Trägt man das jetzt so? : Stofftreter für Optimisten
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In den Achtzigern erfuhren die Stofftreter ein erstes Comeback und wurden in poppigen Farben zu Karottenjeans und Batikshirts getragen. In den Neunzigern verschwanden sie von den Straßen, weil Männer plötzlich anfingen, Sandalen zu mögen, und Flipflops plötzlich nicht mehr nur am Strand, sondern auch in der Stadt gesellschaftsfähig wurden.

Der große Vorteil der spanischen Stoffschuhe ist, dass sie - im Gegensatz zu Badelatschen - den Fuß verstecken. Anna Wintour , die Chefredakteurin der amerikanischen Vogue , kommentierte ungepflegte Männerfüße mit dem einen Satz: "Cover it up!" Ganz genau, cover it up! Wer unbedingt Schlappen tragen will, klappt die Fersenteile seiner Espadrilles einfach runter.

Alle Modekolumnen von Antje Wewer zum Nachlesen © Phil Walter/Getty Images

Der Schuh passt zu Jeans genauso wie zu Badeshorts oder geblümten Hängerkleidchen. Zur Not kann man damit auch mal im Büro auftauchen und im Gegensatz zum nervenden Flipflop-Quietschen verhalten sich die Espadrilles beim Gehen ruhig.

Wer Espadrilles in der Stadt trägt, ist zudem ein Optimist, denn er muss der festen Meinung sein, dass es nicht regnen wird. Passiert es doch, saugt sich die Bastsohle ruckzuck voll, fängt an zu schmatzen und stinkt tagelange später noch nach nassem Hundefell. Wer viel Geld für Designer-Espadrilles ausgegeben hat, ärgert sich jetzt. Alle anderen schmeißen ihr Paar in den Müll und warten auf Sonnenschein.

Antje Wewer betrachtet Modeerscheinungen auf deutschen Straßen und fragt sich jede Woche auf ZEIT ONLINE: "Trägt man das jetzt so?"

Kommentare

4 Kommentare Kommentieren

Espandrilles ja oder nein?

Das ist nicht wirklich eine Frage, wie ich finde, denn so lange sie relativ neu sind, sehen sie bei den meisten im Gegensatz zu Flip-Flops mehr nach Bekleidung aus und der entscheidende Faktor nicht nur bei ungepflegten Männer- sondern auch bei ungepflegten Frauenfüßen ist eindeutig, dass man das Elend, was uns in deutschen Städten im Sommer oftmals umgibt, überdeckt.

Das Rätsel, wieso Menschen einen Teil ihres Körpers so verkommen lassen und gleichzeitig so ungeniert zur Schau stellen habe ich noch nicht gelöst.

Sollte jemand die Antwort kennen, bin ich für diese sehr dankbar, denn bisher ist es für mich ungelöst.

"Wir Hamburger"?

Soweit ich es am letzten Wochenende auf einer Sommerparty mit Medien-, Mode- und Musikleuten erlebte, scheint Hamburg nicht von diesen Erscheinungen verschont zu sein. Die Brillen wurden von Männlein wie Weiblein, die Hüte von den Männern und die Jumpsuits und Sindbadhosen (ja, ich weiß, American Apparel, wo die Teile herstammen, soweit ich von einigen sicher weiß, nennt sie Harem Pants) von den Frauen und am nächsten Morgen im Café trugen einige scheinbar Einheimische Espandrilles.

Gibt es etwas zwei Hamburgs im Norden?