Bankenkrise Ökonomen zweifeln am Sinn von Zwangshilfen

Soll der Staat den Banken Geld aufzwingen, damit Kredite wieder fließen? Volkswirte sind skeptisch. Eine Zwangs-Rekapitalisierung ist aus ihrer Sicht keine Lösung

Die Banken stecken in der Klemme, und mit ihnen die gesamte Wirtschaft. Weil sie die Folgen der Finanzkrise noch nicht überwunden haben und die Rezession sie zu erhöhter Vorsicht zwingt, knausern die Geldhäuser mit Darlehen. Die Süddeutschen Zeitung berichtet, sie könnten bald gezwungen sein, sich vom Staat helfen zu lassen. Zwar dementierte das Finanzministerium am Montag, die Bundesregierung denke "nicht über eine Zwangskapitalisierung der Banken nach". Doch die Idee ist in der Welt.

Der Plan klingt verführerisch: Der Staat könne sich zwangsweise an Instituten beteiligen, ähnlich wie schon in den USA und Großbritannien, auf diese Art die Kreditvergabe fördern und die Wirtschaft am Laufen halten. Doch Ökonomen sind sich uneins, ob das funktioniert. Der Würzburger Finanzwissenschaftler Peter Bofinger, Mitglied im Sachverständigenrat der Bundesregierung, warnt vor einer pauschalen staatlichen Beteiligung an den Banken. "Wichtiger ist, die Banken differenziert zu prüfen und zu schauen, welche tatsächlich die Kreditvergabe zurückführen", sagt der gewerkschaftsnahe Wirtschaftsprofessor.

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Die USA und Großbritannien seien in dieser Frage kein Vorbild für Deutschland. Washington hatte sich bereits im vergangenen Herbst an allen namhaften Finanzinstituten beteiligt, die britische Regierung verstaatlichte ebenfalls mehrere Großbanken. "Das waren Maßnahmen auf dem Höhepunkt der Krise, die nicht auf Deutschland übertragbar sind", sagt Bofinger, "Deutschland hat mit seinen Landesbanken, Sparkassen und genossenschaftlich organisierten Banken ein komplett anderes System."

Auch Ulrich Blum, Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), hält nichts von einer Zwangsbeglückung der Banken. Zwar brauche die Wirtschaft Kredite, um wieder in Schwung zu kommen. Eine Rekapitalisierung der Institute sei sinnvoll. Doch sollte sie aus prinzipiellen Gründen möglichst ohne Zwang erfolgen. Der IWH-Chef will die Kräfte des Marktes nutzen. "Die Banken sollten selbst entscheiden, ob sie Kredite vergeben. Will die Politik aber erreichen, dass die Institute aktiver werden, kann sie zu diesem Zweck übermächtige ökonomische Anreize setzen."

Blums Vorschlag: Nur Banken, die in relativ hohem Maß Darlehen vergeben, sollten künftig Zugang zu – dann möglichst langfristig laufenden – Krediten der Europäischen Zentralbank (EZB) erhalten. "Die bisher gebräuchlichen kurzfristigen Laufzeiten helfen den Banken nicht, Geschäftsfelder zu erschließen, die es erlauben, ihre Bilanzen langfristig zu konsolidieren." Ziel müsse es sein, mittels der EZB-Gelder Zugang zu ertragreichen Kreditgeschäften aufzubauen, die wiederum den Marktzugang zur notwendigen Verstärkung der Eigenkapitalbasis verbessern.

Freilich ist nicht klar, ob die Zentralbank überhaupt die formale Möglichkeit hat, so zu handeln. "Es ist schon starker Tobak, einzelne Banken von der Versteigerung der EZB-Kredite auszuschließen", räumt Blum ein. "Aber auf irgend eine Weise werden wir auf jeden Fall sündig."

Andere Ökonomen indes begrüßen die Idee einer zwangsweisen Rekapitalisierung. Der Konjunkturchef des Münchner-Ifo-Instituts, Kai Carstensen, rief die Bundesregierung auf Handelsblatt.com auf, sich "schnell ans Werk" zu machen. Auch der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, und der Direktor des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung, Gustav Horn, äußerten sich positiv.

Andere Volkswirte halten die Debatte allerdings eher für ein Scheingefecht. Solange die Politik die Reform der Landesbanken vernachlässige, ziele sie am eigentlichen Problem vorbei, sagen sie. Tatsächlich haben die Landesbanken durch eigenes Missmanagement, für das auch der Staat die Verantwortung trägt, in der Krise besonders hohe Verluste erlitten. Die Sparkassen und Genossenschaftsbanken stehen hingegen vergleichsweise solide dar.

