HRE-Untersuchungsausschuss Ackermann muss sich erklären
Haben deutsche Finanzhäuser von der HRE-Rettung auf Kosten des Steuerzahlers profitiert? Der Untersuchungsausschuss befragt heute den Chef der Deutschen Bank
Josef Ackermann taugt vielen als prima Feindbild. Kritiker des Deutsche-Bank-Chefs sehen in ihm wahlweise den Börsenzocker, der mit Milliarden hantiert, oder den gierigen Manager, der Millionen absahnt und dazu grinsend das Victory-Zeichen formt. Oder, das ist neu, den eiskalten Lobbyisten, der lieber den Steuerzahler auspresst, als in seine eigene Kasse zu greifen.
So soll es geschehen sein bei der Rettung der Pleitebank Hypo Real Estate (HRE) im Herbst 2008 durch Bund und Banken: Ackermann, findet die Opposition, soll als Chef-Emissär der Finanzbranche dem Bund alle Lasten der HRE-Rettung aufgedrückt haben. "Die deutschen Banken haben die schwache Verhandlungsposition des Staates ausgenutzt", sagte Gerhard Schick, finanzpolitischer Sprecher der Grünen, am Montag in Berlin. "Der Staat ist als Moderator angereist und hat bei seiner Abreise das gesamte Problem im Rucksack gehabt", findet Volker Wissing von der FDP.
Details über die Verhandlungen sollen diese Woche ans Licht kommen. Als prominentester Banker soll Ackermann an diesem Dienstag vor dem HRE-Untersuchungsausschuss aussagen. Auch Commerzbank-Chef Martin Blessing und der neue HRE-Leiter Axel Wieandt werden gehört, dazu die Spitzen der Bundesbank und der Finanzaufsicht Bafin, Axel Weber und Jochen Sanio. Alles dreht sich um die Frage: War die Belastung des Steuerzahlers mit Milliarden-Garantien vermeidbar? War die Pleite absehbar? Haben die Bafin und das Bundesfinanzministerium die Alarmzeichen übersehen?
Treffen will die Opposition, die den Ausschuss beantragt hat, natürlich nicht Ackermann und Co. – sondern Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) und dessen Staatssekretär Jörg Asmussen. Sie müssen Mitte August aussagen. Beiden wollen Grüne, FDP und Linkspartei kurz vor der Bundestagswahl eine Mitschuld an dem HRE-Desaster anlasten. Der Abschlussbericht des Ausschusses erscheint sieben Tage vor dem Urnengang.
Asmussen verhandelte mit Ackermann und Blessing an zwei dramatischen Wochenenden die Rettung der HRE. Mit dem Ergebnis, dass der Staat umfangreiche Garantien übernahm – bis heute sind es 87 Milliarden Euro. Für die Opposition ist die Sache klar: "Asmussen ist zu spät und unvorbereitet in das Rettungswochenende reingestolpert", befand Wissing.
Eine "ganz schlechte Art der Rettung" sei die Aktion zudem, weil der Staat sich keine Anteile an der HRE gesichert habe, ergänzte Grünen-Mann Schick. Die Regierungskoalition hält dagegen. Dies gehe rechtlich gar nicht, sagt Nina Hauer (SPD), die ebenfalls im Untersuchungsausschuss sitzt. Asmussen sei "schlau vorgegangen", erklärte sie. "Mehr war nicht drin" angesichts der verschärften Krise.
Auch zu der Frage, ob der Finanzcrash und die HRE-Pleite vorhersehbar waren, wird Ackermann sich äußern müssen. Hauer zufolge sei der Kreditmarkt damals "binnen Stunden" eingetrocknet, nachdem die USA Lehman Brothers hätten fallen lassen. Deshalb habe die Bank kein Geld mehr bekommen. Die Opposition sieht das anders. "Ein Mythos" sei der Verweis auf Lehman, befindet Schick. Schon lange vorher sei absehbar gewesen, dass die Finanzkrise die Geldbranche durchschütteln würde. Und dass sich die HRE in einer gefährlichen Schieflage befand. "Der Staat hätte vorbereitet sein müssen."
- Datum 28.07.2009 - 11:51 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
- Kommentare 5
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:




Haben deutsche Finanzhäuser von der HRE-Rettung auf Kosten des Steuerzahlers profitiert?
Das ist eine rhetorische Frage, oder???
Muss wohl. Es gibt Geier, die von allem profitieren, vor allem aber von dem Ungeschick anderer Leute.
Wird Zeit, dass dieses Pack endlich mal für das, was es bewusst und mit voller Absicht verbockt, auch strafrechtlich belangt wird und nicht mit Samthandschuhen angepackt wird - wieso muss man denen das Geld hinterherschmeißen, für das der durchschnittliche Steuerzahler hart arbeitet? Hat man denn völlig vergessen, wer in diesem Land eigentlich "Werte schafft"? Wenn hier WIRKLICH das Prinzip Leistung gelten würde, wie Pseudo-Liberale gern immer wieder dreist behaupten... Na, wo die Leiter der deutschen Finanzhäuser dann wohl wären?
