationen betrieben wird. Konkrete Projekte hingegen beflügeln Phantasie Forschergeist.
Und Folgendes dürfte doch wohl auch feststehen: Unter der Regentschaft der Hasenfüße wären die Menschen nie auf dem Mond gelandet.
Es mal wieder so typisch für dieses Land eine gute Idee und ein gutes Projekt anzustossen und es dann gleichzeitig von allen Seiten totzureden.
Ist es zu teuer?
Wohl kaum. 400 Milliarden in 40 Jahren sind keine so extrem hohe Summe. Wenn man bedenkt, dass 400 Parteine beteiligt werden, schrumpft die Summe pro Anteilseigener nochmal kräftig zusammen.
Ist es nutzlos?
Niemand bestreitet den Nutzen eines solchen Projektes. Die Leute in der Region bekommen Arbeit. Die Regierung dieser Länder bekommt Einnahmen. Über die Finanzierung sichert sich Europa Einfluss. Zusammen ergibt das einen nicht unerheblichen Beutrag zur Stabilisierung - selbst wenn alle Kommentatoren Afrikaner generell für unfähig zu halten scheinen.
Wird der heimische Ausbau von "Ökoenergie" gehemmt?
Sicher nicht. Die Bauprojekte der nächsten 20-30 Jahre (Zeitrahmen Desertec 50 Jahre) sind eingepreist und teilweise schon im Bau. Der deutsche Stromverbraucher ist verwöhnt. Es soll bitteschon Öko und günstig sein. Da kommt man als Verkäufer einfach in Zugzwang. Markt kann auch funktionieren...
Warum es also mal wieder kaputt quatschen?
Weil generell meckern nun mal herrlich einfach und furchtbar publikumswirksam ist. Unsere Politiker machen es jeden Tag vor.
Wo wäre denn die Menschheit, wenn die Leute auch so rumgeheult hätten, dass die Gebrüder Wright doch ein so sinnlos teures Projekt verfolgen? Oder die Raumfahrt aus Kostengründen doch bitte zu stoppen wäre? Lasst uns die Unis schliessen. Was da an Geld rausgeht... usw.
Die Vorteile, die dieses Projekt der Welt bringen kann, sind enorm. Ich finde es grossartig, dass die EU und auch die deutsche Regierung an diese Vision glauben und dafür arbeiten, sie wahr zu machen.
schon zu viele Fehlentwicklungen bezahlt.
Da ist Misstrauen sehr verständlich.
Nur als Beispiel:
Die offshore-Windkraft sollte auch mal Strom zu einigermaßen vernünftigen Preisen liefern - jetzt, wo bereits viel investiert wurde, springt der Preis plötzlich auf das vierfache des Preises.
Bei Desertec ist Misstrauen sehr berechtigt:
Die Summe von "400 Milliarden €" ist schon jetzt das 10-fache der Summe, die mal in Atomtechnik subventioniert wurde (und auch die sollte mal billiger sein!).
Die Technik (Prabolspiegel) ist zwar bekannt (aus "Andasol" in Spanien), aber der Preis ist einfach zu hoch.
Es ist überhaupt nicht zu begreifen, warum der Preis wirklich so massiv sinken sollte, im Gegenteil!
"Andasol" ist eigentlich sehr simple Technik mit viel Rohstoffaufwand.
Die Rohstoffpreise waren sehr weit "unten", als Andasol gebaut wurde - jetzt sind sie stark gestiegen (z.B. Edelstahl und dessen Komponenten).
Es ist mit tödlicher Sicherheit vorherzusagen, dass das Projekt "Desertec" mitten in der Wüste sehr viel teurer wird!
Dabei gibt es seit vielen Jahren eine viel bessere Idee, nämlich:
Windkraftwerke im Norden Westafrikas,
ausgereifte Technik auch aus Deutschland,
sehr gut kalkulierbare Preise, die WEIT unter dem "Normalpreis" liegen (bei 3 ct./KWh),
zu bauen in einer völlig leeren Region, die aber immerhin nicht sehr weit weg von Zivilisation ist (Senegal und Marokko).
und das Beste:
Für den Anfang liegen schon Kabel von Spanien nach Marokko.
Desertec ist ein Totgeburt von Beginn an,
und die "Deutschen" sind mit sehr viel Grund misstrauisch gegenüber solchen Selbstbereicherungsprojekten!
Wenn man vielleicht sogar noch ein wenig weiter denken könnte und nicht beim Strom aufhört könnte dieser erste Vorstoss später einmal so gefeiert werden wie JFK für seine berühmte Rede zur Landung von Menschen auf dem Mond.
Wenn man es noch detailierter sieht kann man mit Hilfe dieser Technologie die Art unserer Energiegewinnung von einer "Wegwerfwirtschaft" auf eine Kreislaufwirtschaft umstellen.
Mit Gewinnen für ALLE.; damit meine ich nicht nur die ärmsten Länder der Erde sondern auch uns Europäer, und last but not least das Klima.
Mein Kommentar vom 23.12.2008 auf Zeit online beschreibt es.
Hartwig Sendner
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