Urheberrecht: Wer kriegt wie viel vom Werbekuchen?
Buch- und Zeitungsverlage wollen Geld von Google. Der Netz-Gigant hat nun auf die Forderungen geantwortet. Die Initiatoren des Heidelberger Appells diskutieren unverdrossen weiter
"Autorschaft als Werkherrschaft in digitaler Zeit", lautete der Titel einer Veranstaltung, auf der am Mittwoch in Frankfurt Initiatoren des "Heidelberger Appells" über Google und das Internet redeten. Wie so oft in letzter Zeit ging es um die durchaus berechtigte Sorge von Verlagen, dass ihr althergebrachtes Geschäftsmodell im Internet nicht mehr funktioniert. Und es ging wohl auch um das Gefühl, vom Netz unfair behandelt zu werden.
In das Literaturhaus Frankfurt waren dazu von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vor allem Verlagsvertreter und Autoren geladen worden, aber auch eine Mitarbeiterin von Google. Die vertretenen Positionen waren teilweise radikal. So forderte der Initiator des Heidelberger Appells, der Philologe und Professor für neuere deutsche Literaturwissenschaft Roland Reuß, Verstöße gegen das Urheberrecht müssten europaweit zur Straftat erklärt werden und die Staatsanwaltschaften dabei selbständig eingreifen dürfen.
Klassische Medien haben tatsächlich ein Problem mit ihrem Geschäftsmodell. Google hat die ursprüngliche Verbindung von Inhalt und Werbung aufgelöst. Gleichzeitig ist Werbeplatz kein knappes Gut mehr, im Internet ist er nicht begrenzt wie in einer Zeitung. Die Preise sind gesunken, die Erlöse ebenso, die Kosten dagegen nicht. Medien brauchen also ein neues Geschäftsmodell.
Bei der Tagung jedoch ging es eher um das alte. "Es hörte sich ein bisschen an wie ein live vorgetragener Manufactumkatalog, der Kampf der Wählscheibe gegen das Tastentelefon", schrieb anschließend Thierry Chervel darüber im Blog der Seite perlentaucher.de. Chervel steht auf der Seite derer, die den Appell und die Ansicht der Verlage für grundlegend falsch halten. Das verwundert nicht, immerhin war sein Angebot Perlentaucher selbst schon einmal unter anderem von der FAZ verklagt worden, weil es deren Inhalte angeblich unberechtigt weiterverwerte.
Entsprechend lakonisch war sein Kommentar, beispielsweise über den Münchner Arbeitsrechtler Volker Rieble, der ebenfalls in Frankfurt geredet hat: "Er sah sich zum Beispiel als Teil einer Elite und möchte bestimmte seiner Werke nicht ohne seine Zustimmung einem von ihm als unqualifiziert angesehenen Netzpublikum zugeführt sehen. Bei späterer Gelegenheit wird er sicherlich erklären, wie er den Zugang zu Bibliotheken zu regulieren gedenkt."
Hauptgegner der Appell-Verfasser ist derzeit der Suchmaschinenkonzern Google; weil er weltweit Bücher digitalisiert und weil er mittlerweile der wichtigste Vermarkter von Internetwerbung ist.
Zeitungsverlage, darunter auch die Holtzbrinck-Verlagsgruppe, haben inzwischen einen eigenen Aufruf gestartet und versuchen, ein "Leistungsschutzrecht" zu installieren. Einer seiner Verfechter ist der Verleger Hubert Burda, der vor kurzem in der FAZ die Anklage erhoben hatte, Google enteigne die Verlage. Burdas Vorwurf lautet im Kern, "ob wir es weiter akzeptieren können, wenn andere kommerzielle Anbieter aus unseren Angeboten und damit von unserem originären journalistischen Handwerk einen größeren wirtschaftlichen Nutzen ziehen, als wir selbst es tun".







Wie kommen Sie darauf, dass Volker Rieble ein "Heidelberger Arbeitsrechtler" ist? Er studierte in Freiburg lehrte in Mannheim und jetzt in München.
http://www.zaar.uni-muenc...
Ich bitte um Entschuldigung, Sie haben völlig Recht: München nicht Heidelberg. Werde es sofort korrigieren.
Das kommt davon, wenn man dauernd Dinge über diesen Heidelberger Appell lesen muss ;) Danke noch einmal für die Korrektur.
Beste Grüße
Kai Biermann
Ich bitte um Entschuldigung, Sie haben völlig Recht: München nicht Heidelberg. Werde es sofort korrigieren.
Das kommt davon, wenn man dauernd Dinge über diesen Heidelberger Appell lesen muss ;) Danke noch einmal für die Korrektur.
Beste Grüße
Kai Biermann
Ich finde das Bild vom Kiosk von Frau Langer exakt zutreffend. Danach könnten natürlich auch die Schoko-Riegel-Hersteller argumentieren, daß durch das Angebot ihrer Produkte im Kiosk sich der Absatz von Zeitschriften erhöht und sie dadurch am Umsatz des Kiosks beteiligt werden müßten.
Wäre ich Schriftsteller, schriebe ich noch heute ein Buch mit dem Titel "Das Klagen der Hufschmiede über das Automobil."
