Bilanz
Barack Obama zwischen Sein und Schein
Ein halbes Jahr ist Obama US-Präsident, inzwischen lässt sich Pose von Substanz gut unterscheiden. Seine Außenpolitik erscheint mehr und mehr wie schmückendes Beiwerk

© Saul Loeb/AFP/Getty Images
Die Schonzeit für Barack Obama ist vorbei. Er braucht Erfolge - vor allem in der Innenpolitik
In jener fernen Anfangszeit nach der Amtseinführung am 20. Januar wohnte dem Aufbruch noch ein Zauber inne. Auftreten und Reden genügten, um ihm Schlagzeilen zu verschaffen – fast durchweg positive. Der neue Präsident zielte darauf ab, sich unübersehbar von seinem Vorgänger George W. Bush abzusetzen und die versprochene Wende symbolisch zu konturieren: Guantánamo wird geschlossen, Folter verboten; die Wirtschaftskrise möchte er mit einem von der Größe präzedenzlosen Konjunkturpaket bekämpfen, aus Irak abziehen, im Nahen Osten dem Friedensprozess neues Leben einhauchen. Damals schienen seine Worte auszureichen, um Tätigkeit nachzuweisen.
Der Unterhaltungsaspekt kam dabei nicht zu kurz. Es begann mit den Inaugurationsbällen und der Deutung des Modestils der neuen First Lady. Wochenlang hielt die Suche nach dem richtigen Hund für das Weiße Haus die Nation in Atem. Es folgte die Anlage eines Gemüsegartens, in dem sich gleich mehrere Botschaften bündelten, von der konservativen Liebe zur Scholle über den Appell zu gesunder Ernährung bis zum modernen Ökotrend. Vier Auslandsreisen, die Rede an die muslimische Welt in Kairo und sein Appell zu atomarer Abrüstung beim Besuch in Moskau unterstrichen den globalen Führungsanspruch des Mannes.
Dank seiner Reisen und Initiativen wird Obama in der Welt als Erneuerer wahrgenommen, und bessert sich Amerikas Image rund um die Erde. Doch von einer konsequenten Verfolgung seiner weltpolitischen Anliegen ist er weit entfernt. Ja, inzwischen ist unübersehbar: Dieser Präsident wird von der Innenpolitik fast völlig in Beschlag genommen. Für Außenpolitik bleibt wenig Zeit, sie erscheint mehr und mehr wie schmückendes Beiwerk.
In Amerika ist die Schonzeit vorbei. An der wohl bedachten Inszenierung und den rhetorisch ausgefeilten Reden, die Pathos mit Pragmatismus versöhnen, hat sich wenig geändert. Aber Bürde und Verantwortung sind ihm nun anzumerken. Formulierungen und Taten haben Folgen. Wenn er spricht, werden seine Bemerkungen auf einen versteckten Nebensinn hin untersucht. Lobbygruppen verteidigen ihre Interessen. Manchmal genügen Worte, um die Schlachtordnung bei der Mehrheitssuche im Kongress zu verändern, nicht immer zu Gunsten des Präsidenten.
Weit schlimmer ist es freilich, wenn die Wirkung ausbleibt. So ergeht es Obama bei seinem Schicksalsthema, dem Kampf gegen die Rezession. Der Ausgang wird mehr als alles andere über seine Wiederwahl 2012 entscheiden. Das ganze Gewicht seines – für amerikanische Verhältnisse überragenden – Wahlsiegs hatte er in die Waagschale geworfen (und seine Beziehungen zu Republikanern aus den vier Jahren als Senator spielen lassen), um eine breite Mehrheit für den so genannten "Stimulus" zu organisieren. Am Ende bekam er ein Konjunkturpaket, dessen Wert manche ehrfürchtig staunen und andere wegen des Schuldenberges erschauern lässt: 787 Milliarden Dollar fließen zusätzlich in die Infrastruktur, in Finanzhilfe für die Einzelstaaten, die unter wegbrechenden Steuereinnahmen leiden, in Bildung und eine Energiewende.
Doch die Stimmen dafür kamen fast ausschließlich von Demokraten. Die Republikaner opponierten am Ende, bis auf drei Abweichler im Senat. Sie möchten sich die Chance erhalten, das Paket zum Hauptkritikpunkt bei der Kongresswahl im November 2010 und der Präsidentschaftswahl 2012 zu machen, falls die Wirtschaft nicht so rasch wieder anspringt. Am "Stimulus" wollen sie durchbuchstabieren, dass Welten liegen zwischen "sozialistischen" Demokraten, die den Staat zum Hauptakteur der Wirtschaft machen und das Steuergeld verprassen, und sparsamen Republikanern, die auf die Marktkräfte setzen.
