"Code Rush" Programmieren wie die Ameisen

Ein Film über die Geburtsstunde der Open-Source-Bewegung ist dank des Internets wieder verfügbar. Natürlich frei zum Weiterentwickeln

code-rush

"Code Rush", gedreht zwischen 1998 und 1999, erstmals gesendet im März 2000 ist nun frei verfügbar

Im März 1999 veröffentlichte das Unternehmen Netscape den Quellcode seines Browsers Navigator. Die Firma hatte den Kampf gegen Microsoft und seinen Internet Explorerverloren, der Netscape Navigator ließ sich nicht mehr vermarkten. In der Hoffnung, Freiwillige würden ihn weiterentwickeln und genug verwertbare Neuerungen schaffen, um der am Boden liegenden Firma aufzuhelfen, gab man den Programmcode, Mozilla genannt, frei. Netscape starb trotzdem, doch es war der Beginn der Open-Source-Bewegung.

Filmemacher haben diese Geburtsstunde damals begleitet und nun ist der Film selbst open source. Code Rush heißt das Werk in Anlehnung an den Goldrausch in Kalifornien. Im Jahr 2000 war er das erste Mal im amerikanischen Fernsehen zu sehen, später dann konnte man ihn als VHS kaufen, irgendwann verschwand auch er, genau wie Netscape.

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Inzwischen ist der knapp einstündige Film wieder da. Als Stream oder als Download. Und wer will, kann ihn ganz im Sinne der Bewegung umschneiden, samplen, weiterverwenden.

Zu sehen sind in erster Linie Typen, "die in einem Raum sitzen und den ganzen Tag tippen", wie Jamie Zawinski darin sagt, einer der Mozilla-Programmierer und Protagonisten des Films. Trotzdem ist das spannend und ein historisches Dokument.

Unter anderem zeigt Code Rush, dass es nicht leicht ist, Software wegzugeben. Immerhin muss sie fehlerfrei laufen, damit andere etwas mit ihr anfangen können. Und anschließend müssen die eingesandten Erweiterungen und Codeschnipsel wieder zu einem funktionierenden Ganzen gefügt werden. Dass ein Programm wie der Firefox-Browser auf diese Art entstehen konnte, ist eine beeindruckende Leistung.

Natürlich werden auch die gängigen Klischees von Nerds und Hackern erfüllt: Pferdeschwänze, leere Coladosen, gefüllte Donuts. Gleichzeitig aber ist die Motivation der Programmierer erlebbar, ihre Arbeit einer unbekannten "Community" zu überlassen und die Hoffnungen, die sie daran knüpften. Und der Film zeigt einiges über das Wesen der Softwareindustrie, ihre Mechanismen der Selbstausbeutung und Beschleunigung.

Programmierer seien wie Ameisen, sagt darin Scott Collins, Mitentwickler und später Mitglied der Mozilla-Stiftung. Man schicke eine Gruppe von ihnen aus, eine Aufgabe zu lösen. Wenn sie damit beginne, verließen einige die Gruppe, andere kämen hinzu. "Wenn die Ameisen fertig sind, ist die Gruppe eine völlig andere, als am Anfang." Mehr und mehr Arbeit im Informationszeitalter werde so verteilt ablaufen.

 
Leser-Kommentare
  1. welche Bedeutung Open-Source für die Gesellschaft hat und haben kann. Dabei läuft ein Großteil des Web über Open Source. Tausende von Netz- und Softwareaktivisten sorgen unentgeltlich dafür, dass Software für sehr viele Menschen sehr günstig zur Verfügung steht und stellen damit sämtliche Kapitalismusmodelle auf den Kopf.

  2. Bin letzte Woche nach einer Virusattacke definitiv auf Linux umgestiegen, Ubuntu genauer gesagt. (Fast) alles läuft wunderbar, der Komfort was Software anbelangt ist kaum zu überbieten.

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    • HelliH
    • 16.07.2009 um 20:14 Uhr

    ... aber ob das "Open" ist oder nicht, merkt Otto/Lisa-Normal-PC-User doch überhaupt nicht!

