Krümmel-Pannen Vattenfall verärgert über Atom-Debatte
Der Europachef des AKW-Betreibers Vattenfall hat vor einem "unverantwortlichen" Anti-Atom-Wahlkampf gewarnt. Er reagierte damit auf wachsenden politischen Druck

© Andreas Rentz/Getty Images
Die Panne im Atomkraftwerk Krümmel hat der Atom-Debatte Auftrieb gegeben - sehr zum Ärger von Vattenfall
"Dieses Ereignis nun zu instrumentalisieren, ist unverantwortlich", sagte Tuomo Hatakka dem Nachrichtenmagazin Focus. Der Kurzschluss in einem Transformator sei "ein bedauerlicher Einzelfall" gewesen. Die Sicherheit des Reaktors sei zu keinem Zeitpunkt gefährdet gewesen. "Da wird in unverantwortlicher Weise mit den Ängsten der Menschen gespielt", sagte Hatakka.
Insbesondere Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte angesichts der wiederholten Pannen bei Krümmel die schnelle Abschaltung alter Atomkraftwerke verlangt. Seiner Ansicht nach sollte Krümmel gar nicht mehr wieder ans Netz gehen. Dafür hatte auch SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier plädiert, wogegen Kanzlerin Angela Merkel ein Wiederanfahren für möglich hält, sobald die entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen erfüllt sind.
Vattenfall-Europachef Hatakka geht indes davon aus, dass Krümmel "in enger Abstimmung mit den Behörden" wieder ans Netz gehen werde, sagte der. Die Restlaufzeiten von alten Reaktoren auf jüngere zu übertragen, wie von der SPD gefordert, lehnte er ab. "Ein Reaktor wie Brunsbüttel ist keineswegs unsicherer, weil er in den siebziger Jahren gebaut wurde. Deutsche Kraftwerke gehören zu den sichersten der Welt."
Der Kurzschluss in einem Transformator hatte vor einer Woche zu einer Schnellabschaltung des Reaktors in Krümmel geführt. Vattenfall hat für Samstag zu einer Informationsveranstaltung in Krümmel eingeladen. Dabei will der Geschäftsführer der Nuklearsparte, Ernst Michael Züfle, Rede und Antwort stehen.
Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust verlangte vom Energiekonzern Vattenfall, die Probleme binnen kurzer Zeit zu lösen. "Es muss innerhalb eines überschaubaren Zeitraums klar sein, dass man die Probleme in den Griff bekommt", sagte der CDU-Politiker der Süddeutschen Zeitung. Andernfalls solle dem Unternehmen die Betriebsgenehmigung für Krümmel generell entzogen oder ein anderer Betreiber gesucht werden.
Von Beust will dem Unternehmen keine Frist zu Behebung der Probleme setzen. Es dürfe aber nicht wieder zwei Jahre wie nach dem Störfall von 2007 dauern, forderte er. Durch den Störfall sei es für die CDU "mit Sicherheit viel schwieriger geworden", die Debatte über die Verlängerung von Laufzeiten für Atomkraftwerke zu führen, sagte der Hamburger Landeschef. Diese Diskussion bezeichnete er dennoch als objektiv notwendig.
Auch Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) kritisierte die Informationspolitik nach den Störfällen scharf. "Die Dummheit der Energiekonzerne in ihrer Kommunikation ist kaum noch beschreibbar", sagte er dem Hamburger Abendblatt vom Samstag. Betreiber, die sich verhielten wie Vattenfall in Krümmel, würden "unfreiwillig selbst zu den größten Gegnern der Kernkraft".
Koch forderte jedoch, sichere Kernkraftwerke unbegrenzt laufen zu lassen. "Wir wollen alle politischen Laufzeitbeschränkungen aufheben", kündigte er für die Zeit nach der Bundestagswahl an. Die Laufzeit von Kernkraftwerken solle nach dem Stand von Wissenschaft und Technik entschieden werden. Wann der Ausstieg aus der Kernkraft erfolge, hänge außerdem von der Entwicklung erneuerbarer Energien ab. "Bis Mitte des Jahrhunderts wollen wir in der Lage sein, voll auf erneuerbare Energien zu bauen", sagte der hessische Ministerpräsident.
Krümmel war im Sommer 2007 nach einem Transformatorenbrand und anschließenden Wartungsarbeiten für zwei Jahre abgeschaltet worden. Beim Anfahren vor wenigen Wochen hatte es erneut einen Kurzschluss in einem Trafo gegeben. Im Zuge der Schnellabschaltung wurden weitere Fehler entdeckt.
