Buchbranche Ach, wer liest schon Gedichte!

Die Lyrik in der Krise: Der Markt schrumpft, kleine Verlage haben erhebliche Finanznöte. Warum werden Gedichte nie zum Bestseller? Eine Spurensuche in Berlin

140 Zeichen sind frei, wenn man auf dem dauergehypten Kurznachrichtendienst Twitter einen Tweet in den Äther blasen will. Die Sprache unterliegt einer Verknappung und Verdichtung, wie sie in Werbung, Kommunikation und Straßenkunst mittlerweile Standard ist. 140 Zeichen sind zur Referenzgröße einer Gemeinschaft geworden, die sich global und in Jetztzeit bei Laune hält.

Doch ist vieles, was da im Netz umherschwirrt, belanglos. Und es bleibt oftmals ohne Referenz und Quellenangabe, wie man beim digitalen Rauschen um den Aufstand in Iran erkennen musste. Ob die verknappte Sprache des Webs zudem ein neues Vokabular und damit ästhetischen Mehrwert schafft, steht noch längst nicht fest.

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Dabei ist die Verdichtung von Sprache zu Kunst eine der ältesten kulturellen Leistungen der Zivilisation. In der Lyrik wurden schon immer im Spiel des Verweises und in dem bewussten Bruch formaler Regeln größere Zusammenhänge zu einem Mehr an Erkenntnis verwoben. Man könnte also meinen, die Kompetenzen der Lyriker würden mehr denn je gebraucht, um den veränderten medialen Kommunikationsprozessen Form und Sinn zu geben.

Doch das Gedicht scheint nicht aus seinem Nischendasein herauszukommen. Als zu schwierig gilt die moderne Lyrik, zu undurchdringbar und hermetisch. Der Lyrik fehlt offenbar die sogenannte Street Credibility. Darüber hat vor beinahe 150 Jahren schon Friedrich Schlegel geklagt, als er in einem seiner Athenäums-Fragmente schrieb: "Wenn junge Personen beiderlei Geschlechts nach einer lustigen Musik zu tanzen wissen, so fällt ihnen gar nicht ein, deshalb über die Tonkunst urteilen zu wollen. Warum haben die Leute weniger Respekt vor der Poesie?"

Das Berliner Poesiefestival versucht seit zehn Jahren, der ältesten Sprachkunst zu neuer Geltung zu verhelfen. Im diesjährigen Kolloquium ging es um die vorgebliche "Sperrige Schönheit" des Gedichtes. So sollte dem schlechten Image der Lyrik Substanzielles entgegengesetzt werden. Die Lyrikerin Monika Rinck kritisierte die waltende Untergangstimmung. "Das Gedicht ist nicht schwieriger oder undurchdringlicher als der Rest unserer Gegenwart", sagte sie. "Gedichte müssen nicht erst vermittelt werden. Sie sind bereits Vermittlung." Und der Literaturwissenschaftler Johann Reißer ergänzte: "Der Blick auf Wirklichkeit ist nicht einfach zu haben."

Doch reicht das? Ist das Buch als Trägermedium noch zeitgemäß genug, die Netzgemeinde aus den virtuellen Foren an den Schreibtisch und in die Bibliothek zu locken? Monika Rinck hat recht, wenn sie über Gedichte sagt: "Sie sind da. Man kann sie lesen." Zugleich werfen mehr Verlage die Poesie aus ihrem Sortiment. Zusammen mit dem Drama und dem Essay macht die Lyrik allein 1,79 Prozent der jährlichen Neuveröffentlichungen in Deutschland aus. "Das Phänomen des Bestsellers gibt es in der Lyrik nicht", klagt Thomas Sparr vom Suhrkamp Verlag.

"Ein Gedicht ist in der Regel eine kurze Textversammlung, und ist schon von daher ein adäquates Medium in heutiger Zeitknappheit", sagt Thomas Wohlfahrt. "Es ist ein Merkmal von Lyrik, dass Sprache verdichtet wird und in den Bedeutungen zu tanzen beginnt." Das Buch hätte kulturhistorisch Enormes für "die Verbreitung von Dichtkunst" geleistet, sagt der Festivalleiter. Und doch müsse man mit der Zeit gehen. "Das Buch wird es geben, aber mit Veränderungen", sagt Wohlfahrt, "mit CD und womöglich mit beigelegtem oder integriertem Film." Durch die Internetseite lyrikline.org stellen das Poesiefestival und der Veranstalter die Berliner Literaturwerkstatt bereits jetzt einen virtuellen Raum zur Verfügung, auf dem Gedichte als Text und Tonbeispiel abrufbar sind – ein erster Schritt hin zu neuen Darstellungs- und Rezeptionsformen. 

