Afghanistan Sichern, schießen, abschrecken

Mit einer Offensive wollen einheimische und deutsche Truppen die Lage in Nord-Afghanistan in den Griff bekommen. Ihr Hauptproblem: die fehlende Aufklärung

Böswillig ließe sich aus seinen Worten schließen, selbst der oberste Soldat der Bundeswehr habe keine Ahnung. Aber genau das mache eben das Neuartige am "asymmetrischen Krieg" aus, sagt der Generalinspekteur der Bundeswehr am Mittwoch in Berlin auf einer Pressekonferenz mit Verteidigungsminister Franz Josef Jung: "Wir wissen nicht genau, wer der Gegner ist, wir wissen nicht, wo er sich aufhält, und wir wissen nicht, was er vorhat", gab Wolfgang Schneiderhan zu bedenken.

Das zu ändern, "Kontrolle über den Raum" zu gewinnen, die "Lage in den Griff" zu bekommen und damit die für den 20. August geplanten Parlamentswahlen in Afghanistan zu sichern, das sei das Ziel der aktuellen, bisher "wahrscheinlich größten Operation" der Bundeswehr am Hindukusch.

Anzeige

"Unser Problem ist nicht die Feuerüberlegenheit, die haben wir. Unser Problem ist nicht die Führungsüberlegenheit, auch die haben wir", sagte Schneiderhan. "Unser Problem ist die Aufklärung." Mit anderen Worten: das fehlende Wissen darüber, wo sich was möglicherweise "zusammenbraut". Es sei jetzt "an der Zeit" gewesen, diese "Eskalation vorzunehmen", um auch "Abschreckungseffekte zu erzielen", sagte der Vier-Sterne-General zur Begründung. Vor Ort sei seit März eine neue Lage entstanden.

Die Aufständischen hätten ihre Taktik von reinen Sprengstoffanschlägen verändert, hin zu richtigen Gefechten. Deswegen sei es nötig geworden, "dass die schnelle Eingreiftruppe jetzt die Möglichkeiten, die sie hat, auch nutzt, um Abschreckung zu erzielen". Die Bundeswehr wolle im Vorfeld der Wahlen Stärke zeigen. Der Schutz der Wahllokale, auch in der Region Kundus, sei vornehmlich Aufgabe der Afghanen, aber Nato und Bundeswehr würden im Notfall helfen sollen und wollen. "Es muss jetzt klargemacht werden, dass wir willens und in der Lage sind, mit den afghanischen Kräften die Wahllokale in der Provinz zu sichern."

Überhaupt: die afghanischen Kräfte. Minister Jung wie sein militärischer Berater Schneiderhan legen größten Wert darauf zu betonen, dass diese "Detailoperation" nicht von Deutschland, sondern von den Afghanen geführt werde. Das sei die eigentlich bedeutende qualitative Veränderung, unterstrich Schneiderhan. "Drei Bataillone der afghanischen Armee, das hatten wir in der Größenordnung noch nie."

Leser-Kommentare
  1. Also, die angegebenen Zahlen hinsichtlich Armee- und Polizeiaufbau lassen Hoffnungen aufblühen.
    Man könnte, bei Polizei und Armee schon viel weiter sein.
    Nebenbei sind die Zahlen für Armee und Polizei wenig ambitioniert. Die doppelte Zahl jeweils wäre realistischer.
    Von Deutschen erwartet man hartes Durchgreifen, nicht Wattebausch. Denn man muss das Übel an der Wurzel packen.
    Auch finde ich, dass man mit Skatspielen im Aufenthaltsraum nichts gewinnen kann.
    Wirklich, ich freue mich.
    Ich vergleiche es mit 1914, als Deutsche und Türken am Bosporus in bestem Einvernehmen miteinander kämpften.
    Mein Großvater sagte mir immer: Die Türken sind verdammt tapfere und anständige Männer (Kameraden) gewesen ( nach seinen Erfahrungen / Erlebnissen ).

