Honda machte es vor, nun folgt BMW-Sauber und verlässt als zweiter Rennstall innerhalb eines Jahres die Formel 1. "Wir haben gestern entschieden, wir richten unser Motorsport-Engagement neu aus. Die BMW-Group wird ihr Engagement in der Formel 1 mit Ablauf der Saison 2009 beenden", sagte der Vorstandsvorsitzende Norbert Reithofer in einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz im BMW-Hochhaus in München.

Grund für den Ausstieg sei ein interner Strategiewechsel. Die Erfolglosigkeit in dieser Saison, in der BMW eigentlich um den Titel fahren wollte, soll den Ausschlag für die Entscheidung des Vorstandes gegeben haben. Die Marke will sich aber nicht ganz aus dem Motorsport zurückziehen. BMW ist auch in der Tourenwagen-Weltmeisterschaft aktiv.

Mit Bedauern reagierte der Internationale Automobilverband auf die BMW-Ankündigung. Gleichzeitig fühlte sich der Verband bestätigt: "Es war seit einiger Zeit klar, dass der Motorsport die weltweite ökonomische Krise nicht ignorieren kann", teilte die Fia in einer Presseerklärung mit. Fia-Präsident Max Mosley hatte zur Kosteneindämmung eine Obergrenze für die Budgets der Teams einführen wollen.

Das BMW-Sauber-Team feierte im März 2006 sein Debüt in der Formel 1. BMW hatte im Jahr zuvor die Übernahme des damaligen Schweizer Sauber-Teams bekannt gegeben. Den bislang einzigen Sieg feierte BMW-Sauber durch den Polen Robert Kubica am 8. Juni 2008 im kanadischen Montréal. Zweiter Fahrer ist der Mönchengladbacher Nick Heidfeld. Vor der Gründung des Werkteams hatte BMW von 2000 an Williams mit Motoren beliefert.

Die Zukunft der beiden Piloten ist noch ungewiss. Theoretisch könnte Peter Sauber den Rennstall übernehmen, der noch 20 Prozent an dem Team hält. BMW hatte bei seinem Rennstall 2005 die Mehrheit übernommen. Allerdings müsste Sauber sich einen neuen Motorenlieferanten suchen.

Von der Entscheidung seines Partners zeigte sich Sauber überrascht. Er werde alles in seiner Macht stehende versuchen, "eine Lösung zu finden, die den Fortbestand des Teams am Standort Hinwil in irgendeiner Form ermöglicht", hieß es in einer Mitteilung. Allzuviel Hoffnung machte er jedoch nicht: "Die Ausgangslage dazu ist sehr schwierig."

Für das BMW-Sauber-Team arbeiten rund 700 Menschen. In welchem Umfang es zu einem Stellenabbau in München oder Hinwil kommt, stehe derzeit noch nicht fest. Entwicklungsvorstand Klaus Draeger sagte: "Da wir diese Entscheidung erst gestern getroffen haben, können wir noch nichts Genaueres mitteilen."

Dass BMW die Entscheidung mitten in der Saison bekanntgab, dürfte vor allem mit dem neuen Concorde Agreement (Regelvertrag) zusammenhängen. Die lange umstrittene Verfassung soll in dieser Woche unterzeichnet werden. Laut des Regelvertrages sollen sich die Teams unter anderem bis 2012 an die Formel 1 binden. Im Vorfeld hatte die Rennstall-Vereinigung Fota damit gedroht, eine Konkurrenz-Rennserie aufzubauen.