Auf Hilfe für eine Renaissance der Lyrik ist nicht zu hoffen. "Die kulturpolitische Verantwortung der Verlage ist in den letzten Jahrzehnten schändlich vernachlässigt worden", sagt Wohlfahrt.

Eine Ausnahme ist Daniela Seel. Ihr Verlag Kookbooks ist eine Plattform für zeitgenössische Lyrik. "Es passiert im Moment so viel Spannendes in der deutschsprachigen Dichtung", sagt Seel, "und dafür gab es kein Forum, weil es sich ökonomisch nicht mehr rechnet und deswegen immer mehr Verlage davon Abstand genommen haben." Auch ihr Verlag hat mittlerweile Probleme. In diesem Jahr bringt sie nur drei Bücher heraus, in den Vorjahren waren es sechs bis sieben. Der Markt ist schwierig. Auch andere kleinere Verlag wie die Schweizer Edition Urs Engeler haben finanzielle Sorgen.

Seel glaubt, dass das Internet helfen werde, neue Leser zu erreichen. Jedoch:  "Wenn man sich wirklich mit einem Werk auseinander setzen will, dann kommt man um Bücher nicht herum", sagt sie. "Bücher sind das Trägermedium. Die technischen Geräte können dies derzeit nicht, und es ist die Frage, ob sie es jemals können werden."

Vor Kurzem wurde vom Internetportal Das Literaturcafé und dem Verlagsdienstleister Books on Demand zum ersten Mal ein Twitter-Lyrik-Wettbewerb ins Leben gerufen. Natürlich mit einer Beschränkung auf 140 Zeichen und mit einem iPod als Hauptgewinn. Auf der Website findet man den Hinweis: "Wie bei offenen Schreibwettbewerben dieser Art üblich, war die Zahl der guten oder zumindest der 'etwas besseren' Gedichte gering."

Hinzu kommt, die Gewinnerin ist nicht mehr erreichbar: "Leider hat sie sich bei uns via Twitter noch nicht gemeldet. Sie ist dort offenbar nicht sehr aktiv, denn ihr erster und einziger Tweet ist derzeit der Gewinner-Beitrag", heißt es. So sei auch dem Netz eine gewisse Widerständigkeit erhalten geblieben. Die etwas besseren und guten Texte werden übrigens als traditionelles Buch verlegt.

 

 
Leser-Kommentare
    • alisse
    • 14.07.2009 um 16:56 Uhr

    Wer fünf Mal Goethe's Erlkönig in der Schule zu lernen hat, der wird sich genauso doll auf andere Gedichte freuen... (ja, das ist Ironisch gemeint)
    Besonders doll im Schulunterricht Gedichte die metaphorisch das Leben beschreibt... *würg* Und wer hat Schillers "Die Glocke" jemals zu ende lesen können? (die armen Gymnasiasten tun mir leid, den Schund auswendig lernen zu müssen)
    Da sollte man sich mal auseinander setzten... Der Deutschunterricht vermiest einem die Freude am Gedicht und Poesie.
    Statt wirklich interessante Autoren und Texte durchzunehmen, werden deutsche Lyriker besprochen, auch nicht schlecht (denn da findedt man einige "Goldschätze"), aber der Einheitsbrei macht genauso Lust darauf es in der Freizeit zu verfolgen...

    Auch ein interessanter Aspekt ist wohl der Wert der Lektüre... etwas vorbei rauschen zu lassen ist meist angenehmer als mal richtig darüber nachzudenken... (typisch Fernsehgesellschaft?) Jedenfalls, merke ich das an einigen mir bekannten Mitlesern.

  1. Um die Lyrik muss man sich keine Sorgen machen - es wird sie immer geben, weil sie einem tiefen Bedürfnis vieler Menschen entspringt. Das Buch als "Trägermedium" wird an Bedeutung verlieren - na und? Neben den im Artikel bereits angesprochenen neuen Medien leben auch die ganz alten wie Gesang und gesprochener Vortrag fort. Dass dabei Gedichte unterschiedlicher Qualität zum Vorschein kommen, zeigt doch nur, dass die Lyrik in breiten Bevölkerungskreisen (und auch unabhängig vom Grad der Begabung) beliebt ist.