Und die Großbanken, die in Problemen stecken, sind längst teilweise verstaatlicht. Martin Hellwig, Forscher am Bonner Max-Planck-Institut zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern, sagt: "Solange man die Problematik der Landesbanken nicht unter Kontrolle bekommt, wird es in Deutschland immer wieder Bankenkrisen geben."

 
Leser-Kommentare
  1. Natürlich ist es völlig sinnlos, wie Sherlock Holmes mit dem Vergrößerungsglas herum zu laufen, um nach einzelnen "grünen Sprossen" zu suchen. Dennoch mehren sich die Zeichen ohne jeden Zweifel. Statistiken und Prozente sind freilich bedeutungslos, doch seit gestern gibt es nun auch einen konkreten, wirklich beeindruckenden neuen Fakt: Die Rettung der CIT-Bank. Erstmals seit Lehman blieb die US-Regierung fest und weigerte sich absolut, eine weitere Großbank durch Staatsanleihen vor dem Bankrott zu bewahren. "Rettet Euch selbst" lautete die Parole, und siehe da, es fanden sich erstmals wieder normale private Milliardenkredite, um diese wichtige Großbank zu retten. Die Kreditkrise ist also nunmehr offensichtlich vorüber. Mit dem Einfrieren der Kredite fing ja die Katastrophe bekanntlich an. Freilich wird es noch Monate dauern, ehe sich die Lockerung der Kredite auf die Arbeitslosigkeit auswirken kann.

  2. "Der IWH-Chef will die Kräfte des Marktes nutzen."

    Dies entspricht etwa dem Versuch, die Kräfte der Beschleunigung eines Projektils zu testen, das kurz zuvor von einer an den Kopf gehaltenen Schusswaffe abgefeuert wurde. Dies allein kann nur der Schluss aller Weisheit sein, denn das Marktversagen wurde zu Tode debattiert, damit sein Zombie die Nachfolge antreten kann. Doch wie erklärt man einem Untoten die Reglen des Lebens? Die Meister dieser Marktmagie beziehen ihre verführerischen Kräfte aus dem Angstglauben der Leute heraus, es gäbe keine Alternative zu dieser Welt aus Grau und Dunkel. Besser im Halbdunkel leben als garkein Licht erhalten, so lautet die Warnung. Doch wer hat Zeit, sich dauernd zu ängstigen! und wer den Wunsch das Licht zu meiden! Nein, irgendwann verliert jede Verführung ihre Wirkung, dies ist ebenso gewiss.

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    Glauben Sie denn alles, was man Ihnen auftischt? Ungewogen? Unbedingt? Wollen Sie glauben? Dann suchen Sie sich einen Weltbildprovider aus dem Religionslager, die winken wenigstens noch mit dem Paradies.

    Aber fallen Sie um Himmels willen nicht immerfort darauf herein, wenn jemand »Markt« schreit, ihn aber gar nicht meint. Behalten Sie die Füße trocken und die Dauerwelle toupiert!

    Weshalb ausgerechnet in diesem Fall, werden Sie fragen.

    Nun, das ist ganz einfach: Wäre der IWF (oder irgendeine andere staatliche Institution, die mit Geldbündeln um sich wirft) tatsächlich daran interessiert, die »Kräfte des Marktes« zu nutzen, wieso macht er es dann eigentlich nicht? Wieso wirft der IWF mit soviel Geld um sich, skandiert aber, nachdem die Sache über die Bühne ging, den Preisgesang auf den Markt?

    Der IWF sagt zwar Markt, meint aber etwas anderes.
    Der IWF ist ein Mieter eines Bürogebäudes in Washington. Nicht mehr.

    Glauben Sie denn alles, was man Ihnen auftischt? Ungewogen? Unbedingt? Wollen Sie glauben? Dann suchen Sie sich einen Weltbildprovider aus dem Religionslager, die winken wenigstens noch mit dem Paradies.

    Aber fallen Sie um Himmels willen nicht immerfort darauf herein, wenn jemand »Markt« schreit, ihn aber gar nicht meint. Behalten Sie die Füße trocken und die Dauerwelle toupiert!

    Weshalb ausgerechnet in diesem Fall, werden Sie fragen.

    Nun, das ist ganz einfach: Wäre der IWF (oder irgendeine andere staatliche Institution, die mit Geldbündeln um sich wirft) tatsächlich daran interessiert, die »Kräfte des Marktes« zu nutzen, wieso macht er es dann eigentlich nicht? Wieso wirft der IWF mit soviel Geld um sich, skandiert aber, nachdem die Sache über die Bühne ging, den Preisgesang auf den Markt?

    Der IWF sagt zwar Markt, meint aber etwas anderes.
    Der IWF ist ein Mieter eines Bürogebäudes in Washington. Nicht mehr.

