Urheberrecht Wer kriegt wie viel vom Werbekuchen?Seite 2/2

Google selbst hat darauf inzwischen eine Antwort gegeben. Im "European Public Policy Blog" des Unternehmens heißt es: "Die Wahrheit ist, dass Nachrichtenverlage, genau wie alle anderen Inhaltebesitzer, die vollständige Kontrolle darüber haben, nicht nur wenn es darum geht, welche Inhalte sie im Internet zugänglich machen, sondern auch, wenn zu entscheiden ist, wer diese Inhalte zu welchem Preis erlangen kann." Der Schlüssel zu dieser Macht sei laut Google ein zwei Zeilen kurzer Code:
User-agent: *
Disallow: /

Denn Suchmaschinen, so heißt es in dem Blogbeitrag von Google, fragen sozusagen um Erlaubnis, bevor sie Inhalte absuchten und für andere zugänglich machten. Dieser Code sperre die Suchroboter aus, und schon müssten die Verlage nicht mehr mit Google teilen, argumentiert der Suchmaschinenkonzern.

Das aber werden sie nicht tun, denn Google sorgt mit seinem Angebot für Besucher auf den Seiten der Verlage, weswegen diese wiederum selbst Werbung verkaufen können. Oder, wie Google es formulierte: "Diese Besuche eröffnen den Verlegern eine Geschäftsmöglichkeit, die Chance, den Leser mit fesselnden Inhalten zu halten, um Geld mit Werbung zu verdienen oder Onlineabonnements anbieten zu können."

Verleger negieren diese Chance nicht, wollen jedoch stärker an dem beteiligt werden, was Google selbst verdient. Was Kritiker zu der Frage gebracht hat, ob es bald eine Kioskgebühr geben werde: Die Medienjournalistin Ulrike Langer beispielsweise schrieb: "Und genau hier liegt das große Missverständnis. Google erbringt mit der Verlinkung eine Dienstleistung. Hierfür als Verlag die Hand auf zu halten, wäre genauso absurd, wie von Kioskbesitzern eine Abgabe dafür zu verlangen, dass der Focus in der Auslage liegt. In der Logik von Burda verkauft der Kioskinhaber nur deshalb so viele Schokoriegel und Bierflaschen, weil die Käufer in erster Linie wegen des Focus zum Kiosk gehen. Also müsse der Burda-Verlag angemessen am Umsatz mit den Schokoriegeln und den Bierflaschen beteiligt werden."

Völlig absurd ist die Debatte nicht, das räumt auch Google ein. Einige Ansätze seien durchaus nachvollziehbar, heißt es im Google-Blogbeitrag. Allerdings würden sie, so sie durchgesetzt würden, das Internet "fundamental zum Schlechten ändern". Das Netz habe riesige Möglichkeiten für die Bildung, das Lernen und das Geldverdienen geschaffen, so Josh Cohen, Senior Business Product Manager von Google. Es sei daher wichtig, dass Suchmaschinen die Inhalte derer, die teilen wollten, so leicht wie möglich zugänglich machten. Und diese Mechanismen müssten für das Netz als Ganzes gelten, nicht nur für einen ausgesuchten Teil.

In Frankfurt kam dieser Punkt nicht zur Sprache. Dort ging es vor allem um die Bedürfnisse der Verlage. Und kurz auch um die der Autoren, wenn auch nur am Rande, obwohl die Verlage argumentieren, vor allem für sie, die Urheber, zu kämpfen. Eine Diskussionsrunde drehte sich um das Google Book Settlement – die weltweite Einigung zwischen Google und allen Buchautoren. Demnach erhält Google 37 Prozent der Einnahmen, die dank digitalisierter Bücher mit Werbung verdient werden. Den Rest jedoch bekomme nicht unbedingt der Autor, sagte Christian Sprang vom Börsenverein des deutschen Buchhandels. "Es heißt 'bis zu' 63 Prozent. Der Rest geht je nach Vertrag an die Verlage – und bei künftigen Verträgen dürfte dieser Rest genau hundert Prozent von 63 Prozent groß sein."

Chervels Kommentar dazu: "Am Ende stand also wie immer bei den leidenschaftlichsten deutschen Debatten die Frage: Wer kriegt wie viel Prozent wovon?"

 
Leser-Kommentare
  1. Wie kommen Sie darauf, dass Volker Rieble ein "Heidelberger Arbeitsrechtler" ist? Er studierte in Freiburg lehrte in Mannheim und jetzt in München.

    http://www.zaar.uni-muenc...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    Redaktion

    Ich bitte um Entschuldigung, Sie haben völlig Recht: München nicht Heidelberg. Werde es sofort korrigieren.

    Das kommt davon, wenn man dauernd Dinge über diesen Heidelberger Appell lesen muss ;) Danke noch einmal für die Korrektur.

    Beste Grüße
    Kai Biermann

    Redaktion

    Ich bitte um Entschuldigung, Sie haben völlig Recht: München nicht Heidelberg. Werde es sofort korrigieren.

    Das kommt davon, wenn man dauernd Dinge über diesen Heidelberger Appell lesen muss ;) Danke noch einmal für die Korrektur.

    Beste Grüße
    Kai Biermann

  2. 2. Kiosk

    Ich finde das Bild vom Kiosk von Frau Langer exakt zutreffend. Danach könnten natürlich auch die Schoko-Riegel-Hersteller argumentieren, daß durch das Angebot ihrer Produkte im Kiosk sich der Absatz von Zeitschriften erhöht und sie dadurch am Umsatz des Kiosks beteiligt werden müßten.