    Ein Grund für den geringen Absatz von Gedichtbänden moderner Autoren könnte ja auch in der Art dieser Gedichte (bzw. in den Auswahlkriterien der Verlage) liegen. Bei den Gedichten früherer Epochen von Luther über die Weimarer Klassik und Rilke bis mindestens zur Neuen Sachlichkeit hatte man als Leser zumindest eine faire Chance, zu verstehen, worum es in den Texten geht. Bei sehr vielen Gedichten der letzten Jahrzehnte fehlt zumindest mir dagegen jeglicher Zugang. Und da scheine ich nicht der Einzige zu sein. Ein Kulturbetrieb aber, der nur noch um sich selbst zu kreisen scheint und zumindest von außen den Anschein erweckt, als produziere er absichtlich Unverständliches, um sich im Sinne der Identifikationsstiftung vom Rest der Welt abzugrenzen, muss sich nicht wundern, wenn sich für seine solipsistischen Selbstbespiegelungen niemand mehr interessiert.

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    • nur
    • 15.07.2009 um 12:17 Uhr

    Sie haben keinen Zugang zu zeitgenössischer Lyrik?
    Machen Sie sich nichts draus. Als vor hundert Jahren die Gedichte der Neuen Sachlichkeit auf den Markt kamen, hat der Großteil der Bevölkerung auch jeder Zugang dazu gefehlt. Dichtung war auf einmal "häßlich", hat nicht die Gefühle ausgelöst, die man damals von Dichtung erwartete. Sie ließ sich nicht dazu funktionalisieren, die eigene Liebe poetisch zu erhöhen. Sie war kalt, wissenschaftlich, ironisch und boshaft und verstand sich als Ausdruck einer kalten, wissenschaftlichen, ironischen, boshaften und in Auflösung begriffenen "Väterkultur".

    Die zeitgenössische Lyrik ist, wenn sie gut ist, ebenso Ausdruck der Welt, wie sie heute empfunden wird. Von den meisten Dichtern wird unsere Welt als ziemlich komplex erlebt, durchdrungen von zahllosen Themen, Sprachen, Bedürfnissen, Annahmen über Mensch und Natur.
    Schlechte Dichter scheren sich lieber nicht um das, was man "Postmoderne" nennt, "Ende der Erzählbarkeit der Welt" oder "Gender-Theorien", scheren sich nicht um die Moderne Philosophie, Ergebnisse der Kultur-, Sprach- und Naturwissenschaften.

    So, wie es uns -gottseidank - in der Architektur lächerlich vorkäme, so zu bauen wie vor 1000 Jahren (obwohl ... das Berliner Stadtschloß läßt grüßen ...), so kann man von den Dichtern auch nur verlangen, dass sie die Welt nach bestem Wissen und Gewissen beschreiben. Dass sie sich aller Informationen annehmen, die sie vorfinden.

    Das Wissen, das in den heute veröffentlichten Gedichten für uns gespeichert wird, wird eventuell wieder erst nach hundert Jahren als "angenehmes Gefühl" erlebt werden können. So wie wir heute Dalis Uhren oder eine Zugfahrt ohne "Schock" erleben können, was für die Zeitgenossen noch unmöglich war.

    LG

    Nur

    • nur
    • 15.07.2009 um 12:17 Uhr

    Sie haben keinen Zugang zu zeitgenössischer Lyrik?
    Machen Sie sich nichts draus. Als vor hundert Jahren die Gedichte der Neuen Sachlichkeit auf den Markt kamen, hat der Großteil der Bevölkerung auch jeder Zugang dazu gefehlt. Dichtung war auf einmal "häßlich", hat nicht die Gefühle ausgelöst, die man damals von Dichtung erwartete. Sie ließ sich nicht dazu funktionalisieren, die eigene Liebe poetisch zu erhöhen. Sie war kalt, wissenschaftlich, ironisch und boshaft und verstand sich als Ausdruck einer kalten, wissenschaftlichen, ironischen, boshaften und in Auflösung begriffenen "Väterkultur".

