Online-Wirtschaft Wie man durch Verschenken Geld verdient
Im Internet ist vieles gratis. Wie man dennoch im Web Gewinn macht, erklärt Chris Anderson im Buch "Free". Doch lassen sich auf diese Weise Jobs retten?
Gratis ist der beste Preis der Welt, findet Chris Anderson, Bestseller-Autor und Chefredakteur von Wired!, einer der führenden Technikzeitschriften der USA. In The Long Tail hatte er uns vor wenigen Jahren gezeigt, dass viele Nischenprodukte im Internetzeitalter mehr Umsatz bringen als Massenware. Sein neues Buch, Free - Kostenlos, rechnet nun vor, dass im Internet nur derjenige Geld verdient, der seine Produkte verschenkt.
Das klingt widersinnig. Aber den Preis auf Null zu setzen sei laut Anderson eine "evolutionär stabile Strategie". Wer sein Produkt umsonst verteilt, könne von Konkurrenten nicht übertrumpft werden, denn umsonst ziehe immer.
Gewiefte Verkäufer wussten das schon seit Anbeginn des Handels. Vermutlich haben auch schon Bäcker im antiken Athen ein fünftes Brötchen gratis dazugegeben, wenn man vier gekauft hat. Und auch die Moderne ist voll von Umsonstpröbchen und beigelegten Gimmicks. Diese Gratisangebote aber haben meistens irgendwelche Haken: Das fünfte Brötchen war von gestern, das Müsli kostet zehn Cent mehr, damit das zusätzliche Plastikspielzeug refinanziert ist.
Nun, im Internet, gibt es endlich richtiges Umsonst, berichtet Anderson. Keine versteckten Kosten, keine Finanzierung der Gratisprodukte durch höhere Preise auf andere Waren. Nein, jetzt werden wir wirklich beschenkt: Der Garten Eden ist online gegangen. Diese paradiesischen Zustände sind möglich geworden, schreibt Anderson, weil die Betriebskosten von Internet-Angeboten gegen Null fallen. Weil diese Kosten zu "gering sind, um noch gemessen zu werden", fehle Anbietern der Grund, um einen Preis von ihren Kunden zu verlangen.
Das Videoportal YouTube müsse gerade mal einen Viertel US-Cent bezahlen, um einem Kunden eine Stunde lang Videos vorzuspielen. Nächstes Jahr werde dieser Betrag auf läppische 0,10 US-Cent fallen, schreibt Anderson. Da lohne es sich nicht, Nutzungsgebühren zu erheben. Denn, so argumentiert Anderson, weil der Service umsonst ist, wird er so oft genutzt, dass YouTube mehr mit Werbeeinblendungen verdiene, als das Unternehmen an Nutzergebühren einnehmen könne.
Ebenso verhalte es sich mit Online-Zeitungen und Suchmaschinen und schlicht allem im Internet: Wer einen Preis verlange, sperre seine Kundschaft aus. Denn die wolle nur das, was umsonst ist. Wenn aber alles nichts kostet, wie kann man dann im Internet noch Geld verdienen, fragt man sich und blättert erwartungsvoll weiter durch Andersons Buch. Zunächst enthält es eine schlechte Nachricht: Nur auf Werbeeinnahmen zu setzen sei keine gute Strategie. Auch populäre Dienste und erfolgreiche Blogs könnten damit höchsten die Serverkosten abdecken.
Stattdessen rät Anderson zum "Freemium"-Modell, das vor allem in Online-Spielen und Business-Netzwerken bereits verwendet wird: Man stellt einen Service gratis zur Verfügung, aber wer ein paar Dollar im Monat ausgibt, kriegt noch ein paar Verbesserungen. Wichtig sei aber, mahnt Anderson, dass die Grundversion bereits vollständig funktionstüchtig sei, denn andernfalls würden wieder die Nutzer wegbleiben.
