Harry Potter Triumph des Verrats
Der sechste Harry-Potter-Band ist auch in der Verfilmung das bisher düsterste Kapitel der Geschichte. Leider weicht die Handlung entscheidend vom Original ab
Am Ende des abenteuerlichen Märchens, als die Guten und die Bösen sich zum letzten Gefecht gegenüber stehen, als der Konflikt zwischen den Weltrettern, die an Mitmenschlichkeit glauben, und den Weltzerstörern, die eine Gewaltherrschaft wollen, unentrinnbar wird, siegt gegen jede poetologische Regel, gegen den ganzen moralischen Sinn des Genres das Böse. Es ist eine stürmische Mondnacht, düstere Wolkengebirge ziehen über das Schloss, als oben auf dem höchsten Turm der Zauberschule Hogwarts die Kontrahenten aufeinandertreffen.
Mit gezückten Zauberstäben bedrohen die Todesser den aufrechten alten Schulleiter Dumbledore. Er ist der mächtigste unter den guten Zauberern, eine Lichtgestalt des Humanismus, der Vorurteilsfreiheit, der Aufklärung. Doch gerade seine Bereitschaft, unter allen Umständen an das Gute im Menschen zu glauben, wird ihm zum Verhängnis. Denn der Blitz, der plötzlich durch die gebannte Stille zuckt und Dumbledore in die Brust trifft, kommt aus dem Zauberstab seines Verbündeten. Kein Geringerer als Severus Snape, der Zwielichtigste der Lehrer, den der Schulleiter stets gegen alle Verdächtigungen, ein heimlicher Todesser zu sein, in Schutz genommen hat, wird zum Mörder. Dumbledore stürzt über die Zinnen, fällt ins tiefste Dunkel – und Harry Potter steht daneben und sieht zu.
Der Triumph des Verrats und die Höllenfahrt des Idealismus – das ist das literarische Wagnis von Joanne K. Rowlings vorletztem Harry-Potter-Band. Harrys Tatenlosigkeit in der Todesstunde seines Beschützers ist jedoch die Crux in der Verfilmung von David Yates.
Denn als Zuschauer versteht man nicht, warum der Junge mit der Blitznarbe nicht kämpft. Anders als im Roman ist er im Film nicht unsichtbar unter seinem Tarnumhang verborgen und vor allem nicht durch einen vorsorglichen Schockzauber Dumbledores gelähmt. Im Buch ist Harry zum Zuschauen verdammt, der Leser erlebt die Niederlage des Guten aus der qualvollen Lage eines gefesselten Augenzeugen, der innerlich tobt. Doch im Film könnte Harry handeln, wenn er sich nur entschlösse, wenn er kein zaudernder Hamlet wäre.
Vielleicht hat der Drehbuchschreiber Steven Cloves sich für diese entscheidende fatale Änderung entschieden, weil es so schwierig ist, mit filmischen Mitteln die Gemütsbewegungen eines Unsichtbaren darzustellen. Es war schon in den früheren Potter-Filmen ein Problem, dass sie ihren Titelhelden unsympathischer, unentschlossener, feiger und trotteliger darstellten als in den Romanen.
Doch nun wird mit Harry zugleich der Sinn seiner ganzen Geschichte entstellt. Der Held der Handlung handelt nicht, sondern bleibt den Intrigen von Lord Voldemorts Todessern ausgeliefert. Enthält das Märchen also keine höhere Moral?
Joanne K. Rowlings Potter-Romane wurden millionenfach verkauft, weil sie ein Versprechen enthalten: Sie sind die poetische Verteidigung einer Utopie nach dem Ende aller realen Utopien. Rowlings Utopie ist philanthropisch trotz des durchaus misanthropischen, zutiefst realistischen Weltbildes der Autorin: Der gute Mensch vermag kraft seines Willens die Menschheit vor dem bösen Menschen zu retten. Seine Waffen sind Herz und Verstand, aber was ihn zum Überwinder seiner selbst macht, ist seine Entscheidungsfreiheit. Rowling predigt auf humorvolle, fantastische, höchst unterhaltsame Weise, dass wir uns für das Gute oder das Böse entscheiden können, und dass es nie zu spät ist, sich anders zu entscheiden.
- Datum 10.07.2009 - 14:33 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Ich finde es nicht in Ordnung, dass die Zeit hier so viele Details preisgibt. Es gibt sicherlich viele, die die Bücher noch nicht gelesen haben und ganz gespannt auf den Film warten.
Eine Rezension, sei es zu Film oder Buch, ist nur schwer möglich, wenn nicht auch Details aus dem Inhalt miteinbezogen und damit dem Leser der Rezension "verraten" werden. Ich frage mich, warum Harry Potter immer eine Extrawurst bekommen soll. Sogar in der ZEIT wurden bei einer Rezension (ich glaube zum sechsten oder siebten Band) Details aus der Handlung nur spiegelverkehrt (!) preisgegeben.
buch- oder filmbesprechungen sind an sich schon spoiler, wer sich den spaß nicht verderben will, sollte den artikel einfach nicht lesen.
aber vielleicht können die betreffenden autoren der "zeit" ja einen warnhinweis in die überschrift setzen ... "achtung spoiler".
