Killerspiel-Debatte Wir sind, was wir spielen

Was Computerspiele für uns und unsere Gesellschaft bedeuten: Der Sammelband "Wie wir spielen, was wir werden" präsentiert den Stand der Forschung

Endlose Wellen heranstürmender Soldaten: So sahen die Gegner aus, die sich Tomohiro Nishikado für sein Automatenspiel vorstellte. Doch dann kamen dem japanischen Programmierer Zweifel. Wäre es nicht unmoralisch, auf Menschen zu schießen? Nishikado entschied sich, die Soldaten durch Aliens zu ersetzen. Und landete mit Space Invaders 1978 einen Welterfolg.

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Die Politik möchte die sogenannten Killerspiele verbieten, die Gamer sind entsetzt - hier finden Sie die Texte zur Debatte

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Das Spiel löste, den Aliens sei Dank, keine Gewaltdebatte aus. Ganz anders die Reaktion auf ein Arcade-Game, das zwei Jahre zuvor erschienen war. In Death Race galt es, möglichst viele Strichmännchen mit dem Auto zu überfahren. Das amerikanische National Safety Council bezeichnete das Spiel als "sick, sick, sick". Nach anhaltenden Protesten und Automaten-Verbrennungen wurde das Death Race schließlich eingestellt.

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Heute wirken die beiden Spiele mit ihrer pixeligen Grafik reichlich harmlos. Das Beispiel indes zeigt, die Wirkung von Gewaltdarstellungen ist stark vom gesellschaftlichen und narrativen Kontext abhängig. Selbst abstrakte Videospielgewalt konnte Ende der siebziger Jahre tief verstören. Wurde sie aber in die harmlose, weil erkennbar fiktionale Handlung einer Alien-Invasion eingebettet, war die Gewalt akzeptierbar.

Ein Mechanismus, der auch bei heutigen Videospielen noch ganz gut funktioniert, zum Beispiel im Action-Adventure Tomb Raider mit der berühmten Grabräuberin Lara Croft. "Dass sie immer wieder Gewalt einsetzen muss, stand ihrem Aufstieg zum virtuellen Superstar offensichtlich nicht im Wege", schreibt Michael Nagenborg in seinem Beitrag zum gerade erschienenen Forschungsband Wie wir spielen, was wir werden. Lara räumt ihre Gegner mit großer Selbstverständlichkeit aus dem Weg, weil sie, wie ihr Film-Pendant Indiana Jones, das individuelle Streben nach Abenteuerlust perfekt verkörpert.

Nagenborg zeigt, dass je nach Videospiel-Genre die Gewalt ganz unterschiedlich legitimiert wird: Im Survival-Horror-Shooter à la Doom ist es der Selbsterhaltungstrieb, der die Protagonisten zur Gegenwehr bringt. Und in den unzähligen Kriegsspielen muss immer wieder der vorgebliche historische Realismus herhalten, wenn es um die Darstellung von Brutalität geht.

Wobei hier oft eher das nachgestellt wird, was Hollywood bereits vormachte. Besonders deutlich wird das bei der Inszenierung der Landung in der Normandie im Spiel Medal of Honor, an dessen Entwicklung unter anderem Regisseur Steven Spielberg beteiligt war, der das Thema auch filmisch in Saving Private Ryan verwurstet hat.

Es spricht für die Interdisziplinarität des Buches Wie wir spielen..., dass kulturwissenschaftliche Texte wie der von Michael Nagenborg neben "klassischen" Beiträgen zur empirischen Wirkungsforschung stehen. Das Anliegen der beiden Herausgeber Tobias Bevc und Holger Zapf, eine breit gefächerte Auseinandersetzung mit dem Thema Computerspiele, ist aller Ehren wert. Allzu häufig wird eine sachliche Diskussion vom medialen Schlachtenlärm übertönt. So ist seit dem Amoklauf von Winnenden die "Killerspiel"-Debatte wieder in vollem Gange.

