Einige Texte heimsen tatsächlich Lob ein. Das klingt dann so: "Ich hab tatsächlich gedacht: Scheiße, das stammt nicht von mir." Beruhigend und entspannend wirkt auch die am ersten Tag eingelegte Plauderstunde, in der Zaimoglu die Stationen seines zunächst gar nicht so erfolgreichen Lebens nacherzählt. Vom erfolglosen Maler und Nebenjobber als Leichenwäscher, Schlächter bei Nordfleisch und Woolworth-Mitarbeiter zum Verlegenheits-Schriftsteller und erfolgreichen Protokollanten der "Kanak Sprak".

Möglicherweise muss ein Mensch was von der Welt gesehen und ein wenig gelitten haben, um als Schriftsteller interessant zu sein. Zaimoglus eigene Literatur ist wenig zimperlich: "Die Kunstfotze ist nicht zu übersehen", beginnt sein Roman German Amok (2002). Den unüblichen Zugriff auf menschliche Themen kann auch er den Kursteilnehmern, deren Texte bisweilen erstaunlich realitätsfremd und weltflüchtig sind, nicht beibringen.

Als Ergebnis des Seminars dürfen sich die Teilnehmerinnen Olivia Wenzel und Isabella Straub Hoffnung machen auf das ausgelobte Textmanufaktur-Stipendium und den damit verbundenen Verlagsvertrag. Und am Ende steht die verwirrende Erkenntnis: Als Autor hat man sich an viele Regeln zu halten. Gleichzeitig muss ein Text aber besonders unkonventionell und originell daher kommen, um als Kunst zu gelten. Wenn es dann noch zahlreiche Menschen gibt, die das Geschriebene lesen wollen, ist wohl der seltene Fall eingetreten: Ein Schriftsteller wurde geboren. Bis es soweit ist, kann man ja noch mal einen Schreibkurs bei der Textmanufaktur besuchen.