    Wer so wie ich (und viele meiner Generation) ab IBM-DOS via diversen vorinstallierten Microsoft-Betriebssystemen den PC als alltägliches Arbeitsgerät zu nutzen gewohnt ist, ist sich nicht mal nach einem Umstieg auf irgendein "Linux" bewusst, was "Open Source" praktisch bedeutet. Niemand ist Programmierer, alle sind nur User.

    Definitiv die Augen geöffnet hat mir so etwas Banales wie die Möglichkeit, dem Firefox, den ich als "alter" Netscape-Nutzer im Entstehen mitverfolgt habe, per Datei UserChrome.css einfach zu sagen, wie er ausschauen und auf manches reagieren soll - alles nach Anleitungen im Netz, ohne Kenntnisse, nur mit Editoren, in die man per copy&paste Anweisungen eingefügt hat. Hoppla! Das stand aber im Gegensatz zu dem, was ich vom Arbeitsplatz kenne - einer strengen Microsoft-Umgebung. Nimm, was es gibt - und frage nicht, ob das auch anders ginge.

    Aus der positiven Erfahrung heraus habe ich mich privat über SuSE 9.0 (die lag mal bei der Computerbild!) zu ubuntu hingewerkelt. Nicht immer ging alles sofort und wie gewünscht, aber ich habe zu schätzen gelernt, dass ein Eingriff überhaupt geht. Ein Beispiel ist ein Uralt-Laptop, der nur WLAN mit WPA2 kann, weil ich ihm in einer Textdatei alle Verbindungsdaten hinterlegt habe. Ein anderes ist das Bug-Management: Ein anderes Gerät hatte Probleme mit der Grafik, aber ich konnte auf die Erkenntnisse der anderen, besser infomierten User zurückgreifen, ein einfaches Einfügen in eine steuernde Textdatei - voilá, es ging.

    Zurückgeben kann ich wenig, aber ich beteilige mich in User-Foren und am Fehler-Management. Dazu nutze ich gute OpenSource-Anwendungen auch im Betrieb (Portable Apps) und konnte schon oft bei Problemen aushelfen und somit - ohne ein "Hohes Lied" zu singen - praktisch vorführen, dass auch die offene "Bauweise" gute Anwendungen hervorbringt.

    Um es ganz deutlich zu sagen: Im Job komme ich mir oft blöd vor, weil ich bei Software-Abstürzen (Ja, die gibt es!) wie ein Ochs dasteh' , kaum verständliche Meldungen erhalte, beim Googlen nach dem Problem vor lauter Links nix mehr find - und doch nichts machen kann, weil mir vom Software-Hersteller und der Installationsroutine her anscheinend nichts übrig bleibt - verschlossene Türen.

    HelliH

    • HelliH
    • 16.07.2009 um 20:14 Uhr

    ... aber ob das "Open" ist oder nicht, merkt Otto/Lisa-Normal-PC-User doch überhaupt nicht!

    Wer so wie ich (und viele meiner Generation) ab IBM-DOS via diversen vorinstallierten Microsoft-Betriebssystemen den PC als alltägliches Arbeitsgerät zu nutzen gewohnt ist, ist sich nicht mal nach einem Umstieg auf irgendein "Linux" bewusst, was "Open Source" praktisch bedeutet. Niemand ist Programmierer, alle sind nur User.

    Definitiv die Augen geöffnet hat mir so etwas Banales wie die Möglichkeit, dem Firefox, den ich als "alter" Netscape-Nutzer im Entstehen mitverfolgt habe, per Datei UserChrome.css einfach zu sagen, wie er ausschauen und auf manches reagieren soll - alles nach Anleitungen im Netz, ohne Kenntnisse, nur mit Editoren, in die man per copy&paste Anweisungen eingefügt hat. Hoppla! Das stand aber im Gegensatz zu dem, was ich vom Arbeitsplatz kenne - einer strengen Microsoft-Umgebung. Nimm, was es gibt - und frage nicht, ob das auch anders ginge.

    Aus der positiven Erfahrung heraus habe ich mich privat über SuSE 9.0 (die lag mal bei der Computerbild!) zu ubuntu hingewerkelt. Nicht immer ging alles sofort und wie gewünscht, aber ich habe zu schätzen gelernt, dass ein Eingriff überhaupt geht. Ein Beispiel ist ein Uralt-Laptop, der nur WLAN mit WPA2 kann, weil ich ihm in einer Textdatei alle Verbindungsdaten hinterlegt habe. Ein anderes ist das Bug-Management: Ein anderes Gerät hatte Probleme mit der Grafik, aber ich konnte auf die Erkenntnisse der anderen, besser infomierten User zurückgreifen, ein einfaches Einfügen in eine steuernde Textdatei - voilá, es ging.

