Haute CoutureDas Mysterium Margiela

Um Martin Margiela ranken sich viele Gerüchte. So soll er sein Label längst verlassen haben. In Paris zeigte sich nun, dass seine Ideen auch ohne ihn weiterleben von Elisabeth Raether

Martin Margiela ist ein Phantom. Der belgische Designer trat nie öffentlich auf und gab keine Interviews, er wollte nur durch seine Kleidung wirken. Er wollte zeigen, dass Kleidung nicht von einem genialischen Schöpfer geschaffen wird, sondern in einem Umfeld entsteht.

Inzwischen gilt es als sehr wahrscheinlich, dass der Modeschöpfer seine Maison Martin Margiela (MMM) verlassen hat. Wie auch immer, in Zeiten, in denen Luxus-Labels in existenzielle Nöte geraten, stellt sich die Frage, wie sich die Marke MMM weiterentwickeln wird. Vor allem, da die Suche nach neuen Formen und Codes immer das war, was die Maison Martin Margiela ausgemacht hat.

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Während der Pariser Haute-Couture-Tage wurde nun die hochwertige "Artisanal"-Kollektion, die Ligne 0, im neuen Architekturmuseum vorgestellt. Doch von Abenteuern und Experimenten will MMM derzeit nichts wissen. Wie viele Designer beruft sich auch MMM, inzwischen Teil der italienischen Diesel-Gruppe, lieber auf Altbewährtes, wie etwa das Verarbeiten von Gebrauchgegenständen zu neuen Textilien. Margiela hat schon immer aus Wertlosem Wertvolles gemacht. Die üblichen Vorstellungen von dem, was wertvoll ist und was nicht, waren in seinen Augen sowieso willkürlich.

In der Kollektion für Herbst/Winter 2009/2010 haben die Designer der Maison zum Beispiel Gummibänder, Fahrradreflektoren, Fächer und Vorhangstangen von Hand umgearbeitet und zusammengeklebt, -genäht, und -gesteckt.

Dicht an dicht sind rund 2000 Deckel von BIC-Kugelschreibern an dünnes Lammleder geheftet, das billige Plastik schimmert dabei so edel, dass man die Jacke ohne weiteres zu einer Abendveranstaltung tragen könnte. Eine Ziegenlederweste, benäht mit 254 falschen Wimpern, wirkt wie mit zartesten Federn verziert. Elastikspannbänder werden zu einem Fransenbolero, indem sie miteinander verhakt und an den Enden aufgeschnitten werden, so dass die feinen grauen Gummibänder die Schultern umspielen. Ein Fliegenvorhang, bestehend aus dicken wolligen Schnüren, verwandelt sich in einen Mantel. Die Vorhangstange bleibt gleich mit daran, und so wirkt das schmale Model ein bisschen wie Darth Vader.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Modeschöpfer | Haute Couture | Paris
  • Models present creations from the Felder & Felder Autumn/Winter 2013 collection during London Fashion Week, February 15, 2013. REUTERS/Olivia Harris (BRITAIN - Tags: FASHION)

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