  3. Glauben Sie denn alles, was man Ihnen auftischt? Ungewogen? Unbedingt? Wollen Sie glauben? Dann suchen Sie sich einen Weltbildprovider aus dem Religionslager, die winken wenigstens noch mit dem Paradies.

    Aber fallen Sie um Himmels willen nicht immerfort darauf herein, wenn jemand »Markt« schreit, ihn aber gar nicht meint. Behalten Sie die Füße trocken und die Dauerwelle toupiert!

    Weshalb ausgerechnet in diesem Fall, werden Sie fragen.

    Nun, das ist ganz einfach: Wäre der IWF (oder irgendeine andere staatliche Institution, die mit Geldbündeln um sich wirft) tatsächlich daran interessiert, die »Kräfte des Marktes« zu nutzen, wieso macht er es dann eigentlich nicht? Wieso wirft der IWF mit soviel Geld um sich, skandiert aber, nachdem die Sache über die Bühne ging, den Preisgesang auf den Markt?

    Der IWF sagt zwar Markt, meint aber etwas anderes.
    Der IWF ist ein Mieter eines Bürogebäudes in Washington. Nicht mehr.

    Antwort auf "Marktgerechte Lösung"
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    • Hugo_P
    • 21.07.2009 um 6:52 Uhr

    Leider ist der mehr als ein Büromieter.
    Ich weiß jetzt aus den Kalten im Einzelnen nicht, wieviele Volkswirtschaften für paar Mrd. Spielgeld (=Dollar) sich dem unterworfen haben.

    • Hugo_P
    • 21.07.2009 um 6:52 Uhr

    Leider ist der mehr als ein Büromieter.
    Ich weiß jetzt aus den Kalten im Einzelnen nicht, wieviele Volkswirtschaften für paar Mrd. Spielgeld (=Dollar) sich dem unterworfen haben.

    • Hugo_P
    • 21.07.2009 um 6:52 Uhr

    Leider ist der mehr als ein Büromieter.
    Ich weiß jetzt aus den Kalten im Einzelnen nicht, wieviele Volkswirtschaften für paar Mrd. Spielgeld (=Dollar) sich dem unterworfen haben.

  4. wieso sollte uns in diesen Zeiten noch die Meinung irgendwelcher Ökonomen interessieren? Tatsache ist das die beschenkten Banken, das staatliche Ausfallsrisiko ist x-fach größer, als jenes, das die Banken tragen, zur Zeit das Geld am Spieltisch verlieren, wie ein suchtkranker Spieler im Kasino und an der "Restwirtschft" kein Interesse zeigen. Es ist absolut anwidernd wie Präpotent die Banken agieren und dem gehört Einhalt geboten; die Regulierung des Casinokapitalismus hat nicht statt gefunden und wird auch nicht statt finden, hoffen doch schon alle auf die nächste Hausse. Wahrlich es droht der "Endsieg des Kapitalismus" durch zurücklassen eines Drümmerfeldes an gedachtem Geld.

  5. ist natürlich Schilda gemeint.

  6. Der Staat sollte die neoliberalen Ideologen, die uns die ganze Suppe eingebrockt haben, beim Wort nehmen:
    Den Banken alle Sicherungen entziehen (...das darf man dann auch Deregulierung nennen...) und diese freigewordenen hunderte von Milliarden nehmen um eine staatliche, völlig unbelastete "Good Bank" zu gründen, der das Zocken an den Finanzmärkten verboten ist.
    Ich prophezeihe: Der Markt wird es ganz schnell richten!

  7. Der Zauberlehrling und der Meister

    Minister Steinbrück könnte die Banken genauso gut auffordern, auf dem Frankfurter Römer Bargeld zu verbrennen.

    Wenn ein Bauer viel Dünger hat, aber nicht düngen kann, weil der Pächter den Vertrag gekündigt hat oder das Wetter zu schlecht ist oder die falsche Jahreszeit ist, dann müßte er erst neues Land hinzu pachten, die Folgen des Wetterumsturzes beseitigen, auf die richtige Jahreszeit warten.

    Minister Steinbrück erweckt den Eindruck, die Banken müßten nur die Unternehmen mit Geld überschütten und alles wird gut.

    Nur zur Erinnerung: Die Automobilindustrie befand sich schon vor der Finanzkrise in einer strukturellen Krise. Deutschland hat sich vor der Finanzkrise als Exportweltmeister feiern lassen. Die Schwäche des Binnenmarktes wurde im Rausch der Exporte übersehen. Die Finanzkrise hat lediglich die Schwachstellen aufgedeckt.

    Minister Steinbrück hätte mit seinem planwirtschaftlichen Verständnis von Volkswirtschaft in der Kommandowirtschaft der DDR sicher Karriere gemacht. Für die soziale Marktwirtschaft der Bundesrepublik ist er der falsche Mann.

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