Eine Roboterhand pflanzt eine russische Flagge auf dem Meeresgrund. Zwei Jahre ist es her, dass dieses seltsame Bild um die Erde ging. An Symbolkraft hat es nichts verloren. Wie die Amerikaner, die Jahre zuvor die Mondlandung feierten, markierten die Russen ihre Interessen in der Arktis.

Seit Jahren wird ein harter Streit um das Gebiet rund um den Nordpol geführt. Beteiligt sind neben Russland vier Länder: Dänemark, Kanada, Norwegen und die USA. Der nördliche Zipfel aller fünf Staaten liegt dicht am Nordpol. Jedes Land will nachweisen, dass ein möglichst großer Teil des Gebiets zum eigenen Territorium gehört.

Vergangene Woche verschärfte sich der Konflikt. Dänemark kündigte an, eine arktische Einsatztruppe aufstellen zu wollen. Die steigende geostrategische Bedeutung der Region werde "auf Sicht weitere Herausforderungen für die dänischen Verteidigungskräfte mit sich bringen", hieß es in dem "Verteidigungsabkommen", dem eine Mehrheit des Parlaments zustimmte. Zuvor hatten auch Kanada und Russland angekündigt, ihr Militär in der Region zu verstärken.

Es ist der Meeresgrund, an dem die fünf Staaten interessiert sind. Dort werden riesige Öl- und Gasvorkommen vermutet. Diese darf ausbeuten, wer die Hoheitsrechte zugesprochen bekommt. Wie groß die Vorkommen sein könnten, veranschaulichen Schätzungen des US Geological Survey. Demnach könnten bis zu 90 Milliarden Barrel unentdecktes Öl in der Arktis lagern. Das sind 13 Prozent der noch nicht gefundenen Weltvorkommen. Hinzu kommen etwa 47 Billionen Kubikmeter Gas. Das entspräche etwa 30 Prozent der unentdeckten Vorkommen. Ob die Schätzungen stimmen, ist jedoch unklar. "Das Wissen über mögliche Rohstoffvorkommen vor allem im zentralen Gebiet des arktischen Ozeans ist sehr gering", sagt Christian Marcussen vom dänischen Institut für geologische Untersuchungen.

Dennoch wecken die vermuteten Bodenschätze Begehrlichkeiten. Die Seerechtskonvention der Vereinten Nationen (UNCLOS) regelt in Artikel 76, wie die Staaten ihre Ansprüche auf unterseeische Gebiete und die zugehörigen Rohstoffvorkommen geltend machen können. Strittig sind zahlreiche Zonen. Etwa das Seegebiet um die nördlich vom norwegischen Festland gelegene Inselgruppe Svalbard, besser bekannt unter dem Namen der Hauptinsel Spitzbergen. Norwegen schlägt es sich zu. Doch weder das benachbarte Russland noch ein anderes Land haben das bislang akzeptiert.

Bilaterales Gerangel gibt es auch andernorts in der Arktis. So streiten Kanada und Dänemark um einen 1,3 Quadratkilometer großen Felsen zwischen Grönland und Ellesmere Island, die sogenannte Hans-Insel. Norwegen und Russland wiederum zanken um ein etwa 41.000 Quadratkilometer großes Gebiet in der Barentssee. Hier werden zahlreiche Öl- und Gasfelder vermutet. Auch in der Beaufortsee nördlich der Landgrenze zwischen Alaska und dem kanadischen Yukon Territorium zieht ein 24.000 Quadratkilometer großes Areal die Begehrlichkeiten sowohl der USA als auch Kanadas auf sich.

Lediglich der Meeresgrund innerhalb der 200 Seemeilen (370 km) umfassenden "Ausschließlichen Wirtschaftszone" gehört einem Staat automatisch. Alles Weitere ist Verhandlungssache. Um die Gebiete zugesprochen zu bekommen, müssen die Staaten mehr unternehmen als nur Flaggen zu hissen. Die UNCLOS schreibt vor, dass die Staaten geologische und geophysische Daten sammeln müssen, die beweisen, dass das umstrittene Gebiet mit dem eigenen Festland verbunden ist. Die Ansprüche müssen wohlbegründet sein. Noch haben nicht alle Länder ihre Forderung eingereicht.