    Zurückgeben kann ich wenig, aber ich beteilige mich in User-Foren und am Fehler-Management. Dazu nutze ich gute OpenSource-Anwendungen auch im Betrieb (Portable Apps) und konnte schon oft bei Problemen aushelfen und somit - ohne ein "Hohes Lied" zu singen - praktisch vorführen, dass auch die offene "Bauweise" gute Anwendungen hervorbringt.

    Um es ganz deutlich zu sagen: Im Job komme ich mir oft blöd vor, weil ich bei Software-Abstürzen (Ja, die gibt es!) wie ein Ochs dasteh' , kaum verständliche Meldungen erhalte, beim Googlen nach dem Problem vor lauter Links nix mehr find - und doch nichts machen kann, weil mir vom Software-Hersteller und der Installationsroutine her anscheinend nichts übrig bleibt - verschlossene Türen.

    HelliH

    • IllI
    • 15.07.2009 um 17:09 Uhr

    ... auch hinsichtlich der tatsache unternommen, dass unsere gesellschaft auf einem openSource Gedanken aufgebaut ist und nichts in dieser Welt so wäre, wenn nicht mitivierte Menschen Ideen früherer Dichter und Denker aufgegriffen hätten um diese weiterzuentwickeln.
    Die heutige auf Profit getrimmte Gesellschaft wäre ohne die großen Mathematiker, Physiker und Naturwissenschaftler im allgemeinen lange nicht da angekommen wo wir heute sind. Diese haben alle nichts vom Kuchen der auf Naturgesetzen basierten Elektronik und Maschienenbaukulter abbekommen ... aber den Nutzen haben wir dennoch.
    Es gibt nur eine Bewegung in Deutschland/Europa die dies in angemessenem Umfang zu schätzen und zu fördern gedenkt - visit - www.piratenpartei.de
    _________________

    Aus so krummem Holz wie der Mensch geschnitzt, lässt sich nichts gerades zimmern. - i.kant-

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    ein unterschied (klar, es gibt auch noch andere unterschiede) zw. einem kulturschaffenden und einem kapitalisten ist, dass ein kapitalist seine ernte und seinen erfolg zu lebzeiten und auch moeglichst in der jugend einfahren _MUSS_. Kapitalismus kennt keinen erfolg nach dem tod. Fuer einen kapitalisten ist es keine option ihm zu garantieren 100 jahre nach seinem tod miliardaer zu sein.

    Ein kuenstler oder wissenschaftler wird aber sehr oft erst nach seinem tod beruehmt. Fuer einige kuenstler ist es durchaus eine option den ruhm erst nach dem tode einzufahren.

    Daher ist der kapitalist stets gehetzt seinen einzigen daseinsgrund zu lebzeiten zu realisieren. Time is money...

    ein unterschied (klar, es gibt auch noch andere unterschiede) zw. einem kulturschaffenden und einem kapitalisten ist, dass ein kapitalist seine ernte und seinen erfolg zu lebzeiten und auch moeglichst in der jugend einfahren _MUSS_. Kapitalismus kennt keinen erfolg nach dem tod. Fuer einen kapitalisten ist es keine option ihm zu garantieren 100 jahre nach seinem tod miliardaer zu sein.

    Ein kuenstler oder wissenschaftler wird aber sehr oft erst nach seinem tod beruehmt. Fuer einige kuenstler ist es durchaus eine option den ruhm erst nach dem tode einzufahren.

    Daher ist der kapitalist stets gehetzt seinen einzigen daseinsgrund zu lebzeiten zu realisieren. Time is money...

  3. Ich sehe das weit prosaischer: nach dem Crash der New Economy im Jahr 2000 wurden, insbesondere in den USA, jede Menge IT-Spezialisten freigesetzt. Da auch die Firmen pleite waren und niemand mehr Cash für Startups hergeben wollte hat man es mit einem neuen Geschäftsmodell versucht: kostenlose Software entwickeln und wenigstens noch etwas am Support verdienen bevor man Taxi fährt oder Blechdosen einsammelt.