Vielleicht sollte ich erstmal anfangen wieder mehr Brecht zu lesen, hören und schauen.
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der geist in der maschine
Zeitungen, die sich wegen Google beschweren, sind dumm und unverschämt. Mehr gibt es dazu eigentlich nicht zu sagen. Aber die Frage der Digitalisierung der Bücher ist wesentlich spannender. Hier überschreitet Google tatsächlich die Grenzen von etwas, was lange Zeit gegolten hat. Aber das ändert nichts daran, dass Google damit der Menschheit einen wirklichen Dienst erweist. Man stelle sich nur vor, man hätte in der Antike die Bibliothek von Alexandria in seiner Hosentasche mit sich herumtragen können. Und heute ist diese Bibliothek um so vieles größer und dennoch könnte das bald Realität sein. Ich bin auf Googles Seite...
Ich moechte die Aussage von LH, dass "Google damit {Anm.: Der Digitalisiertung von Buechern} der Menschheit einen wirklichen Dienst erweist" hier direkt zur Frage stellen.
Natuerlich gibt die Digitalisierung von Informationen in dieser Groessenordnung die Basis fuer weitere Entwicklungen, doch sind diese groesstenteils von der Politik des Unternehmens Google gepraegt.. welches in erster Hinsicht ein profitorientiertes Serviceunternehmen und kein Sarmariterverein ist. Es gibt andere gemeinnuetzige Initiativen welche die Digitalisierung von Buechern auf einer kleineren Skala betreiben, vielleicht sollte diesen auch mal ein wenig Aufmerksamkeit geschenkt werden.
The net is vast and infinite? Wann sind die Claims dieses Marktes abgesteckt?
... sollten sich die Verlage (und damit auch Holtzbrinck) lieber auf die Suche nach einem moderneren und zeitgemäßeren Geschäftsmodell machen.
Eine wesentliche Eigenschaft der Zeitungen war, dass die Journalisten eine Filterung in der Hinsicht vorgenommen haben, als dass sie die wichtigen Informationen druckten und die unwichtigen verwarfen. Diese Funktion haben die Zeitungen im Internet völlig verloren. Es wird einfach alles veröffentlicht (man hat genügend Platz) und bietet einem etwaigen Kunden eigentlich nichts mehr, denn die Filterung geschieht nun über Twitter, wo man sich gegenseitig über gute und interessante Artikel informiert. Besinnt euch auf eure Werte und beschränkt euch beim Berichten auf die wichtigen Dinge. Blogs sind ja schließlich auch nicht so erfolgreich, weil sie möglichst viel (bis alles, also nichts) bieten, sondern weil sie sich auf einen bestimmten Bereich beschränken.
Es gibt so viele kreative Ideen, mit seinen Inhalten auch Geld zu verdienen. Ich nenne mal ein paar:
Pendler wollen auf dem Weg zur Arbeit Zeitung lesen, wollen sich aber vielleicht kein bedrucktes Holz dafür kaufen. Stattdessen können Sie die jeweils aktuelle Tagesausgabe kostenpflichtig auf ihr Handy laden.
Erlauben Sie jedem anonymen Besucher nur 2-5 Artikel pro Tag kostenlos. Wer mehr lesen will, muss sich anmelden und Geld bezahlen, um auf den Artikel zugreifen zu können.
Und wenn Sie Ihre Journalisten zu Qualität anstacheln wollen: Richten Sie für jeden Account ein Guthabenkonto ein, das man aufladen kann und platzieren bei jedem Artikel einen "Donate"-Button, mit dem bspw. 10 cent in Verbindung mit dem Artikel bezahlt werden. 5 cent für den Autor und 5 cent für den Verlag.
Sie glauben gar nicht, wie schnell wieder Geld in Ihren Kassen ist - vorausgesetzt, sie werden ihrem selbsternannten Status als Qualitätsmedium gerecht.
Man muss es nur wollen.
Ein Verlag findet Schriftsteller, druckt deren Bücher und macht dadurch Profit (wenn ich das Geschäftsmodell soweit richtig verstanden habe).
Die Verlage wollen jetzt Geld von Goolgle weil...
Die Werke ihrer Klienten in der Suchmaschine aufscheinen? Bekomme ich jetzt auch Geld von Google, wenn meine Homepage in der Suchmaschine aufscheint und angeklickt wird?
Bekommt mein Provider Geld von Google, wenn meine Hompage dort aufscheint und angeklickt wird?
Hier ist glaube ich die Frage berechtigt: Wieso sollten die Verlage Geld dafür bekommen?
Ein Dienst wie Google Books stellt ja keineswegs vollständige Werke online.
Vielleicht habe ich das Problem nicht richtig verstanden.
Bitte klärt mich auf.
Wolf
Nichts gegen "die Kleinen", mir kommt es nur darauf an, dass diese Informationen digitalisiert werden. Allerdings würde ich davon ausgehen, dass wenn Google nicht den Vorreiter machen würde, "die Kleinen" von den Verlagen so schnell in die Pleite geklagt würden, dass es nie dazu kommen würde. An Google ist manches kritisch zu sehen, aber in dem Fall ist es gut, dass es einen Riesen auf der Seite der Informationsfreiheit gibt, der es mit den Verlagsriesen aufnehmen kann.
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