  2. Jung - Schneiderhan sind Verbrecher, sie gehören samt Köhler, Merkel, Schäuble und Steinmeier etc sofort. angeklagt, man erinnert die BRD wurde weder 1949 noch 1990 Staat, weder es eine juristische Legitimation gibt, dass das Unikum BRD Mitglied in der UN / EU / Nato ist - denn hier haben nur Staaten zugang. Eingedenk der Feindstaatenliste, es ist nun das Faktum zur Veränderung vorstehend, mit diesen Kriegsverbrechen wo Merkel, Schäuble, Steinmaier, Jung, Schneiderhan in Afghanistan inszeniert - ist man zu einer kriegsführender Partei in Afghanistan geworden - hier deutschstämmige zu Kriegsverbrecher unter Obhut Ratzinger / Obama hingemacht wurden, die Feindstaatenliste wieder zu Maßnahmen Tür und Tor geöffnet. Eindenk des EU Urteil aus 2006, wo International dokumentiert "die BRD ist ein rechtsunwirksamer Staat", ist eine weitere Rechtstatsache, deutlich in Urteil gestellt. Nun auch dieses Information - Interessantes zulesen bietet - zu lesen unter www.royal-mardukstate.eu www.european-centralbank.eu www.king-marduk.com hier deutlich die Wahrheiten offengelegt werden - ein weiteres hinzu könnte man noch drauf geben. VisdP King Marduk I. Head of State

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Yadgar
    • 22.07.2009 um 20:39 Uhr

    *plonk*

    da war wohl der Aluhut verrutscht

    • medwed
    • 23.07.2009 um 2:25 Uhr

    Ich bin genau Ihrer Meinung. So ungefähr jedenfalls. Das Faktum zur Veränderung steht mir etwas zu weit vor. Das gibt blaue Flecken. Hamatömer, sozusagen. Aber Zugang schreibt man wie Bahnhof, mit einem weichen pfu in der Mitte. Gell.

    • Yadgar
    • 22.07.2009 um 20:39 Uhr

    *plonk*

    da war wohl der Aluhut verrutscht

    • medwed
    • 23.07.2009 um 2:25 Uhr

    Ich bin genau Ihrer Meinung. So ungefähr jedenfalls. Das Faktum zur Veränderung steht mir etwas zu weit vor. Das gibt blaue Flecken. Hamatömer, sozusagen. Aber Zugang schreibt man wie Bahnhof, mit einem weichen pfu in der Mitte. Gell.

  3. .hm, wie sagte Herr Schneiderhan? Keine Aufklaerung vorhanden? Na, dann ist es wohl nur noch eine Frage von maximal einigen Monaten, eher Wochen, bis die ersten ERC-Tornados zum Einsatz gelangen werden.
    Kurzum, der Strudel dreht sich munter weiter und wird absehbar immer groessere Kapazitaeten verschlingen, ohne das ein Ende des Geschehens absehbar waere.
    Gemaess welcher Logik Herr Jung einerseits schweres Kriegsgeraet zum Einsatz bringt, sich aber beharrlich weigert den faktischen Krieg als solchen zu benennen, bleibt unverstaendlich und ist, salopp formuliert, eine groteske Verarschung der afghanischen wie auch der bundesrepublikanischen Bevoelkerung.
    Im uebrigen ist es schon verblueffend, mit welcher Naivitaet die Bundeswehr und die sie dirigierenden Politiker meinen, den Krieg auf Afghanistan beschraenken zu koennen, oder haben die Taliban zu irgendeinem Zeitpunkt versprochen die anno Tobak gezogenen Grenzen der damaligen Kolonialmaechte zu respektieren?
    Man sollte jedem Wehrpflichtigen und freiwillig dienenden BW-Soldat nahelegen, die Kurve zu kriegen, bevor er in Waziristan oder wo auch immer
    verheizt wird.

    ************************************************************

    "Ich mach' Euch fertig!" (G. Schroeder)

  4. Das Problem ist, dass die Zahlen von 45000 Polizisten und 90000 Soldaten von hier kaum zu überprüfen sind. Und unpräzise ist der Artikel in dieser Hinsicht auch:

    Sind das die von Deutschland ausgebildeten Kontingente?
    Oder wohl doch die Zahlen für ganz Afghanistan?

    Was beschreiben die Zahlen?
    Die Zahl der Personen, die irgendwann mal eine entsprechende Ausbildung/Crash-Kurs durchlaufen haben?
    Derzeit in Lohn stehende Polizisten und Soldaten?
    Polizisten und Soldaten, die tatsächlich als einsatztauglich gelten können?

    Irgendwie ist es nicht stimmig, wenn am größten Militäreinsatz im afghanischen Norden "nur" 800 afghanische Soldaten beteiligt sind. Nicht falsch verstehen - dass zwei- bis dreimal soviele afghanische Soldaten wie ausländische beteiligt sind ist ein gutes Indiz. Aber trotzdem sind das nur 1% der angeblich schon vorhandenen 90000 afghanischen Soldaten - für ein Viertel des Landes (mit 40% der Bevölkerung) klingt das nach überraschend wenig.