    Die zeitgenössische Lyrik ist, wenn sie gut ist, ebenso Ausdruck der Welt, wie sie heute empfunden wird. Von den meisten Dichtern wird unsere Welt als ziemlich komplex erlebt, durchdrungen von zahllosen Themen, Sprachen, Bedürfnissen, Annahmen über Mensch und Natur.
    Schlechte Dichter scheren sich lieber nicht um das, was man "Postmoderne" nennt, "Ende der Erzählbarkeit der Welt" oder "Gender-Theorien", scheren sich nicht um die Moderne Philosophie, Ergebnisse der Kultur-, Sprach- und Naturwissenschaften.

    So, wie es uns -gottseidank - in der Architektur lächerlich vorkäme, so zu bauen wie vor 1000 Jahren (obwohl ... das Berliner Stadtschloß läßt grüßen ...), so kann man von den Dichtern auch nur verlangen, dass sie die Welt nach bestem Wissen und Gewissen beschreiben. Dass sie sich aller Informationen annehmen, die sie vorfinden.

    Das Wissen, das in den heute veröffentlichten Gedichten für uns gespeichert wird, wird eventuell wieder erst nach hundert Jahren als "angenehmes Gefühl" erlebt werden können. So wie wir heute Dalis Uhren oder eine Zugfahrt ohne "Schock" erleben können, was für die Zeitgenossen noch unmöglich war.

    LG

    Nur

    • Kometa
    • 14.07.2009 um 17:17 Uhr

    Auf hundert neue Gedichtbücher kommt ja nur eine wirkliche Entdeckung.
    Da tröste man sich gerne mit Nonsenslyrik, inspiriert von H. E.:

    Mariechen Drissen-Vorberg:
    Mein lyrischer Schmetterling

    Die Lyrin, die mich tagundnacht geplagt
    und die ich hundertmal im Traum verjagt,
    und die ich niemals überzeugen konnte,
    weil sie so ergreifend lyrisieren konnte,
    und die mir jedes „Lies!“*) verdorben -
    wow, die Dichtrin ist - ich weine - nu verstorben.

    Sie starb an Herz- und Lebensweh - und an Migräne. –
    Ego pecco: De lyribus nil nisi bene!
    *
    Oder stöhnte ich immer "Ach, lass das Vorschreiben!"

    **
    (Nach Heinz Erhardts „Der Brummer“)

  2. sie nennt sich HipHop!

    alles andere ist doch Käse. Wer möchte Gedichte lesen, wenn er sie kunstvoll vorgetragen bekommen kann?

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    • nur
    • 15.07.2009 um 11:28 Uhr

    Ich bin auch ein großer Fan von Hip-Hop, aber "modern" ist das nicht - und schon gar nicht "Dichtkunst".
    Beim Hip-Hop wird vielmehr eine vor-moderne, archaische Gruppengemeinschaft um Barden gebildet, die ein besonderes Können im Reime-Schmieden zeigen. Die vermittelten Werte dieser Gruppengemeinschaft sind sehr oft an der Schlichtheit der Reime festmachbar, die, kokettierend mit Gewalt, durch "Kindergartenreime" den Hörern vorspielen, es gäbe keine Höhere Mathematik.

    [...]

    Prinzip des Hip-Hop ist denn auch nicht die Präsenz des Textes, sondern die des Vortragenden.

    Wunderbar wird es, wenn echtes dichterisches Talent, Präsenz und Durchdringung zusammenkommen. Das gibt es sehr oft in den Randbereichen, wo er auch tatsächlich noch politisch wirksam sein kann, im iranischem Hip-Hop etwa. Aber auch in der deutschen Sprache gibt es große Schätze.

    Hier ein Beispiel, mal nicht mit Hip-Hop, sondern Slam-Poetry (was aber sprachlich ähnliche Formen sind):

    http://www.spiegel.de/sch...

    LG

    Nur

    [Aus Copyright-Gründen gekürzt. /Die Redaktion pt.]

    • nur
    • 15.07.2009 um 11:28 Uhr

    Ich bin auch ein großer Fan von Hip-Hop, aber "modern" ist das nicht - und schon gar nicht "Dichtkunst".
    Beim Hip-Hop wird vielmehr eine vor-moderne, archaische Gruppengemeinschaft um Barden gebildet, die ein besonderes Können im Reime-Schmieden zeigen. Die vermittelten Werte dieser Gruppengemeinschaft sind sehr oft an der Schlichtheit der Reime festmachbar, die, kokettierend mit Gewalt, durch "Kindergartenreime" den Hörern vorspielen, es gäbe keine Höhere Mathematik.