Der Ausgang dieser Wette ist offen. Fürs Erste punkten die Konservativen. Die Arbeitslosenrate ist im Juni auf 9,5 Prozent gestiegen – weit mehr als die acht Prozent, die zu Jahresbeginn für Mitte 2009 prognostiziert worden waren. Sie wird wohl noch über zehn Prozent wachsen. In besonders betroffenen Regionen wie Michigan, das zusätzlich unter dem Kollaps der Autobranche leidet, sind offiziell über 14 Prozent arbeitslos. Zählt man jene Bürger hinzu, die sich erst gar nicht als Jobsuchende melden oder die nur Teilzeit arbeiten, obwohl sie lieber eine volle Stelle hätten, liegt die Quote laut einer Studie des Arbeitsministeriums in mehreren Staaten deutlich über 20 Prozent. Immerhin haben GM und Chrysler ihre Insolvenzverfahren schneller als erwartet hinter sich gebracht. Ob sie dauerhaft gerettet sind, wird sich zeigen.
- Datum 20.7.2009 - 16:07 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
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setzt er überall bemerkenswerte und positive Akzente! Leider der einzige in der illustren G-8-Truppe, der sich dies verdientermaßen auf die Fahne schreiben darf.
Ach wenn wir doch in Deutschland auch Jemanden von solchem Format in der Politik hätten.....
Sicher könnten wir alle ruhiger schlafen und wesentlich zuversichtlicher der Zukunft entgegen schauen, als es uns bisher vergönnt ist!
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"Dubito, ergo sum."
Die Zeit des Barack Obama wird kommen - in den nächsten 3,5 Jahren.
Im Moment sät er den Erfolg, den er letzten Endes einfahren wird. Davon bin ich überzeugt.
Schon in der Wahlkampagne war es klar, dass die Innenpolitik Obamas gesamte Präsidentschaft dominieren würde -- wie die Amerikaner sagen "Alle Politik ist lokal." Jedoch ist er kraft seiner Position nicht in der Lage, sich schön langsam ein Problem nach dem anderen vorzunehmen, wie Herr Joffe dies unlängst vorschlug. Vielmehr stürzen täglich neue internationale Katastrophen auf ihn ein, zu denen er auf Anhieb Stellung beziehen muss.
Dass er auf alle diese Ereignisse cool und mit Bedacht reagiert, ist seine besondere Charaktereigenschaft, die ihn vorteilhaft von seinem Vorgänger unterscheidet. Man sich die weltweite Katastrophe überhaupt kaum ausmalen, die der leichtinnige und jähzornige Hitzkopf McCain mit seiner Vize Palin im Oval Office angerichtet hätte.
Obama ist nur die MArionette die die Wallt Strete barucht um das linksliberale Spektrum zu beruhigen. Ich empfehle mal hinter die Kullisen zu schauen und Obamas aussagen mit seinen Atten zu vergelichen... ANch wie vor verwnadelt sich die USA in einen Polizeistaat. Obama hat ein Programm was dem der Hilerjugend aehnelt. Er verwendet weiterhin todbringende Uranmunition im Irak und afgahnistan (8000 neue Marines die ahertesten US Soldaten die zum tueren einterten da sind). Uranmuntion hat weite LAndstrihe des Iraks verseucht.... Zicht missgebildete Kinder werden geboren... weil die Naonopartikel der Munition auch ind en Mutterleib eindringen... evrweiss auf die Doku (Kriegsversprechen) wo untera dnerem auch ein ehemaliger ARD Journalist ausagt der 20 JAhre fuer die Ard , tasusende Beitraege gemacht hat und ausgestiegen ist wegen der zunehmenden Zensur... die es uebrugens auch in der Zeit gibt die ich 8 Jahre lang gelesen hatte..sogar im Abo und auf die ich bis auf ein apar einzelne Artikel naja will nicht ausfallend werden....)
siehe:
http://nuoviso.tv/verschw...
http://nuoviso.tv/intervi...
... die Fliegen wechseln aber die Sch... bleibt die gleiche.
Obama kann dafür sorgen, die Infra-Struktur zu verbessern, er kann das Gesundheitssytem einrichten. Er kann die Bildung auf eine den Europäern vergleichbare Grundlage stellen. Er wird versuchen, das Bildungsniveau des farbigen Amerikaners zu verbessern. Alles das benötigt Zeit.
In der Außenpolitik bleibt er angenehm unspektakulär. Er setzt auf die Achse der Guten und ist dabei erfrischen unkonventionell. Die Dinge sind im Fluss und sie müssen sich entwickeln. 'Gut Ding' will Weile haben.
