Tour de France Warum Doping kein Thema ist

Seit mehr als zwei Wochen läuft die Tour de France - bisher ohne einen Dopingfall. Sind plötzlich alle Fahrer sauber?

Ob sich Alberto Contador nur durch einen Biss in die Banane stärkt, ist fraglich

Ob sich Alberto Contador nur durch einen Biss in die Banane stärkt, ist fraglich

Es ist eine neue Erfahrung für Radprofis, dass bei der Tour de France jetzt auch schon auf sie geschossen wird. Am Freitag wurden Oscar Freire und Julian Dean während einer Abfahrt von Kugeln aus einer Luftpistole getroffen, der eine am Oberschenkel, der andere am Daumen. Sie wurden nur leicht verletzt und konnten die Etappe ohne größere Probleme zu Ende fahren. Der Täter wird noch gesucht. Als sicher erscheint aber, dass es sich um eine einzelne Grenzüberschreitung handelt, und als Motiv darf man andere Gründe unterstellen als Unzufriedenheit mit der Tour. Der geht es nämlich wieder besser – ohne dass sich viel geändert hat. Zumindest nicht im Universum Tour, während sich beim Publikum durchaus einiges getan hat.

Neben der Rückkehr von Lance Armstrong ist das große Thema auch dieser Tour natürlich Doping. Beziehungsweise die bisherige Absenz von Dopingfällen, die bei einigen Berichterstattern sogar erkennbare Enttäuschung hervorruft. Sie fragen, wo denn die vier bis sieben vorher angekündigten Fälle mit auffälligen Blutprofilen sind und was überhaupt mit den 50 Fahrern ist, die angeblich unter verschärfter Beobachtung stehen.

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Es gibt mehr Kontrollen als je zuvor, aber der Tour-Veranstalter ASO hat seine Politik der vergangenen Jahre, sich als Vorkämpfer im Anti-Doping-Kampf zu gerieren, als schädlich erkannt und verworfen. Er behandelt das Thema jetzt wieder so wie in all den Jahrzehnten vor den Skandalen der jüngeren Vergangenheit. Das lässt sich auch daran erkennen, dass in diesem Jahr wieder der alles andere als vertrauenswürdige Weltverband UCI die Hoheit über die Dopingkontrollen hat und Armstrongs Team Astana, das im vergangenen Jahr gar nicht mitfahren durfte, skandalöse Sonderrechte einräumt.

Das ist aus Sicht derer, die das Produkt Tour herstellen und verkaufen, richtig. Denn das Publikum hat einen Lernprozess hinter sich, den es zusammen mit dem Radsport gemacht hat. Das Ergebnis ist erstens, dass niemand mehr annimmt, es würde nicht gedopt. Zweitens hat diese Erkenntnis dazu geführt, dass man sich entweder abwendet oder mit seinem Wissen weiterschaut, ohne sich allzu sehr aufzuregen.

Diese Zuschauer sind weniger geworden, zumindest bei ARD und ZDF. Der Spartenkanal Eurosport, der im Gegensatz zu den Öffentlich-Rechtlichen ganze Etappen überträgt, vermeldet hingegen Zuschauergewinne. Hier wird Doping zwar nicht totgeschwiegen, aber nur am Rande erwähnt, während es die Kommentatoren bei ARD und ZDF pflichtschuldig thematisieren (müssen). Doch auch hier hat die Abhandlung des Themas schon etwas Folkloristisches bekommen, und wenn die Tour in Andorra vorbeikommt, erinnern alle an damals und den "legendären" Antritt von Jan Ullrich. Warum auch nicht?

Doping, das merkt man nicht nur bei den Radsport-Übertragungen in diesem Jahr, ist nur noch dann ein wirkliches Skandalthema, wenn eine nationale Ikone wie die Eisschnellläuferin Claudia Pechstein betroffen ist. Es ist eine große Debatte darüber entbrannt, ob die Sportlerin ihre Unschuld selbst beweisen muss. Von den fünf Radprofis, die schon zwei Wochen vor der Tour aufgrund auffälliger Blutwerte sanktioniert wurden, ist kaum die Rede. Dafür gab es im Radsport zu viele Fälle – sie sind normal geworden. Andere Sportarten werden den Radprofis vielleicht noch einmal dafür dankbar sein, dass sie den Zuschauern die Realität vor Augen geführt und sie ihnen vertraut gemacht haben. Sofern das nötig war.