    [...]

    Prinzip des Hip-Hop ist denn auch nicht die Präsenz des Textes, sondern die des Vortragenden.

    Wunderbar wird es, wenn echtes dichterisches Talent, Präsenz und Durchdringung zusammenkommen. Das gibt es sehr oft in den Randbereichen, wo er auch tatsächlich noch politisch wirksam sein kann, im iranischem Hip-Hop etwa. Aber auch in der deutschen Sprache gibt es große Schätze.

    Hier ein Beispiel, mal nicht mit Hip-Hop, sondern Slam-Poetry (was aber sprachlich ähnliche Formen sind):

    http://www.spiegel.de/sch...

    LG

    Nur

    [Aus Copyright-Gründen gekürzt. /Die Redaktion pt.]

  3. Ach, welch Unfug.

    Wie hier schon genannt wurde:

    Was ist mit mit Hip Hop oder auch: Poetry Slam, die mittlerweile beliebteste Form der modernen Lyrik. Vielleicht verkauft sich Lyrik als Buchformat nicht mehr besonders gut, wenn die Schreibenden sich nur darauf besinnen. Aber jeder Poetry Slam ist voll von jungen und alten und ambitionierten Dichtern und Lyrikern (und die erfolgreichen unter ihnen verkaufen sehr wohl ziemlich gut).

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    Ich denke man muss da unterscheiden zwischen Traditionalisten und "Erneuerern" - passt nicht so ganz aber ein besseres Wort fällt mir gerade nicht ein. Die Traditionalisten nehmen weder Rap, HipHop ist nämlich eigentlich was anderes auch wenn die beiden als Synonyme verwendet werden, noch die Poetry Slam Lyrik als "echte" Lyrik war. Wenn man dies so akzeptiert, dann hat der artikel durchaus Recht. Wenn nicht, dann steht die Lyrik, zumindest was Quantität anbelangt, auf einem Höhepunkt. Und wer sich mal mit den Texten von einigen guten Rappern - und damit mein ich nicht Sido oder Bushido! - in schriftlicher Form auseinandersetzt wird sehr schnell merken, dass auch qualitativ kein großer Unterschied besteht.

    Ich denke man muss da unterscheiden zwischen Traditionalisten und "Erneuerern" - passt nicht so ganz aber ein besseres Wort fällt mir gerade nicht ein. Die Traditionalisten nehmen weder Rap, HipHop ist nämlich eigentlich was anderes auch wenn die beiden als Synonyme verwendet werden, noch die Poetry Slam Lyrik als "echte" Lyrik war. Wenn man dies so akzeptiert, dann hat der artikel durchaus Recht. Wenn nicht, dann steht die Lyrik, zumindest was Quantität anbelangt, auf einem Höhepunkt. Und wer sich mal mit den Texten von einigen guten Rappern - und damit mein ich nicht Sido oder Bushido! - in schriftlicher Form auseinandersetzt wird sehr schnell merken, dass auch qualitativ kein großer Unterschied besteht.

  4. Und beim Lesen dieses Artikels kriege ich erst eine Wut über den Verfasser/ die Verfasserin, dessen/ deren erste Referenzen im Artikel Twitter und Iran bilden. Ich schäme mich für diese Zeitung und für die Berliner Germanistik alias Dorfgermanistik. Jesus Christus!!! Heilige Maria!!!

    Dann fange ich an, zu schmunzeln, über den Abgang der Lyrikszene bzw. der Literatur in der BRD?! Ja, Leute, ihr habt nicht Besseres verdient.

    P.S. Wieso wurde diese Verlegerin abgedruckt, deren Foto ich verdammt hübsch finde? In welcher Art und Weise hat sie zur Literatur/ zum Literaturbetrieb etwas beigetragen, dass sie in DIE ZEIT steht.

    Anant Kumar
    Verband deutscher Schriftsteller Hessen, in Ver.di
    www.anant-kumar.de

    [Anm.: Bitte bemühen Sie sich, Kritik sachlich und konstruktiv zu formulieren. Vielen Dank. /Die redaktion pt.]

