Der Verein Exit und die Züricher Oberstaatsanwaltschaft unterzeichneten eine Vereinbarung, nach der der Verein künftig Menschen in den Tod begleiten darf, die wegen eines schweren Leidens durch Krankheit, Unfall oder Behinderung sterben möchten.

Damit wurden in der Schweiz erstmals offizielle Normen zur Sterbehilfe vereinbart. Diese war in dem Alpenstaat bislang nicht gesetzlich geregelt. In der Bundesrepublik ist aktive Sterbehilfe verboten.

Exit teilte mit, dass die Vereinbarung die Aktivitäten der Organisation nicht verändere, sondern lediglich formalisiere. Die Richtlinien schreiben unter anderem ein Gutachten vor, durch das sichergestellt werden soll, dass der Betroffene weder unter Druck steht noch eingeschränkt urteilsfähig ist.

Die Organisation darf keinen Gewinn anstreben. Die bekannte Schweizer Sterbehilfeorganisation Dignitas hat die Standesregeln nicht unterzeichnet.

Die Deutsche Hospiz Stiftung kritisierte den Schritt scharf und forderte eine Intervention des Bundesaußenministeriums. Sie rief Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier auf, gegen die "staatsrechtliche Regelung" vorzugehen. Im Kanton Zürich lassen sich jedes Jahr rund 200 Menschen beim Suizid helfen, darunter auch Deutsche.

Die Vereinbarung werde weltweit eine "gefährliche Diskussion" auslösen, sagte der Geschäftsführer der Stiftung, Eugen Brysch, der Schweizer Nachrichtenagentur SDA.

Nach Ansicht der Stiftung hat zwar jeder das Recht, sich für oder gegen einen Suizid zu entscheiden. Organisierte Hilfe vermittle aber den Eindruck, dass Schwerstkranke der Gesellschaft zur Last fielen.

Die schwierige ethische Frage, ob man Leben und Sterben bis ins Letzte rechtlich regeln kann, begleitete auch die jahrelange Debatte über die Patientenverfügungen. Mit dem Gesetz hat der Bundestag dem Willen des Einzelnen über sein Lebensende nun Verbindlichkeit gegeben. Ärzte müssen künftig den Willen des Patienten befolgen, auch wenn dies dessen Tod bedeuten kann.