    • Yadgar
    • 22.07.2009 um 20:39 Uhr

    *plonk*

  5. wie Jung muss man sein, um einen krieg nicht krieg zu nennen.
    auch ne 'gnade der späten geburt'?

    • sn4k3
    • 22.07.2009 um 22:38 Uhr

    >>"Wir wissen nicht genau, wer der Gegner ist, wir wissen nicht, wo er sich aufhält, und wir wissen nicht, was er vorhat", gab Wolfgang Schneiderhan zu bedenken.<<

    Klingt so als hätten die Taliban die Lage dort gut unter Kontrolle.
    Kann man einen unbekannten Feind besiegen? Zu welchem Preis?

    Aber um ehrlich zu sein, glaube ich nicht wirklich, dass sie nicht wissen, wer der Feind ist.

    Und werden sie auch der Frage nachgehen, wo der Feind seine Waffen- und Geldquellen hat? Oder vielleicht wollen sie das nicht. Vermutlich wissen sie aber darüber besser Bescheid als sie wollten.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Auf die Feinde wird im Artikel "Afghanistan - Mit Mardern und Mörsern" kurz eingegangen:

    "Das noch größere Problem, glauben deutsche Sicherheitsbehörden, könnte indes eine ganz andere Wahl darstellen - jene am 27. September in der Bundesrepublik. Sie befürchten, dass durch Anschläge in Deutschland, aber auch auf die Bundeswehr in Afghanistan, Druck auf die Bundesregierung erzeugt werden soll, die Soldaten abzuziehen.

    Nach Informationen des Bundesnachrichtendienstes sind in der Umgebung von Kundus Hunderte Taliban gegen die Bundeswehr im Einsatz, unter ihnen Usbeken und vor allem Paschtunen aus dem Süden. Geld und Kämpfer seien angeblich von der Führung der afghanischen Taliban im pakistanischen Quetta in den Norden geschickt worden.

    Besonders die Islamische Bewegung Usbekistans und die Islamische Dschihad Union hätten es auf die Bundeswehr abgesehen. Nach BND-Feststellungen werden die Taliban aus pakistanischen Quellen finanziert."

    Wobei ich es ziemlich erstaunlich finde, dass sich alle Medien so am Marder-Einsatz aufhängen. Als ob sich das Schicksal Afghanistans an vier Schützenpanzern entscheiden würde.
    Liegt vermutlich daran, dass man sowas aus 'ner Presseerklärung übernehmen kann, während es zur zuverlässigen Beurteilung der zivilen Entwicklung eben Reporter vor Ort bräuchte.

    Auf die Feinde wird im Artikel "Afghanistan - Mit Mardern und Mörsern" kurz eingegangen:

    "Das noch größere Problem, glauben deutsche Sicherheitsbehörden, könnte indes eine ganz andere Wahl darstellen - jene am 27. September in der Bundesrepublik. Sie befürchten, dass durch Anschläge in Deutschland, aber auch auf die Bundeswehr in Afghanistan, Druck auf die Bundesregierung erzeugt werden soll, die Soldaten abzuziehen.

    Nach Informationen des Bundesnachrichtendienstes sind in der Umgebung von Kundus Hunderte Taliban gegen die Bundeswehr im Einsatz, unter ihnen Usbeken und vor allem Paschtunen aus dem Süden. Geld und Kämpfer seien angeblich von der Führung der afghanischen Taliban im pakistanischen Quetta in den Norden geschickt worden.

    Besonders die Islamische Bewegung Usbekistans und die Islamische Dschihad Union hätten es auf die Bundeswehr abgesehen. Nach BND-Feststellungen werden die Taliban aus pakistanischen Quellen finanziert."

    Wobei ich es ziemlich erstaunlich finde, dass sich alle Medien so am Marder-Einsatz aufhängen. Als ob sich das Schicksal Afghanistans an vier Schützenpanzern entscheiden würde.
    Liegt vermutlich daran, dass man sowas aus 'ner Presseerklärung übernehmen kann, während es zur zuverlässigen Beurteilung der zivilen Entwicklung eben Reporter vor Ort bräuchte.

  6. da war wohl der Aluhut verrutscht

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service