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    • nur
    • 15.07.2009 um 10:57 Uhr

    Sehr geehrter Herr Kumar,

    dass Sie von der Verlegerin Daniela Seel noch nichts gehört oder - um auf ihrem Niveau einzusteigen - gesehen haben, beweist, dass Sie noch nie ein Buch von www.kookbooks.de in den Händen hatten. Also noch nie etwas von Ron Winkler, Hendrik Jackson, Monika Rinck, Gerhard Falkner, Sabine Scho, Daniel Falb, Christian Schloyer, der Huchel-Preis- Trägerin Uljana Wolf, Christian Hawkey, Steffen Popp und vielen anderen DichterInnen, die beim www.Kook-Label.de ihre Heimat gefunden haben, gelesen haben.

    Und DAS beunruhigt mich nicht nur in Hinblick auf Ihre Stellung bei ver.di. Es beunruhigt mich auch rein menschlich.

    MFG

    Nur

    • nur
    • 15.07.2009 um 10:57 Uhr

    Sehr geehrter Herr Kumar,

    dass Sie von der Verlegerin Daniela Seel noch nichts gehört oder - um auf ihrem Niveau einzusteigen - gesehen haben, beweist, dass Sie noch nie ein Buch von www.kookbooks.de in den Händen hatten. Also noch nie etwas von Ron Winkler, Hendrik Jackson, Monika Rinck, Gerhard Falkner, Sabine Scho, Daniel Falb, Christian Schloyer, der Huchel-Preis- Trägerin Uljana Wolf, Christian Hawkey, Steffen Popp und vielen anderen DichterInnen, die beim www.Kook-Label.de ihre Heimat gefunden haben, gelesen haben.

    Und DAS beunruhigt mich nicht nur in Hinblick auf Ihre Stellung bei ver.di. Es beunruhigt mich auch rein menschlich.

    MFG

    Nur

  5. Ich denke man muss da unterscheiden zwischen Traditionalisten und "Erneuerern" - passt nicht so ganz aber ein besseres Wort fällt mir gerade nicht ein. Die Traditionalisten nehmen weder Rap, HipHop ist nämlich eigentlich was anderes auch wenn die beiden als Synonyme verwendet werden, noch die Poetry Slam Lyrik als "echte" Lyrik war. Wenn man dies so akzeptiert, dann hat der artikel durchaus Recht. Wenn nicht, dann steht die Lyrik, zumindest was Quantität anbelangt, auf einem Höhepunkt. Und wer sich mal mit den Texten von einigen guten Rappern - und damit mein ich nicht Sido oder Bushido! - in schriftlicher Form auseinandersetzt wird sehr schnell merken, dass auch qualitativ kein großer Unterschied besteht.

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    • nur
    • 15.07.2009 um 11:52 Uhr

    Es sind die Rapper, Hip-Hoper und Slammer, die auf alte, vormoderne Sprachauffassungen zurückgehen und sie mit neuem Leben erfüllen.
    Und das ist auch völlig legitim. Anders als von Dir vermutet, existiert auch gar kein so großer "Gap" (so der Fachausdruck für "Abgrund") zwischen der "Hohen Literatur" und den Texten von guten Songwritern.

    Aber das eine mit dem anderen zu vergleichen ist in etwa so nützlich wie Jazz mit Klassik zu vergleichen. Es macht keinen Sinn, da sich die Lyrik, die etwa Daniela Seel bei kookbooks verlegt, meist um etwas ganz anderes "kümmert" als die Texte von Slampoeten. Die eine ist die traditionalistische Kunst, die das "Gruppen-Ich" betrifft. Die andere ist die "Moderne Kunst", die das Individuum betrifft.

    "Moderne Lyrik" ist mit "Moderner Kunst" zu vergleichen. Jedem, der schon mal ein Museum besucht hat, dürfte klar sein, dass man, um Moderne Kunst genießen zu können (und darum geht es!), einiges lernen muß.
    Um ein Bild mit Dalis fließenden Uhren genießen zu können, muß der Mensch ein bestimmtes Gefühl von "Zeit" mit in das Bild einbringen, sonst "sagt" es einem schlicht nichts. Es wäre auch gut, wenn man ein bißchen Ahnung hat von der eigenen Kultur, von all dem Ballast, dem Torf, der über Christentum und Antike sich so angesammelt hat. Dann kann man ein Gedicht, z.B. von Monika Rinck auch in seinen Verästelungen, in seiner Ironiefähigkeit, seiner trotzig-heiteren Schutzlosigkeit.

    das gegenteil von verführung

    [...]