Denn Menschen seien bereit, Geld auszugeben, wenn sie dadurch Zeit sparten und ihre Nerven schonen könnten. Auf dieser Einsicht basiert auch Andersons favorisiertes Geschäftsmodell: Man baue eine Internet-Community auf, in der sich alle Diskussionen um ein spezielles Thema drehen. Vielleicht Papierflieger. Und mit der Hilfe dieser Community entwerfe man dann ganz tolle, aber komplizierte Papierflieger und stelle allen die Faltpläne zur Verfügung. Zugleich biete man vorgefertigte Papierflieger zum Verkauf an. Bestimmt haben einige Mitglieder der Community mehr Spaß am Fliegen als am Falten und kaufen lieber den Bausatz.
- Datum 21.07.2009 - 16:29 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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"Laut Anderson haben die US-amerikanischen Zeitungen im letzten Jahr 326 Million Dollar an Werbeeinnahmen verloren, weil die Kunden lieber auf den Seiten von Craigslist.com inserieren. Doch dieser Web-Dienst nahm 2008 nur 40 Millionen Dollar ein. Die restlichen 286 Millionen Dollar sind verschwunden. Und mit ihnen ein paar Zeitungen, Druckereien und viele Arbeitsplätze.
(...)
Folglich kann sie weniger Menschen ernähren als ihr Offline-Vorgänger. Das kommt im Buch aber nicht zu Sprache."
Also kurzum: Wenn Dienste oder Produkte entstehen die den gleichen oder sogar einen höheren Nutzen erbrigen und dabei auch noch billiger sind, dann ist das schlecht? Eine sehr seltsame Sicht auf unser Wirtschaftssystem. Sich über wegfallende Arbeitsplätze in Druckereien aufzuregen ist wie sich darüber zu beschweren, dass das Schreibmaschienengeschäft nicht mehr so wirklich läuft oder das man (fast) nicht mehr als Kohleschaufler in einer Dampfeisenbahn arbeiten kann.
Die Arbeitsplätze in modernen Druckereien entstanden ja auch auf Kosten alter guttenbergscher Druckbetriebe. Und jene kosteten zu ihrer Zeit Schreibern die Arbeit.
Aus Sicht der Wirtschaft verrigern das Internet im Allgemeinen und Dienste wie Craiglist im speziellen die Transaktionskosten in der Volkswirtschaft. Eben dies bewegt uns näher an einen perfekten Markt mit den entsprechenden Effizienzgewinnen. Craiglist ersetzt ja auch eher Inserate als Werbung. In genau diesem Bereich ist eine Printlösung ohnehin nur für jene relevant, die das Netz nicht nutzen. Es ist einfach nur unzeitgemäß, sich durch Berge von kleingedrucktem Text zu wühlen, anstatt einfach kurz eine Suchanfrage zu tippen.
Ohnehin ist das Beispiel eine Milchmädchenrechnung. Ein extrem großer Teil der Werbe- und Inseratseinahmen sind wohl einfach deshalb weggefallen, weil man Dank dem Netz Dinge auch anders findet. Es macht keinen Sinn zu sagen: Eine ganze Branche macht weniger Gewinn, und es geht Geld verloren weil ein einziger Konkurrenzanbieter weniger einnimmt als die Branche verloren hat. Was ist mit E-Bay, Amazon, die Hinwendung zu Viralmarketing etc. Alles Entwicklungen die es weniger Lukrativ machen in Zeitungen zu inserieren. Von Google selbst ganz zu schweigen.
Es ist nur in der Tasche von jemandem anders gelandet, der vielleicht mehr Arbeitsplätze schafft als in den Printmedien verloren gehen. Eine Ausgabe, die ich als Unternehmer nicht in Transaktionsgebühren sondern in Produktivität investieren kann nutzt dem Unternehmen und seinen Kunden.
Ein Beispiel aus der Musikindustrie ist die Rechnung, dass die Umsatzeinbussen die die Musik-Vermarkter erlitten haben, durch Apples Umsätze mit dem IPod mehr als aufgefangen werden.
Oft wird den Autoren der online Versionen der alten Printmedien vorgeworfen, sie seien nicht kompetent, in Sachen Internet und Technologie. Ich muss hier auch gleich vorweg schicken, dass ich Ranjits Beitrag und seiner Kritik an den Schlussfolgerungen des Autors in vollem Umfang beipflichten muss. Aber:
Welcher Autor könnte qualifizierter in Sachen "Free" sein, als Jan Free?
Wer täglich Free ist, dem kann man wohl in Sachen free nicht viel vormachen? Vielleicht ist der Autor aber auch zu sehr in die Angelegenheit verstrickt, um noch objektiv sein zu können. Möglicherweise war aber auch das Zeilenhonorar zu nah an der Verheißung, die der "Freie Mitarbeiter" hier mit ins Rennen bringt, um Chris Anderson auf seinem Weg ins Paradies zu folgen?
Jedenfalls ist es nur von Vorteil, wenn durch Innovationen Produkte - auch preislich - attraktiver werden. Das bis zur Ohnmacht und über die Grenze der Gehirnwäsche hinaus wiederholte Mantra, das jeder Arbeitsplatz zähle, steht im völligen Gegensatz zu allen menschlichen Bestrebungen, sich durch technischen Fortschritt von ungeliebter, gefährlicher und gesundheitsgefährdender Arbeit zu befreien. Wir müssen endlich lernen, Arbeit neu zu bewerten. Hierbei spreche ich vor allem davon, dass zzt. nur Arbeit, die ein entsprechendes Einkommen mit sich bringt, einen entsprechenden sozialen Status des Menschen nach sich zieht. Dies sind übrigens regelmäßig Arbeitsbereiche, die nicht produktiv - im klassischen Sinne - sind.
Wenn wir den Wert des Menschen nicht mehr nur nach seiner Arbeit und seinem Einkommen bewerten, dann werden nicht nur Produkte "for free" sein. Dann werden viele Menschen eine längst verloren gegangene Freiheit wieder entdecken.
Mir ist natürlich bewußt, dass bei gratis Angeboten das Produkt über die geschaltete Werbung von den Käufern des beworbenen Produkts finanziert wird, dieses damit also nicht tatsächlich umsonst ist, sondern nur von anderer Seite und nicht unmittelbar bezahlt wird. Wäre es aber nicht toll, wenn sie eine sinnvolle und sinnstiftende Arbeit ausüben könnten, ohne darauf achten zu müssen, dass sie möglichst viel Geld dafür erhalten?
das alles kann ich nur Unterstützen .. obwohl ich nicht daran glaube das es möglich ist.
das alles kann ich nur Unterstützen .. obwohl ich nicht daran glaube das es möglich ist.
das alles kann ich nur Unterstützen .. obwohl ich nicht daran glaube das es möglich ist.
Dear all,
natürlich ist die Rechnung, die Anderson präsentiert, zu simpel, weil sie ausblendet, ob Wachstum in manchen Branchen die Verluste anderen Branchen ausgleichen. Ich stimme meinen Vorkommentatoren zu, dass Anderson etwas genauer hätte nachrechnen sollen. Hat er aber nicht. Gut, er ist nun einmal kein Wirtschaftswissenschaftler und muss hauptberuflich eine nicht gerade kleine Zeitschrift leiten. Unter dieser Arbeitslast hat die Analysetiefe sicher etwas gelitten.
Was ich aber ärgerlicher finde, ist, dass er die Konsequenzen aus seiner These der schrumpfenden Erträge nicht diskutiert. Anderson andeutet an, dass durch Free!-Modelle der zu verteildende Kuchen kleiner wird. Das würde ebenso volkswirtschaftliche Konsequenzen haben, wie die sinkenden Transaktionskosten durch manche Online-Dienst. Aber nur die Vorteile werden in "Free!" angesprochen, nicht die Nachteile.
Auf dieses Ungleichgewicht wollte ich in der Rezension hinweisen, aber damit nicht ausdrücken, dass es unverständlich wäre, warum beispielsweise Kunden lieber bei Craigslist inserieren als in der Rocky Mountain News. Die Vorteile von Craigslist sind ja offensichtlich, und den Nutzen von Innovationen bestreite ich ganz gewiss nicht.
Viele Grüße und danke für die Kommentare,
JF
... sind die schrumpfenden Kosten des anderen.
