Die Runde der acht führenden Industriestaaten hat sich auf ihrem Gipfeltreffen im italienischen L'Aquila mit den wichtigen Schwellenländern China, Indien, Brasilien und Mexiko darauf verständigt, die Erderwärmung auf zwei Grad zu beschränken. Dadurch sollen die Folgen des Klimawandels beherrschbar bleiben. Um dieses Ziel zu erreichen, bedarf es einer enormen Anstrengung.

Die Welt müsste drei Viertel der heute verfügbaren Vorräte an fossilen Brennstoffen ungenutzt im Boden lassen. Nur dann hätten wir eine faire 75-prozentige Chance, das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen. Wir müssten noch in diesem Jahr die Trendwende schaffen: Die Kohlenstoffemissionen müssten sinken, statt zu steigen. Wenn sie im Jahr 2050 nur noch halb so hoch sind wie 1990, könnte es gelingen, die Erderwärmung zu stabilisieren.

Industrie- und Entwicklungsländer zusammen müssten ihren Ausstoß stetig, Jahr für Jahr bis 2050, um zwei Prozent reduzieren. Das aber kann nur gelingen, wenn die Industrieländer jährlich mindestens dreimal so hohe Reduktionsleistungen erbringen, falls die Emissionen der Entwicklungsländer weiter ungebremst wachsen. Begönnen wir nur wenige Jahre später, unseren Kohle-Ausstoß zu senken, etwa im Jahr 2015, verdoppelte sich die Last der Reduktion auf vier Prozent pro Jahr. Ab 2020 wäre sie sogar dreimal so hoch: Sie betrüge sechs Prozent pro Jahr weltweit und damit etwa 18 Prozent pro Jahr für die Industrieländer. Zögern wir weiterhin, ist unser Scheitern nahezu unvermeidlich.

Zwar haben die G 8 und wichtige Schwellenländer sich jetzt auf eine konkrete Zielvorgabe geeinigt, doch das bedeutet noch nicht die Lösung des Problems. Die Erklärung der Staaten enthielt keine konkreten Reduktionspflichten. Lediglich die Industrieländer verpflichteten sich einseitig, ihre Kohlendioxid-Emissionen bis 2050 um 80 Prozent zu senken – allerdings unter der Voraussetzung, dass die Schwellenländer ihrerseits einen konkreten Beitrag leisten. Die Chancen für diese Kooperation stehen jedoch schlecht.

In vielen Schwellenländern fehlt bis heute jedes Bewusstsein für den Klimawandel. Für eine Abkehr vom business as usual fordern sie finanzielle Hilfen. Die aber übersteigen das den Industrieländern ökonomisch Mögliche, besonders in Zeiten der Finanzkrise. Wie wenige Hilfsgelder gegenwärtig verfügbar sind, zeigen die gleichzeitigen Beschlüsse der G 8 zur finanziellen Unterstützung für die Länder Afrikas: 15 Milliarden Dollar versprachen sie, um afrikanische Landwirte Afrika zu unterstützen und die Nahrungsmittelsicherheit zu erhöhen. Doch es ist nicht geklärt, wie die Gelder aufgebracht werden sollen und ob es sich tatsächlich um neue Zusagen handelt oder nur um die Summe der ohnehin versprochenen Hilfen. Zur Anpassung an den Klimawandel wären mehr als zehnmal höhere Beträge nötig.

Wir können nicht mehr sicher sein, das Zwei-Grad-Ziel oder irgendein anderes Temperaturziel zu erreichen. Wollen wir es dennoch ernsthaft versuchen, müssen wir neue Wege beschreiten. Einer besteht darin, Kohlenstoff zu binden, etwa in neu gepflanzten Wäldern oder durch unterirdische Lager. Die Technik dafür ist als Carbon Capture and Storage bekannt (CCS).

In Deutschland gerade noch an den Bedenken von Umweltschützern und Nachbarn gescheitert, wird CCS zu einer Schlüsseltechnologie für die internationalen Verhandlungen. Die Nutzung von Kohle bleibt für Schwellenländer wie China und Indien noch auf lange Zeit unverzichtbar. Hier ist CCS schon im Rahmen der Abkehr vom business as usual nötig –  erst recht, wenn wir es nicht schaffen, unsere Kohlendioxidemissionen ab sofort zu senken.