Finanzkrise Bernanke sieht US-Wirtschaft erstarken

Der US-Notenbankchef hielt eine optimistische Rede vor dem Kongress, in der er auf positive Anzeichen verwies. Nur der Arbeitsmarkt bereitet Bernanke noch Sorgen

Sorgt sich um den Arbeitsmarkt: Ben Bernanke spricht vor dem Finanzausschuss des US-Kongress

Eineinhalb Jahre nach Beginn der schwersten Rezession seit Jahrzehnten sieht US-Notenbankchef Ben Bernanke die amerikanische Wirtschaft auf dem Wege der Besserung. Für nächstes Jahr erwarte die Zentralbank eine "schrittweise Erholung", die sich 2011 dann beschleunige, sagte der Fed-Chef vor dem Finanzausschuss des US-Kongresses.

Mit Sorge blickt Bernanke aber auf den schwachen Arbeitsmarkt. Zwar habe sich der Konjunkturabschwung offenbar "erheblich verlangsamt", während es bei Nachfrage und Produktion "vorsichtige Zeichen der Stabilisierung" gebe. Allerdings sei es auch so, dass sich die Lage auf dem Jobmarkt nach wie vor verschlechtere und die Arbeitslosenquote steige.

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Der Höhepunkt der Arbeitslosigkeit ist nach Einschätzung Bernankes gegen Ende des Jahres zu erwarten. "Trotz des prognostizierten Rückgangs 2010 und 2011 bleibt die Arbeitslosigkeit aber deutlich über der Rate, die der Ausschuss der Fed für längerfristig tragfähig hält", sagte Bernanke.

Märkte stabilisieren sich

Der Leitzins werde für "längere Zeit" voraussichtlich "außergewöhnlich niedrig" bleiben, erklärte er. In den vergangenen Monate habe es jedoch "bemerkenswerte Verbesserungen" gegeben: Risikoaufschläge in Kreditmärkten und die Risikoscheu der Investoren seien geringer geworden. "Viele Märkte funktionieren wieder normaler", sagte Bernanke. Die Börsen seien wieder auf dem Stand vom Jahresende 2008 und die Banken hätten sich erhebliches Kapital beschafft.

Der Notenbankchef zeigte sich optimistisch, einen befürchteten Preisauftrieb im Zuge der Konjunkturerholung in den Griff bekommen zu können. "Wir sind zuversichtlich, dass wir die Instrumente haben, um im Bedarfsfall die Zinsen anzuheben, um unsere Ziele von Vollbeschäftigung und Preisstabilität zu erreichen."

Die Maßnahmen im Kampf gegen die Krise könnten "sanft und zeitgerecht" zurückgefahren werden, unterstrich der Zentralbankchef. Die Fed habe "beträchtliche Zeit" darauf verwendet, an einer Strategie zur Beendigung der massiven Stützungsmaßnahmen zu arbeiten.

Diese Strategie stößt allerdings im US-Kongress auf Kritik: Einer der Vorwürfe gegenüber der Fed lautet, die Notenbank habe als Aufseherin über die Banken die Krise nicht kommen sehen und habe überdies mit einer zu langen Periode niedriger Zinsen nach dem Zusammenbruch der New Economy die Misere mit heraufbeschworen. Viele Ökonomen unterstützen hingegen den Kurs der Fed.
 

 
Leser-Kommentare
    • Seckel
    • 22.07.2009 um 12:13 Uhr

    Seines Zeichens handelt Bernanke als Ökonom und erklärte sich deshalb freiwillig dazu, Oberster der Federal Reserve zu sein. Das Feld, auf dem er sich befindet, bleibt daher nach wie vor das der Ökonomie. Die ökonomische Sequenz wiederum bettet sich ernstlich betrieben neben andere. Weil indessen die Prognostik sich durch das Ensemble eben jener anderen Sequenzen ereignet, schlägt der Anwurf, Ökonomen versäumten gültige Ausblicke, auf dessen Urheber unerbittlich zurück. Wenn man so will, gibt es auch zehn Monate nach Beginn der Schwächeperiode immer noch ganz offenbar etliche, die unentwegt daran tüfteln, auf welche Weisen sie sich noch ihre Existenz ruinieren können; und machen für ihr antiföderales Trajekt auch nicht davor halt, die Federal Reserve Bank zu versuchen dafür einzuspannen.

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