    Was den wenigsten klar war: auch ein Supportnetz kostet Geld und muss organisiert werden. Einfach nur programmieren reicht nicht.

    10 Jahre später sind Suse, Mysql, Qt und wie die grossen Projekte auch immer hiessen längst geschluckt und kommerzialisiert worden.

    Wer selbst Software für bares auf diesen Plattformen entwickelt, dem nützt die GPL eh nichts. Er muss die wirklich nicht billigen Enterprise oder Commercial Versionen lizenzieren.

    Kostet für 1x Qt (früher Trolltech) + 1 Jahr Support schlappe 4.700 Euro.

    Suse Linux Enterprise (jetzt Novell) startet bei 800 Euro. Auch der MySQl Enterprise Server (jetzt Sun) kostet 600 Euro.

    Wie die Openoffice (ebenfalls Sun) GPL Software aussieht weiss ich nicht. Wahrscheinlich darf man nicht mal eine Rechnung damit schreiben.

    Übrigens das soffice im Dateinamen (mal für die ganz Jungen) stammt vom Namen Star Office. Das wurde von dem Deutschen Marco Börries aus Lüneburg entwickelt kommerziell vermarktet. Später von Sun aufgekauft und als Open Source freigegeben. Ein kommerzielles StarOffice Deluxe gibts von Sun für 50 Euro.

    Mein Fazit:
    Alles was etwas taugt gibt es in einer zwei (oder noch mehr) Klassen Version: zum Rumpopeln für lau und gegen viel Cash die Profi-Version fürs Unternehmen.
    Auf dem heimischen PC bleiben Linux & Co weiterhin " the operating system of the future".

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    "Wer selbst Software für bares auf diesen Plattformen entwickelt, dem nützt die GPL eh nichts. Er muss die wirklich nicht billigen Enterprise oder Commercial Versionen lizenzieren."

    Und wieviel kostet eine entsprechende Lizenz (Zugang zum Quellcode + Support) für Microsoft Windows?

    Was das Geld verdienen angeht, wirklich wahr: Was für eine Riesensauerei, dass ich die kostenlose Arbeit dieser Leute nicht ohne Obulus auf mein Software-Entwickler-Konto umleiten darf! :)

    Haben Sie das wirklich so gemeint?

    Sie schreiben:
    Wer selbst Software für bares auf diesen Plattformen entwickelt, dem nützt die GPL eh nichts. Er muss die wirklich nicht billigen Enterprise oder Commercial Versionen lizenzieren.

    Woran machen Sie das fest, bzw. welche Erfahrungen haben Sie darüber, "dass man die Commercial Versionen lizensieren muss"? Niemand hindert einen daran, ein OpenSuse, ein fedora oder ein Ubuntu in geschäftlich oder gar in Geschäftskritischen Bereichen einzusetzen. Wenn das Personal hinreichend kompetent ist, dann ist das auch kein Problem. Kritisch wird es immer dann, wenn es um Gewährleistungen und Support geht. Das ist ein Bereich in dem natürlich marktübliche Preise genommen werden - warum auch nicht?!

    Wie die Openoffice (ebenfalls Sun) GPL Software aussieht weiss ich nicht. Wahrscheinlich darf man nicht mal eine Rechnung damit schreiben.

    Da scheint mir bei Ihnen aber eine erhebliche Unkenntnis über die GPL und das "Copyleft" vorzuliegen. Bei GPL-Software ist die Benutzung in keiner Weise eingeschränkt, so lange daraus abgeleitete Produkte wieder frei zur Verfügung stehen. GPL-Software in den gleichen Topf mit proprietärer Freeware und Crippleware werfen zu wollen ist absolut unpassend.

    Natürlich können die Lizenzkostenfrei alle Arbeiten eines Unternehmens mit OpenOffice abwickeln. Und wenn sie Probleme bekommen, die sie selber technisch nicht lösen können, dann müssen Sie natürlich jemanden einkaufen, der seine Preise natürlich nach den Bedingungen der Marktwirtschaft festlegt - und da gilt "Nachfrage und Angebot regeln den Preis". Der Unterschied zur proprietären Software wie Windows oder MacOS ist aber, dass da kein privater "Leviathan" im Hintergrund sitzt, der quasi Privatsteuern auf alles erhebt, was im Umfeld seines (angeblichen) geistigen Eigentums befindet und bewegt.