Denn über den periodisch wiederkehrenden Meldungen darüber, was in der Gesellschaft alles konsumiert wird, stehen Überschriften wie "Doping im Job nimmt zu" oder "Jeder Fünfte findet Doping am Arbeitsplatz okay". Der Begriff Doping hat im alltäglichen Sprachgebrauch längst das Wort Medikamentenmissbrauch ersetzt; dabei geht es hier nicht um das schon länger umgangssprachliche Dopen mit Kaffee oder Vitamintabletten, sondern um die systematische Anwendung von Pharmaka durch gesunde Menschen. Und man kann aus vielen Gründen, die hier zu weit führen, annehmen, dass es schon bald "jeder Vierte" und demnächst "jeder Dritte" heißen wird.

Auch mutet es nur auf den ersten Blick absurd an, wenn Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy behauptet, dass die nationale Institution Tour nicht für die Skandale der Vergangenheit verantwortlich gemacht werden könne und ausführt: "Meiner Meinung nach ist die Tour Dopingopfer gewesen und nicht verantwortlich für Doping." Das ist die uralte Argumentation derer, die Teil eines Systems sind und sich trotzdem aus der Mitverantwortung stehlen wollen. Sarkozys Gerede ist bei genauerem Hinsehen aber weniger absurd als vielmehr anachronistisch.

Denn bei dieser Tour geht es in Sachen Doping eigentlich nur um die spezielle Frage, ob Armstrong dabei erwischt wird oder nicht. Andere mögliche Fälle, außer vielleicht noch bei der deutschen Nachwuchshoffnung Tony Martin, würden höchstens ein Achselzucken hervorrufen.

Martin muss – wie viele vor ihm und einem Reflex folgend – als eine der Hoffnungen für einen sogenannten "neuen", sauberen Radsport herhalten. Einen Radsport, in dem Blutpässe, Polizei-Razzien (die es in diesem Jahr bei der Tour nicht mehr gibt) und die Frage nach der Glaubwürdigkeit in den vergangenen Jahren zumindest in Deutschland eine zentrale Rolle in der Berichterstattung eingenommen haben. Aber ist eine solche "Hoffnung" überhaupt noch nötig?

Vor ein paar Tagen überraschten die Meldungen, dass ein neuer deutscher Profirennstall gegründet wird und der Sponsor des letzten aktuell noch verbliebenen deutschen Tour-Teams Milram sich bei einer ersten Zwischenbilanz durchaus zufrieden mit dieser Tour zeigte.
 

 
Leser-Kommentare
  1. 1. Doping

    Der Artikel verdeutlicht schön welche Vorbildfunktion Sport haben kann, wenn auch im negativen, denn es scheint ja wirklich so zu sein, dass durch das systematische Dopen der Sportler und das davor Augenverschließen zu einer steigenden Akzeptanz von Dopen in der Bevölkerung führt und dem Trand zu sagen, na dopen ist doch okay, alle tun es und ich leiste ja so auch mehr.

    Gruß

  2. Wo ist der Artikel:
    Warum Armstrong auf Platz 2 hinter dem erstplatzierten des Gelben Trikots fährt?
    oder
    Die Wissenschaft ist den Prüfverfahren beim Doping immer einen Schritt voraus!
    "Dopen tun nur Deppen", die physischen Auswirkungen auf Erbgut, Hormonhaushalt und die Beschleunigung von Krebs durch Wachstumshormonen, die allen Zellen zum Vorteil werden sind nur begrenzt erforscht, der Rest ist Logik.

  3. Ich frage mich ja vor allem, warum die Tour de France überhaupt beachtet wird.

    Wochenlang drehen magere Männer voll am Rad.

    Wie viel interessanter und spektakulärer bitte sehr sind denn Kitesurfen, Skateboarding, BMX + Co? (Ja, ja, ich weiß, nur bei der BBC gibt's auch coole Leute...)

    • mhmmmm
    • 22.07.2009 um 12:50 Uhr

    Wahrscheinlich wäre es besser komplett alle Ausdauersportarten zu beenden. Ausdauer im Sport ist normalerweise nur ein Teilaspekt, wenn er allerdings wie bei der Tour oder Marathon zur Hauptdisziplin erhoben wird, muss zwangsläufig jeder Teilnehmer dopen....