(Übrigens widerlich, dass in Deutschland die Deutungshoheit über den Begriff "liberal" eine menschenverachtende Finanzeliten-Vereinigung, die "Partei der Besserverdiener", ist...)
Ich wäre dafür, das Prinzip "Leistung" mal wieder wirklich ernst zu nehmen...
Muss wohl. Es gibt Geier, die von allem profitieren, vor allem aber von dem Ungeschick anderer Leute.
Wird Zeit, dass dieses Pack endlich mal für das, was es bewusst und mit voller Absicht verbockt, auch strafrechtlich belangt wird und nicht mit Samthandschuhen angepackt wird - wieso muss man denen das Geld hinterherschmeißen, für das der durchschnittliche Steuerzahler hart arbeitet? Hat man denn völlig vergessen, wer in diesem Land eigentlich "Werte schafft"? Wenn hier WIRKLICH das Prinzip Leistung gelten würde, wie Pseudo-Liberale gern immer wieder dreist behaupten... Na, wo die Leiter der deutschen Finanzhäuser dann wohl wären?
(Übrigens widerlich, dass in Deutschland die Deutungshoheit über den Begriff "liberal" eine menschenverachtende Finanzeliten-Vereinigung, die "Partei der Besserverdiener", ist...)
Ich wäre dafür, das Prinzip "Leistung" mal wieder wirklich ernst zu nehmen...
auf S. 11:
http://www.bundestag.de/a...
Muss wohl. Es gibt Geier, die von allem profitieren, vor allem aber von dem Ungeschick anderer Leute.
Wird Zeit, dass dieses Pack endlich mal für das, was es bewusst und mit voller Absicht verbockt, auch strafrechtlich belangt wird und nicht mit Samthandschuhen angepackt wird - wieso muss man denen das Geld hinterherschmeißen, für das der durchschnittliche Steuerzahler hart arbeitet? Hat man denn völlig vergessen, wer in diesem Land eigentlich "Werte schafft"? Wenn hier WIRKLICH das Prinzip Leistung gelten würde, wie Pseudo-Liberale gern immer wieder dreist behaupten... Na, wo die Leiter der deutschen Finanzhäuser dann wohl wären?
(Übrigens widerlich, dass in Deutschland die Deutungshoheit über den Begriff "liberal" eine menschenverachtende Finanzeliten-Vereinigung, die "Partei der Besserverdiener", ist...)
Ich wäre dafür, das Prinzip "Leistung" mal wieder wirklich ernst zu nehmen...
Danke für Ihren Beitrag, dem ich mich gut anschließen kann. Leistung wird als Phrase fast überall hoch gehalten. Leider halten sich daran am wenigsten diejenigen die das am lautesten rufen. Die Bereiche die immer noch ständisch organisiert sind wie die Ärzte, Rechtsanwälte, usw. wehren sich erfolgreich gegen jede wirkliche Liberalisierung. Die Finanzindustrie ist nun als neue Ologarchie hinzugetreten. Too big too fail, bedeutet doch nichts anderes als sich einen Freifahrtsschein zu sichern. Es wird Zeit das hier ehrlich ordnungspolitisch durchgegriffen wird.
Ich empfehle den Artikel
"The Quiet Coup" von Simon Johnson (ehemalige IMF Chefökonom)
http://www.theatlantic.co...
Danke für Ihren Beitrag, dem ich mich gut anschließen kann. Leistung wird als Phrase fast überall hoch gehalten. Leider halten sich daran am wenigsten diejenigen die das am lautesten rufen. Die Bereiche die immer noch ständisch organisiert sind wie die Ärzte, Rechtsanwälte, usw. wehren sich erfolgreich gegen jede wirkliche Liberalisierung. Die Finanzindustrie ist nun als neue Ologarchie hinzugetreten. Too big too fail, bedeutet doch nichts anderes als sich einen Freifahrtsschein zu sichern. Es wird Zeit das hier ehrlich ordnungspolitisch durchgegriffen wird.
Ich empfehle den Artikel
"The Quiet Coup" von Simon Johnson (ehemalige IMF Chefökonom)
http://www.theatlantic.co...
in der Geschichte, dass die "Deutsche Bank" eine solche Gelegenheit ausgelassen haette.
Sehr amuesant.
Danke für Ihren Beitrag, dem ich mich gut anschließen kann. Leistung wird als Phrase fast überall hoch gehalten. Leider halten sich daran am wenigsten diejenigen die das am lautesten rufen. Die Bereiche die immer noch ständisch organisiert sind wie die Ärzte, Rechtsanwälte, usw. wehren sich erfolgreich gegen jede wirkliche Liberalisierung. Die Finanzindustrie ist nun als neue Ologarchie hinzugetreten. Too big too fail, bedeutet doch nichts anderes als sich einen Freifahrtsschein zu sichern. Es wird Zeit das hier ehrlich ordnungspolitisch durchgegriffen wird.
Ich empfehle den Artikel
"The Quiet Coup" von Simon Johnson (ehemalige IMF Chefökonom)
http://www.theatlantic.co...
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren