Afghanistan Wahl ohne Wähler am HindukuschSeite 2/2

Zugleich haben Vereinte Nationen und Karsai-Regierung die Taliban und ihre Anhänger zur Teilnahme an der Wahl eingeladen. Was paradox klingt, ist in Wahrheit der Versuch, möglichst wenig Gewalt im Vorfeld des Urnengangs zu provozieren. Der erste Monat Wahlkampf verlief vergleichsweise unblutig. Eine Garantie für die kommenden vier Wochen ist das nicht. Auf dem Papier sind dies die ersten Wahlen, die die afghanischen Behörden selbst organisieren. Bei den letzten Urnengängen führten noch die Vereinten Nationen Regie. Allerdings merken internationale Beobachter an, dies sei nicht mehr als "ein gehöriges Feigenblatt". Tatsächlich, so heißt es, sei die afghanische Wahlkommission vollkommen überfordert und unverändert auf logistische Hilfe angewiesen, etwa um Wahlurnen und Unterlagen in die entfernten Provinzen zu befördern.

Die Geberländer sind es auch, die mit mehr als 200 Millionen Dollar das Gros des Wahlbudgets stellen. "Wer der Zahlmeister ist, der hat auch die Macht", besagt ein afghanisches Sprichwort. Der Vorsitzende der afghanischen Wahlkommission, Azizullah Lodin, gilt zudem als ein ausgemachter Parteigänger Karsais. Er und seine Behörde werden für zahlreiche Manipulationen in den vergangenen Wochen verantwortlich gemacht.

So sind in einigen der paschtunischen Distrikte dreimal so viel weibliche Wähler registriert wie tatsächlich dort leben. Die Fefa klagt, Karsai nutze ungeniert staatliche Dienste und den Apparat von Provinzregierungen für seine Kampagne, während er dies allen anderen Kandidaten per Dekret untersagt habe. Karsais Poster sind omnipräsent an Hauswänden landesweit. Im Fernsehen hat er ein klares Übergewicht bei der Sendezeit.

Zweifelhaft ist auch die Rolle der unabhängigen Beschwerdekommission ECC, die aus Afghanen und Ausländern zusammengesetzt ist. "Wir haben im Vorfeld 56 Kandidaten für die Provinzwahl ausgeschlossen und zwei Bewerber unter den Präsidentschaftskandidaten", sagt Grant Kippen stolz. Faktisch aber bleibt seine Organisation ein zahnloser Tiger, denn jene Kandidaten, die unverändert über bewaffnete Milizen verfügen und wegen Menschenrechtsverstößen eigentlich nicht teilnehmen dürften, bleiben unbelangt. So trägt die internationale Gemeinschaft Mitschuld an einem System, das diejenigen hoffähig macht und amnestiert, die tatsächlich Blut an den Händen haben.

 
Leser-Kommentare
  1. Afghanistan ist ein Land, das unter Clans aufgeteilt war und ist , die jeweils ihren eigenen Gewinn mit wenig Skrupeln rücksichtslos verfolgen. Nachdem es zur Interessensphäre von Großmächten geworden ist, haben sich diese Clans durch jeweilige Bündnisse ihre Machtpositionen absichern können. Die momentane Regierung wird als offenkundige Marionette von den Menschen nicht als Autorität wahrgenommen und so wird niemand sein Leben aufs Spiel setzen wollen, nur um den von den Besatzern so gerne gewünschten Schein zu wahren.
    Die beteiligten Großmächte haben es jetzt in der Hand, den Menschen den Spielraum zu verschaffen, der die für Wahlen existentiell ist und von dem in diesem Land nur empfindliche Setzlinge existieren, die ein Stiefel jederzeit zertreten kann.
    Das würde bedeuten, das Spiel um Vormachtstellungen endlich aufzugeben. Die Glaubwürdigkeit eines Einsatz würde dabei erheblich gewinnen. Sie ringt momentan vergeblich nach Luft.

  2. von Taxifahrern...
    Diese komische Gang kontrolliert mittlerweile 80 Prozent von Afghanistan. Deren Teilhabe an der nächsten Regierung ist der Plan und nicht irgend eine fixe Idee von einem demokratischen Afghanistan. Es sind doch nicht "die Taliban" sondern unzählige Gruppen von bewaffnete Milizen deren Führer versuchen sich genau wie die Taliban zu bereichern. Die Wahlen in A-Stan überhaupt in die Nähe einer demokratischen Aktion zu reden ist lächerlich. Res non semper, spes mihi semper adest, aber manch mal stirbt eben erst die Hoffnung und dann der Mensch.

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