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    Was für eine Illusion. Beim 50m Freistil braucht man bestimmt keine Ausdauer, aber die Athleten und insbesondere -innen sehen alle aus, als ob sie die Hormonspritze noch im Gesäß stecken haben. Es ist ganz einfach: Wenn Leistung zählt, dann werden auch leistungssteigernde Mittel genommen, egal ob's um Stabhochsprung, Reck oder Radfahren geht. Wenn das nicht rauskommt, dann, weil die Kontrollen lax sind. Je nach Sportart nimmt man andere Mittel - im Fußball z.B. sind Schmerzmittel nützlich, weil die Spieler mit gedämpftem Schmerz aggressiver spielen können. Die werden dann auch genommen, mit den entsprechenden Konsequenzen (Verletzungsrisiko und Suchtgefahr).

    Ich bin der Meinung, man sollte Doping im Spitzensport offiziell zulassen, unter der Voraussetzung, dass die Athleten ihre Maßnahmen offenlegen, und die Gefahren dann auch abschätzbar sind. Armstrong z.B. wäre an seinem Hodenkrebs ja fast gestorben - und dass Doping gerade derartige Erkrankungen stark beschleunigt, das steht außer Frage. Oder Marco Pantani: Der ist schon tot - suchtkrank dank EPO, aber auch dank Depressionen, weil ihm keine Erfolge mehr gelangen.

    Man muss Spitzensportler schon als moderne Gladiatoren verstehen: Zuständig für die Spiele als Volksbelustigung, und auch bereit, für Ruhm und Ehre ein entsprechendes Risiko aufzunehmen.

    Was für eine Illusion. Beim 50m Freistil braucht man bestimmt keine Ausdauer, aber die Athleten und insbesondere -innen sehen alle aus, als ob sie die Hormonspritze noch im Gesäß stecken haben. Es ist ganz einfach: Wenn Leistung zählt, dann werden auch leistungssteigernde Mittel genommen, egal ob's um Stabhochsprung, Reck oder Radfahren geht. Wenn das nicht rauskommt, dann, weil die Kontrollen lax sind. Je nach Sportart nimmt man andere Mittel - im Fußball z.B. sind Schmerzmittel nützlich, weil die Spieler mit gedämpftem Schmerz aggressiver spielen können. Die werden dann auch genommen, mit den entsprechenden Konsequenzen (Verletzungsrisiko und Suchtgefahr).

    Ich bin der Meinung, man sollte Doping im Spitzensport offiziell zulassen, unter der Voraussetzung, dass die Athleten ihre Maßnahmen offenlegen, und die Gefahren dann auch abschätzbar sind. Armstrong z.B. wäre an seinem Hodenkrebs ja fast gestorben - und dass Doping gerade derartige Erkrankungen stark beschleunigt, das steht außer Frage. Oder Marco Pantani: Der ist schon tot - suchtkrank dank EPO, aber auch dank Depressionen, weil ihm keine Erfolge mehr gelangen.

    Man muss Spitzensportler schon als moderne Gladiatoren verstehen: Zuständig für die Spiele als Volksbelustigung, und auch bereit, für Ruhm und Ehre ein entsprechendes Risiko aufzunehmen.

  4. Was für eine Illusion. Beim 50m Freistil braucht man bestimmt keine Ausdauer, aber die Athleten und insbesondere -innen sehen alle aus, als ob sie die Hormonspritze noch im Gesäß stecken haben. Es ist ganz einfach: Wenn Leistung zählt, dann werden auch leistungssteigernde Mittel genommen, egal ob's um Stabhochsprung, Reck oder Radfahren geht. Wenn das nicht rauskommt, dann, weil die Kontrollen lax sind. Je nach Sportart nimmt man andere Mittel - im Fußball z.B. sind Schmerzmittel nützlich, weil die Spieler mit gedämpftem Schmerz aggressiver spielen können. Die werden dann auch genommen, mit den entsprechenden Konsequenzen (Verletzungsrisiko und Suchtgefahr).

    Ich bin der Meinung, man sollte Doping im Spitzensport offiziell zulassen, unter der Voraussetzung, dass die Athleten ihre Maßnahmen offenlegen, und die Gefahren dann auch abschätzbar sind. Armstrong z.B. wäre an seinem Hodenkrebs ja fast gestorben - und dass Doping gerade derartige Erkrankungen stark beschleunigt, das steht außer Frage. Oder Marco Pantani: Der ist schon tot - suchtkrank dank EPO, aber auch dank Depressionen, weil ihm keine Erfolge mehr gelangen.

    Man muss Spitzensportler schon als moderne Gladiatoren verstehen: Zuständig für die Spiele als Volksbelustigung, und auch bereit, für Ruhm und Ehre ein entsprechendes Risiko aufzunehmen.