Eine Rezension, sei es zu Film oder Buch, ist nur schwer möglich, wenn nicht auch Details aus dem Inhalt miteinbezogen und damit dem Leser der Rezension "verraten" werden. Ich frage mich, warum Harry Potter immer eine Extrawurst bekommen soll. Sogar in der ZEIT wurden bei einer Rezension (ich glaube zum sechsten oder siebten Band) Details aus der Handlung nur spiegelverkehrt (!) preisgegeben.
buch- oder filmbesprechungen sind an sich schon spoiler, wer sich den spaß nicht verderben will, sollte den artikel einfach nicht lesen.
aber vielleicht können die betreffenden autoren der "zeit" ja einen warnhinweis in die überschrift setzen ... "achtung spoiler".
Ohne auf Details einzugehen wäre eine Filmbesprechung wahrscheinlich ein bißchen langweilig. Außerdem glaube ich nicht, dass es so viele Leute gibt, die das Buch noch nicht gelesen haben. Und falls doch, dann sollten sie es tun, bevor sie sich den Film ansehen. Obwohl mir die Verfilmung von "Der Orden des Phoenix" in einigen Aspekten gefallen hat, fand ich sie im Vergleich zum Buch doch enttäuschend. Besonders die vielen humorvollen Stellen, in denen es der alten Umbridge am Ende heimgezahlt wird, habe ich sehr vermißt. Ärgerlicher finde ich es allerdings, wenn Charaktere verändert werden, wie es anscheinend nun im Falle von Harry selbst geschieht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Harry in einer solchen Situation wie jener, in der Dumbledore umgebracht wird, nicht eingreifen würde. Verstehe diejenigen nicht, die solche Änderungen beschließen.
Eine Rezension, sei es zu Film oder Buch, ist nur schwer möglich, wenn nicht auch Details aus dem Inhalt miteinbezogen und damit dem Leser der Rezension "verraten" werden. Ich frage mich, warum Harry Potter immer eine Extrawurst bekommen soll. Sogar in der ZEIT wurden bei einer Rezension (ich glaube zum sechsten oder siebten Band) Details aus der Handlung nur spiegelverkehrt (!) preisgegeben.
buch- oder filmbesprechungen sind an sich schon spoiler, wer sich den spaß nicht verderben will, sollte den artikel einfach nicht lesen.
aber vielleicht können die betreffenden autoren der "zeit" ja einen warnhinweis in die überschrift setzen ... "achtung spoiler".
Eine Filmbesprechung sollte natürlich auch immer auf den Inhalt eingehen, aber doch nicht (ohne Vorwarnung) den Schluss verraten. :-(
Ich bin auch der Meinung, dass ein Film als eigenständiges Kunstwerk stehen muss und eine zu enge Bindung and die Buchvorlage daher nicht gut ist. So wie Marcel Reich-Ranicki gebeten hat, aus seinem Buch einen Film zu machen, aber keine Verfilmung seines Buches.
Dass jedoch Harry im Film, anders als im Buch, nicht magisch zum unsichtbaren Zuschauer degradiert(!) wird, ist meiner Ansicht nach eine bedachte und gelungene Änderung der Handlung.
--> Wegen der vielen Beschwerden hier eine ausdrückliche SPOILER - Warnung <--
Bevor Harry mit Dumbledore Aufbricht belauscht er ihn dabei, wie er Snape an einen Schwur erinnert und bedingungslose Gefolgschaft einfordert, ohne eine Widerrede zu dulden. Dumbledore ist (natürlich) die Anführergestalt der Guten. Er weiß dies und macht Ansprüche auf Gehorsam und Vertrauen unmissverständlich deutlich.
Das erkennt Harry und ihm fällt es deshalb schwer, vor seiner Abreise mit Dumbledore unbedingten Gehorsam zu schwören, tut es aber vollen Ernstes.
Nach ihrer Rückkehr, als Dumbledore Angegriffen wird gibt er Harry den Befehl(!) sich zu verstecken und nicht einzugreifen und betont außerdem sein Vertrauen in Snape.
Als dieser schließlich auch die Plattform betritt, sieht es noch teilweise so aus, als wolle er Dumbledore zu Hilfe kommen. Und jetzt beweist sich Harry als "Dumbledores Mann, durch und durch".
Er hat Gehorsam geschworen, und er hält ihn trotz aller seiner Bendenken und trotz der Tatsache, dass er den Schwur unter vier Augen geleistet hat ihn also im Grunde niemand zur Rechenschaft ziehen kann. Außerdem vertraut er Dumbledore und vertraut darum auch Snape - misstraut ihm zumindest nicht voll und ganz - so wie Lupin es für richtig und wichtig erklärt hat.
Harry ist also nicht feige, genauso wenig wie Snape, der ähnliche Bündnispflichten hat und auch bedenken.
Vielmehr charakterisiert diese Szene Harry und Dumbledore sehr gelungen, was an anderen Stellen im Film durchaus - gegenüber dem Buch - zu kurz kommt.
Harry hat sich entschieden, auf Dumbledores Seite zu stehen. Er vertraut ihm Bedingungslos und wir dies auch im siebten Band/Film unter Beweis stellen. Es gibt größere Kräfte als Magie, durch die er gebunden ist. Kräfte, die auf gegenseitigem Vertrauen beruhen, und die Dumbledore wie kein zweiter aufzubauen weiß.
Dumbledore benötigt keine Magie, um sich Gefolgschaft zu sichern. Keine unbrechbaren Schwüre, keine dunklen Male, keine Drohungen oder Sanktionen. Er benötigt Verständnis, Einfühlungsvermögen, Weisheit, Offenheit, und Ehrlichkeit, um seine Autorität und das Vertrauen in ihn zu sichern. Und so ist auch ein Zeuge nicht vonnöten, um einen Schwur zu besiegeln, so wie beim unbrechbaren Schwur.
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