Koalitionsbruch Carstensen entlässt SPD-Minister
Schlag auf Schlag: Kurz nachdem Ministerpräsident Carstensen in Kiel die Vertrauensfrage stellte, hat er seine vier sozialdemokratischen Minister gefeuert
Der Ministerpräsident zieht damit eine weitere Konsequenz aus dem Scheitern der Großen Koalition. Die Entlassungsurkunden hätten die Minister bereits erhalten, hieß es. Im Einzelnen handelt es sich um Vize-Regierungschefin Ute Erdsiek-Rave (Bildung), Lothar Hay (Innen), Uwe Döring (Justiz) und Gitta Trauernicht (Soziales/Atomaufsicht). Der Rauswurf wird am Dienstag wirksam werden. In der Vergangenheit hatte der CDU-Landesvater seinen Ministern aber stets eine gute Arbeit attestiert. "Ich habe die SPD-Minister entlassen. Dieser Schritt ist mir persönlich außerordentlich schwer gefallen", kommentierte er denn auch die Entlassungen.
Die 62-jährige Erdsiek-Rave spielt seit Langem eine führende Rolle in der Landespolitik Schleswig-Holsteins. "Ich bin menschlich zutiefst enttäuscht. Das ist eiskalte Machtausübung", kommentierte sie ihren anstehenden Rauswurf. "Das ist ein Umgang miteinander, als hätten wir silberne Löffel geklaut". Auch ihre 58-jährige Kollegen Gitta Trauernicht, die bereits in Niedersachsen einen Ministerposten inne hatte, und der effiziente, 63-jährige Uwe Döring dürften über den Verlust ihres Amtes mehr als enttäuscht sein. Ähnliches gilt wohl auch für den zurückhaltenden Lothar Hay (59), der den Posten des Innenministers ursprünglich gar nicht annehmen wollte.
Ob die vier offenen Ministerposten neu besetzt werden, ist offen. Wahrscheinlich werden aber die verbleibenden CDU-Minister die Aufgaben der Entlassenen mit übernehmen – eine Einarbeitung und offizielle Einsetzung neuer Minister für die verbleibenden zwei Monate wäre mit sehr viel Aufwand verbunden. Zudem beginnt gerade die parlamentarische Sommerpause, die in diesem Jahr durch den Wahlkampf geprägt sein dürfte.
Selbstauflösung gescheitert, Vertrauensfrage gestellt
Wie erwartet war am Montagvormittag die Abstimmung über die Selbstauflösung des Parlaments am Widerstand der Kieler SPD gescheitert. Die Stimmen der regierenden CDU und der Opposition aus FDP, Grünen und SSW hatten nicht für die notwendige Zweidrittelmehrheit ausgereicht. Wenige Minuten nach der Abstimmung hatte Carstensen dann formell die Vertrauensfrage gestellt. Ob sie ihn im Amt halten wollen, darüber stimmen die Parlamentarier am Donnerstag ab.
Es ist zu erwarten, dass nur die CDU Carstensen stützt, womit er die Vertrauensabstimmung kalkuliert verlieren würde. Binnen zehn Tagen könnte er im Anschluss den Landtag auflösen und dessen Neuwahl wie geplant parallel zur Bundestagswahl ansetzen
Jahrelange Querelen
Einen Rücktritt hatte Carstensen bislang stets ausgeschlossen, sodass er den verfrühten Urnengang nur noch mit diesem verfassungsrechtlich umstrittenen Weg erzwingen kann. "Der Ausgang der Abstimmung lässt mir keine andere Wahl", betonte er in einer kurzen Erklärung im Plenum diesen Schritt.
Hintergrund der Krise in Schleswig-Holstein sind andauernde Konflikte Carstensens mit Ralf Stegner (SPD), dem die CDU mangelnde Kooperation vorwirft. Stegner wiederum moniert, dass Carstensen im Fall der Millionen-Zahlungen an den Chef der HSH Nordbank, Dirk Jens Nonnenmacher, gelogen habe. Die Boni seien keineswegs, wie von Carstensen in einem Brief an den Bank-Vorstand zu lesen sei, mit seiner Fraktion abgesprochen gewesen. Genau dies musste inzwischen auch der Ministerpräsident einräumen.
Die CDU-Abgeordneten hatten bereits vergangene Woche beschlossen, das Bündnis mit der SPD und damit die jahrelangen Koalitionsquerelen zu beenden.
- Datum 22.07.2009 - 06:50 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, dpa
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...es ist sicher besser, in wahlkampfzeiten wie diesen nicht den sozen die atomaufsicht zu unterstellen. so kommt die sacharbeit in den ministerien zu einem unsauberen, quietschenden halt.
und auf die weise kann er zudem sichergehen, dass die sozen ihm auch wirklich das mißtrauen aussprechen und nicht noch irgendwelche miesen tricks auf ihn zukommen.
was kommt als nächstes, ein militärputsch?
wahrscheinlich ölen schon sämtliche Schützenvereine Dithmarschens die Läufe! Ich hätte ja nicht geglaubt, dass die männlichen Politdiven da oben noch zu weitern Testosteronverpuffungen in der Lage seien!
Dieu me pardonnera, c'est son metier.(Heine)
"sacharbeit in den (spd)ministerien", da lieg ich zuckend vor zwerchfellkrämpfen auf dem boden.
jetzt haben die spd(ex)minister mehr zeit zum wahlkämpfen auf den straßen und plätzen, is doch auch toll :)
wahrscheinlich ölen schon sämtliche Schützenvereine Dithmarschens die Läufe! Ich hätte ja nicht geglaubt, dass die männlichen Politdiven da oben noch zu weitern Testosteronverpuffungen in der Lage seien!
