Bundestagswahl Was die Genossen noch tun können

Die SPD steckt im Stimmungstief. Wenn sie das Desaster am Wahltag noch abwenden will, muss sie ein paar Grundregeln des Wahlkampfes beachten

Der Bundestagswahlkampf läuft nicht gut für die SPD. Zwar steigt die Zustimmung wieder leicht an. In der Umfrage des Meinungsforschungsinstitut Forsa kommt die Partei in dieser Woche auf 23 Prozent. Doch von ihrem offiziellen Wahlziel, Steinmeier ins Kanzleramt zu bringen, sind die Sozialdemokraten meilenweit entfernt. Es ist nicht zu übersehen, dass die Genossen nervös werden.

Fest steht, die Bundestagswahl ist nicht entschieden. Für die SPD ist noch etwas drin. Wie vor vier Jahren. Damals konnte sich die SPD in einem fulminanten Wahlkampf innerhalb von zehn Wochen von 27 auf 34 Prozent steigern. Natürlich ist es alles andere als einfach, ein solches Bravourstück zu wiederholen. Aber wenn die Sozialdemokraten ein Desaster am 27. September abwenden wollen, könnte es nicht schaden, ein paar Fehler zu vermeiden und ein paar Regeln zu beachten, die jeder Wahlkämpfer kennen sollte:

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Nicht aufgeben: Sicher, die Ausgangslage der SPD ist denkbar schlecht. Die verheerende Niederlage bei der Europawahl hat viele Genossen demotiviert. Auch lassen sich viele sozialdemokratische Versäumnisse der letzten Jahre jetzt nicht mehr wettmachen. Hinzu kommt: Eine überzeugende Machtperspektive jenseits der ungeliebten Großen Koalition und der unwahrscheinlichen Ampel zaubert sich nicht über Nacht aus dem Hut. Aber manche Fehler können noch korrigiert werden. Und für die Zukunft der traditionsreichen Partei könnte es ein gewaltiger Unterschied sein, ob sie sich mit respektablen 30 Prozent noch einmal in die Große Koalition rettet oder mit blamablen 25 Prozent in der Opposition landet.

Nerven bewahren. Nichts wäre verheerender, als wenn die SPD-Politiker jetzt beginnen würden, übereinander herzufallen, ihre Ratlosigkeit und Zerstrittenheit öffentlich zur Schau zu stellen. Oder bereits Schuldzuweisungen verteilen, bevor der Wahlkampf richtig begonnen hat. Peer Steinbrück war der erste, der sich in der vergangenen Woche in der Rentendiskussion nicht daran gehalten hat. Prompt haben sich die Genossen wieder mit sich selber beschäftigt und den Bundesfinanzminister schon mal vorab zum Sündenbock abgestempelt.

Geschlossenheit demonstrieren. Natürlich gibt es in der SPD ganz unterschiedliche Vorstellungen über den zukünftigen politischen Kurs der Partei. Aber der Wahlkampf ist nicht der Zeitpunkt, um den Streit auszutragen. Das mögen die Wähler überhaupt nicht. Zudem wird es der Partei kaum gelingen, ihren jahrelangen Richtungsstreit, etwa über die Zukunft der Rente oder die Zukunft von Hartz IV, ausgerechnet im Wahlkampf zu klären.

In Urlaub fahren. Der Hinweis eines Genossen an Peer Steinbrück war zwar vor allem als kleine Gemeinheit gedacht, doch schlecht war der Ratschlag nicht. Alle Sozialdemokraten sollten ihn beherzigen. Denn in den schönsten Wochen des Jahres wollen sich die Deutschen erholen und nicht von der Politik belästigt werden. Der Wahlkampf kann warten, bis Wähler und Politiker von der See oder aus den Bergen zurück sind.

Personalisieren. Die Kandidaten werden immer wichtiger, weil die Bindungen der Wähler an die Parteien immer schwächer werden. Auf Steinmeier kommt es für die SPD also an. Klar ist der Mann kein Schröder, kein begnadeter Wahlkämpfer wie der Ex-Kanzler. Doch hilft es der SPD nicht, wenn sie jetzt an ihrem Kandidaten zweifelt, noch bringt es sie voran, wenn sie ihrem Frontmann wie im Europawahlkampf ein Krawallprofil überstülpen. Die Wähler mögen es authentisch, und Steinmeier hat genügend Qualitäten, auf die er bauen kann. Zum Beispiels seine Regierungserfahrung, seine ausgleichende Art oder sein Durchsetzungsvermögen. Auch seine Reputation als Außenminister lässt sich nutzen.

Leser-Kommentare
    • Chali
    • 16.07.2009 um 8:15 Uhr

    und schon mal vorbeugend ...
    28. "Same procedure as every day ...." »
    gell ...

    -------------
    johannes.kuhn »
    15.07.2009 um 13:30

    der Großteil der Benutzer, die sich hier zu Wort melden, kennt meine Bitte zum Linkspartei-Interview von gestern noch, da Sie sich stets zu diesem Thema äußern und entrüsten.

    Ich wiederhole Sie dennoch ein weiteres Mal: Bitte formulieren Sie Ihre Kritik sachlich und tragen Sie zu dieser Debatte mit Argumenten bei; ansatzweise versuchen dies einige User bereits zu beherzigen, andere ziehen die verbale Entrüstung vor. Letzteres hat für die Mitlesenden keinen wirklichen Mehrwert.