    Wie gesagt, man muß das nicht genießen können, um ein erfülltes Leben zu leben. Aber - es lohnt sich. Denn gute Lyrik kann uns mit neuen Gefühlen beschenken. Und es gibt wohl kaum etwas Aufregenderes als neue Gefühle gegenüber alten Gegenständen.

    LG

    Nur

    [Gekürzt (s.o.). Bitte vermeiden Sie das großflächige Kopieren fremder Texte, indem Sie sich auf den Link zur Quelle und eine kurze Zusammenfassung in eigenen Worten beschränken. Vielen Dank. /Die Redaktion pt.]

    • nur
    • 15.07.2009 um 11:52 Uhr

    Es sind die Rapper, Hip-Hoper und Slammer, die auf alte, vormoderne Sprachauffassungen zurückgehen und sie mit neuem Leben erfüllen.
    Und das ist auch völlig legitim. Anders als von Dir vermutet, existiert auch gar kein so großer "Gap" (so der Fachausdruck für "Abgrund") zwischen der "Hohen Literatur" und den Texten von guten Songwritern.

    Aber das eine mit dem anderen zu vergleichen ist in etwa so nützlich wie Jazz mit Klassik zu vergleichen. Es macht keinen Sinn, da sich die Lyrik, die etwa Daniela Seel bei kookbooks verlegt, meist um etwas ganz anderes "kümmert" als die Texte von Slampoeten. Die eine ist die traditionalistische Kunst, die das "Gruppen-Ich" betrifft. Die andere ist die "Moderne Kunst", die das Individuum betrifft.

    "Moderne Lyrik" ist mit "Moderner Kunst" zu vergleichen. Jedem, der schon mal ein Museum besucht hat, dürfte klar sein, dass man, um Moderne Kunst genießen zu können (und darum geht es!), einiges lernen muß.
    Um ein Bild mit Dalis fließenden Uhren genießen zu können, muß der Mensch ein bestimmtes Gefühl von "Zeit" mit in das Bild einbringen, sonst "sagt" es einem schlicht nichts. Es wäre auch gut, wenn man ein bißchen Ahnung hat von der eigenen Kultur, von all dem Ballast, dem Torf, der über Christentum und Antike sich so angesammelt hat. Dann kann man ein Gedicht, z.B. von Monika Rinck auch in seinen Verästelungen, in seiner Ironiefähigkeit, seiner trotzig-heiteren Schutzlosigkeit.

    das gegenteil von verführung

    [...]

    Wie gesagt, man muß das nicht genießen können, um ein erfülltes Leben zu leben. Aber - es lohnt sich. Denn gute Lyrik kann uns mit neuen Gefühlen beschenken. Und es gibt wohl kaum etwas Aufregenderes als neue Gefühle gegenüber alten Gegenständen.

    LG

    Nur

    [Gekürzt (s.o.). Bitte vermeiden Sie das großflächige Kopieren fremder Texte, indem Sie sich auf den Link zur Quelle und eine kurze Zusammenfassung in eigenen Worten beschränken. Vielen Dank. /Die Redaktion pt.]

    • nur
    • 15.07.2009 um 10:57 Uhr

    Sehr geehrter Herr Kumar,

    dass Sie von der Verlegerin Daniela Seel noch nichts gehört oder - um auf ihrem Niveau einzusteigen - gesehen haben, beweist, dass Sie noch nie ein Buch von www.kookbooks.de in den Händen hatten. Also noch nie etwas von Ron Winkler, Hendrik Jackson, Monika Rinck, Gerhard Falkner, Sabine Scho, Daniel Falb, Christian Schloyer, der Huchel-Preis- Trägerin Uljana Wolf, Christian Hawkey, Steffen Popp und vielen anderen DichterInnen, die beim www.Kook-Label.de ihre Heimat gefunden haben, gelesen haben.

    Und DAS beunruhigt mich nicht nur in Hinblick auf Ihre Stellung bei ver.di. Es beunruhigt mich auch rein menschlich.