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    • mhmmmm
    • 22.07.2009 um 17:58 Uhr

    Doping zu legalisieren käme Mord gleich. Schließlich sind die Athleten selbst häufig so fokussiert, dass sie kaum noch selbstreflektieren können und so den Funktionären völlig ausgeliefert sind.
    Uns ja, ausdauer benötigt man gerade auch bei 50m Freistil oder 100m Sprint um die Muskeln die ganze Zeit auf 100% laufen zu lassen, was sonst selbst bei Kurzstecken nicht möglich ist.
    Was ich eigentlich damit meinte war, das bei Sport die Technik und das Können im Fordergrund stehn sollte und nicht die pure körperliche Leistungsfähigkeit. Bei solchen Sportarten steht Doping zu Leistungssteigerung nicht mehr in so einem krassen Verhältnis und ist dann auch nicht mehr zwingend notwendig.
    Wird dann jemand aber doch beim Dopen erwischt bin ich für Lebenslange Strafen. So setzt man das Risiko im Vergleich zum Gewinn so krass an, dass nur noch die Dümmsten dopen.

    Ich bin der Meinung, man sollte Doping im Spitzensport offiziell zulassen, unter der Voraussetzung, dass die Athleten ihre Maßnahmen offenlegen, und die Gefahren dann auch abschätzbar sind.

    Unsinn! Wer Dopingmittel nimmt, tut dies, um sich einen Leistungsvorteil zu verschaffen und nicht, um seinen Sport auszüben zu können. Jeder kann mit zugegeben etwas mehr Training als normal eine Tour de France fahren. Fragt sich halt nur, wie schnell er das kann. Und wenn alle dopen dürfen, muss halt mehr gedopt werden, um sich einen Leistungsvorteil gegenüber anderen zu verschaffen. Und das würde zu noch mehr Opfern führen.

    Die Freigabe des Dopings wäre Kapitulation. Im Prinzip haben wir schon die Freigabe, nur wissen das die Wenigsten. Es gibt Grenzwerte. Und an die wird sich herangedopt. Auffällig war und ist, dass bei neuen Grenzwerten die "gut" gedopten immer genau unterhalb dieser Grenzwerte lagen und die "schlecht" gedopten erwischt werden und wurden.

    Beim Radsport gelten andere Grenzwerte als beim Triathlon. Und komischerweise liegen alle Sportler, egal welcher Sportart, immer knapp unter den jweiligen Grenzwerten der jeweiligen Sportart.

    • mhmmmm
    • 22.07.2009 um 17:58 Uhr

    Doping zu legalisieren käme Mord gleich. Schließlich sind die Athleten selbst häufig so fokussiert, dass sie kaum noch selbstreflektieren können und so den Funktionären völlig ausgeliefert sind.
    Uns ja, ausdauer benötigt man gerade auch bei 50m Freistil oder 100m Sprint um die Muskeln die ganze Zeit auf 100% laufen zu lassen, was sonst selbst bei Kurzstecken nicht möglich ist.
    Was ich eigentlich damit meinte war, das bei Sport die Technik und das Können im Fordergrund stehn sollte und nicht die pure körperliche Leistungsfähigkeit. Bei solchen Sportarten steht Doping zu Leistungssteigerung nicht mehr in so einem krassen Verhältnis und ist dann auch nicht mehr zwingend notwendig.
    Wird dann jemand aber doch beim Dopen erwischt bin ich für Lebenslange Strafen. So setzt man das Risiko im Vergleich zum Gewinn so krass an, dass nur noch die Dümmsten dopen.

    Ich bin der Meinung, man sollte Doping im Spitzensport offiziell zulassen, unter der Voraussetzung, dass die Athleten ihre Maßnahmen offenlegen, und die Gefahren dann auch abschätzbar sind.

    Unsinn! Wer Dopingmittel nimmt, tut dies, um sich einen Leistungsvorteil zu verschaffen und nicht, um seinen Sport auszüben zu können. Jeder kann mit zugegeben etwas mehr Training als normal eine Tour de France fahren. Fragt sich halt nur, wie schnell er das kann. Und wenn alle dopen dürfen, muss halt mehr gedopt werden, um sich einen Leistungsvorteil gegenüber anderen zu verschaffen. Und das würde zu noch mehr Opfern führen.

    Die Freigabe des Dopings wäre Kapitulation. Im Prinzip haben wir schon die Freigabe, nur wissen das die Wenigsten. Es gibt Grenzwerte. Und an die wird sich herangedopt. Auffällig war und ist, dass bei neuen Grenzwerten die "gut" gedopten immer genau unterhalb dieser Grenzwerte lagen und die "schlecht" gedopten erwischt werden und wurden.

