EU-Beitrittsgesuch Nackte Not treibt die Isländer in die EUSeite 2/2
Bei der von jahrelanger Vollbeschäftigung verwöhnten isländischen Bevölkerung wird der Unmut derweil immer größer. Der Kleinunternehmer Björn Mikkaelsson setzte sich am Wochenende in einen Baubagger und riss einfach sein aus Kanada importiertes, völlig überschuldetes Einfamilienhaus südlich von Reykjavik ab. Dann setzte er sich in seinen ebenso kreditfinanzierten BMW und fuhr in die Trümmer seines Hauses. „Die Banken haben mich völlig unfair behandelt“, klagt er.
Die Kosten der auf Island verbreiteten Fremdwährungskredite für Häuser und Autos sind durch den Währungsverfall astronomisch in die Höhe geschossen. Auch wer keine Kredite hat, muss den Gürtel sehr eng schnallen. Steuern wurden erhöht, und auch die Lebenshaltungskosten sind stark gestiegen, weil ein Großteil der Waren importiert werden muss. Zudem erlaubten die Gewerkschaften den in Not geratenen Arbeitgebern auch noch deutliche Lohnkürzungen.
Innerhalb weniger Monate stieg die Arbeitslosenrate von rund einem auf fast neun Prozent. Den kürzlich noch boomenden Bausektor traf es zuerst, nun erstreckt sie sich auf alle Branchen. Viele qualifizierte Arbeitskräfte werden das Land wohl verlassen müssen. Das bestätigt Frank Friedriksson vom Arbeitsamt. „Es gibt eine größere Auswanderungswelle, vor allem nach Norwegen“, sagt er. Auch von den rund 20.000 zumeist polnischen Gastarbeitern haben Tausende die Insel wieder verlassen.
Die Wirtschaft ist seit dem Zusammenbruch des bis zur Krise so bedeutenden Finanzsektors zu ungefähr je einem Drittel vom Fisch, dem Aluminiumexport und dem Tourismus abhängig. „Damit diese Bereiche aber weiter funktionieren, brauchen wir eine funktionierende Währung und die EU. Ich hoffe, dass meine Landsleute das bei der Volksabstimmung nicht wieder vergessen haben. Die Möglichkeit gibt es leider“, sagt der isländische EU-Experte Audunn Arnorsson.
- Datum 17.07.2009 - 10:00 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, 16.7.
- Kommentare 18
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http://kommentare.zeit.de...
Da sich endlich die Finanzgeschäfte als Fatah Morgana offenbart haben, ist der Weg für REALInvestitionen frei. Island bietet unter vielen Gesichtspunkten hervorragende Möglichkeiten Realinvestitionen zu tätigen. Diese müssen sich im Vergleich zu windigen Finanzprodukten allerdings auch lohnen.
Der Beitritt in die EU wird das Problem der vollkommenen Überschuldung nur dann lösen, wenn die EU bereit ist die Kosten des Bankrotts teilweise zu übernehmen.
Aus eigener Kraft wird das Land für lange Zeit seine schulden nicht begleichen können. Aber in diese Situation haben sich die Herren und Damen aus dem Norden Aufgrund eigener Fehlentscheidungen hineinmanöveriert.
"...Finanzsektors zu ungefähr je einem Drittel vom Fisch, dem Aluminiumexport und dem Tourismus abhängig. „Damit diese Bereiche aber weiter funktionieren, brauchen wir eine funktionierende Währung und die EU. Ich hoffe, dass meine Landsleute das bei der Volksabstimmung nicht wieder vergessen haben. Die Möglichkeit gibt es leider“, sagt der isländische EU-Experte Audunn Arnorsson."
Ich glaube es wäre einfacher für die Isländer, sie würden sich bankrott erklären, eine Währungsreform machen und fertig.
Ich bin sicher, für Fisch und Aluminium wird es auch weiterhin einen Markt geben, lediglich die Umtauschmodalitäten für die Währung würden sich ändern. Treten sie der EU bei, müssen sie nicht nur die völlig unrealistischen Schulden und entsprechende Zinsen bedienen, würden ihre schwer erkämpften Fischzonen vermutlich verlieren, sie wären auch nur ein weiterer Zwergenstaat in der von Deutschland und Frankreich dominierten EU. Der Sozial- und Steuerkonkurrenz gnadenlos ausgesetzt.
Also haben sie im Prinzip die Wahl zwischen problematischer Eigenständigkeit und europäischer Schuldknechtschaft und Abhängigkeit. Wenn ich die Isländer richtig einschätze werden sie den ersten Weg gehen, wie jeder vernünftige Mensch das tun würde. Notfalls müssen sie das jetzige Parlament halt wieder verjagen, dass sie das beherrschen haben sie ja bewiesen.