Wenn die Gesamtproduktivität wenigstens gleich bleibt, ist das ganz im Sinne des Erfinders. Schlecht ist, dass der der seine Einnahmen verbessert, den anderen nichts abgeben will, obwohl die technischen Innovationen nicht mal von ihm sind, sondern er sie nur zur Kostenreduktion nutzt.
Wenn man nicht innovationsverhindernd diskutieren will, sollte man da ansetzen.
... sind die schrumpfenden Kosten des anderen.
Wenn die Gesamtproduktivität wenigstens gleich bleibt, ist das ganz im Sinne des Erfinders. Schlecht ist, dass der der seine Einnahmen verbessert, den anderen nichts abgeben will, obwohl die technischen Innovationen nicht mal von ihm sind, sondern er sie nur zur Kostenreduktion nutzt.
Wenn man nicht innovationsverhindernd diskutieren will, sollte man da ansetzen.
Der Open Source Bereich setzt ganze Industrien in Lohn und Brot. Linux-Server, Apache, Wordpress, Drupal, Typo3.. Die Leute verdienen nicht an der Software selber, sondern an Administration, Wartung, Installation und Weiterentwicklung. Youtube könnte Geld verdienen, in dem es bessere Videos für besser Geld anbietet. Facebook hat Chancen verschenkt, weil es keine personalisieren Domains a la michaeljackson.facebook.de oder Ähnliches anbiete.
Lustigerweise wird in diesem Artikel zzgl. Kommentaren die Ursachen der aktuellen Wirtschaftskrise besser beschrieben als in vielen "tiefgehenden" volkswirtschaftlichen Analysen.
"Ziel ist es Arbeit durch technischen Fortschritt zu ersetzen"
Das ist das Bestreben der Menschen und wir erleben aktuell wie weit wir in diesem Bestreben bereits gekommen sind. Immer mehr Branchen produzieren immer mehr und bessere Produkte mit wesentlich weniger Mitarbeitern.
Was dieses technische Ziel nicht bedacht hat sind die Auswirkungen auf unsere Gesellschaft. Seit jeher richtet sich der Wert eines Mitglieds einer Gruppe immer auch nach seinem Nutzen für diese Gemeinschaft. Wenn der technische Fortschritt nun dazu fürt, dass viele Menschen nicht mehr arbeiten müssen, werden Sie auch "überflüssig" und daher sinkt ihr Wert in der sozialen Gesellschaftspyramide.
Kurz: "Wenn das Ziel erreicht ist und menschliche Arbeitskraft durch technischen Fortschritt ersetzt wurde, gibt es keine Nachfrage nach menschlicher Arbeit mehr. Der Mensch hat nun keine Möglichkeit mehr Geld zu verdienen, zumindest wenn er nur auf seine Arbeitskraft als Einkommen angewiesen ist."
Das setzt eine Spirale in Gang: Wenn die Menschen ihr Einkommen verlieren, fragen Sie weniger nach, was wiederum in anderen Branchen zu Rationalisierungsmaßnahmen führt, wodurch noch mehr Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren.
Diese Spirale endet erst an dem Punkt, an dem Roboter in vielen Jahren alle "einfachen" menschlichen Tätigkeiten ersetzt haben und wir Menschren "frei" von der Arbeit sind als Zwang des Überlebens. (Forschung & Entwicklung und andere Branchen wie Pflege etc. unterliegen nicht unbedingt dieser Entwicklung.)
Wie lösen wir das Problem? Mit Grundeinkommen oder durch andere Formen der Umverteilung. Wir entkoppeln Wohlstand und Einkommen von der Fähigkeit seine Arbeitskraft verkaufen zu können. Damit stabilisieren wir den Konsum, sichern den Wohlstand der Gesellschaft und verbesern die Lebensbedingungen der Menschen.
... sind die schrumpfenden Kosten des anderen.
Wenn die Gesamtproduktivität wenigstens gleich bleibt, ist das ganz im Sinne des Erfinders. Schlecht ist, dass der der seine Einnahmen verbessert, den anderen nichts abgeben will, obwohl die technischen Innovationen nicht mal von ihm sind, sondern er sie nur zur Kostenreduktion nutzt.
Wenn man nicht innovationsverhindernd diskutieren will, sollte man da ansetzen.
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