Literatur im Internet 3700 Tweets sind ein BuchSeite 2/2

... die er fürderhin einarbeiten werde – für den Fall, dass der Roman noch einen Verlag finde. Eine interaktive Textgenese. Dadurch ist der ohnehin schon gehemmte Textfluss stets gestört von twitterüblichen Reaktionen auf Hinweise der Leser. Ganz und gar leseunfreundlich wird es aber, da – blogtypisch– von unten nach oben gelesen wird. Wer den Romananfang noch mitbekommen möchte, sollte sich also beeilen. Stewart schätzt, er brauche ungefähr 3700 Tweets, damit das ganze Buch im Netz lande. Er habe es in mehr als 500 Stunden Arbeit in taugliche Häppchen geteilt.

@leser: finden Sie diese unterbrechungen eigentlich nervtötend? #kritik

Das kann man nun einen Scherz nennen oder nicht. Vielleicht auch eine strategische Werbemaßnahme, die Leser solange zu triezen, bis sie das Buch endlich bestellen mögen. Das Bemühen, Twitter und Literatur zusammen zu bringen, währt schon eine Weile. Stewarts Experiment ist nur eine weitere Form der sogenannten Twitteratur. Diese beschränkt sich zumeist aber auf die geschlossene, 140 Zeichen lange Form. Dazu gab es schon Lesungen und Wettbewerbe. Die Beiträge sind oft von zweifelhaftem literarischem Wert, etwa so: "Sommerschwüle Hitze. Und doch bleibt mein Herz kalt wie Eis. Sehnsucht." Indes versuchen Schriftsteller wie Paolo Coelho und Stephen Fry sich ebenfalls als Twitterautoren. Lässt das hoffen?

@petrus: muss das immer so schwül sein hier? #wetter

Oder vielleicht das: Kürzlich hat ein New Yorker Verlag ein Buch in Auftrag gegeben, das auf Twitterlänge gekürzte Werke der Weltliteratur enthält. Dante, Stendhal,  Proust und Joyce. Die Idee zur Verbindung von Netz und Literatur hatten zwei Studenten: "Wir sind zu dem Versuch angetreten, die zwei großen Säulen unserer Generation ein für alle Mal zusammenzubringen", sagten sie. Das wäre wirklich ein interessantes Experiment. Im Herbst soll das Buch erscheinen. Dann dürfte auch Matt Stewart fertig sein.

@ressortleitung: text ist fertig. #homepage
 

 
Leser-Kommentare
  1. Auch in Deutschland werden Romane oder Stories getwittert, zum Beispiel hier Nicole Rensmanns "Nicoles Story" oder hier Wimbauers "Wortstory"

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service