Was er nicht so ohne weiteres beeinflussen kann, dass ist die Wettbewerbsfähigkeit der US-Wirtschaft. Hier sind die Firmen gefragt, sich so aufzustellen, dass sie auch im Export wieder Geld verdienen können.
In den Schlüssel-Unternehmen müssen wieder die Ingenieure an die "Front". Bis die US-Wirtschaft wieder so aufgestellt ist wie die deutsche, dass dauert und dass kann auch Obama nicht beeinflussen. Er muss sogar Angst haben, dass die ihm letztlich seine Ziele vermasseln.
Die nächsten Jahre werden spannend.
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Die Aufklärung darf kein leerer Wahn werden in einer Zeit der Anmaßungen.
Vielleicht ist es doch noch ein wenig zu früh, um fundiert zu meckern:
http://www.spiegel.de/pol...
Ich habe diese Art Kommentare kommen sehen. Schon am Tag seiner Wahl war klar, dass ein paar ungeduldige/zukunftstraeumerische auf der einen Seite und auf der anderen vermutlich vor allem Obama-hassende Zeitgenossen meinen wuerden, nach acht Monaten Amtszeit muesse dieser Messias die Welt gerettet haben - oder doch zumindest von den ueber 100 Problemen schon mal die Haelfte locker bewaeltigt haben.
Ja, hallo? Wer koennte heute, 20 Jahre nach der Wende, sagen, alle sich daraus ergebenden Probleme seien schon geloest? Und wie viele von ihnen waren nach acht Monaten geloest? Weniger als das, was Obama in der knappen Zeit schon geschafft hat, wuerde ich meinen. Dass er mit allem Erfolg haben wuerde, hat er uebrigens auch nie behauptet. Aber dass er es versucht und hart daran arbeiten will. Genau das tut Obama gerade und muss sich dabei versuchen, sich nicht von den um ihn kreisenden Schmeissfliegen stoeren zu lassen, die in jedem Wort, jeder noch nicht bewaeltigten Krise ein Zeichen fuer "hohlen Schein" sehen wollen.
Die Journalisten, die ihre Unkenrufe nicht mal fuer ein paar Tage einstellen koennen, sondern taeglich das Misslingen der Obama-Amtszeit verkuenden, sind damit zumindest mitschuldig, wenn Obama eine weitere unnoetige Pressekonferenz geben muss, um auf solche Journalisten-Kommentare zu antworten, statt das anzugehen was wirklich wichtig ist.
...ist kein Alleinherrscher - und ein Zauberer schon gar nicht.
Barack Obama muss sich mit dem Kongress herumschlagen, der sicherlich nicht alle seine Positionen teilt, und er muss sich mit mächtigen Lobbies in seinem Land auseinandersetzen, beides, ohne sie vor den Kopf zu stoßen. Namentlich ist der sog. militärisch-industrielle Komplex, vor dessen wachsendem Einfluss schon Eisenhower - selbst ranghoher Militär und Kriegsheld - gewarnt hatte, ist ähnlich mächtig wie weiland in der UdSSR auch.
Die USA und ihre Verbündeten sind nach wie vor durch Terror bedroht, eingefleischte Amerika-Hasser lassen sich nicht so schnell von ihren Überzeugungen abbringen. Sie aber spielen eher Hardlinern als Vertretern einer zwar nicht weichen, aber menschlicheren Linie in die Hände, wie umgekehrt die harte Linie die Terroristen populärer gemacht hat, als sie schon waren.
Eine massive Bedrohung wie 9/11 hat nun zweierlei Auswirkungen: Einerseits treten innenpolitische Konflikte in den Hintergrund, und man schart sich eher um den Amtsträger, andererseits ist zu erwarten, dass ein harter Kurs mehr Anhänger gewinnt und Besonnenheit schnell als Zaudern interpretiert wird. Mit Bush war damals gerade der Mann an der Macht, von dem eher ein harter Kurs zu erwarten war als von jeder Alternative. Daher konnte er sich eine gewisse anfängliche Besonnenheit (die er schnell aufgegeben hat) eher leisten und gleichwohl eher durch die Anschläge Rückenwind bekommen, als es ein Demokrat an seiner Stelle gekonnt hätte.
Obama übenahm bei seinem Amtsantritt Bushs Erbe mit allen Scherben, die seine Politik hinterlassen hat und die er doch nicht von heute auf morgen um 180° umkehren kann, ein Amerika auf dem Tiefpunkt seines Ansehens und zudem gerade am Anfang einer Wirtschaftskrise.
Wer nun von ihm wirklich bitter enttäuscht ist, kann vorher keinen realistischen Blick gehabt, sondern muss Obama mit Jesus verwechselt oder jedenfalls für eine Art Messias gehalten haben.
Wer Andere neben sich klein macht, ist nie groß.
Johann Gottfried Seume
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