NPD-Vize Rieger Fanatismus und Finanzkraft

Seit Freitag besetzen Neonazis ein leerstehendes Hotel im niedersächsischen Faßberg. Die Fäden im Hintergrund zieht offenbar Jürgen Rieger, der Vizechef der NPD

Wo der Mann auftaucht, gibt es reichlich Ärger. Der Hamburger Rechtsanwalt Jürgen Rieger ist Vizechef der NPD und Landesvorsitzender in der Hansestadt, doch das allein würde für den üblen Ruf nicht reichen, den er bundesweit genießt. Rieger sticht aus dem braunen Milieu hervor, weil er Fanatismus mit einer szeneuntypischen, ererbten Finanzkraft kombiniert.

So zieht der Mann übers Land und erschreckt reihenweise Kommunen. Es geht um Immobilienkäufe oder andere Projekte, jedenfalls sehen sich die betroffenen Städte und Gemeinden regelmäßig mit der Gefahr konfrontiert, in ihren Mauern könnte sich ein Stützpunkt von Neonazis etablieren. Besonders betroffen ist Niedersachsen.

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In der Gemeinde Faßberg (bei Celle) haben Rechtsextremisten jetzt ein früheres Hotel besetzt, das Rieger interessiert. Und in Wolfsburg provoziert er mit der Gründung eines Vereins, der ein "KdF-Museum" betreiben will – um die Errichtung des VW-Werks durch das NS-Regime zu glorifizieren.

Der Fall Faßberg ist vergangene Woche eskaliert. Nach monatelangem Streit hat sich am Freitag eine Handvoll Neonazis im leer stehenden Landgasthaus Gerhus eingenistet. Zuvor hatte Rieger dem Zwangsverwalter der Immobilie, einem Anwalt in Hannover, per Fax mitgeteilt, "ich habe die Türschlösser aufgebohrt".

Die Gemeinde sei "in heller Aufregung", sagt der Celler Landrat Klaus Wiswe. Auf dem Areal sollen auch Schüsse gefallen sein. Ein Sprecher der Polizei sagt, es werde ermittelt wegen des Verdachts auf Sachbeschädigung, Hausfriedensbruch und Verstoß gegen das Waffengesetz.

Rieger sieht sich im Recht. Er meint, über einen gültigen Mietvertrag zu verfügen und pochte im Fax auf ein "Selbsthilferecht". Der Fall ist allerdings kompliziert, klar erscheint nur, wie schon in früheren Fällen, dass Rieger unerbittlich agiert.

Unklar bleibt, was der 63-jährige Altneonazi in Faßberg will. Vermutlich wolle Rieger im Sinne der Familie des verstorbenen Hotelbesitzers, die das finanziell belastete Anwesen an den Zwangsverwalter übergeben musste, den Kaufpreis in die Höhe treiben, vermutet Landrat Wiswe. Doch Bürgermeister Hans-Werner Schlitte (parteilos) befürchtet, Rieger plane in der 7000 Einwohner zählenden Gemeinde ein Schulungszentrum.

Landkreis und Ort hoffen, die Familie werde sich doch noch von Rieger trennen und mit dem bereitstehenden Investor, einer sozialen Einrichtung, einig. Sie bietet, mit staatlicher Hilfe, ungefähr 800.000 Euro für das einstige Hotel auf 8000 Quadratmetern. "Wir zahlen wegen Rieger nicht drauf", verkündet Wiswe, "der Rechtsstaat lässt sich nicht erpressen." Und er glaubt, der Konflikt wäre bis zum Jahresende zu lösen.

Bis dahin wird einiges auszuhalten sein. Schon mehrere niedersächsische Kommunen hat Rieger hart bedrängt – der braune Szenetreff in Hetendorf, das Hotel in Delmenhorst, der Heisenhof in Dörverden, das Kino in Hameln und das Bahnhofsgebäude in Melle sind markante Beispiele, die meisten dieser Projekte scheiterten jedoch.

Rieger macht unverdrossen weiter, inzwischen sucht er auch Wolfsburg heim. Die Stadt wehrt sich massiv gegen das von Rieger geplante "Museum", das gegenüber vom Volkswagenwerk an die NS-Organisation "Kraft durch Freude" erinnern soll. Die Nazis hatten 1938 Wolfsburg als "Stadt des KdF-Wagens bei Fallersleben" gegründet. Ob Rieger die Museumsidee realisieren darf, müssen nun Gerichte klären.