    Mit freundlichen Grüßen,

    Johannes Kuhn, Redaktion ZEIT ONLINE

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    "Aristoteles war kein Belgier. Die Hauptbotschaft des Buddhismus lautet nicht: 'Jeder kämpft für sich selbst'. Und die Londoner Untergrundbahn ist keine politische Bewegung."
    A Fish called Wanda

    • Chali
    • 16.07.2009 um 8:25 Uhr

    Wer sich amüsieren will, kann ja mal hier reingucken;
    http://www.welt.de/die-we...

    Das beginnt gleich mit "Aktion 1. Winter im Sommer: Soziale Kälte", bei der es heißt: "Womit erhalten wir an einem heißen Sommertag Aufmerksamkeit? Indem Ihr Euch dick eingepackt in Winterjacken mit Mütze, Schal und Handschuhen an öffentlichen Plätzen aufstellt." Die Botschaft wird gleich mitgeliefert: "Wenn ein konservatives Lager regiert, gibt es bald eine neue Eiszeit/soziale Kälte in Deutschland."

    Oder auch
    Weiter setzt die SPD auf Planschbecken ("Mit den Konservativen geht die soziale Gerechtigkeit baden"),

    Das ist es, was das Volk will!

    So, liebe Freunde, DamenHerrn, werden wir die drängensten Fragen der Zeit beantworten ...

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    "Aristoteles war kein Belgier. Die Hauptbotschaft des Buddhismus lautet nicht: 'Jeder kämpft für sich selbst'. Und die Londoner Untergrundbahn ist keine politische Bewegung."
    A Fish called Wanda

    Antwort auf
  1. 3. Na,

    mit diesen tollen Ideen aus der Mottenkiste kann ja jetzt nichts mehr schiefgehen. Steinmeier wird Kanzler. Und Seils Regierungssprecher.

    (Anmerkung: Bitte verzichten Sie auf persönliche Spitzen dieser Art. Die Redaktion/jk)

  2. Grundrechte einschränken, Internetzensur einführen und verunglückte Reformen z.B. im Gesundheitssystem kann die CDU genauso gut oder schlecht wie die SPD.

    Okay - das permanente Umfallen der SPD ist inzwischen eine Kunstform - kann die FDP aber genauso gut.

    Was macht also die SPD, das die CDU (ohne schlechtes Gewissen) nicht genauso machen würde ?

    Nichts.

    Alle angeblichen Unterschiede zwischen CDU und SPD sind nur künstliches Wahlkampfgetöse.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    dass sie unangenehm erwachen, wenn schwarz / gelb im Bundestag und (wenn Schleswig Holstein gelingt) auch im Bundesrat die Mehrheit hat.

    dass sie unangenehm erwachen, wenn schwarz / gelb im Bundestag und (wenn Schleswig Holstein gelingt) auch im Bundesrat die Mehrheit hat.

  3. "Und für die Zukunft der traditionsreichen Partei könnte es ein gewaltiger Unterschied sein, ob sie sich mit respektablen 30 Prozent noch einmal in die Große Koalition rettet oder mit blamablen 25 Prozent in der Opposition landet."

    Stimmt. Wenn sie mit blamablen 25% in die Oppoition geht, müssen vielleicht die Papnasen von Münte über Steinmeier bis Gabriel einpacken und die SPD hätte vier Jahre Zeit so etwas wie Positionen zu formulieren und Mehrheitsfähig zu machen anstatt sich im Opportunistenwettbewerb der Großen Koalition aufzureiben.

    Und falls das nicht klappt, naja ... wenigstens gehts dann schneller zu ende. Der "traditionsreichen Partei" beim Verwesen in Regierungsverantwortung zuzusehen ist wirklich keine Freude.

  4. Stimmungstief? Wohl eher nicht...

    Für mich macht das eher den Anschein einer ausgereiften systematischen Zerstörung von allem was irgendwie "sozial und links" sein will.

    u.a. mit Hilfe solcher Uberzeugungstäter wie es Hr. S. einer ist, einer von vielen die im Vordergrund darauf hin arbeiten. Weitaus gefährlicher sind aber die, die dies im Hintergrund tun und noch die dazu nötigen Mittel bereitstellen...

    So konnte sich im laufe nur 1 Generation ein Trug- und Lügenbild aufbauen und das was einst mal als Sozialistisch aber auch Christilich Sozial definiert war bis zur totalen Konfusion und Perversion in den Köpfen der Menschen festsetzen.

    Wiedersprüche bzw. Kritik die dies in Frage zu stellen versuchen werden mit der gleichen Systematik (vor allem massiver Medienpräsenz und dem Wiederholen des immer gleichen) im Keim erstickt.

    Resultat ist, das sich auch noch ein Meinungs- und Definitionsmonopol gebildet hat welches keinerlei Kritik zulassen kann/will und dies primär zu Gunsten eines ziemlich dumpfen und kurzsichtigen Wettbwerbs, Rendite und Profit Denkens um einer gewissen Definiton was eine Globale Welt zu sein hat gerecht zu werden.

    ;-)

    “When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Hélder Câmara

  5. eher schneit es in der Hölle
    dazu empfehle ich dieses Video xD

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    http://www.youtube.com/wa...

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  6. 8. Video

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