EU-Parlament Widerstand gegen Koch-Mehrin
Selten da, EU-skeptisch, obendrein ein Leichtgewicht: Viele Politiker sind gegen die für heute geplante Wahl Silvana Koch-Mehrins zur Vizepräsidentin des EU-Parlaments.

© Andreas Rentz / Getty Images
Silvana Koch-Mehrin (FDP)
Silvana Koch-Mehrin hat wieder Ärger. Diesmal geht es um die Wahl der FDP-Europapolitikerin zur Vizepräsidentin des EU-Parlaments. Die Fraktion der europäischen Liberalen hatte die Deutsche Ende Juni für den Posten vorgeschlagen. Insgesamt soll das Plenum des Straßburger Parlaments in seiner konstituierenden Sitzung am heutigen Dienstag 14 Stellvertreter für den Präsidenten wählen. Meist läuft dies ohne Schwierigkeiten ab.
Nicht jedoch im Fall der 38-Jährigen, denn Sozialisten und Konservative haben plötzlich Probleme mit der liberalen Kandidatin. "Die Sozialisten werden Frau Koch-Mehrin nicht unterstützen", sagte der Fraktionsvorsitzende der Sozialisten, Martin Schulz, dem Hamburger Abendblatt. Die FDP-Politikerin habe mehr mit Abwesenheit und weniger mit Arbeit im Parlament von sich reden gemacht, begründete er.
Die Vorwürfe sind nicht neu. Schon im Europawahlkampf im Frühjahr wurde über Koch-Mehrins Anwesenheitszeiten im Parlament gestritten. Unter Berücksichtigung von Mutterschutzzeiten bescheinigte das Parlament der dreifachen Mutter schließlich offiziell eine Anwesenheitsquote von 62 Prozent, während die FDP-Politikerin eidesstattlich versicherte, ihre Quote liege bei 75 Prozent. Geklärt wurde der Sachverhalt nie. Die Wähler zeigten sich von dem Hin und Her ohnehin unbeeindruckt: Mit Koch-Mehrin an der Spitze erzielte die FDP im Mai ein Rekordergebnis von 11 Prozent.
Doch auch die Konservativen haben nun "erhebliche Zweifel, ob Frau Koch-Mehrin für das Amt der Vizepräsidentin die notwendige Qualifikation hat", wie der Vorsitzende der CSU-Delegation im EU-Parlament, Markus Ferber, am Montag sagte. Dort erinnert man sich an Äußerungen der FDP-Politikerin zur Frage, ob es sinnvoll sei, das EU-Parlament zwischen Brüssel und Straßburg pendeln zu lassen. Koch-Mehrin hatte die Umzüge nach Straßburg Ende 2008 in der „Bunten“ mit "Ausflügen ins Landschulheim" verglichen – wofür sie sich später entschuldigte.
"Wenn sie nur gegen Straßburg agiert, wie sie es in den vergangenen Jahren getan hat, dann hat sie im Präsidium des Parlaments nichts verloren", sagte der CDU-Politiker Werner Langen, der die Unionsgruppe im EU-Parlament mit Ferber anführt, die Vorbehalte gegenüber der FDP-Frau. Von einem Wahlboykott will er aber nichts wissen. "Frau Koch-Mehrin taugt nicht zum Exempel", sagte Langen. "Sie spielt im Parlament eine untergeordnete Rolle und muss sich ihre Sporen dort erst noch verdienen."
Koch-Mehrin wollte sich am Montag nicht äußern. FDP-Generalsekretär Dirk Niebel kommentierte: "Der Neid auf den Erfolg von Silvana Koch-Mehrin treibt seltsame Blüten."
- Datum 14.07.2009 - 10:39 Uhr
- Serie wahlen
- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
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Aha - wenn jemand den Wanderzirkus zwischen Brüssel und Straßburg kritisiert oder verulkt, dann ist er/sie nach Auffassung der CDU-CSU nicht für das Amt der Vizepräsidentin geeignet -
das sagt doch mehr über die Union als über Frau Koch-Mehrin, oder?
Und - liebe ZEIT - wo bleibt eure kritische Distanz? Ist man schon EU-skeptisch, wenn man solche Dinge kritisiert?
Es ist leider so, daß der Verlag, dem auch der Tagesspiegel gehört, auf ZEIT online derartige Fingerübungen veröffentlicht.
Sollten Sie es mir nicht glauben, daß Welten zwischen original Veröffentlichungen von Zeit Autoren, die auch mit ihrem Namen dafür einstehen und Frau Scheffers geistreichen Artikeln bestehen, empfehle ich Ihnen deren Beiträge zum Kossovo.
D.R.
[Anm.: Bitte bemühen Sie sich, Kritik sachlich und konstruktiv vorzugbringen und persönliche Angriffe zu unterlassen. Danke. /Die Redaktion pt.]
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Dann ist ja noch Hoffnung. Wenn man als "Pro-Europäer" einfach nur Jubelperser sein darf, wie Joschka Fischer, und die Problempunkte einfach unter den Teppich kehrt, dann gute Nacht. Aber die demokratische Streitkultur in SPD und CDU ist (offenbar europaweit) nicht existent, da gilt mehr "die Partei, die Partei, die hat immer recht". Ist das eventuell die Konsequenz einer Dauer-GroKo, die wir ja auf EU-Ebene haben? Es bedarf keiner demokratischen Diskussion mehr, weil die beiden Hauptströmungen der Politik ja alles gemeinsam entscheiden?
Der Bürger nimmt das EU-Parlament als Witzfigur, als Alibiveranstaltung wahr. Frau Koch-Mehrin offensichtlich auch. Derartige Bürgernähe hätte ich ihr gar nicht zugetraut ;-). Vielleicht sollte man etwas an den objektiven Tatsachen ändern, die das EU-Parlament, das einzig demokratisch legitimierte Entscheidungsorgan der EU, zur Witzfigur und Alibiveranstaltung degradieren, damit die Akzeptanz der EU in der Bevölkerung steigt?
Aber ich vergaß ja: Das stört die eigentlichen Entscheider in der EU in ihren Kreisen. Schließlich hat man die EU ja absichtlich so eingerichtet, wie sie ist.
Es ist leider so, daß der Verlag, dem auch der Tagesspiegel gehört, auf ZEIT online derartige Fingerübungen veröffentlicht.
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D.R.
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macht koch mehrin zur vizepräsidentin!
und da wundert man sich über geringe Wahlbeteiligung ...
Eine Lobbyistin als Vizepräsidentin des EU-Parlaments...passt irgentwie finde ich ;)
Einfach wunderbar in den Augen eines Normalbürgers...und nachzuvollziehen, wenn man sie mal gehört hat, wie die Meisten hier vermutlich schon getan...
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Gib einem Menschen alles, was er sich wünscht, und im gleichen Moment wird
alles nicht alles sein.
(IMMANUEL KANT)
Es ist mal wieder schön anzuschauen, wie sich die FDP hinter dem altbekannten Argument versteckt, dass die Zweifel an Frau Koch-Mehrins Eignung doch in Wirklichkeit "Neid auf den Erfolg" sei.
Anstatt zu versuchen die Kritik argumentativ zu entkräften, wird ihr Erfolg, nach dem Motto: "Wer es so weit gebracht hat, muss ja Qualifikationen haben" vorgeschoben um der eigentlichen Frage zu entgehen.
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