Ich drück euch die Daumen, liebe Isländer. Bitte unterwerft euch nicht der EU und dem sie beherrschenden Finanzkapital, dann wären alle eure Kämpfe umsonst gewesen. Es gibt immer einen Weg ohne die Brüsseler Bürokratendiktatur!
Zitat:"...Bitte unterwerft euch nicht ... dem sie beherrschenden Finanzkapital..." ...hab ich irgendwas verpasst, oder sind die Isländer nicht gerade deswegen in der Krise weil sie sich in den letzten Jahren dem internationalen Finanzkapital hemmumngslos ausgeliefert haben...auch ganz ohne EU ;-)
Zitat:"...Bitte unterwerft euch nicht ... dem sie beherrschenden Finanzkapital..." ...hab ich irgendwas verpasst, oder sind die Isländer nicht gerade deswegen in der Krise weil sie sich in den letzten Jahren dem internationalen Finanzkapital hemmumngslos ausgeliefert haben...auch ganz ohne EU ;-)
vollkommen bankrotter Staat, der sein Heil in der Alimentierung durch die EU sucht, der sich auch wohl anders nicht mehr zu helfen weiß.
Bekommen diese Leute denn auch volles Stimmrecht? D.h. können sie ihnen mißliebige aber für die Nettozahler nützliche Entscheidungen kippen? Müssen sie auch noch der Krücke EU-Vertrag zustimmen oder haben sie zu akzeptieren?
Dürfen sie weiterhin dem Waleschlachten frönen, da dies isländissches Kulturgut ist, oder werden sie darauf verzichten müssen? fragt ...
Kuni
Besser semiintellektuel als grenzdebil
Zitat:"...Bitte unterwerft euch nicht ... dem sie beherrschenden Finanzkapital..." ...hab ich irgendwas verpasst, oder sind die Isländer nicht gerade deswegen in der Krise weil sie sich in den letzten Jahren dem internationalen Finanzkapital hemmumngslos ausgeliefert haben...auch ganz ohne EU ;-)
... es ausgenutzt. Es ausnutzen und sich unterwerfen sind zwei unterschiedliche Sachen, wenn du es nicht glaubst, brauchst du dir nur mal die Reallohnentwicklung in Island mit der in Deutschland zu vergleichen.
Sie haben diese Ausnutzung teuer bezahlt, als das System crashte. Letztlich sind es aber nicht die Bürger, die diese Sache verbrochen haben, sondern ihre Politiker. Ebenso unsere ebenfalls teure Unterwerfung. Daher würde ich als Isländer gegen die EU stimmen.
... es ausgenutzt. Es ausnutzen und sich unterwerfen sind zwei unterschiedliche Sachen, wenn du es nicht glaubst, brauchst du dir nur mal die Reallohnentwicklung in Island mit der in Deutschland zu vergleichen.
Sie haben diese Ausnutzung teuer bezahlt, als das System crashte. Letztlich sind es aber nicht die Bürger, die diese Sache verbrochen haben, sondern ihre Politiker. Ebenso unsere ebenfalls teure Unterwerfung. Daher würde ich als Isländer gegen die EU stimmen.
Zugegeben es ist christlich in Not gekommenen zu helfen. Island hatte Jahrzehnte Zeit sich für die EU zu entscheiden. Jetzt sind wir für die Hälfte der Bevölkerung gut genug helfen zu dürfen. Die Isländer wollen Hilfe ohne für Europa zu sein. Von solchen Mitessern ist Europa reichlich, überreichlich gesegnet. Eigentlich besteht Europa fast ausschließlich aus Nehmenden. Wo bleiben die Gebenden? Mit einem weiteren Kleinstaat wird das Ungleichgewicht der Stimmengewichtung zu Ungunsten der Großländer weiter verstärkt. Es ist jetzt schon eine Zumutung , dass eine deutsche Stimme weniger zählt als jede andere Wählerstimme der anderen Länder der EU. Je kleiner das Land, um so undemokratischer die Gewichtung. Deutschland soll dann diesen Stadtstaaten abgeben was wir selber dringend brauchen. Was bekommen wir, was wir nicht schon längst haben, inklusiver neuer Schulden. Nichts, lediglich zusätzliche Kosten. Eine zusätzliche Sprache in der EU, zusätzliche Dolmetscher, Bürokraten, Abgeordnete und und und. Was ist denn schon an einem isländischen Staatsbankrott so schrecklich, Deutschland hat es überlebt. Warum nicht auch Island. Island braucht eine Währungsreform; den Schuldenabbau kann es mit Fisch, Alu, Walfleisch und Tourismus bezahlen. Das nordische Selbsbewußsein und die nette nordische Arroganz des "Wir wissen es besser als ihr" wird ein wenig leiden; der Lebensstandard ebenfalls, aber das ist eine heilsame Erfahrung. Afrikanische Verhältnisse werden sicherlich nicht eintreten und wer das nicht will, kann ja bei uns Gastarbeiter werden. Wir sind doch keine Unmenschen. Und eine germanische Blutauffrischung tut Deutschland möglicherweise ganz gut. Und da die Isländer für Rassisten nicht interessant sind - schließlich sind sie weiss und blond und keine Moslems- werden wir keine zusätzlichen Probleme haben; und die Assimilierung? Da sind keine Probleme zu erwarten. Die Kriminalitätsstatistik wird sich sicherlich für Menschen mit Migrationshintergrund positiv entwickeln. Oder hat schon mal wer was von einer isländischen Mafia oder Tirade gehört?
