Über weniges ließ sich in den vergangenen Wochen so trefflich streiten wie über Twitter. Ob 140 Zeichen kurzen Texten eine journalistische, gar politische Kraft innewohne oder ob der Kurznachrichtendienst eher eine netzinterne Klowand sei, an der mit offener Hose rumgekritzelt werde,...

@digitalredakteur: schickst du mir noch den link? #recherche (Entschuldigen Sie die Unterbrechungen)

... denn was solle man schon in 140 Zeichen mitteilen. Ganze Bücher? Aber ja! Der US-amerikanische Autor Matt Stewart wagt sich an die große Form mit wenigen Wörtern. Er schrieb den Roman The French Revolution, die Geschichte einer Familie in San Francisco. Knapp 500.000 Zeichen lang, das entspricht etwa 300 Buchseiten. Bislang lag es nur in digitaler Form vor, da offenbar das Verlagsinteresse eher, sagen wir, zurückhaltend war.

@musikredakteurin: einen milchkaffee, bitte. ohne zucker. danke. #durst

Sein Werk beschreibt er selbstbewusst als eine Mischung aus dem Witz von Junot Diaz und der vielschichtigen Erzählweise von Jonathan Franzen. Nun, immerhin: drei jauchzende Kritiken auf Amazon, dort kostet das Buch knapp zwei Dollar. Seit heute geht's noch billiger: bloß Geduld, Mühsal und Zeit muss der Leser haben.

@ressortleitung: ja, der artikel kommt heute noch, ich sitz dran #redaktionsalltag

Denn das Buch wird abgearbeitet, ganz langsam, Tweet pro Tweet, alle 15 Minuten einer. Stewart nennt es ein soziales Experiment. Leser erwartet er kaum, da das Internet ein Ort der Zerstreuung sei, in dem zwischen Videos und verkürzten Informationen die Muße schwinde, ein ganzes Buch zu lesen. Er sei gespannt, wie die Twitter-Gemeinde darauf reagiere und erhofft sich Feedback und Verbesserungsvorschläge...

@digitalredakteur: danke für den link #artikel