Sport
Wenn meine Oma das kann ...
Zwei Münchner Studenten animieren alte Menschen zum Computerspielen, mit der "Wii Sports Bowling-Seniorenmeisterschaft". Sehr zur Freude der Teilnehmer
Es dauert einige Zeit, bis die acht Bewohner des Kölner Seniorenhauses Rosenpark so sitzen, dass Markus Deindl und Josef Kiener genug Rangierraum für diejenigen haben, die im Rollstuhl kommen. Die Senioren sind skeptisch, sagen Sätze wie: "Ich weiß nicht, wie das geht." Ob sie wissen, dass sie gleich virtuelles Bowling spielen? Sicher, Betreuer Simon Pietzsch hat es ihnen erzählt. Doch einige sind dement, wirken so in sich gekehrt, dass nicht klar ist, ob sie sich dessen tatsächlich bewusst sind. Daher haben Deindl und Kiener zehn rote Kegel vor die Wand gestellt und am Boden mit Klebstreifen eine Bahn errichtet, sozusagen den digitalen Wettkampf visualisiert.
"Wenn das meine Oma kann, können das auch andere", sagte sich Markus Deindl Weihnachten 2007. Eigentlich wollte er mit seinem Bruder Bowling auf Nintendos Wohnzimmerkonsole Wii spielen, doch schnell weckte die körperliche Bewegung vor dem Bildschirm bei der Großmutter Neugier und schon war es passiert: Es kam zum gemeinsamen Wettkampf.
Wenige Zeit später schlug Deindl seinem Studienfreund Josef Kiener vor, daraus ein Projekt mit älteren Menschen zu machen. Kiener war sofort begeistert: "In meinen Augen wird die ältere Generation viel zu sehr vernachlässigt", sagt er. Und die Veranstaltung wecke Teamgeist, sie führe dazu, dass die Mitspieler untereinander mehr Kontakte knüpften. Immerhin suggeriere dies auch der Name der Konsole: Wii ist aus dem englischen "we" für "wir" abgeleitet.
Also initiierten die beiden Pädagogikstudenten der Uni München die "Wii Sports Bowling-Seniorenmeisterschaft". Durch 60 Senioreneinrichtungen zogen sie damit 2008. Die Resonanz war so positiv, dass die Veranstaltung in diesem Jahr zum zweiten Mal stattfindet. Der Startschuss fiel am vergangenen Dienstag in Köln. Berlin, Hamburg und München folgen im August oder September.
Zur Einführung stellen Deindl und Kiener sich erst einmal persönlich vor und erzählen, wie sie auf die Idee gekommen sind, in Altenheimen mit den Bewohnern Bowling auf der Wii zu spielen. Aber verstehen die Anwesenden überhaupt die Technik? "Es funktioniert ganz einfach mit einer Schwungbewegung. Dieser Knopf muss gedrückt werden, als würde man die Kugel halten", erläutert Kiener die Handhabung des Spiels.
Dann geht es los. Klara Kalker, eine zierliche 79-jährige Dame, ist als Erste an der Reihe. Ihr gelingt, was Jüngere aus ihrem Bekanntenkreis nur allzu gut kennen: Jemand, der noch nie einen Controller in der Hand gehalten hat, räumt ohne Vorwarnung alle zehn Kegel auf einmal ab. Ein Strike! Die Leute im Raum klatschen. Das müsse Frau Kalker "jetzt noch fünf Mal machen", sagt Kiener. "Ja, mach ich", antwortet sie und tut es auch. Frau Kalker wird am Ende als strahlende Siegerin aus dem Raum gehen, mit insgesamt 178 Punkten.
Lieselotte Sauer, die früher des Öfteren gekegelt hat, wie sie erzählt, gelingt es nicht ganz so gut. Die 90-Jährige hat am Ende jedoch immerhin 82 Punkte auf ihrer Urkunde zu stehen. Für sie ein voller Erfolg: "Ich bin sehr dankbar. Die jungen Leute geben sich viel Mühe mit uns Alten. Ich schätze das sehr."
Hat Kiener erreicht, was er wollte? Ja. Doch wollen er und sein Kommilitone nicht nur mit den Alten spielen. Ihre Erfahrungen sollen auch andere nutzen können. Die beiden angehenden Sozialpädagogen haben die Bowling-Seniorenmeisterschaft im Rahmen eines Praxissemesters zum Thema Erlebnispädagogik ins Leben gerufen. Deindl und Kiener befragen daher die Senioren nach dem Spiel: Wie hat es ihnen gefallen? Hatten sie Hemmungen? Verursachten die Bewegungen Schmerzen? Die Auswertungen sollen in ihre gemeinsame Abschlussarbeit einfließen.
Schon jetzt hat ihr Projekt weite Kreise gezogen: "Wir bekommen deutschlandweit von Einrichtungen Anfragen", sagt Kiener und Deindl fügt hinzu, dass sich manche Altersheime nach einem TV-Bericht oder einem Zeitungsartikel über sie eine Wii-Konsole zugelegt hätten. Doch ganz so einfach sei das auch nicht. Es genüge nicht, erzählen sie, das Gerät irgendwo hinzustellen.
Es brauche viel Geduld und Erklärungen, damit die Alten auch Spaß daran hätten. "Die Mitarbeiter im Haus haben ein ganz anderes Verhältnis zu den Senioren und auch die Senioren zu den Mitarbeitern. Da rastet eher mal einer aus, als das bei uns der Fall ist. Wenn wir, die Leute aus München, kommen, dann sind die Senioren viel geduldiger, auch wenn es nicht gleich auf Anhieb klappt", sagt Kiener. Auch der Eventcharakter sei wichtig, der Wettkampf miteinander, die Urkunden.
Sie empfehlen den Heimen, sich ehrenamtliche Helfer zu suchen, die mit den Bewohnern spielen. Oder sich wirklich Zeit für den Sport zu nehmen. Dann sei der Erfolg deutlich zu spüren. In Köln zumindest war er das. Die Mitspieler kamen aus ihrer Lethargie heraus, sie hatten einfach Spaß.
Die nächsten Termine der Wii Sports Bowling-Seniorenmeisterschaft 2009: Köln: 21. bis 23. Juli, Hamburg: 10. bis 14. August, Berlin: 24. bis 28. August, München: 7. bis 11. September
- Datum 31.8.2009 - 15:48 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Ich finde es wirklich schön, was die Beiden da machen oder gemacht haben.
Allerdings stellt es der Artikel so dar, als ob die Idee von denen stammt, und das ist nicht wahr.
In den USA fand schon vor zwei Jahren in einer Altersheim-Kette namens Erickson die erste "Erickson Sports' Nintendo Wii Bowling Championship" statt:
http://www.youtube.com/wa...
...mit unseren Politikern machen!
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