    Und noch etwas: Wenn Sie aus dem IT-Kontext kommen, dann sollten Sie sich einmal ansehen, welche Entwicklungs-Performance freie Software an den Tag legt. Schauen SIe sich einmal an, was Microsoft an Neuerungen (im Sinne eines Kundennutzens natürlich!) in sein Windows eingebaut hat und was sich im Linux-Umfeld getan hat. Die freien Plattformen sind funktional und technisch dem teuren Windows gleichwertig bzw. gehen in ihrem Potenzial weit über das hinaus, was Windows zu leisten imstande ist - schlicht, weil die Schnittstellen offen liegen und Schlechtes früher oder später aussortiert wird. Anders als bei proprietärer Software spielen Interoperabilität und Standards (sowohl während der Entwicklung, als auch beim fertigen Produkt) eine überragende Rolle - eben um die Synergien nutzen zu können. D.h., in dem Maße, in dem freie Software zum Mainstream wird, in dem Maße wird auch der Nutzen für den Kunden steigen - ganz "von selber", einfach weil bei der millionenfachen Nutzung ein verschwindend kleiner Prozentsatz von (Mit-)Entwicklern, Anwendern und sog. "Contributers" bereits den Kundennutzen repräsentieren. Damit wird aber der Aufwand für jeden Einzelnen auf ein Minimum reduziert. Während Apple und Microsoft hier gegen Grenzkosten deutlich != 0 laufen, wird der Aufwand zur Code-Pflege für eine IBM oder ein Sun (Oracle) zur Pflege der Software nur geringfügig unterschiedlich von null sein.

    Eben das ermöglicht es viel näher am Kundenbedürfnis und zur Kundenzufriedenheit zu entwickeln, als dies MS oder Apple je möglich sein wird -- und das ist ein klarer Wettbewerbsvorteil, der auf lange Sicht die "Gewinne" durch die Lizenzeinnahmen und Vendor-Lock-In kompensieren wird.

    F. Mayer

    "Wer selbst Software für bares auf diesen Plattformen entwickelt, dem nützt die GPL eh nichts. Er muss die wirklich nicht billigen Enterprise oder Commercial Versionen lizenzieren."

    Und wieviel kostet eine entsprechende Lizenz (Zugang zum Quellcode + Support) für Microsoft Windows?

    Was das Geld verdienen angeht, wirklich wahr: Was für eine Riesensauerei, dass ich die kostenlose Arbeit dieser Leute nicht ohne Obulus auf mein Software-Entwickler-Konto umleiten darf! :)

    Haben Sie das wirklich so gemeint?

    Sie schreiben:
    Wer selbst Software für bares auf diesen Plattformen entwickelt, dem nützt die GPL eh nichts. Er muss die wirklich nicht billigen Enterprise oder Commercial Versionen lizenzieren.

    Woran machen Sie das fest, bzw. welche Erfahrungen haben Sie darüber, "dass man die Commercial Versionen lizensieren muss"? Niemand hindert einen daran, ein OpenSuse, ein fedora oder ein Ubuntu in geschäftlich oder gar in Geschäftskritischen Bereichen einzusetzen. Wenn das Personal hinreichend kompetent ist, dann ist das auch kein Problem. Kritisch wird es immer dann, wenn es um Gewährleistungen und Support geht. Das ist ein Bereich in dem natürlich marktübliche Preise genommen werden - warum auch nicht?!

    Wie die Openoffice (ebenfalls Sun) GPL Software aussieht weiss ich nicht. Wahrscheinlich darf man nicht mal eine Rechnung damit schreiben.

    Da scheint mir bei Ihnen aber eine erhebliche Unkenntnis über die GPL und das "Copyleft" vorzuliegen. Bei GPL-Software ist die Benutzung in keiner Weise eingeschränkt, so lange daraus abgeleitete Produkte wieder frei zur Verfügung stehen. GPL-Software in den gleichen Topf mit proprietärer Freeware und Crippleware werfen zu wollen ist absolut unpassend.

