Belletristik Hier kommt keiner raus!Seite 2/2
Es liegt nicht allein an der mangelnden sprachlichen und gedanklichen Beweglichkeit des Hauptschülers Uwe, dass er zugrunde gehen muss. Vor allem ist es sein stoischer und fataler Wunsch, auch von denen geliebt zu werden, die ihm wenig Gutes haben angedeihen lassen. Als er nach seiner Zimmermannslehre die obligatorische Walz angetreten und Rottensol schon weit hinter sich glaubt, lässt er sich in einem schwachen Moment verleiten, seine Mutter anzurufen: Sie beschwört ihn zu kommen, um den todkranken Vater noch einmal zu sehen.
Uwe bricht die Walz ab, kehrt zurück – und nach wenigen Minuten weiß er, dass die Mutter ihn belogen hat. Und vermutlich weiß er spätestens jetzt, dass er ihrem erdrückenden Kreislauf von emotionaler Vernachlässigung und Wiedergutmachung durch Leberkäsesemmeln nicht wird entgehen können. Als schließlich noch sein Versuch scheitert, ein hoffnungslos baufälliges und verschwammtes Haus zu renovieren, um für sich und seine unerfüllte Jugendliebe ein Zuhause zu schaffen, bleibt ihm nur mehr die Flucht in die Illusion, die sich auf grausame Weise bewahrheiten soll: "Dass er allen einen Schritt voraus wäre, dachte er, auf dem Bett sitzend, und lächelte bei dem Gedanken, einer von zwei Junkies in Rottensol zu sein." Weit wird der Schritt nicht sein, der Friedhof ist nur ein paar Meter weiter.
Findeis’ Sprache funktioniert wie ein Brennglas, das Bildern und Szenen eine schmerzhafte Klarheit verleiht. Dadurch, das Findeis seinen Sätzen häufig das Objekt an den Anfang stellt, bekommen die Umstände wie auch die Sprache selbst eine eigentümliche Unausweichlichkeit. Trotzdem gelingt es Findeis, der für einen Ausschnitt aus seinem Roman im vergangenen Jahr mit dem 3sat-Preis ausgezeichnet wurde, seine Geschichte frei von Sentimentalität und Kitsch zu halten. Seine Geschichte über abgestorbene Beziehungen und über das Unheil, das Eltern über ihre Kindern bringen, und dem man schwer entkommen kann. In den Städten mag der Absprung etwas einfacher sein. Und sei es nur deshalb, weil man nicht eine quälend lange Stunde auf den nächsten Bus warten muss.
- Datum 16.07.2009 - 14:05 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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sitzen tagsüber vor ihren Halblitern in der Gastwirtschaft.
So,so!
Auf in die Provinz.
rheinelbe
Ja, genauso isses "in der Provinz". Alles verrotet. Alles Kleingeister. Und in der Stadt leben nur Nazis, gewalttätige Ausländer und Junkies. Moral gibts da keine, genauso wenig wie soziale Wärme. Ist beides so wahr wie "Sakrileg".
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