 
Leser-Kommentare
    • Manu84
    • 22.07.2009 um 16:18 Uhr

    Warum lässt man den guten Mann nicht einfach sein Museum und sein Schulungszentrum bauen? Anzünden kann mans ja später immer noch...

    [Anm.: Bitte diskutieren Sie sachlich und verzichten Sie auf Aussagen, die als Aufruf zu Gewalt und/oder Sachbeschädigung verstanden werden könnten. Danke. /Die Redaktion pt.]

  1. Diese Partei und all die anderen rechtsextremen Gruppierungen sind doch einfach nur peinlich ...

    • WIHE
    • 22.07.2009 um 18:16 Uhr

    würde ich es Rieger anbieten, um es dann gegen Bestpreis an die entsprechende Gemeinde verkaufen.

    Herr Rieger veräppelt sie alle.

    Das bringt mich jetzt auf eine Idee.

  2. "So zieht der Mann übers Land und erschreckt reihenweise Kommunen." Aber die Kommunen spielen das Spiel auch immer mit - den Einsatz dieser Pokerrunden bezahlt ja der Steuerzahler, ein schlimmes Beispiel in dieser Hinsicht ist das Hotel in Delmenhorst. Warum lassen wir den guten Mann nicht ein paar Schrottimmobilien zu überhöhten Preisen erwerben? Ewig wird auch sein finanzieller Spielraum nicht währen, und dann ist es vorbei mit dem "Schrecken".

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    Es war klar, dass Rieger weiter so agieren würde, als er sah, wie "aufgeschreckt" in D. reagiert wurde. Ich bin auch der Meinung, dass seine Taktik nicht aufgehen wird, aber wenn die Kommunen weiter kopflos reagieren, kann er sich die Hände reiben für fast kostenlose Öffentlichkeitsarbeit. Im übrigen gibtv es ja auch Bankauskünfte. Da sollten die Bürgermeister und Landräte mal reinschauen, bevor sie die Öffentlichkeit scheu machen.

    Es war klar, dass Rieger weiter so agieren würde, als er sah, wie "aufgeschreckt" in D. reagiert wurde. Ich bin auch der Meinung, dass seine Taktik nicht aufgehen wird, aber wenn die Kommunen weiter kopflos reagieren, kann er sich die Hände reiben für fast kostenlose Öffentlichkeitsarbeit. Im übrigen gibtv es ja auch Bankauskünfte. Da sollten die Bürgermeister und Landräte mal reinschauen, bevor sie die Öffentlichkeit scheu machen.

  3. Was hat der denn jetzt schlimmes angestellt, Spitzbub? Dass er ein Kraft-durch-Freude-Museum bauen will, wird die Republik schon nicht in den Untergang treiben.
    Bei jedem Moscheebauprojekt heißt es, es dürfe nur nach Baurecht, nicht gemäß der Anwohnerinteressen entschieden werden aber wenn ein NPD-Funktionär ein Gebäude zu erwerben plant, wird eine Medienkampagne inszeniert. Diese Doppelmoral kann sich auf Dauer keine Gesellschaft leisten.

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    • Manu84
    • 23.07.2009 um 1:35 Uhr

    Ist ja nett, dass sie hier Muslime in ihrer Gesamtheit mit Nazis vergleichen. Um ihnen mal den Unterschied klarzumachen: Der Islam ist eine Religion, die, so wenig man von Religionen auch halten mag, offensichtlich vielen Menschen wichtig ist und grundsätzlich eher neutral beurteilt werden kann.Herr Rieger ist ein Nazi, und sämtliche dieser Ideologie entspringenden Gedankengänge sind menschenverachtend und deshalb zu unterbinden. Was sich Rieger (und evtl. auch sie?) in ihrem stillen Kämmerlein denkt, sei ihm überlassen. Aber man sollte vielleicht versuchen, zu verhindern, dass er diesen geistigen Müll auch auf die Straße kippen kann.

    Allerdings sehe auch ich die Diskussion als übertrieben an, siehe Kommentar 1.

    (Anmerkung und Bitte an alle Beteiligten. Tragen Sie zu einer sachbezogenen Debatte bei. Die Redaktion/jk)

    • Manu84
    • 23.07.2009 um 1:35 Uhr

    Ist ja nett, dass sie hier Muslime in ihrer Gesamtheit mit Nazis vergleichen. Um ihnen mal den Unterschied klarzumachen: Der Islam ist eine Religion, die, so wenig man von Religionen auch halten mag, offensichtlich vielen Menschen wichtig ist und grundsätzlich eher neutral beurteilt werden kann.Herr Rieger ist ein Nazi, und sämtliche dieser Ideologie entspringenden Gedankengänge sind menschenverachtend und deshalb zu unterbinden. Was sich Rieger (und evtl. auch sie?) in ihrem stillen Kämmerlein denkt, sei ihm überlassen. Aber man sollte vielleicht versuchen, zu verhindern, dass er diesen geistigen Müll auch auf die Straße kippen kann.