    MFG

    Nur

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    LYRIK bzw. LITERATUR und BEUNRUHIGUNG!!!

    die abschließenden zwei Zeilen von „Nur“ vertreten die Meinung, die viele Dichter von der Antike bis zur Gegenwart immer wieder betonen, nämlich: LITERATUR bzw. LYRIK muss uns beunruhigen!!! Danke schön!!!

    Der „Nur“ hat auch damit Recht, dass die von ihm erwähnten Namen Anant Kumar wenig bekannt oder unbekannt sind, weil die Leseratte Kumar seine Lesezeit klug einteilen muss, unter: Homer, Kalidas, Ashvaghosha… J.W.v.Goethe, R.N.Thakur, Mishima, J.London, Steinbeck, Morgenstern, E. Pound… Mahdevi Varma, S.Ruhdie, T. Bernhard, T. Morrison, E. Jelinek… und viele andere z. B. Uday Prakash und Wole Soyinka.

    Aus diesem Grund kann sich Anant Kumar über die Werke von www.kookbooks.de (s. den Hauptartikel Verlegerin Seel) kein Urteil bilden, ob sie sich als schlecht, durchschnittlich, gut, sehr gut, epochemachend… oder eine Mischung von allen erweisen.

    Abschließend muss der Fleiß von „Nur“ anerkannt werden, mit dem er viele Kommentare weiter kommentiert. Hoffentlich ist er kein halb bestochener, halb korrumpierter Verlags-, und Zeitungsangestellte.

    Mit besten Grüßen
    Anant Kumar, VS Hessen
    Kassel/ D - Motihari/ Indien
    www.anant-kumar.de

    (Anm.: Mit Recht hebt die Zeitredaktion die Sachlichkeit und produktive Auseinandersetzung hervor. Daher wünsche ich mir, dass die Verlegerin Daniela Seel nächstes Jahr vier Lyrik-Bücher herausbringt. Und DIE ZEIT, deren Literaturbeiträge mir sehr oft schlecht, in Eile recherchiert und oberflächlich vorkommen, soll mehr aussagekräftige, beunruhigende Lyrik vorstellen, und wenig über die schlechte Lyrik- bzw. Literaturszene jammern.)

    LYRIK bzw. LITERATUR und BEUNRUHIGUNG!!!

    die abschließenden zwei Zeilen von „Nur“ vertreten die Meinung, die viele Dichter von der Antike bis zur Gegenwart immer wieder betonen, nämlich: LITERATUR bzw. LYRIK muss uns beunruhigen!!! Danke schön!!!

    Der „Nur“ hat auch damit Recht, dass die von ihm erwähnten Namen Anant Kumar wenig bekannt oder unbekannt sind, weil die Leseratte Kumar seine Lesezeit klug einteilen muss, unter: Homer, Kalidas, Ashvaghosha… J.W.v.Goethe, R.N.Thakur, Mishima, J.London, Steinbeck, Morgenstern, E. Pound… Mahdevi Varma, S.Ruhdie, T. Bernhard, T. Morrison, E. Jelinek… und viele andere z. B. Uday Prakash und Wole Soyinka.

    Aus diesem Grund kann sich Anant Kumar über die Werke von www.kookbooks.de (s. den Hauptartikel Verlegerin Seel) kein Urteil bilden, ob sie sich als schlecht, durchschnittlich, gut, sehr gut, epochemachend… oder eine Mischung von allen erweisen.

    Abschließend muss der Fleiß von „Nur“ anerkannt werden, mit dem er viele Kommentare weiter kommentiert. Hoffentlich ist er kein halb bestochener, halb korrumpierter Verlags-, und Zeitungsangestellte.

    Mit besten Grüßen
    Anant Kumar, VS Hessen
    Kassel/ D - Motihari/ Indien
    www.anant-kumar.de

    (Anm.: Mit Recht hebt die Zeitredaktion die Sachlichkeit und produktive Auseinandersetzung hervor. Daher wünsche ich mir, dass die Verlegerin Daniela Seel nächstes Jahr vier Lyrik-Bücher herausbringt. Und DIE ZEIT, deren Literaturbeiträge mir sehr oft schlecht, in Eile recherchiert und oberflächlich vorkommen, soll mehr aussagekräftige, beunruhigende Lyrik vorstellen, und wenig über die schlechte Lyrik- bzw. Literaturszene jammern.)

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