    Natürlich können die Lizenzkostenfrei alle Arbeiten eines Unternehmens mit OpenOffice abwickeln. Und wenn sie Probleme bekommen, die sie selber technisch nicht lösen können, dann müssen Sie natürlich jemanden einkaufen, der seine Preise natürlich nach den Bedingungen der Marktwirtschaft festlegt - und da gilt "Nachfrage und Angebot regeln den Preis". Der Unterschied zur proprietären Software wie Windows oder MacOS ist aber, dass da kein privater "Leviathan" im Hintergrund sitzt, der quasi Privatsteuern auf alles erhebt, was im Umfeld seines (angeblichen) geistigen Eigentums befindet und bewegt.

    Und noch etwas: Wenn Sie aus dem IT-Kontext kommen, dann sollten Sie sich einmal ansehen, welche Entwicklungs-Performance freie Software an den Tag legt. Schauen SIe sich einmal an, was Microsoft an Neuerungen (im Sinne eines Kundennutzens natürlich!) in sein Windows eingebaut hat und was sich im Linux-Umfeld getan hat. Die freien Plattformen sind funktional und technisch dem teuren Windows gleichwertig bzw. gehen in ihrem Potenzial weit über das hinaus, was Windows zu leisten imstande ist - schlicht, weil die Schnittstellen offen liegen und Schlechtes früher oder später aussortiert wird. Anders als bei proprietärer Software spielen Interoperabilität und Standards (sowohl während der Entwicklung, als auch beim fertigen Produkt) eine überragende Rolle - eben um die Synergien nutzen zu können. D.h., in dem Maße, in dem freie Software zum Mainstream wird, in dem Maße wird auch der Nutzen für den Kunden steigen - ganz "von selber", einfach weil bei der millionenfachen Nutzung ein verschwindend kleiner Prozentsatz von (Mit-)Entwicklern, Anwendern und sog. "Contributers" bereits den Kundennutzen repräsentieren. Damit wird aber der Aufwand für jeden Einzelnen auf ein Minimum reduziert. Während Apple und Microsoft hier gegen Grenzkosten deutlich != 0 laufen, wird der Aufwand zur Code-Pflege für eine IBM oder ein Sun (Oracle) zur Pflege der Software nur geringfügig unterschiedlich von null sein.

    Eben das ermöglicht es viel näher am Kundenbedürfnis und zur Kundenzufriedenheit zu entwickeln, als dies MS oder Apple je möglich sein wird -- und das ist ein klarer Wettbewerbsvorteil, der auf lange Sicht die "Gewinne" durch die Lizenzeinnahmen und Vendor-Lock-In kompensieren wird.

    F. Mayer

  4. "Wer selbst Software für bares auf diesen Plattformen entwickelt, dem nützt die GPL eh nichts. Er muss die wirklich nicht billigen Enterprise oder Commercial Versionen lizenzieren."

    Und wieviel kostet eine entsprechende Lizenz (Zugang zum Quellcode + Support) für Microsoft Windows?

    Was das Geld verdienen angeht, wirklich wahr: Was für eine Riesensauerei, dass ich die kostenlose Arbeit dieser Leute nicht ohne Obulus auf mein Software-Entwickler-Konto umleiten darf! :)

    Haben Sie das wirklich so gemeint?

    Antwort auf "Zweifelhaft"
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    Nein, ich wollte nur mal klarstellen, dass diese 'Projekte' nachdem sie bei IBM, Sun, Oracle und Novell Unterschlupf gefunden haben auch jemanden haben, der das Geld eintreibt.

    Das sind nämlich - auch noch im Gegensatz zu Microsoft? - nicht die Gutmenschen-Firmen, sondern sie besitzen Rechtsabteilungen die ganze fünfstöckige Gebäude für sich haben.

    Ist vielleicht auch eine Generationenfrage. Für uns war IBM der Moloch und Sun der Simpel, der trotz viel Arbeit und besseren Programmen nie was auf die Reihe bekommen hat. Und dass wir ein viertel Jahrhundert für richtige Schlunz-Programme für DOS und Windows Mega-Kohle gescheffelt haben, will ich erst gar nicht abstreiten.