Leser-Kommentare
    • Euwie
    • 09.07.2009 um 19:43 Uhr

    Wenn ich mir anschaue, wie Menschenverachtend Schach ist, hätte das schon längst verboten sein müssen.
    Damen werden geschlagen. Bauern geopfert. Springer gabeln Feinde auf. Und dann werden auch noch die Schwarzen gezielt benachteiligt, weil sie nie beginnen dürfen. Also auch noch Rassismus. Im Englischen mischt auch noch die Kirche mit (Der "Bishop "ist hierzulande als Läufer benannt). Am Ende liegen irrwitzig viele Leichen am Rande des Spielfeldes, und die verschwinden noch nicht mal.

    Wenn man sich das so mal anschaut, wie viele Weltkriege zu Zeiten des Schachs geführt wurden (Zwei), und wie viele zu Zeiten der Computerspiele (Null), ist ja wohl klar, was demnächst verboten werden muss.

    Wann wird endlich ein weltweites Schachverbot durchgesetzt?

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    Mhhh.... und dann natürlich auch Stoppschilder für Onlineschachangebote, schon wegen der Kinder.

    • MCBuhl
    • 10.07.2009 um 20:28 Uhr

    :-)

    • promo
    • 21.10.2009 um 9:24 Uhr

    Für mich sehr gelungen erklärt. Wer weiß was sich Kinder später für Kriegstaktiken ausdenken könnten, wenn sie in Counter-Strike schon Profis sind. Ich hoffe man versteht die Ironie =)

    Mhhh.... und dann natürlich auch Stoppschilder für Onlineschachangebote, schon wegen der Kinder.

    • MCBuhl
    • 10.07.2009 um 20:28 Uhr

    :-)

    • promo
    • 21.10.2009 um 9:24 Uhr

    Für mich sehr gelungen erklärt. Wer weiß was sich Kinder später für Kriegstaktiken ausdenken könnten, wenn sie in Counter-Strike schon Profis sind. Ich hoffe man versteht die Ironie =)

  1. Ein interessanter Gedanke am Ende, den ich auch voll und ganz unterstütze: Computerspiele müssen die Chance geben, die Geschichte des Spielers zu erzählen. Genauso wie die Autoren des Buches sehe auch ich da die Zukunft. Vor allem zusammen mit Internet als Räumlich unbegrenzter Komunikationsplatform mit Infalten von allen für alle kann man das Ziel erreichen. Simpelste Methode wäre sicherlich Pen&Paper Spieleklassiker wie z.B. Das Schwarze Auge in Grafik und Ton mit Komunikation per Internet anzubieten.

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    Nein bitte nicht an DSA rummurksen. Die Vorstellung von Dere wurde schon durch das letzte Spiel arg angegriffen. Einfach mit Stift, Papier und Würfeln weitermache ... bitte.

    Nein bitte nicht an DSA rummurksen. Die Vorstellung von Dere wurde schon durch das letzte Spiel arg angegriffen. Einfach mit Stift, Papier und Würfeln weitermache ... bitte.

  2. Nein bitte nicht an DSA rummurksen. Die Vorstellung von Dere wurde schon durch das letzte Spiel arg angegriffen. Einfach mit Stift, Papier und Würfeln weitermache ... bitte.

    Antwort auf "Erzählpotential"
  3. Mhhh.... und dann natürlich auch Stoppschilder für Onlineschachangebote, schon wegen der Kinder.

    Antwort auf "Killerspiel"
  4. ihr Technik-Wichte, dass euren Youngsters die Spiele-Industrie nicht Spiele nach Hollywood-Filmen wie "Untraceable" vorsetzt.

    Die kriegen dann schnell raus, wie sie euch abschalten, und das nicht gerade Senioren-freundlich.

    • MCBuhl
    • 10.07.2009 um 20:28 Uhr
    6. :-)

    :-)

    Antwort auf "Killerspiel"
    • promo
    • 21.10.2009 um 9:24 Uhr

    Für mich sehr gelungen erklärt. Wer weiß was sich Kinder später für Kriegstaktiken ausdenken könnten, wenn sie in Counter-Strike schon Profis sind. Ich hoffe man versteht die Ironie =)

    Antwort auf "Killerspiel"

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