Zwangserkrankungen

Gefangen im eigenen Leben

Ist der Herd ausgeschaltet? Die Tür abgeschlossen? Solche Gedanken bestimmen den Alltag mancher Menschen. Eine Verhaltenstherapie hilft ihnen, die Zwänge loszuwerden

Ist diese Tür wirklich angeschlossen? Manche Menschen macht diese Frage buchstäblich wahnsinnig. Eine Therapie kann helfen

Ist diese Tür wirklich angeschlossen? Manche Menschen macht diese Frage buchstäblich wahnsinnig. Eine Therapie kann helfen

Am Anfang stand ein "komischer Gedanke". Er klingt harmlos: Charlotte Behring (Name geändert) öffnete eine Schublade, sah darin Zigaretten und ein Feuerzeug: "Und auf einmal", erzählt sie, "kam mir die Fantasie, dass ich etwas anzünden könnte."

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Kurz darauf habe dann die Angst vor ihren möglichen Taten begonnen und damit ihre Zwänge. Die beherrschten sie schließlich so sehr, dass sie irgendwann kein eigenes Leben mehr hatte. "Es war das Leben meines Zwangs geworden." Bald konnte sie nicht mehr Auto fahren, weil sie stets glaubte, jemanden überfahren zu haben.

Und überall, so schien es ihr, brannten Kerzen: Teelichter zwischen Wäschestapeln, die sie zusammengelegt hatte, Leuchter dicht neben Gardinen, angezündet von ihr selbst. "Ich habe immer gedacht, alles brennt ab, und ich bin schuld." Sie konnte die komischen Gedanken und ihre tatsächlichen Handlungen nicht mehr auseinander halten und glaubte, dass sie alles, was sie dachte, auch tat.

Jahrelang war sie der Meinung, sie sei die Einzige, die unter solchen Vorstellungen litt. Ein Monster. Eine Psychologin und ein Psychoanalytiker, bei denen sie in Behandlung war, sprachen nur von "Ängsten". Diese Ängste wurden aber trotz Therapie nicht weniger. Sechs Jahre nach dem ersten "komischen Gedanken" wurde sie schließlich nach einem Zusammenbruch in eine spezielle Klinik eingeliefert. Dort hörte sie zum ersten Mal den Begriff "Zwänge" und erfuhr, dass es viele Menschen gibt, die sie haben.

"Rund zwei Prozent der Bevölkerung leidet unter Zwangserkrankungen, aber nur jeder zehnte Patient wird adäquat behandelt", sagt Eva Kischkel, Therapeutin in der Hochschulambulanz für Psychotherapie und Psychodiagnostik des Instituts für Psychologie der Humboldt Universität in Adlershof. Kischkel forscht über Zwangsstörungen und behandelt Patienten.

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Leser-Kommentare

  1. Ein wenig genauer sollten wir´s im Leben schon nehmen, dann würden wir uns oft die Probleme nicht immer wieder erneuern, die wir doch loswerden wollen. Wenn man Zwangsvorstellungen LOSwerden will, muss man sich dann VERhalten? Als Ich-kann-Schule-Lehrer würde ich doch meinen, dass ENThalten da weitauszielführender wäre. Deshalb machte ich da auch keine VERhaltenstherapie sondern eine ENThaltenstherapie: eine Pflege und Verehrung des Enthaltens. Griech. THERAPEUEIN heißt nämlich VEREHREN, PFLEGEN. Dadurch würde das ENThalten zu Kräften kommen und sich gegen den Zwang durchsetzen, indem es sich einfach ANDERE Vorstellungen wählt, die ihm besser gefallen und bekommen. AUTOSUGGESTION würde ich das nennen, geschickt eigenen Einfluss ausüben. Dann kommen fremde Einflüsse nicht mehr so zum Zug.
    Der Zwang kommt ja zum Tragen wenn der Betroffene zu schwach ist, über seine Seelen- und Geistes-Kräfte zu verfügen. Folglich wäre es doch nicht unklug, diese Seelen- und Geisteskräfte zu stärken. Wir füttern ja den Körper auch mehrmals pro Tag - warum also Geist und Seele immer hungern lassen? AUTOSUGGESTION - eigenen Einfluss ausüben um den eigenen Einfluss zu stärken - was wird in solchem Falle mehr benötigt? Wir müssen nur wieder lernen, ORIGINAL mit unseren feinsten Talenten umzugehen und nicht immer unüberlegt alles mögliche auf sie anzuwenden. Vielleicht sollten wir etwas dafür wiederentdecken, was früher allgemein bekannt war: den gesunden Menschenverstand. Ich grüße freundlich.
    Franz Josef Neffe

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