Die deutsche Vertretung des American Jewish Committee (AJC) stellt Strafanzeige gegen den Online-Buchhändler Amazon. Er habe "volksverhetzende, strafbare Schriften" mit rechtsextremen und antisemitischen Inhalten auf seinen Internetseiten vertrieben. Wie ein Mitarbeiter des AJC am Donnerstag in Berlin mitteilte, wird die Anzeige der Staatsanwaltschaft München voraussichtlich am Freitag zugestellt.

Bei einer Stichprobe Mitte Juli dieses Jahres hatte das AJC auf den deutschen Seiten von Amazon rund 60 "volksverhetzende Bücher" ausfindig gemacht. Auf entsprechende Hinweise hätte der Versandhändler nicht oder nur unzureichend reagiert. Die Bücher seien vor allem von Antiquariaten und Privatpersonen, aber auch von Amazon selbst vertrieben worden.

Unter den Schriften, die nun zu der Anzeige geführt haben, habe sich auch der sogenannte "Rudolf-Report" befunden, hieß es weiter. Darin behauptet der deutsche Rechtsextremist Germar Rudolf, dass im Konzentrationslager Auschwitz niemals Gefangene mit Gas getötet worden seien. Im Jahr 2007 wurde Rudolf wegen Leugnung des Holocaust zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt.

Nach Angaben des AJC warb Amazon im Internet sogar gezielt für Bücher mit volksverhetzendem Inhalt. Demnach hätte das Unternehmen mindestens seit Februar 2008 Anzeigen für den "Rudolf-Report" bei der Onlinesuchmaschine Google geschaltet. Zudem seien bei Amazon zahlreiche Schriften des NPD-Verlags Deutsche Stimme aufgetaucht. Die seien aber nicht strafrechtlich relevant.

Der Text erschien im Tagesspiegel vom 24. Juli