    Allerdings sehe auch ich die Diskussion als übertrieben an, siehe Kommentar 1.

    (Anmerkung und Bitte an alle Beteiligten. Tragen Sie zu einer sachbezogenen Debatte bei. Die Redaktion/jk)

    • Manu84
    • 23.07.2009 um 1:35 Uhr

    Ist ja nett, dass sie hier Muslime in ihrer Gesamtheit mit Nazis vergleichen. Um ihnen mal den Unterschied klarzumachen: Der Islam ist eine Religion, die, so wenig man von Religionen auch halten mag, offensichtlich vielen Menschen wichtig ist und grundsätzlich eher neutral beurteilt werden kann.Herr Rieger ist ein Nazi, und sämtliche dieser Ideologie entspringenden Gedankengänge sind menschenverachtend und deshalb zu unterbinden. Was sich Rieger (und evtl. auch sie?) in ihrem stillen Kämmerlein denkt, sei ihm überlassen. Aber man sollte vielleicht versuchen, zu verhindern, dass er diesen geistigen Müll auch auf die Straße kippen kann.

    Allerdings sehe auch ich die Diskussion als übertrieben an, siehe Kommentar 1.

    (Anmerkung und Bitte an alle Beteiligten. Tragen Sie zu einer sachbezogenen Debatte bei. Die Redaktion/jk)

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    Wenn Sie das diesbezügliche Grundwissen nicht haben, sollten Sie sich in diesem Zusammenhang nicht exponieren.
    Zu Ihrer Behauptung »Herr Rueger ist ein Nazi« möchte ich sagen, dass Sie sich hiermit eine Nummer zu weit aus dem Fenster gelehnt haben. Wir werden es in diesem Fall dabei belassen, grundsätzlich nehmen Sie aber bitte zur Kenntnis, dass solche Beleidigungen strafrechtlich relevant sind.

    Wenn Sie das diesbezügliche Grundwissen nicht haben, sollten Sie sich in diesem Zusammenhang nicht exponieren.
    Zu Ihrer Behauptung »Herr Rueger ist ein Nazi« möchte ich sagen, dass Sie sich hiermit eine Nummer zu weit aus dem Fenster gelehnt haben. Wir werden es in diesem Fall dabei belassen, grundsätzlich nehmen Sie aber bitte zur Kenntnis, dass solche Beleidigungen strafrechtlich relevant sind.

  4. Es war klar, dass Rieger weiter so agieren würde, als er sah, wie "aufgeschreckt" in D. reagiert wurde. Ich bin auch der Meinung, dass seine Taktik nicht aufgehen wird, aber wenn die Kommunen weiter kopflos reagieren, kann er sich die Hände reiben für fast kostenlose Öffentlichkeitsarbeit. Im übrigen gibtv es ja auch Bankauskünfte. Da sollten die Bürgermeister und Landräte mal reinschauen, bevor sie die Öffentlichkeit scheu machen.

  5. Wenn Sie das diesbezügliche Grundwissen nicht haben, sollten Sie sich in diesem Zusammenhang nicht exponieren.
    Zu Ihrer Behauptung »Herr Rueger ist ein Nazi« möchte ich sagen, dass Sie sich hiermit eine Nummer zu weit aus dem Fenster gelehnt haben. Wir werden es in diesem Fall dabei belassen, grundsätzlich nehmen Sie aber bitte zur Kenntnis, dass solche Beleidigungen strafrechtlich relevant sind.

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    bitte mit dem nötigen Vermerk! In Kommentar hieß es: »Herr Rueger«, also ich, »ist ein Nazi«. Sie haben aus »Rueger« »Rieger« gemacht und damit die Bezüge zwischen Leserkommentaren und Artikel gänzlich verändert ohne dies kenntlich zu machen. Ganz schlechter Stil.

    bitte mit dem nötigen Vermerk! In Kommentar hieß es: »Herr Rueger«, also ich, »ist ein Nazi«. Sie haben aus »Rueger« »Rieger« gemacht und damit die Bezüge zwischen Leserkommentaren und Artikel gänzlich verändert ohne dies kenntlich zu machen. Ganz schlechter Stil.

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