"Shulman, endlich mal ein Foto von einem, der verstanden hat, was ich aussagen will!" Der begeisterte Ausruf Frank Lloyd Wrights galt einem, der in der Architekturfotografie alles erreicht hat. Jetzt starb der legendäre kalifornische Fotograf Julius Shulman im Alter von 98 Jahren.

Shulman begann in den dreißiger Jahren zu fotografieren, gefördert vor allem von Richard Neutra, dessen Werkverzeichnis Complete Works ausschließlich mit Shulman-Fotografien illustriert ist. Seit 1936 entstand dieses Mammutwerk, eine Bilderschau der Architekturgeschichte des 20. Jahrhunderts, ein Gang durch die Dekaden, bei dem sich Shulman treu geblieben ist. Jede seiner Fotografien zeugt von formvollendeter Bildsprache. Shulman wusste genau, was gute Architekturfotografie bedeutet: die Kunst, den Gestaltungswillen des Architekten auf den Punkt zu bringen – eine fotografische Synthese zu schaffen.

Wenn Architekturfotografie manchmal allzu nüchtern und kühl daherkommt, dann kaum hier: Shulman – gleichwohl um Präzision und Genauigkeit bemüht – wusste, was der Betrachter wollte: Oft setzt der 1910 in Brooklyn geborene Fotograf die Architektur in Beziehung zu ihrer landschaftlichen Umgebung oder lässt Menschen in seinen Bildern auftreten, wie etwa bei der spektakulären Nachtaufnahme des 1959-1960 gebauten Case Study House Nr. 22 hoch über dem funkelnden Los Angeles – einer jener zeitlos-eleganten, transparenten, minimalistischen Glaskästen des kalifornischen Architekten Pierre Koenig, den Shulman durch seine Fotografien weltbekannt machte.

Koenig selbst fasste den optimistischen Geist jener kalifornischen Architekturjahre einmal so zusammen: "Als Outdoor Living immer wichtiger wurde, fühlten wir, dass unsere Häuser das reflektieren sollten. Der Außenraum war ein Kontinuum des Innenraums; wir planten die Gebäude ebenerdig, sodass der Außenraum nach innen fortgesetzt werden konnte ... Architektur war viel mehr eine soziale Aufgabe als heute."

Einige der Aufnahmen Shulmans wirken wie Filmstills – deuten eine Story an, über deren Ausgang wir nur spekulieren können. "Ich verändere die Architektur nicht, sondern lege eine Qualität hinein, die sie magisch erscheinen lässt, sodass die Leute sagen: Das ist ein wunderbares Bild. Ich möchte in diesem Haus leben", sagte Shulman einmal über seine Arbeit.

Der Fotograf des Modernismus starb am 15. Juli in Los Angeles, wo er seit 1920 lebte.