    • ben_
    • 16.07.2009 um 23:45 Uhr

    Wäre ich Schriftsteller, schriebe ich noch heute ein Buch mit dem Titel "Das Klagen der Hufschmiede über das Automobil."

    Vielleicht sollte ich erstmal anfangen wieder mehr Brecht zu lesen, hören und schauen.

    --
    der geist in der maschine

    • LH
    • 16.07.2009 um 23:58 Uhr

    Zeitungen, die sich wegen Google beschweren, sind dumm und unverschämt. Mehr gibt es dazu eigentlich nicht zu sagen. Aber die Frage der Digitalisierung der Bücher ist wesentlich spannender. Hier überschreitet Google tatsächlich die Grenzen von etwas, was lange Zeit gegolten hat. Aber das ändert nichts daran, dass Google damit der Menschheit einen wirklichen Dienst erweist. Man stelle sich nur vor, man hätte in der Antike die Bibliothek von Alexandria in seiner Hosentasche mit sich herumtragen können. Und heute ist diese Bibliothek um so vieles größer und dennoch könnte das bald Realität sein. Ich bin auf Googles Seite...

    • pioja
    • 17.07.2009 um 1:45 Uhr

    Ich moechte die Aussage von LH, dass "Google damit {Anm.: Der Digitalisiertung von Buechern} der Menschheit einen wirklichen Dienst erweist" hier direkt zur Frage stellen.

    Natuerlich gibt die Digitalisierung von Informationen in dieser Groessenordnung die Basis fuer weitere Entwicklungen, doch sind diese groesstenteils von der Politik des Unternehmens Google gepraegt.. welches in erster Hinsicht ein profitorientiertes Serviceunternehmen und kein Sarmariterverein ist. Es gibt andere gemeinnuetzige Initiativen welche die Digitalisierung von Buechern auf einer kleineren Skala betreiben, vielleicht sollte diesen auch mal ein wenig Aufmerksamkeit geschenkt werden.

    The net is vast and infinite? Wann sind die Claims dieses Marktes abgesteckt?

  3. ... sollten sich die Verlage (und damit auch Holtzbrinck) lieber auf die Suche nach einem moderneren und zeitgemäßeren Geschäftsmodell machen.

    Eine wesentliche Eigenschaft der Zeitungen war, dass die Journalisten eine Filterung in der Hinsicht vorgenommen haben, als dass sie die wichtigen Informationen druckten und die unwichtigen verwarfen. Diese Funktion haben die Zeitungen im Internet völlig verloren. Es wird einfach alles veröffentlicht (man hat genügend Platz) und bietet einem etwaigen Kunden eigentlich nichts mehr, denn die Filterung geschieht nun über Twitter, wo man sich gegenseitig über gute und interessante Artikel informiert. Besinnt euch auf eure Werte und beschränkt euch beim Berichten auf die wichtigen Dinge. Blogs sind ja schließlich auch nicht so erfolgreich, weil sie möglichst viel (bis alles, also nichts) bieten, sondern weil sie sich auf einen bestimmten Bereich beschränken.

    Es gibt so viele kreative Ideen, mit seinen Inhalten auch Geld zu verdienen. Ich nenne mal ein paar:
    Pendler wollen auf dem Weg zur Arbeit Zeitung lesen, wollen sich aber vielleicht kein bedrucktes Holz dafür kaufen. Stattdessen können Sie die jeweils aktuelle Tagesausgabe kostenpflichtig auf ihr Handy laden.
    Erlauben Sie jedem anonymen Besucher nur 2-5 Artikel pro Tag kostenlos. Wer mehr lesen will, muss sich anmelden und Geld bezahlen, um auf den Artikel zugreifen zu können.
    Und wenn Sie Ihre Journalisten zu Qualität anstacheln wollen: Richten Sie für jeden Account ein Guthabenkonto ein, das man aufladen kann und platzieren bei jedem Artikel einen "Donate"-Button, mit dem bspw. 10 cent in Verbindung mit dem Artikel bezahlt werden. 5 cent für den Autor und 5 cent für den Verlag.

    Sie glauben gar nicht, wie schnell wieder Geld in Ihren Kassen ist - vorausgesetzt, sie werden ihrem selbsternannten Status als Qualitätsmedium gerecht.

    Man muss es nur wollen.

  4. Ein Verlag findet Schriftsteller, druckt deren Bücher und macht dadurch Profit (wenn ich das Geschäftsmodell soweit richtig verstanden habe).
    Die Verlage wollen jetzt Geld von Goolgle weil...

    Die Werke ihrer Klienten in der Suchmaschine aufscheinen? Bekomme ich jetzt auch Geld von Google, wenn meine Homepage in der Suchmaschine aufscheint und angeklickt wird?

    Bekommt mein Provider Geld von Google, wenn meine Hompage dort aufscheint und angeklickt wird?

    Hier ist glaube ich die Frage berechtigt: Wieso sollten die Verlage Geld dafür bekommen?
    Ein Dienst wie Google Books stellt ja keineswegs vollständige Werke online.
    Vielleicht habe ich das Problem nicht richtig verstanden.
    Bitte klärt mich auf.

    Wolf

    • LH
    • 17.07.2009 um 8:17 Uhr

    Nichts gegen "die Kleinen", mir kommt es nur darauf an, dass diese Informationen digitalisiert werden. Allerdings würde ich davon ausgehen, dass wenn Google nicht den Vorreiter machen würde, "die Kleinen" von den Verlagen so schnell in die Pleite geklagt würden, dass es nie dazu kommen würde. An Google ist manches kritisch zu sehen, aber in dem Fall ist es gut, dass es einen Riesen auf der Seite der Informationsfreiheit gibt, der es mit den Verlagsriesen aufnehmen kann.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service