Dieu me pardonnera, c'est son metier.(Heine)
"sacharbeit in den (spd)ministerien", da lieg ich zuckend vor zwerchfellkrämpfen auf dem boden.
jetzt haben die spd(ex)minister mehr zeit zum wahlkämpfen auf den straßen und plätzen, is doch auch toll :)
Es ist einfach unglaublich. Die Entlassung der Minister geschieht natürlich nur zum Besten des Landes und um Schaden von den Bürgern abzuwenden.
Führungslose Ministerien, ungeklärte Fragen, undurchschaubares Paktieren - soll das dem Land dienlich sein?
Das soll doch nicht dem Land dienlich sein. Ohne SPD-Minister kann zu Hause vernünftig aufgeräumt werden bevor der Untersuchungsausschußbesuch zum Kaffeetrinken kommt.
Das soll doch nicht dem Land dienlich sein. Ohne SPD-Minister kann zu Hause vernünftig aufgeräumt werden bevor der Untersuchungsausschußbesuch zum Kaffeetrinken kommt.
Wenn ein Ministerpräsident die Arbeit der Minister seines Kabietts aus den Reihen des Koalitionspartners bis zuletzt lobt, dann aber der Koalition ein Ende setzt, dann ist 'scheitern' wohl ganz offensichtlich nicht der richtige Begriff um diesen Vorgang zu beschreiben!
Journalisten sollten nicht unreflektiert die Vokabeln aus den 'Probagandaabteilungen' der Parteien übernehmen!
Dieser Versuch Carstensens sich aus der Verantwortung zu stehlen ist durchsichtig und dreist: Schnell, bevor neue schlechte Nachrichten kommen, die man selbst zu verantworten hat, Neuwahlen im Schatten der Bundespolitik (Bundestagswahl) provozieren. Landespolitik und eigenes Versagen werden in diesen Bundestagswahlkampftagen - so das Kalkül - keine so große Rolle spielen. Angela und der Bundestrend werden's schon richten und schlimmeres verhindern, auch wenn die Landes-SPD sich noch so anstrengt.
Und das alles auch noch so dilletantisch eingefädelt!
- die SPD-Minister loben
- mit der SPD einen Nachtragshaushalt beschließen und somit die
Funktionsfähigkeit der Koalition bestätigen, danach aber
- dem Koalitionspartner Unfähigkeit unterstellen
- dem Koalitionspartner Mitverantwortung an einer umstrittenen Entscheidung
in die Schuhe schieben wollen, dann aber
- eingestehen, dass dies falsch und unhaltbar ist, in diesem Zusammenhang auch
- das Parlament belügen
und dann auch noch einen Antrag auf Parlamentsauflösung zu stellen, in dem
diejenigen, die zur Annahme des Antrags gebraucht werden ( nämlich einige SPD-ler) gezwungen werden sich selbst als unzuverlässig zu qualifizieren.
Intelligenz geht anders!
Und solchen Strategen traut man zu ein Land zu regieren??
Aber wahrscheinlich sehen die meisten Wähler darüber hinweg.
Auch die vierte Gewalt nimmt das alles so hin, begnügt sich die Verlautbarungen der Parteizentralen zu zitieren.
Ein Aufreger wäre dies allenfalls, wenn SPD-Politiker sich so verhielten.
Nicht nur Intelligenz, auch mündige Demokratie geht anders.
Darf man davon ausgehen, dass Sie SPD-Mitglied sind?
Darf man davon ausgehen, dass Sie SPD-Mitglied sind?
"Landesvater" beginnt zu rotieren.
Toubo-prop: Die Fetzen fliegen.
Mal seh'n wie's weitergeht.
Das soll doch nicht dem Land dienlich sein. Ohne SPD-Minister kann zu Hause vernünftig aufgeräumt werden bevor der Untersuchungsausschußbesuch zum Kaffeetrinken kommt.
dirty, Harry!
Hatte man bisher den Eindruck, der "gute" Harry will den "bösen" Krawalli Stegner für die ehrlichen norddeutschen Bürgern endgültig in die Opposition "entsorgen", so scheint die im Hintergrund mit dem FDP Schauspieler Kubicki (wieso kriegt der in Umfragen über nacht plötzlich 14 % Zustimmung) vereinbarte Wahloperette (am 27.9.) an Fehlentscheidungen ernst zu werden. Mit der Entlassung für die Atomaufsicht zuständigen Ministerin begibt sich Harry auf ein Gebiet , wo aus einer Operette plötzlich ein Drama für alle Bürger werden könnte. Unverantwortlich ! Harry muß zurücktreten.Sofort
... außerordentlich schwer gefallen»
Schon klar Herr Dingenskirchen.
Es wirdgelogen und betrogen, man schert sich um nichts als um den Erhalt der eigenen Macht oder das füllen der eigenen Taschen. Alternativ strommern die "Politiker" profil-, ziel-, und ahnungslos durch die Lande und entscheiden ohne Wissen, Sinn und Verstand. Geh mir weg mit diesem Politik-Volk, man bemüht sich ja nicht einmal mehr, den Schein zuwahren, selbst dazu reicht es nicht.
Am bitteren Ende will es dann niemand geahnt/vorausgesehen/gemerkt haben, dass genau so den links- und rechtsradikalen Gruppierungen in die Hände gespielt wurde. Armes Schleswig-Holstein, arme Bundesrepublik.
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