Also: Wolle mehr se reihlosse? Aber bitte jaaaaaaa in Massen, wenn möglich. Also dann Staaaaaatsbaaaankrotttt!!!!!
... es ausgenutzt. Es ausnutzen und sich unterwerfen sind zwei unterschiedliche Sachen, wenn du es nicht glaubst, brauchst du dir nur mal die Reallohnentwicklung in Island mit der in Deutschland zu vergleichen.
Sie haben diese Ausnutzung teuer bezahlt, als das System crashte. Letztlich sind es aber nicht die Bürger, die diese Sache verbrochen haben, sondern ihre Politiker. Ebenso unsere ebenfalls teure Unterwerfung. Daher würde ich als Isländer gegen die EU stimmen.
> Daher würde ich als Isländer gegen die EU stimmen. <
Und dann ???
Gruß, Bernd
*** Money helps the body to survive, but friends are needed to make the soul survive ***
... habe ich in Kommentar 2 gut beschrieben?: Bankrotterklärung und Währungsreform. Voila, plötzlich schuldenfrei! Die gekauften Häuser und Autos bleiben erhalten, geschickt gemacht. Aus Islands Sicht wäre das das Cleverste.
Verständlicherweise hätten die dann ein Problem ihre neue Währung wieder frei konvertierbar zu machen. Ich schätze das würde eine zeitlang anhalten, in der sie sich vermutlich neue Märkte suchen müssten. Aber die Welt ist groß und die Isländer sind Härten gewöhnt. Im Ggs. zu dem Schuldenberg und der EU-Knechtschaft geht das irgendwann vorbei und in der Zwischenzeit gibts halt öfter mal Fisch, statt Südfrüchte :-)
... habe ich in Kommentar 2 gut beschrieben?: Bankrotterklärung und Währungsreform. Voila, plötzlich schuldenfrei! Die gekauften Häuser und Autos bleiben erhalten, geschickt gemacht. Aus Islands Sicht wäre das das Cleverste.
Verständlicherweise hätten die dann ein Problem ihre neue Währung wieder frei konvertierbar zu machen. Ich schätze das würde eine zeitlang anhalten, in der sie sich vermutlich neue Märkte suchen müssten. Aber die Welt ist groß und die Isländer sind Härten gewöhnt. Im Ggs. zu dem Schuldenberg und der EU-Knechtschaft geht das irgendwann vorbei und in der Zwischenzeit gibts halt öfter mal Fisch, statt Südfrüchte :-)
... habe ich in Kommentar 2 gut beschrieben?: Bankrotterklärung und Währungsreform. Voila, plötzlich schuldenfrei! Die gekauften Häuser und Autos bleiben erhalten, geschickt gemacht. Aus Islands Sicht wäre das das Cleverste.
Verständlicherweise hätten die dann ein Problem ihre neue Währung wieder frei konvertierbar zu machen. Ich schätze das würde eine zeitlang anhalten, in der sie sich vermutlich neue Märkte suchen müssten. Aber die Welt ist groß und die Isländer sind Härten gewöhnt. Im Ggs. zu dem Schuldenberg und der EU-Knechtschaft geht das irgendwann vorbei und in der Zwischenzeit gibts halt öfter mal Fisch, statt Südfrüchte :-)
Stellen die Isländer halt ihre Währung um, auf Dollar oder Euro. Entscheidend ist nur, das von diesen Währungen mehr ins Land kommt, als heraus geht. Genauer, die wertmässingen Exporte grösser sind als die Importe. Gibt genug Länder, wo Dollar und Euro anerkannte Zweitwährung ist. Gehe davon aus, das sich die Isländer ihre Exporte eh schon in Fremdwährungen, haben Bezahlen lassen.
Stellen die Isländer halt ihre Währung um, auf Dollar oder Euro. Entscheidend ist nur, das von diesen Währungen mehr ins Land kommt, als heraus geht. Genauer, die wertmässingen Exporte grösser sind als die Importe. Gibt genug Länder, wo Dollar und Euro anerkannte Zweitwährung ist. Gehe davon aus, das sich die Isländer ihre Exporte eh schon in Fremdwährungen, haben Bezahlen lassen.
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