    Beim Radsport gelten andere Grenzwerte als beim Triathlon. Und komischerweise liegen alle Sportler, egal welcher Sportart, immer knapp unter den jweiligen Grenzwerten der jeweiligen Sportart.

  5. nicht so viel von den Sportlern verlangen. Diese ganze Rekordhascherei entbehrt doch jeglicher Realität und jeglichem Spaß am Sport. Ständig müssen alle höher, weiter, schneller sein, als andere. Was soll das? Wo bleibt da der Spaß, die Erfüllung?

    Immer mit Zahlen im Hinterkopf zu leben, muss doch schlimm sein. "Mensch, heute habe ich die 200 km leider nur in 6 h geschafft, ich bin so schlecht". Gehts noch?

    Es wundert mich nicht, dass Sportler dopen, wenn die Leute so unmenschliche Leistungen von ihnen verlangen. Die Zuschauer wollen es doch so, warum beschweren sie sich dann über Doping?

    Die Sportler müssen für das Couchpotato-Dasein der Zuschauer herhalten, die so tun, als hätten sie diese Leistung erbracht, zumindest bilden sie sich das ein.

    Ich fahre selbst Rennrad und bin über meine 3-4 mal wöchentlich gefahrenen dreistündigen Fahrten völlig zufrieden, egal, ob ich 30 km oder 90 km schaffe. Der Weg ist das Ziel, das Gefühl, die Freiheit, die Natur. Nicht die Zahl auf dem Tacho.

  6. '"Jeder Fünfte findet Doping am Arbeitsplatz okay". ... Und man kann aus vielen Gründen, die hier zu weit führen, annehmen, dass es schon bald "jeder Vierte" und demnächst "jeder Dritte" heißen wird.'

    WAS?! ein fünftel, ein viertel, demnächst vielleicht ein drittel der deutschen bevölkerung nimmt psycho- und ergopharmaka? NUR? da muss sofort der kampf gegen cannabis erheblich intensiviert werden. - sonst haben wir (steuerzahler) in ein paar jahren die pharmaindustrie ähnlich am hals hängen, wie heute die autoindustrie.

  7. Wahrscheinlich wird immer noch gedopt. Aber den meisten interessierten Zuschauern dürfte inzwischen die Widersprüchlichkeit der Berichterstatter aufgefallen sein.

    Kein Interesse? Die Streckenbilder zeigen etwas anderes. Objektivität? Lieber fallen die Journalisten und Reporter wie ein tollwütiger Mob über "verdächtige" Fahrer her.

    Transparenz? Der Kampf gegen Doping ist schon lange zum Objekt der Laborexperten geworden. Sind die Labors unfehlbar? Sind die statistischen Modelle korrekt? Die Finanzwelt erhält derzeit ihre Lehrstunde in Statistik. Die deutsche Polizei verfolgte bis vor einigen Monaten unbeirrt ein Phantom.

    Redlichkeit? Die gleichen Reporter und politischen Würdenträger, die sich jahrelang im Glanz eines Jan Ulrich und einer Claudia Pechstein gesonnt haben, fallen nun über die Athleten her. Jahrelang hat sich niemand gefragt, wie ein Athlet mit Asthma die Berge hochfahren kann.

    Gleichbehandlung? Im Fußball herrschen andere Gesetze. Dort spielen anscheinend nur Heilige, deren Verletzungen mit Spontanheilung und Handauflegen in kürzester Zeit kuriert werden. Der Gewichtheber Matthias Steiner wird sogar in der Apotheker-Zeitung als Diabetes-Patient vorgestellt.

    Konsequent? Kein Land ist so konsequent wie Deutschland, wenn es gilt Sportler jahrelang zu umhätscheln um sie dann in den tiefsten Abgrund zu stoßen.

    Vorbildlich? Unvergessen ist die widerliche Pressekonferenz bei der Erik Zabel und andere Radsportler nach sozilistischem Vorbild zu öffentlicher Selbstkritik gezwungen wurden. Die öffentliche Vorführung war würdelos und mit einem Rechtstaat unvereinbar.

    Doping soll hier nicht schöngeredet werden. Aber die Journalisten, die erst mit der vergötternden Verklärung und dann mit der reißerischen Verdammung ihr Zeilengeld verdienen, sind keinesfalls besser als die Dopingsünder.

    Vielleicht sind es diese Widersprüche, weshalb viele Zuschauer lieber Eurosport sehen. Den opportunistischen Zeitgeistjournalismus aus der ersten und zweiten Reihe haben viele Leute einfach satt.

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