- Datum 13.07.2009 - 09:22 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters 11.7.2009
- Kommentare 41
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Die Verärgerung zeugt von einer überheblichen Selbstherrlichkeit, mit der sich dieses Unternehmen immer weiter in die Isolation des Rechthabers begibt, wo dann nichts mehr so selbstverständlich mehr ist, wie es irgend wann einmal war. Vattenfall hat damit den ständig beschwichtigenden Befürwortern einen Bärendienst erwiesen und die Debatte belebt, vor der sich so rücksichtslose Gewinnmaximierer nur fürchten können, wenn ihnen der Realitätssinn nicht abhanden gekommen ist.
Danach sieht es hier immer offensichtlicher aus und die Quittung kann nicht ausbleiben.
Die existentiellen Bedrohungen der Menschheit haben unwiderruflich die Vorsicht geweckt, die unangenehme Fragen regelrecht provoziert, vor allem dann, wenn ihnen so hartnäckig aus dem Weg gegangen wird.
lediglich gezeigt, wo der Hammer hängt.
Das wissen die politischen Dienstleister zwar ohnehin besser als für uns Alle gut ist, aber in Wahlkampfzeiten, wo man sich als effektivster Dienstleister zu profilieren hat, kommt man zuweilen schon mal etwas zwischen die Fronten.
Showbiz.
lediglich gezeigt, wo der Hammer hängt.
Das wissen die politischen Dienstleister zwar ohnehin besser als für uns Alle gut ist, aber in Wahlkampfzeiten, wo man sich als effektivster Dienstleister zu profilieren hat, kommt man zuweilen schon mal etwas zwischen die Fronten.
Showbiz.
...und ausschalten.
seine Brennstäbe einsammeln und das Teil schliessen !!
Bei Disputen gewinnt immer der Optimist (Hermann Hesse) *gg*
über die stoffliche Beschaffenheit von AnalDildos nach.
über die stoffliche Beschaffenheit von AnalDildos nach.
Seit wann bestimmen Firmenvorstände darüber, worüber Wahlkampf geführt wird?
Über den Inhalt von Wahlkämpfen entscheiden immer noch die Parteien und die Bürger, die Fragen oder Wünsche an die Parteien stellen.
Seit wann bestimmt ein Atomkraftwerksbetreiber, welche Diskussion unverantwortlich ist. Wenn irgendetwas passiert, reichten eigentlich für die Verantwortlichen 100 Mal lebenslänglich nicht. Leider werden Firmenvorstände und Politiker nie in Regress genommen.
Leider ist die Bestechung und Bestechlichkeit von Politikern (im Gegensatz zu Beamten) in Deutschland (!) immer noch nicht strafbar. In diesem Punkt ist Deutschland Bananenrepublik.
Seit wann bestimmen Firmenvorstände darüber, worüber Wahlkampf geführt wird?
Tun sie nicht, aber sie dürfen (und sollten) protestieren, wenn Politiker aufgrund ganz eigener Interessen (i.e. Publicity, Wiederwahl) Vorfälle wie die in Krümmel instrumentalisieren, und dabei das Augenmaß verloren geht.
Ich persönlich kann Vattenfall verstehen: Wenn Politiker zum x-ten Male einen Ballon laut aufsteigen lassen, der dann leise platzt, ist man versucht, sich jene Politiker einmal "zur Brust zu holen".
Herzlichst Crest
"Seit wann bestimmen Firmenvorstände darüber, worüber Wahlkampf geführt wird?"
Ich kenn das gar nicht anders.
Seit wann bestimmen Firmenvorstände darüber, worüber Wahlkampf geführt wird?
Tun sie nicht, aber sie dürfen (und sollten) protestieren, wenn Politiker aufgrund ganz eigener Interessen (i.e. Publicity, Wiederwahl) Vorfälle wie die in Krümmel instrumentalisieren, und dabei das Augenmaß verloren geht.
Ich persönlich kann Vattenfall verstehen: Wenn Politiker zum x-ten Male einen Ballon laut aufsteigen lassen, der dann leise platzt, ist man versucht, sich jene Politiker einmal "zur Brust zu holen".
Herzlichst Crest
"Seit wann bestimmen Firmenvorstände darüber, worüber Wahlkampf geführt wird?"
Ich kenn das gar nicht anders.
Diese Kurzpolemik musste sein, nach diesem dummen Argument von Herrn Hatakka.
Wenn sich in einem einzigen Atomkraftwerk innerhalb kurzer Zeit, die Murphy's die Klinke in die Hand geben ist es eben kein Einzelfall.
Wer in die Scheiße fällt muss sich nicht wundern, wenn er danach als Stinker bezeichnet wird.
Und Kochs Kritik ließt sich für mich so:
"Mann, da tut man alles mögliche und unmögliche, um den Atomausstieg rückgängig zu machen, damit die Meiler weiterlaufen und bei den Energiekonzernen die Profite weitersprudeln und da machen die von Vattenfall so einen Blödsinn und gefährden unser Engagement."