    Nein, ich wollte nur mal klarstellen, dass diese 'Projekte' nachdem sie bei IBM, Sun, Oracle und Novell Unterschlupf gefunden haben auch jemanden haben, der das Geld eintreibt.

    Das sind nämlich - auch noch im Gegensatz zu Microsoft? - nicht die Gutmenschen-Firmen, sondern sie besitzen Rechtsabteilungen die ganze fünfstöckige Gebäude für sich haben.

    Ist vielleicht auch eine Generationenfrage. Für uns war IBM der Moloch und Sun der Simpel, der trotz viel Arbeit und besseren Programmen nie was auf die Reihe bekommen hat. Und dass wir ein viertel Jahrhundert für richtige Schlunz-Programme für DOS und Windows Mega-Kohle gescheffelt haben, will ich erst gar nicht abstreiten.

  5. Ich habe mir den Film noch nicht angesehen, aber 1999 und Netscape als Start der "open source" Bewegung zu feiern ist m.M.n sehr stark verkürzt.
    .
    Unix,BSD, X-Window, GNU, Perl, Gnome, der GCC....... auch Linux, Minix et.all sind in der Wurzel schon ein paar Jahre (fast Jahrzehnte:-)) älter.
    .
    Hier mal ein Link zur BSD Geschichte:
    https://www.bsdwiki.de/Ge...
    .
    Zu X-Windows, GNU ...Linux gibt es wahrscheinlich ähnliches.
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    Mozilla mit dem Firefox ist eines der ersten Programme, das in der Windows-Welt sichtbar angekommen ist, aber Quellcode und Ideen haben fast alle Kauf-OS reichlich, sind wir mal höflich AUSGELIEHEN :-))
    .
    Wenn man nur mal Ansatzweise versucht die Man-Power zu schätzen, die kostenlos oder gefördert durch UNI's usw. in diese Software gesteckt worden ist, die frei nutzbar ist und auch z.B im Fall von BSD oder Linux von vielen Providern und Firmen genutzt wird und was auch heute noch für Pflege, Wartung und Weiterentwicklung an Arbeit ohne Bezahlung investiert wird, sehen die kommerziellen OS recht schlapp aus.
    .
    Überigens das so gefeierten Mac OS-X basiert auf dem freien FreeBSD 4.n. Ohne diese Grundlage hätte Apple den Umstieg von OS-9 nur mit großen Problemen geschafft. Apple sagte das aber auch und gibt wenigsten teilweise Code an die "open source" Gemeinde zurück.
    .
    Über die strategischen "open source" Ansätze von Google, Sun usw. will ich hier nicht reden. Da wurden Programm-Pakete freigegeben oder unterstützt die ohne freie Mitarbeit unbezahlbar/unentwickelbar sind.
    .
    Software war und ist immer mehr "Lebensnotwendig" und darf genau so wenig Privatbesitz werden wie Trinkwasser oder Luft. Fast all unser Wissen basiert auf auf von der Gemeinschaft bezahlter Forschung. Diese Grundlagen und dazu gehört auch Software dürfen der Gemeinschaft nicht entzogen werden.
    .
    Ein wenig mehr Recherche hätte ich der Zeit bei diesem Thema doch zugetraut.
    .
    In diesem Sinn
    "Geschichtliche" Gruesse
    .
    Sikasuu
    .

    --
    "Und im übrigen bin ich dafür, das Herr Jessen hier mitreden sollte" (frei nach Cato.d.Ä.)

  6. Nein, ich wollte nur mal klarstellen, dass diese 'Projekte' nachdem sie bei IBM, Sun, Oracle und Novell Unterschlupf gefunden haben auch jemanden haben, der das Geld eintreibt.

    Das sind nämlich - auch noch im Gegensatz zu Microsoft? - nicht die Gutmenschen-Firmen, sondern sie besitzen Rechtsabteilungen die ganze fünfstöckige Gebäude für sich haben.

    Ist vielleicht auch eine Generationenfrage. Für uns war IBM der Moloch und Sun der Simpel, der trotz viel Arbeit und besseren Programmen nie was auf die Reihe bekommen hat. Und dass wir ein viertel Jahrhundert für richtige Schlunz-Programme für DOS und Windows Mega-Kohle gescheffelt haben, will ich erst gar nicht abstreiten.

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