Und was sagt eigentlich der Clement? Wundert mich, dass der noch nicht gegen seine früheren Genossen losgezogen ist.
"Und was sagt eigentlich der Clement? Wundert mich, dass der noch nicht gegen seine früheren Genossen losgezogen ist."
War Clement jemals ein Genosse oder vielleicht doch eher ein U-Boot der FDP...?
http://www.sueddeutsche.de/politik/424/479910/text/
"Und was sagt eigentlich der Clement? Wundert mich, dass der noch nicht gegen seine früheren Genossen losgezogen ist."
War Clement jemals ein Genosse oder vielleicht doch eher ein U-Boot der FDP...?
http://www.sueddeutsche.de/politik/424/479910/text/
Wer laut schreit und Schließung von Krümmel (oder gleich aller AKWs) fordert sollte doch bitte direkt im Anschluss daran eine praktikable Lösung zum Atomausstieg präsentieren. Oder noch besser, gleich Umsetzen und nicht von anderen fordern.
Störfälle in AKWs werden mit der halbherzigen Politik noch öfter vorkommen, warum sollte man in ein Kraftwerk investieren was eh nicht mehr lange laufen darf? Warum Abschalten wenn vllt die CDU die Wahl gewinnt?
Die Diskussion um den Atomausstieg muss doch von außen belächelt werden. Wie jemand der plant sich selbst ans Pein zu pissen.
Vor etwa 2 Jahren versuchten hier in Frankfurt-Fechenheim bei Casella-Chemie einige Dilletanten, einen Lastzug mit Chlor zu entladen, von denen übrigens täglich mindestens 50 durch das benachbarte Wohngebiet ballern, und erwischten einfach den falschen Tankanschluss, Ergebnis war eine Chlorgaswolke mit 70 Verletzten bzw. stark verätzten Personen, das Viertel war mehrere Stunden komplett abgesperrt, hunderte Feuerwehr- und Sancars, Hubschrauber, volles Programm.
Zum Thema gab es abends eine kurze Meldung in der Tagesschau und am nächsten Tag einen 100-Zeiler im Lokalteil der Frankfurter Rundschau. Ende.
Kein rot-grüner Umweltmops forderte, wie übrigens auch damals in den 70gern nach Seveso, die Einstellung jeglicher chlorchemischer Produktion in Deutschland, oder auch nur der Strassentransporte von Gefahrgütern, ich glaube fast, das sich mit einer solchen politischen Forderung irgendwie keine Möglichkeit ergibt, Staatsgeld abzustauben, ausserdem wohnen in der Umgebung von chemieindustriellen Betrieben wohl nur prekäre Zeitgenossen, die wahrscheinlich extrem links oder rechts wählen, wenn überhaupt, und die weder ein eigenes Dach besitzen noch die Möglichkeit, sich dieses bei 15% effektiver Subventions-Rendite für 20.000.- EUR mit Photovoltaik zu verschönern.
leben Sie von der Chemiebude?
Diese fanatische, wissenschaftlich und technisch kaum untermauerte, Anti-Atomkraft Bewegung ist auch nur ein weiteres Symptom dieser jedweden technologischen Fortschritt ablehnenden Öko-Religion, deren Anhänger vom NULL Risiko Leben träumen und alle möglichen Ängste herbeireden, um sich von Spendengeldern und Staatssubventionen neue SUVs zu kaufen. Das ist in der Tat unverantwortlich.
leben Sie von der Chemiebude?
Diese fanatische, wissenschaftlich und technisch kaum untermauerte, Anti-Atomkraft Bewegung ist auch nur ein weiteres Symptom dieser jedweden technologischen Fortschritt ablehnenden Öko-Religion, deren Anhänger vom NULL Risiko Leben träumen und alle möglichen Ängste herbeireden, um sich von Spendengeldern und Staatssubventionen neue SUVs zu kaufen. Das ist in der Tat unverantwortlich.
Seit wann bestimmen Firmenvorstände darüber, worüber Wahlkampf geführt wird?
Tun sie nicht, aber sie dürfen (und sollten) protestieren, wenn Politiker aufgrund ganz eigener Interessen (i.e. Publicity, Wiederwahl) Vorfälle wie die in Krümmel instrumentalisieren, und dabei das Augenmaß verloren geht.
Ich persönlich kann Vattenfall verstehen: Wenn Politiker zum x-ten Male einen Ballon laut aufsteigen lassen, der dann leise platzt, ist man versucht, sich jene Politiker einmal "zur Brust zu holen".
Herzlichst Crest
Also Sie können Vattenfall persönlich verstehen? Warum? Arbeiten Sie dort?
Also Sie können Vattenfall persönlich verstehen? Warum? Arbeiten Sie dort?
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